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zusetzt 1631 nichts übrig zu bleiben, als um des Glaubens willen ihre Heimat zu verlassen. Da kam als Retter in höchster Not der Schwedenkönig Gustav Adolf. Nach dein Sieg bei Breiten­feld floh Tilly nach Süddeutschland, der Abt und die Tillyschep Bedränger in Schlitz flohen mit.

Die vertriebenen Pfarrer, voran der Schützer erste Pfarrer Schellenberg, kehrten zurück. Noch einmal, 1635, wurde Schellenberg von Fulda aus Vertrieben, aber aus Furcht vor der Pest zogen die Kuraten wieder ab und Schellenberg kehrte zurück. Er starb 1638, nachdem die Pest int Schlitzerland über 1100 Menschen in kurzer Zeit hingerafft hatte, in Schlitz allein au 800, an einem Tage ost 24 Menschen. 1636 auf 1637 folgte eine Hungersnot, in der man Eichelbrot, Frösche und Aas pom Schindanger und viele Hungers starben. Dann folgten. Plünderung auf Plünderung durch Kaiserliche und Hessen-Kasseler, so daß auch das Schlitzer Land bereits 1638 einer Wüste glich, wovon die Gerichtsjunker nach Kassel berichten, daßvon fernerem Wohnen oder Haushalten im Gericht Schlitz kein Gedanke mehr sehn kann".

Es ist das große Verdienst des Freiherrn Friedrich Wil­helm von Schlitz, des Kammerpräsidenten des Herzogs von Braunschweig und nachmaligen fkurfürsten von Hannover (1647 bis 17281 in unermüdlicher Fürsorge wieder erträgliche Zustände geschaffen zu haben und durch Anlegung von Flurkarten und Lagebüchern die Waldungen und den bäuerlichen Grundbesitz neu geregelt zu haben. Er wurde von Kaiser Karl VI. in den Graf en st and erhoben.

1732 zogen die Salzburger Emigranten, diese um ihres evangelischen Glaubens willen Vertriebene auch durch das Ried- eselische und Schlitzerland.

Schwere Zeiten durch fortgesetzte Einquartierung, Bedrückung Und Aussaugung des Landes brachte auch der siebenjährige Krieg, besonders in den Jahren 1759 bis 1762. Nach Aufzeichnungen des damals lebenden Pfarrers Schröder in Hartershausen waren teils von Franzosen, teils von Alliierten in jener Zeit allein in S chlitz einquartiert: 60 Generäle, 453 Stabsoffiziere, 6861 Offi­ziere, 1108 Unteroffiziere, 116 613 Gemeine, 11196 Bediente, 27 273 Mann Kavallerie nnd 4526 Jäger, zusammen 163 750 Männ! Damals gingen die Franzosen mit dem Plan um, die Fulda von Hersfeld bis Fulda schiffbar zu machen, woran die Schleußenwälle bei Hemmen heute noch erinnern.

Neue Heimsuchungen brachten die Napoleonischen Kriege, besonders 18131815. Die Durchzüge der Trümmer der französischen Armee aus Rußland und der folgenden Russen brachten neue Kontributionen, dazu Typhus und Vichpest, die ganze Ställe ausleerte. Seit 1806 gehört das Schlitzerland zunr Großherzogtum Hessen.

Nachdem die ehrwürdige Schlitzer Kirche nach dem 30jührigen Krieg durch die westliche Verbrüderung ihre hentige Gestalt und 1807 die heutigen Fenster erhalten hatte, wurde sie 1880 bis 1882 durch Professor Ritgen auf Veranlassung d.es kunstsinnigen Grafen Earl von den mannigfachen Verunstaltungen der Jahr­hunderte befreit und in ihrer heutigen Gestalt hergestellt. Dessen Sohn ist der jetzige Graf Emil Friedrich, gleich seinem Vater Kommendator des Johaniterordens, ferner Präsident der Ersten Kammer, der Freund des Kaisers. Er wandte sich der Kunst (Bildhauerei! zu und war jahrelang Direktor der Großtz. Kunst­schule in Weimar und ist Großh. Sächsischer Professor honoris causa. Zur 1100jährigen Jubelfeier hat er das Tympanon in den Bogen des Westportals gefertigt und dieses, sowie die neue Tür gestiftet.

Werfen wir zum Schluß einen Blick ans das ehrwürdige @'0^631)^113, das die Spuren aller Jahrhunderte von 812 bis 1912 an sich trägt, so sieht man, von der Vorderburg heraufsteigeud, zuerst die N o r d s e i t e. Der älteste Teil ist der zwischen Chor nnd Turm, bezw. dem Treppentürmchen, in dem sich das gotische Fenster befindet. Hier beachte Man die 3 Quaderschichten, von denen _bie unterste wahrscheinlich von 812 noch stammt. Aus vornassauischer Zeit sind Apsis-Chor, Seiten-Kapellen und Turnt, dessen zugemauerte romanischen Fenster von innen noch sichtbar sind. Man beachte die Apriola und Kreuzfenster. Die Täfel 1658 zeigt die Stelle, wo einst die 1880 abgebrochene Schwedengruft war. Dieses Gewölbe, 1658 von Hans Chri­stoph von Görtz als Vorraum zu seiner Gruft unter der Sakristei (früher Seitenkapelle mit Kreuzaltar) erbaut, erhielt 1719 den Namen Schwedengruft nach dem dort beigesetzten schwedischen Minister Georg Heinrich von Görtz. Das neugotische Fenster in der Sakristei ist 1880 eingesetzt. Der Treppenturm ist (trotz der Jahreszahl 1596, da die Türe versetzt ist!) nebst der westlichen Mauer nach 1650 .erbaut. Man bemerke die verschiedenen zugemauerten Fenster der Renaissance- und Barockzeit.

