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Alle stimmten ihm lebhaft und von Herzen bei. Ms ob es Möglich wäre, daß m!an sich mit eine-nr so netten, feinen Manne nicht vertrüge! Zu keinem tdt er stolz. Mit allen stand er schon am Schlüsse des Abends auf „Tu". Die ganze Verwandtschaft war Feuer und Flamm« für ihn. Beim Abschiede versprach er allen, sie in den nächstem Tagen zu besuchen. '
Dem wollte mans schon so gut wie möglich machen, mochte es auch eine Gans oder ein Hähnchen kosten. So ein Mil- lionär war gewöhnt, fein zu essen und zu trinken, wenn ers die andern auch nicht merken ließ.
Tenn überall, wohin er kam, aß und trank er tüchtig. Er lobte Fleisch und Wurst, den Wein, den Kuchen. Sogar die Zigarren, die man im Wirtshaus geholt hatte, — es waren Zehner, bessere gabs nicht ■— waren ihm recht. Und doch wußte man aus Zeitungen und Büchern, daß die feinen Herren nur „Havanna" rauchten.
Nein, hoffärtig war er nicht! Er trug gewöhnlich ein ein? faches Hausröckchen. Am zweiten Tage erzählte er, daß seine! Schuhe bald besohlt und seine Kleider ausgebügelt werden müßten. Er habe das in letzter Zeit nicht können besorgen lassen, da et! stets fern der Heimat nach einer günstigen Gelegenheit gesucht habe, um seinen Plan zu einer Bergwerksunternehmung möglichst rasch zu verwirklichen und 'bald heiraten zu können. Tie Bäurin erbot sich, Kleider und Schuhe in Ordnung bringen zu lassen — so gut mans auf dem Dorfe könnte. Ter Millionär war damit einverstanden. Der junge Bauer, der zukünftige Schwager, half ihn mit seiner Sonntagsgarderobe zwischendurch aus.
Am dritten Tage ging man in Feld und Wald, um die Boden- beschaffenheit zu prüfen. Man hatte Hacke und Spaten mitgenom-- men und machte überall Einschläge. Tann nahm der Millionär jedesmal eine Probe der Erde in seine Finger und zerbröckelte sie, indem er sie genau befühlte, betrachtete und auch manchmal beroch. Und einmal, da er wieder gerochen hatte, da erhellten sich seine Gesichtszüge. „Das ist ja großartig! Das Terrain hier ist über Erwarten günstig. Hier lassen sich ja die wertvollsten Metalle aus dem Boden ziehen", berichtete er staunend den Lauschenden,
Diese rochen dann auch an der Erde. Aber ihre Nasen merkten überhaupt nichts, wo der Millionär die wertvollsten Metalle herausgerochen hatte.
Nur einmal auf der Wanderung hatte er sich geirrt. Es war im Walde. Ta war die Erde an einer Stelle viel schwärzer, und er hatte festgestellt, daß hier Eisenerze int Boden ruhten. Darüber hatte der Bauer besser Bescheid gewußt; denn noch in seiner Jugend hatte hier ein Köhler Holzkohlen gebrannt, und die schwarze Erde rührte von der Asche her. Aber solch rnensch- licher Irrtum kann bei den gescheitesten Menschen mal vou- kommen!
Ta gabs nun wieder ‘eine erneute, noch größere Aufregung und Glückseligkeit bei der ganzen Gevatterschaft, als man oerp nahm, daß der Millionenbräutigam sein großes Bergwerk in der Gemarkung graben wollte und daß der „liebe, nette Mensch" allen Verwandten riesige Vorteile daraus verschaffen werde. Nun würde man bald keine mittleren Bauern mehr fein. Jetzt brauchte man sich von den großen Bauern nicht mehr von oben herab „Gilten Tag!" sagen zu lassen. Denen würden ja auch bald die Aecker abgekauft.
