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Karts um-her. Tabei sprach! er in einebr fort mit leiser, eindringlicher (Stimme auf jenen ein, aber, ich verstand doch die Worte: „Flußgebiet der Maas" und zweimal: „Berlin". Sein Mügeladjutant wollte mtf uns zu schreiten, aber der Kaiser wehrte ihn ab und winkte uns heran.
„Hat der Brigadier Gerard schon das Ehrenkreuz!?" fragte er:
Ich verneinte und war eben im Begriffe, hinzuzufügen, daß nicht etwa Mangel an Würdigkeit in mir daran schuld sei, als er mir in seiner eirtschiedenen Weise das Wort abschnitt.
„Und Sie, Major?"
„Nein, Sire!"
„So soll Ihnen beiden jetzt Gelegenheit dazu werden."
Er führte uns an die große Landkarte und tippte mit Berthiers Degen auf Reims. „Messieurs, ich will offen mit Ihnen reden, wie mit ein paar Kameraden. Sie sind doch beide seit Marengo bei mir gewesen?" Jenes bestrickende Lächeln, dessen er fähig sein konnte, überflog seine blassen Züge tvie kalter Sonnenschein. „Heute der 14. März; hier Reims und unser Hauptquartier. Sehr wohl! Hier, gute 2'5 Wegstunden entfernt, Paris. Blücher liegt im Süden, Schwarzenberg im Norden." Ter Degen spazierte mit auf und ab. „Je weiter diese! Leute in Frankreich eindringen, desto vollständiger werden wir sie zermalmen. Sie rücken auf Paris zu? Nun gut: recht so! Mein Bruder, der König von Spanien, erwartet sie daselbst mit 100 000 Mann. Zu ihm will ich Sie schicken; Sie überbringen ihm! diesen Brief, und zwar erhalt jeder ein Exemplar davon. Er wird darin in Kenntnis gesetzt, daß ich nach zwei Tagen mit meuter ganzen Armee zu ihm! stoßen werde; 48 Stunden Rast muß ich ihr gönnen, dann auf, nach Paris! Verstanden, Messieurs?"
Ah,, was war aus mir geworden! Ter Vertraute dieses großen Mannes ! Ich kannte mich nicht vor Stolz. Und als er mir jetzt den Brief einhändigte, klirrte ich mit den Sporen, warf das Haupt zurück, lächelte und itickte zum Zeichen, daß ich mir über seine Pläne vollkommen klar war. Auch er lächelte und legte dabei seine ,Hand eine Sekunda lang auf meine »Schulter. Stätte ich doch auf der Stelle die Hälfte meines rückständigen Soldes hingegeben, wenn meine Mutter mich jetzt hätte sehen können!
Er wendete sich mieber der Karte zu. „Nun tvill ich Ihnen Ihren Weg zeigen. Bis Bazoches reiten Sie zusammen. Tann trennen Sie sich. Der eine reitet über Oulchh und Neuilly nach Paris, der andere über Braine, Soissons und Senlis. Haben Sie etwas zu bemerken, Brigadier Gerard?"
Wenn ich auch ein rauher Kriegswann bin, so schlummert doch in mir .eine Fülle von Worten und Gedanken; bald war ich im schönsten Zuge, meinen glühenden Gefühlen für Frankreich »Ausdruck zu geben, da fiel er mir abermals ins Wort: „Und Sie, Monsieur Charpentier?"
„Sire, steht es uns frei, eine andere Route zu wählen, falls sich die vorgeschriebene als gefährlich ertveisk."
„Der Soldat wählt nicht, er gehorcht!"
Damit verabschiedete er uns und wendete sich Berthier zu. Ich verstand zwar nicht, was er zu ihm! sagte, aber ich hörte ganz gut, wie beide lachten.
