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Dir von Gründingrn.

Roman von Freiherr von Schlicht, Machdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Graf wußte immer noch nicht, was er zu dieser Metamorphose seines Jungen sagen sollte, und so fragte er denn schließlich:Aber in einer Hinsicht bist du doch noch der Alte geblieben, Hans du bist doch noch immer Verliebt?"

Der machte eine abwehrende Bewegung:Um Gottes willen, Papa, schweig mir nur von diesen ewigen Lieb­schaften die sind einfach ekelhaft."

Um Gottes willen, Hans, du wirst doch nicht"

Der Graf hatte die Lehne seines Stuhls umklammert und sah seinen Sohn ganz erschrocken an. Er wollte sagen: Du wirst doch nicht etwa fortan ohne Liebe leben wollen? Aber er hielt das doch nicht für passend er mußte seine Autorität als Vater wahren. So sagte er denn:Du wirst doch nicht etwa krank sein, Hans, ohne daß du es selbst weißt? Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Auch ich war einmal jung, und wenn ich mir auch das Zeugnis ausstellen kann, daß ich niemals aber auch wirklich nie­mals! auch nur annähernd ein so leichtsinniger Schlingel war, wie du"

Hatte Hans ihn wirklich angeblinzelt oder kam es dem Grafen nur so vor? Auf jeden Fall wurde er etwas verwirrt und konnte so lange er seinem Sohn in die Augen sah, nicht weitersprechen.

Ach, bitte sieh doch mal zum Fenster hinaus da liegt das Glas du kannst ja die ganze Landstraße übersehen, ich erwarte mit Ungeduld den Postboten"

Und als Hans ihm den Rücken zudrehte, fuhr der Graf fort:Nein, Hans, so leichtsinnig, wie du, war ich nie. :Aber, was ich eigentlich sagen wollte: ich kenne diese lieber« sättigung an Frauen, Spiel, Trinken und Bummeln--

ich sagte es schon vorhin, ich habe in keiner Weise auch nur annähernd so extravagiert, wie du, und deshalb lag dann auch meistens bei mir ein gewisses körperliches Un­behagen diesem Gefühl des Ekels, das mich zuweilen erfaßte, zugrunde. Das wird bei dir erst recht der Fall sein, wir wollen einmal mit dem Arzt sprechen. Ich bin besorgt um dich obgleich manches, was du sagst, mich natürlich sehr erfreut. In erster Linie, daß du dem Jeu abgeschworen hast, . wie oft habe ich dich nicht früher darum gebeten denn auch ich habe gespielt und war erst glücklich, als ich die Karten für immer in die Ecke warf."

Bis dahin hatte Hans, seinem Vater den Rücken kehrend, zum Fenster hinausgesehen. Jetzt wandte er sich um, das Glas vor den Augen haltend, und besah sich seinen Vater mit der größten Aufmerksamkeit--

Der Gras wußte nicht, was er dazu sagen sollte: war es nur ein übermütiger Scherz oder Ungezogenheit? Er

war sich selbst während seiner langen Strafpredigt ein paarmal ganz komisch vorgekommen wie mußte er da erst seinem Sohne erscheinen, der ihn und seine Jugendsttetche genau kannte!

War das die ganze Antwort von Hans, daß der ihn wie ein Weltwunder durchs Opernglas betrachtete?

Noch bevor der Graf etwas sagen oder fragen konnte, hatte Hans sich wieder umgedreht und sah zum Fenster hinaus.

Ich habe mir nur das Glas eben besser eingestellt, Papa." <

Das habe ich mir gleich gedacht warum hättest du auch sonst wohl mich angesehen?"

Gewiß Papa."

Und nach einer Pause fragte er:Bist du nun fertig?" Warum meinst du das?"

Ich möchte das Glas gern fortlegen die Augen und die Arme tun mir weh und der Postbote kommt ja doch nicht der war ja schon da"

Ach ja, richtig das hatte ich ganz'vergessen. Armer Junge, da hast du deine Augen ganz umsonst anstrengen müssen."

Na, es war ja nicht so schlimm, Papa. Und außer­dem geht es mir in dieser Hinsicht genau wie dir: Wenn ich jemand grob werden muß, dann kann ich ihn auch nicht dabei ansehen. Einem jungen Rekruten sage ich natür­lich die Wahrheit ins Gesicht; aber wenn ich mir 'mal einen alten Unteroffizier vorbinde, der sich im heiligen Diensteifer dazu hinreißen ließ, die Kerls etwas unvor- schriftsmäßig anzufassen, dann mache ichs ebenso wie du nur gerade umgekehrt. Dann lasse ich den Unteroffizier nicht zum Fenster hinaussehen, sondern sehe selbst hinaus und spreche dann über die Schulter hinweg zu ihm."

Hans komm her, es nützt ja doch alles nichts du bist und bleibst mein Sohn!" rief der Gras ganz glücklich und zog seinen Jungen an sich. Er wußte, daß der mit der gleichen Liebe an ihm hing, wie er an dem Jungen, und so saßen sie denn auch jetzt in -einem langen Gespräch beisammen. Aber von Zeit zu Zeit stand der Graf auf und ging ein paarmal durchs Zimmer. Das tat er aber nur, um jedesmal, ehe er sich wieder hinsetzte, seinem Sohne die Wangen oder das Haar streicheln zu können.

Aber Papa," sagte Hans dann verlegen.

Doch der Graf achtete nicht darauf; wie ost hatte er nicht in früheren Jahren den Jungen aus den Schoß ge­nommen, obgleich der schon ein ganz großer Bengel war, und sich alles von ihm erzählen lassen, was er auf dem Herzen hatte. Das waren seine schönsten Stunden ge­wesen, wenn er so ganz allein mit ihm zusammen war. Auf den Schoß nehmen konnte er den langen Leutnant ja nicht mehr er selbst hätte es gerne noch getan, aber derHerr Leutnant" hätte wohl Widerspruch dagegen er­hoben. Aber wenn er ihm nicht einmal mehr die Wangen streicheln sollte, die noch nicht die Spur eines Bartes zeigteNt