Vor dem prächtigen We st Port al aus der romanischen Ueber- tzangszeit (1250) stehend, beachte man die senkrechten Maner­risse links und rechts des Portals. Sie zeigen die ursprüngliche romanische Breite des Westschiffs an. Treten wir in die Kirche, so erblicken wir 4 gewaltige Pfeiler, auf denen der Turin ruht, der ursprünglich Westtnrm sein sollte, aber durch die fast gleichzeitige W e stv e rlä n ger u n g in die Mitte gerückt wurde.

(Der romanische Tachansatz ist auf dem Kirchenboden zu sehen.) Die diese Pfeiler yer6iitbeitbett Bögen saßen ursprünglich auf der unteren, noch sichtbaren, Kämpserhöhe und wurden erst 1712 und 1713 hinaufgesetzt. An dem vorderen Pfeiler, gegenüber dem Südportal, ist ein altes W eihwasferbecken eingemauert. Bor dem Chor sicht ein edelgeformter gotischer T a u s st e i n von 1467. Daneben ist Idie Stelle, wo die Fundamente der altert Pfeiler der Basilika ausgegraben wurden. Hier ist also der älteste Teil. Das Chorquadrat trägt ein romanisches Kreuzgewölbe/ dessen Rippen auf zierlichen romanischen Säulen mit Blatt- knospenkapitel und Schäftungen ruhen. Rechts blicken wir in die Gräfliche Gruftkapelle, wo einst der von den Herren von Schlitz gestiftete Barbaraaltar stand, links geht es in die Sakristei (Kreuzaltar Apriola und einem Schrank mit 2 gestickten Meßgewändern aus gotischer Zeit). In der Grustkapelle sind die Grabmale des I o Hann V o l p r e ch t, t 1677 und seiner Kinder, des schwedischen Ministers und die Kopie des ältesten Grabsteins! von 1179, über der Gruft das des Wilhelm Balthasar/ f 1631, in der Tlpsis das des Hans von Görtz, f 1585, links das des Friedrich von Görtz, f 1560 und über der Sakristeitur das des Georg von Schachten, t 1582. Von den übrigen ist das älteste das in der Ecke Beim! Westportal mit den beiden Wappen Görtz itnb Edersberg von 1489. Treten wir durch das Südportal hinaus, so stehen wir unter einer Vorhalle mit spätgotischem Sterngewölbe, den Wappen Klüppel, Görtz und! Völkershausen nnd der Inschrift:Dönges fast dem got genade. Rechts am Quader ist die Inschrift:In dem Jar da man zelte MCCCCC suens j a v". Der südliche Treppenturm mit dem Wappen von Schachten ist 1598 erbaut. Aus der Plattform, 1699 über einer Gruft erbaut, stand eine Halle, die Kapelle genannt. Sie würde 1880 entfernt, um das prächtige früh!- gotische Fenster freizulegen.

VerMLschLes.

* Die polizeilich beglaubigte Unterschrift des Polizeiprafekten. Der Pariser Vertreter desDaily Chronicle" hat jüngst einen amüsanten Zusammenstoß mit dem französischen Bureaukratismus gehabt. 'Er ivar so glücklich, eine Benachrichtigung zu erhalten, daß 3 Franks und 25 Centimes auf dem Postamte 'für ihn zur Auszahlung bereit lägen. Sporn­streichs eilte er dorthin, um dies Riesenvermögen in Empfang zu nehmen. Doch der Beamte verlangte zunächst eine Legitimation. Papiere hatte der Journalist nicht bei sich. Und so zeigte er denn sein Passepartout, das ihm der Polizeipräfekt Lepine ausgestellt hatte. Der Postbeamte sah das Passepartout aufmerksam durch und gab es dem Journalisten dann mit den Worten zurück'.Das nutzt mir gar nichts."Wie! Sehen Sie denn nicht, daß der Polizeipräfekt Ldpine eigenhändig unterschrieben hat?" wagte der Journalist einzuwenden. Daraufhin maß ihn der pflichtgetreue Beamte von oben bis unten, nnd sprach dann mit einer, Ruhe und Gelassenheit, wie sie eben nur ein Beamter besitzen kann:Mein Herr! Wenn eine Unterschrift des Herrn Ldpinefür uns" gültig sein soll, dann muß sie erst vom zuständigen Polizeikom­missare amtlich beglaubigt werden." Der Journalist verrät nicht, ob er diesen Weg weiterverfolgt hat, um zu seinem Gelde zu! kommen. Aber, daß die Unterschrift des Polizeipräsidenten noch vom zuständigen Polizeikommissare beglaubigt werden muß, das ist selbst in Berlin nicht nötig.

Bilderrätsel.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: c.

1. Sb6- d5 Sb4 X Sd5

2. Dgl d4f Ke5 X Dd4

3. 8 e 7 c 6 matt

A.

1. L g 6 e4

2. Tg8 g5f L e 4 f 5 3. Dgl e 3 matt.

D.

S b 4 c 6

1.

wenn 2, L g 6 e 4 3. De3 XLe4 matt.

2. Dgl e 3 f nsw. Andere Varianten ähnlich.

1.- Te6 X Se7

2. Dgl e3 f Ke4f 4

3. Lg2 h3 matt.

Redaktion: K. N e u rath. Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Laiige, Gießen,