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aber dennoch schlich jetzt ein leises Frösteln über Fran Söllnitz. Das viele Geröll am Boden gestattete ja nur ent Reiten im Schritt.
Dr. Amthor bemerkte es.
„Mm kehren wir aber bestimmt um!" erklärte er fest.
7,Sie sollen sich doch nicht noch hier erkälten. Wollen Sie nicht meinen Mantel noch nehmen?" Und er loste schon die Spange. „ r
„Auf keinen Fall!" lehnte sie aber energisch ab. Gegen Las Umkehren erhob sie aber nun keinen Widerspruch mehr ; «s war wirklich ungemütlich rauh geworden, und man sah ja auch vor Nebel kaum noch etwas.
So bogen sie denn nach rechts ab, in der Richtung, wo sie — nach Amthors Meiming — auf einen Pfad kommen mußten, der sie direkt nach Reykjavik zurückbringeu sollte. Sie ritten über eine steinige, weite Halde, auf der bald selbst die von den Vferdehüfen ausgetretenen Saumpfade verschwanden. Ganz in der Oede waren sie hier, heute noch trauriger in dem undurchsichtigen Nebelgrau, das sie ringsum einspann.
In ihrer lebhaften Unterhaltung achteten sie aber nicht darauf, bis Amthor einmal die Uhr zog. Er erschrack.
„Was? Schon halb drei? — Da müßten wir ja eigentlich schon längst auf unserem Wege sein! Wir sind allerdings viel Schritt geritten bei unserem Geplauder. — Bitte, nun aber einen tüchtigen Galopp! Sie können doch noch?"
„Ich?" lachte sie. „Noch den ganzen Tag, wenn's not tut."
„Um so besser! Vielleicht tut es not," setzte er bedeutsam hinzu, einen ungewissen Blick um sich werfend. Die Gegend hier, soweit er bei dem Nebel sehen konnte, kam ihm doch ganz merkwürdig vor.
„O — verirrt?" fing sie seinen Blick auf, und ihre Augen leuchteten abenteuer begierig auf. „Das wäre ja herrlich!"
Er antwortete nicht. Statt dessen trieb er mit der langstriemigen Lederpeitsche ihr Pferd zu schärfstem Tempo an.
Erst machte es ihr das größte Vergnügen, so dahinzufliegen, in ebenmäßig aufsetzenden, wiegenden Sprüngen; wortlos, nur den taktmäßigen Hufschlag und das Janken des Sattels wahrnehmend und mit leichter Hand den Zügel abwechselnd anschraubend und wieder nachgebend — ein Dahinsprengen ohne Unterbrechung — eine viertel, eine halbe Stunde, und noch länger, immer im gleichen Tempo.
Aber dann ließ das Vergnügen bei ihr etwas nach. Es wurde uachgerade eilt bißchen langweilig, dies Jagen so im Nebel. Ja, wenn man noch ab und zu etwas gesehen hätte; aber es wurde ja immer schlimmer, kaum fünf, sechs Meter weit konnte mau noch blicken. Wie lauge sollte das nun wohl so gehen?
„Sind wir noch immer nicht bald auf unserem Wege?" wandte sich die junge Frau an ihren Begleiter, mit dem sie seit Minuten überhaupt kein Wort mehr gewechselt hatte.
Er zuckte die Achseln; dann aber mäßigte er das Tempo. Seine Miene war ärgerlich:
„Ich muß offen bekennen, ich weiß nicht, wo wir sind."
Diesmal weckte das Wort kein freudiges Echo mehr bei ihr. Seine Bemerkung von vorhin fiel ihr ein, von den Gefahren des Nebels hierzulande. Allmählich begann sie ihre unbesonnene Bitte zu reuen.
„Aber Sie trauen sich doch zu, wieder auf den richtigen Weg zu finden?"
„Das gewiß!" Er sah sie an. „Sie dürfen ohne Sorge sein. Heut abend sind Sie sicher wieder auf Ihrem Schiff."
„Nun, dann ists ja nicht so schlimm," sie lächelte wieder. „Ich dachte schon,»wir müßten die Nacht vielleicht im Freien kampieren."
Wieder trieben sie die Tiere an, abermals ein langer Galopp, da aber parierte Amthor plötzlich kurz.
„So hat das keinen Zweck," erklärte er. „Wir jagen ja bloß die armen Pferde ab."
„Was aber dann?" fragte sie, ihn besorgt ansehend; eine leise Angst begann in ihr aufzusteigen, wo sie nun auch ihn anscheinend ratlos sah.
Er überlegte einen Augenblick, Dann richtete er sich entschlossen im Sattel auf.
„Ich muß versuchen, mich zu orientieren. Bitte bleiben Sie hier einige Minuten ruhig stehen. — Ganz ohne Sorge!" Wr hatte ihre ängstliche Miene bemerkt und holte nun eine kleine Signalpfeife aus seiner Tasche. „Bitte, nehmen Sie
und geben Sie mir von Zeit zu Zeit ein Zeichen!, daß ich die Richtung zu Ihnen nicht verliere. Ich habe überdies! jy noch meinen Kompaß bei mir. In längstens zehn Minuten bin ich wieder bei Ihnen. — Sie sind doch nicht bange?"