In ein paar Wochen schon sollten die Instrumente zur gesi naueu Untersuchung da sein, und dann sollte alles rasch vorwärts gehen. Tenn — so hatte der Millionär immer wieder gesagt — „das abgelegene Dörfchen ist für einen Unternehmungslustigen sehr günstiges Terrain".
Tie ganze Sippschaft wär von einem Freudenrausch erfaßt, der sie tagelang nicht zur Besinnung kommen ließ.
In dieser Zeit trug man der Bäurin' zu, der Pfarrer habe gemeint, er werde sich freuen, wenn die Sache mit dem Millionär ein gutes Ende nähme. Wer da gabs ein Gescheite auf den Geistlichen, der nur aus purem Neide so rede. Der solle sein Maul halten. Der wollei nur nicht sehen, daß andere Leute auch vornehm würden. ।
Und das ganze Dorf ergriff aus innerer Ueberzeuguug Partei gegen den Pfarrer. Man war in den Romanheften, die man im Winter las, doch schon so manchem Hochstapler begegnet; aber das war stets ein raffinierter _ Kerl, der recht vornehm und stolz tat. Doch der Millionär, mit beut Mans hier zu tun hatte, war die Einfachheit selbst. Von Stolz keine Spur! Ja, da sah man wieder, daß wirklich vornehme Leute nicht stolz sind.
Mer da waren die! Beckersch und deren ganze Gevatterschaft/ denen das Glück so plötzlich in den Schoß gefallen war, die wußten' nicht mehr vor Hochmut, wie hoch sie den Kopf halten sollten und ob sie andere Leute noch! ansetzen sollten. Wenn, der alte Bauer besoffen war, da redete er nur noch von Weckern, die den ap-- der» abgekaust werden sollten. Den „Beckersch" ward ihr Glück nicht gegönnt. ;
Am schlimmsten triebens die „Weibsleut". Tie jüngere Schwester der Millionenbraut war am Sontag nachmittag mit ihrem Schwager in ihrem besten Kleide spazieren gegangen: an einem gewöhnlichen Sonntagnachmittage hatte sie das Kleid getragen, das sie ,sonst nur an den höchsten Feiertagen in die Kirche anzog.
Und so stolz tat sie! Ws eine Freundin in! bsc Tämmeü-
stunde zu ihr gekommen luafr, um zu fragen, ob sie am Abenjd mit in die Spinnstube ginge, da war sie über und über rot ge< worden und hatte geantwortet, sie ginge überhaupt nicht mehr in die Spinnstube, die sei ihr zu dumm. Sie hatte sich nur geschämt, weil der vornehme, reiche Schwager noch in der Stube war.
Es war allerdings auch ein jäher Wechsel der Bilder gewesen, die Anna in der Phantasie sah. Erst hatte sie mit dem Schwager allein dagesessen, und der hatte ihr von seinen vornehmen Bekannten erzählt, mit denen er Anna bekannt machen wolle. Daß sie jenen gefalle, das sei bei ihrer Schönheit sicher« Dazu hatte der galante Schwager das Mädchen gestreichelt, gep liebkost und schließlich auch geküßt. Das hatte sie zuerst nicht zulasien wollen. Tas gehöre sich unter Berschwägerten nicht. Aber als er ihr klar gemacht hatte, daß dies in den Kreisen, in! die er sie einführen werde, Sitte sei, da hatte sie sich ruhig die Zärtlichkeiten des schönen Schwagers gefallen lassen, während er für sie goldene Zukunftspläne schmiedete. Und gerade da war die Freundin gekommen und Hatte von Spiunstube gesprochen.
Als der Bräutigam schon eine Woche da war und der Sonntag wieder nahte, da sprach ihm die Bäurin davon, man wolle Emma schreiben, sie solle am Sonntag kommen. Tann solle sich das Brautpaar Arm in Arm dem Dorfe zeigen.
