MW WM

Die von Gründingm.

Wvman von Freiherr von Schlicht.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

-Sie wollten mir die Gründe nennen, Komtesse, die Sie zu dem Befehl veranlaßten, ich solle das Schloß ver­lassen."

Auch jetzt war er der UeLerle-gene: Anstatt daß sie, wie sie es sich fest vorgenommen hatte, ihm alle Anklagen ins Gesicht schleuderte, ihn kränkte und beleidigte, galt es jetzt nur noch, seine Frage zu beantworten. Mochte sie auch alles sagen, was sie auf dem Herzen hatte es würde doch nicht mehr denselben Eindruck auf ihn machen, als wenn sie alles aus sich selbst heraus gesagt hätte.

Und nun, da sie seine Frage beantworten sollte, wurde sie plötzlich schwankend, ob sie auch alles sagen könne. Durfte sie überhaupt gestehen, daß sie seine Werbung be­merkt, daß sie seinen Wunsch, sie zu gewinnen, schon lange erraten hatte--? Konnte sie ihm sagen, sie dächte nicht

daran, ihn je zu erhören? Durfte sie von alledem sprechen, bevor er nicht selbst davon anfing?

Was dann, wenn er, um nicht als Besiegter dazustehen, einfach alles ableugnete! Wenn er ihr erklärte: sie müsse seine Worte, seine Blicke ganz falsch aufgefaßt haben; er dächte ebensowenig au sie, wie sie an ihn? Daß jedes seiner Worte dann eine Lüge sein würde, wußte sie ja genau aber sie hatte dann keine Möglichkeit mehr, das zu beweisen.

Ich bin wirklich sehr begierig, Komtesse."

Dagmar schwieg noch immer. Sie wußte nicht, wie sie beginnen sollte.

Darf ich Ihnen etwas behilflich sein, Komtesse?" fragte er nach einer kleinen Pause.Auch ohne daß Sie es mir mitteilen, weiß ich ja, was Sie mir sagen möchten. Und ich fühle es Ihnen nach, daß die Worte nicht so recht über Ihre Lippen wollen, denn es ist ja immer Unangenehm, einem anderen und auch sich' selbst einge­stehen zu müssen, daß man sich irrte."

Sie sah' ihn mit zornblitzenden Augen an:Was wollen Sie damit sagen?"

Nicht viel nur: daß Sie die Begriffe Haß Und Liebe miteinander verwechseln. Sie schicken mich nicht fort, weil Sie mich hassen, sondern weil Sie mich lieben."

Sie war aufgesprungen. jeder Mutstropfen war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie zitterte und bebte vor Empörung am ganzen Körper.

Vergebens suchte sie nach' einem Wort der Beleidtgung, das sie thm ins Gesicht schleudern konnte.

'Und wie er dasaß! Den Blick fest auf sie gerichtet, jede ihrer Bewegungen verfolgend! Für ihn stand doch

jetzt alles auf dem Spiel die nächsten Minuten mußten die Entscheidung bringen. Aber die Ruhe verließ ihn auch jetzt nicht, nicht einmal das Lächeln war von seinen Lippen geschwunden.

Sie hatte nur den einen Wunsch, ihn tödlich zu be­leidigen, ihm ihre grenzenlose Verachtung zu beweisen!

O tote ich Sie hasse!"

Es war alles, was sie auch jetzt wieder herausstoßen konnte.

Aber auch jetzt blieb er ruhig.Sie hatten die große Liebenswürdigkeit, mir das bereits einmal zu erklären. Und ich machte Sie schon einmal darauf aufmerksam, daß Sie die Begriffe Liebe und Haß miteinander verwechseln. Ich könnte mir ja eigentlich die Mühe ersparen, Ihnen den Beweis dafür zu erbringen aber ich halte es dennoch für meine Pflicht; denn es handelt sich nicht nur um mein, sondern auch um Ihr Lebensglück."

Sie lachte spöttisch und mit unsagbarer Verachtung auf:Halten Sie es wirklich für ein solches Glück, Ihre Frau zu werden? Ich danke jedenfalls dafür und vor allen Dingen auch für die große Ehre, die Gattin eines Reitlehrers zu werden, Ihre Gattin! Denn das wäre für mich alles andere nur keine Ehre das wäre für mich eine Erniedrigung und eine Schmach!, So, nun wissen Sie. es, und jetzt"

Aber mit einem erschrockenen Aufschrei hielt sie plötz­lich inne und starrte ihn an: er saß da, als hätte er einen Schlag ins Gesicht bekommen. Seine Wangen glühten dunkelrot, seine Augen funkelten in wahnsinnigem Zorn; mit seinen starken Händen umklammerte er den Tisch, um sich dadurch zu zwingen, nicht aufzuspringen, nicht auf sie losznstürzen.

Jetzt hatte sie das richtige Wort endlich' gefunden, ihn auf den Tod gekränkt und beleidigt. Aber in das Gefühl der Freude mischte sich plötzlich die Angst sie wollte aufschreien und um Hilfe rufen, aber die Furcht schnürte ihr die Kehle zusammen.

Fort, fort! Sie hatte nur den einen Gedanken. Und langsam nähert» sie sich der Tür.

Da sprang er in die Höhe, und sie taumelte vor seinem wutentstellten Gesicht zurück:Lassen Sie mich gehen."

Nicht eher, als bis Sie die Worte zurückgenommen haben, Komtesse!" ,

Sie fühlte, wie sie blaß wurde. Aber trotzdem sagte sie mit fester Stimme:Niemals."

Doch, Komtesse."

Sie gewann ihren Mut zurück:Geben Ste es endlich endlich auf, Herr Baron, immer mit diesemdoch" zu prahlen! Es macht auf mich wirklich keinen Eindruck Und abermals wandte sie sich zur Tür.

Aber er kam ihr zuvor.

Wollen Sie mich etwa einschließen?"