Natürlich machten !vir uns sofort auf den Weg; der Dom meldete die Mittagsstunde, als wir Rheims den Rücken kehrten. Ich ritt meinen kleinen Schimmel Violetta, um den mich so mancher schon beneidet, weil er der schnellste Renner in den sechs Brigaden der leichten Kavallerie war. Charpentiers Gaul dagegen gehörte zu dem Schlage, wie man ihn eben bei Grenadieren und! Kürassieren gewohnt ist; denken Sie sich dazu des Burschen plumpe Gestalt selbst, und Sie können sich eine Vorstellung von der Figur machen, die Roß und Reiter abgabm. Trotzdem warf der eingebildete Narr verliebte Blicke nach den Fenstern, aus denen die Mädchen mit Tüchern herabwinkten, und drehte feinen häßlichen, roten Schnurrbart, als ob die Aufmerksamkeit ihm gälte!
Als wir die Stadt hinter uns hatten, gingst durch das französische Lager und dann über das Schlachtfeld von gestern, wv so manche unserer braven Soldaten und auch Russen, den Todesschlaf hielten. Und dennoch! gewährte das Lager ein noch trüberes Bild. Unser Leer schmolz sichtlich zusammen. Mit der Garde stands noch am besten, wenn fiel auch zum größten Teil aus Neueingetrehenen bestand. Auch gegen die Mrttllerie und gegen die schwere Reiterei ließ sich nichts sagen, als daß ihre Reiben eben gar so sehr gelichtet mären. Aber die Infanterie! Wie Schultungen mit ihren Lehrern kamen mir die Leute vor, und Reserven gabs gar nicht! Ja, der Gedanke an die 80 M0 Preußen im Norden und die 150 000 Oesterreicher und Russen im Süden Mächte wohl den tapfersten Mann ernst stimmen, und ich wills Ihnen nur gestehen, liebe Freunde, auch mir rannen die Tränen über die Wangen herab-. Nur der Gedanke, daß ja unser Kaiser noch bei uns war, der diesen Morgen erst die Hand auf meine Schulter gelegt und mir die große Ehrenmddaille versprochen, vermochte sie zu trocknen. Nun begann ich zu fingen und spornte Violetta an, daß Charpentier mich bitten mußte, doch mit seinem dicken, schnaufenden und keuchenden Kamel Mitleid zu hüben. Und wenn rch mir den aufgeweichten Weg betrachtete, iit welchem die Räder der Kanonen fußtiefe Gleise hinterlassen hatten, da muffte ich ihn« ja auch recht geben, daß hier kein paffender Platz für einen Galopp, war.
Charpentier Ivar mir nie sympathisch gewesen, und auch fein jetziges Benehmen war nicht imstande, mich zu einer Befferent Meinung von ihm zu bekehren. Ter sinstere Geselle saß schweigend auf seinem Gaul, runzelte die Stirne und ließ bett Kopf gedankenschwer auf die Bruß sinken. Ich fragte mehr als einmal, was ihn denn so sehr beschäftige, erhielt aber stets zur Antwort, es fei diese Mission, die ihm zu denken gäbe. Tas überraschte mich. Zwar hätte ich nie viel von seinen geistigen Fähigkeiten! gehalten, aber es kaue mir doch ganz unglaublich vor, daß jemand versuchen könnte, an einem! so klar gegebenen Auftrag zu beuteln;
Endlich gelangten wir nach Bazoches, wo wir uns trennen sollten. Beim Abschied blickte er mich mit einem seltsam fragen« den Blicke an.
„Was ist Ihre Meinung, Kamerad Gerard?" „Worüber?"
„lieber unseren Auftrag."
„Nun, ich dächte, der wäre doch einfach genug!"
„Meinen Sie? Warum! sollte uns der Kaiser in seine Pläne einweihen?"
„Weil er unsere Fähigkeiten zu schätzen weiß."
Das sonderbare Lachen des Burschen verdroß mich.
„Was denken Sie wohl zu tun, wenn Sie die Dörfer vvU Preußen besetzt finden?
„Ordre parieren!"
„Aber 's wird Ihnen ans Lebett gehen!"
„Leicht möglich!"
Jetzt beleidigte mich fein Lachen dergestalt, daß ich nach meinem Säbel fuhr. Bevor ich ihm jedoch meine Ansicht von seiner Tummheit und Ungezogenheit klar machen konnte, war er abgeschwenkt und trabte schwerfällig die Straße entlang. Ich blickte ihm nach, bis seine Pelzmütze hinter dem Hügel verschwunden mar und fetzte dann, immer noch betroffen über fein Gebaren, meinen Weg fort. Von Zeit zu Zeit glitt meine Hand in die Brusttasche meinerUniform und strich mit stolzer Freude über das knisternde Papier. Ah, das kostbare Dokument sollte sich bald in jene hübsche, kleine Medaille verwandeln, nach welcher ich mich schon so lange gesehnt. Was wohl meine Mutter dazu sagen würde?