Er blickte sie lächelnd, aufmunternd an, und feinet Sicherheit flößte auch ihr wieder im Moment Mut ein..
Sie schüttelte, gleichfalls wieder lächelnd, den Kopst „Bleiben Sie nur nicht zu lauge!" bat sie.
„Zehn Minuten — längstens!" versicherte er noch-, mäls und ritt schon ab.
Sie schaute ihm nach. Nach wenigen Schritten schon lösten sich die dunklen Umrisse von Roß und Reiter ver- schwimmend aus, und jetzt hatte sie der Nebel ganz verschlungen, wie ein gefräßiges Ungeheuer. Ein sonderbares,, beklemmendes Gefühl überfiel sie alsbald, wie sie nun so ganz verlassen in der Einöde dastand. Selbst der Hufschlag, den sie eilt paar Augenblicke nach dem Verschwinden der Gestalten wenigstens noch wahrgenommen hatte, war nun auch verhallt.
Stille, ganz lautlos wär es um sie; eine ängstigende Totenstille. Unruhig flog ihr Blick umher; aber da war nichts, an das er sich klammern konnte. In einem kleinen Umkreis von wenigen Schritten sah sie den steinigen, leblosen Boden, dann aber hüllte sie ringsum, undurchdringlich für Auge und Ohr, das Nebelmeer ein. Ja, wie ein un- endliches Meer schlug es um sie die graubleichen Wogen.. Ihr war, als stände sie auf tiefem Meeresgründe und die unermeßlichen, wnchtenden Wassermassen um sie und über ihr drohten sie zu ersticken.
Sie atmete schnell, angstvoll — ihr war wirklich, als bekäme sie keine Luft mehr in diesem Nebel.
Allerlei peinigende Vorstellungen schossen in ihr auf und jagten einander — Erinnerungen aus fernen Jugendtagen, aus späterer Zeitungslektüre, wo sie von Leuten gelesen, die sich int Hochgebirge oder in der Wüste verirrt hatten und nach unendlichen Qualen hilflos verendet waren. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, sie meinte sein lautes Pochen zu hören. War es ihr nur so, oder drangen die Nebel immer dichter auf sie ein?
(Fortsetzung folgt.)
Ich meine ja nur--!
Eine wahre Ehestandsgeschichte von Freiherr von Schlichst Meine Frau und ich leben in der denkbar glücklichsten Ehe — wer das nicht glaubt, braucht nur einmal zugegen zu sein, wenn wir uns streiten, und das tun wir nie, denn meine Frau! und ich sind immer ein und derselben Ansicht. Ich will stets, was meine Frau will, und meine Frau will stets, was ich will, sie hat nie einen anderen Willen, höchstens, daß sie einmal sagt; „Ich meine ja nur — —V'
Wir waren von der Sommerretse zuvuckgesthrst nicht, wett wir reisemüde waren, sondern weil wir kein Geld mehr Tratten. Wir waren vorübergehend so Pleite, daß wir uns gegenseitig unser letztes Zwanzig-Mark-Stück borgten und vertrauensvoll dem Tage entgegensahen, der neue Zinsen und neue Einnahmen bringen sollte. Und angesichts unserer Notlage faßte meine Frau di« besten Vorsätze: „Wir wollten ja in Zukunft so sparsam sein, wir wollten uns nie wieder etwas kaufen und vor allen Dingen, nie wieder reisen — — niemals, höchstens wieder im nächste» Sommer, vielleicht auch schon im Frühjahr, aber den Wintert über bleiben wir ganz bestimmt zu Haus, zu Haus war es ja auch schließlich am schönsten. Was sollten wir da auf Reisen?'
Ich hörte meiner Fran aufmerksam zu, wie sie mir unser« Pläne zur Sparsantkeit entwickelte und dachte dabei — ■— — nein, ich dachte gar nichts, denn wenn eine Frau vom Sparen! spricht, dann träumt, sie, und es ist grausam, einen Menschen aus seinen Träumen zu wecken.
Wir wollten sparen, nm wieder einzuholen, was wir tnt Sommer zu viel ausgegeben hatten, und vor allen Dingen wollte» wir ganz bestimmt den Winter über nicht reisen, bis meine Fra» dann doch eines Mittags, als wir bei dem, Kaffee und her ZigareW beisammen saßen, ganz plötzlich und unvermittelt zu mir tagte: „Weißt du, wunderschön muß es jetzt da unten in Meran fein.
Ich glaubte nicht recht gehört zU haben: „Wie kommst d» denn nur darauf, ich denke, wir wollen diese» Winter über htev bleiben ?z/
„Gewiß/' stimmte meine Frau mir lebhaft bei, „ich bente auch gar nicht daran, Al reisen, ich meine doch nur."
Also meine Frau dachte gar nicht an die Reise, sie hatte es nur so gemeint, und damit war die Angelegenheit für mich erledigt, bis meine Frau nach einer ganzen Weile wieder zu mir sagte: „Auf keinen Fall aber würde ich wieder den rresigeui Hntkoffer mitnehmen. Ich habe es ja auf der Reise gesehen.