Der Bräutigam machte zuerst Einwendungen: man wisse mcht, ob es seiner Braut passe. Aber da ward ihm versichert, es, passe der Emma gartj, gewiß; und wenn es der Herrschaft, be: her sie in Stellung sei, nicht recht fe!i, so brauche einem jetzt auch nichts mehr daran zju liegen. Da erklärte sich der Millionär nach einiger Ue'berlegung ganz und gar mit allem einverstanden. Er habe schon mehrmals daran gedacht, daß Emma ihre Stetz- llmg einfach verlassen solle. Sie sei zu gut zum Dienstmädchen. Nun wolle er selbst in die Stadt .fahren und sie am SomsiiaU für immer nach Hause zu bringen.
Damit waren alle einverstanden. Am Freitag sollte der Bräutigam fahren.
Am Donnerstag hatte dieser bann noch eine wichtige Unterredung mit den zukünftigen Schwiegereltern. Er erklärte, baß er von seiner Braut kein Vermögen beanspruche; sie fei selbst ein unbezahlbarer Schatz. Aber da er schon am Samstag an den Stauf des „Möblemangs" gehen wollte, so müßten sie sich darüber Müssig Werben, ob sie da Gelb beisteuern wollten. Daß bie Schwiegereltern die ganze Ausstattung kauften, wünschte er überhaupt nicht. Tie koste manchen Tausendmarkschein. Aber viel-- lercht wollten sie eine runbe Summe beisteuern.
Ten Bauersleuten leuchtete es ein, daß sie einen Teil der Ausstattung zahlen müßten. Der Schwiegersohn sollte nicht meinen, er heirate ein Bettler kind.
Tie Verwandten halfen in Eile, eine „runbe Summe" zusammen zu bringen, und als der Millionär abfuhr, ward er nicht nur von den Glück- und Segenswünschen der neuen Verwandtschaft, sondern auch von der runden Summe von 1OOO Mark begleitet.
Man sah ihn nie wieder. Nur sein Hausröckchen hatte er zuruckgelassen — als Andenken.
, Als das Brautpaar am Sonntag nicht eintraf, fragte mart bet Emma an, wie das gekommen fei.
Tas Schreiben, das man zurückerhielt, versetzte alle in höchstes Staunen und Entsetzen. Emma antwortete, sie verstehe kein Wort aus dem erhaltenen Briefe, n>ie man dazu tarne, bei ihr von Bräutigam zu sprechen....
Am andern Tage fuhr der Bauer in bie Si,abt. Da ward ihm nach unb nach klar, baß er einem Spitzbuben in bie Hände: gefallen sei. Emma hatte einmal einen Herrn gekannt, ber ben Beschreibung nach dem „Millionär" ähnlich war. Jener hatte sich sehr für ihre Heimat interessiert. Er hatte sich als Reisender ausgegeben.
Ten Leuten im Dorfe sagte man von ber schlimmen Wevz- düng nichts. Man suchte möglichst über die ganze Sache zu schweigen; und wenn jemand zudringlich warb, bann erzählte man, Emma habe geschrieben, sie sei zum Heiraten noch zu jung. Sie wolle noch nicht als Braut vor bemselben Altar stehen, vor dem fie vor drei Jahren als Konfirmandin gekniet habe.
Aber die Mückenbacher Wußten allmählich, welcher Art der Millionenbräutigam gewesen sei und der ^pott begann zu erwachen.
Bald darauf ließ ber Bauer seine Tochter EmuA für immer nach Hause kommen. Er wollte sie nicht länger unter den „stäbtischen Spitzbuben" lassen. Als biesc Rückkunft Emmas ohne Bräutigam im Torfe bekannt war, da war auch aus bem einstigen großen Neibe noch ein größerer Spott geworben.
Wenn das verschüchterte Mädchen sich einmal der Torfsjugend anschloß, mochte kein Bursch zu ihr freundlich fein, und sie mußte spitze Reden über „Millionenbräute" hören.
Nach Jahren, Wenns beim jungen Volke besonders lustig zuging, hörte man es auch 'nach der Melodie von „Trinke mer noch e Dreppche. . ." fingen:
:,: „Arm iS alle Welt, arm is alle Welt, Nur die Milljonebraut hat Geld!
O Susanna. . ,"