Knapp vor Soissons hielt ich an, nm Violetta in einentl Wirtshause am Wege ihr Futter zu geben. Tas Gebäude verschwand förmlich zwischen alten Eichen, in denen so viele Krähen! nisteten, daß man kaum sein eigenes Wort hören konnte. Der Wirt teilte mir mit, daß Marmont sich vor zwei Tagen hattv zurückziehen müssen, und daß die Preußen bereits den Fluß Aisne überschritten hatten. Und tvirklich bemerkte ich bald darauf im! Lichte der Dämmerung zwei ihrer Vorposten auf dem Hügel zu meiner Rechten, und als. die Nacht einbrach, da flammten am! Himmel, Näch Norden zu, ihre Lagerfeuer auf.
Tie Kunde, daß Blücher schon feit zwei Tagen in der Gegend lag, veranlaßte mich allerdings, mir die Frage vorzulegen, ob es denn dem Kaiser wirklich unbekannt gewesen fei, daß der Feind die Ortschaften, durch welche er uns schichte, besetzt hielt. Doch da hörte ich wieder deutlich die Stimme: „Ter Soldat wählt nicht, er gehorcht!" — und nun.ließ ich alle Bedenkens fallen — die vorgeschriebene Route wurde eingehalten, so lange Violetta noch einen Huf, ich noch einen Finger an ihrem Zügel rühren konnte. Zwischen Sermoise und Soissons, wo .sich der Weg zwischen Tannenwäldern hinschlängelt und immer hebt und senkt, war ich beständig auf meiner Hut, hatte Pistole und Säbel stets zur Hand, und ritt nur .da rasch vorwärts, wo der Pfad offen vor mir lag, während ich die Windungen, Ivie wir es in Spanien gelernt hatten, nur äußerst vorsichtig und langsam nahm;
Am Meierhof angelangt, der unweit des Muttergottesbildes! rechts am Wege liegt, wurde ich von einer Frau, bie_ auf dem Felde arbeitete, angerufen. „Tie Preußen sind in Soissons!"- schrie sie. „Ein kleiner Trupp ist schon am Nachmittag ein« gerückt, und heute nacht werden noch viel mehr erwartet!" Ehe sie noch ihre Mitteilung beendet hatte, drückte ich Violetta die Sporen in die Weichen und hatte fünf Minuten später Soissons erreicht.
In der Hauptstraße standen drei lUaueit; sie hatten ihre Pferde angebunden und plauderten, während sie aus Pfeifen rauchten, die ivohl ebenso lang waren, wie mein Säbel. Ich sah sie ganz deutlich in einer Türöffnung stehen, durch die vom Hausflur das Licht einer Laterne fiel; sie hingegen konnten höchstens Violettas Flanke und meinen wehenden Mantel bemerken. Einen Augenblick später jagte ich durch einen ganzen Hausen derselben, die ans einem! Torweg herausstürzten. Mein Pferd warf einen davon zn Boden, während ich nach einem' zweiten! stach, ohne ihn jedoch zu treffen. Piff, paff, knallten zwei Pistolen hinter mir her, aber ich war schon um die Straßenecke geflogen, ehe auch nur das Pfeifen der Kugeln mein Ohr erreichte. Ja, Violetta und ich, wir waren großartig! Wie ein gehetztes Wild ftürmte sie entlang, ihre Hufe berührten kau... den Boden. Ich stand in den Steigbügeln und schwang meinen Säbel. Jetzt streckte sich ein Arm vor, um mir in die Zügel zu falten — ich trennte ihn mit einem Streiche vom Rumpfe, und laut heulte der Mann hinter mir auf.
Zwei Reiter versperrten mir den Weg; ich hieb den einen nieder und entkam dem anderen. Noch eine Minute, bann lag mir die Stabt im Rüchen, und ich sprengte auf einer breiten, weißen.


