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Mein, soeine Karikatur! . . .

«Von den grün überkleisterten Rockschößen . . . von den Uermelaufschlägen hernieder triefte es in den Staub der Chaussee . . . Die dürren Beine in den schlammüberkrusteten Reitstiefeln schlotterten vor Rässe und Frost. . .

Der Instinkt der Soldatentochter lehnte sich auf gegen dieses Zerrbild . . . Der Herr trug doch nun mal des Königs Rock. . . nun galt's vor allem, die unmögliche Situation zu retten . . .

Mit Ueberraschunq sah! Frobenius, daß das Zucken des Lächelns und der Teilnahme plötzlich, wie weggeweht, vom Gesicht des jungen Mädchens verschwand.

Herr Leutnant," sagte sie mit unüberhörbarer Ironie, mein Vater war gerade im Begriff, zum Bataillon zu fetten Gehn Sie bitte dort irgendwo in den Wald und legen Sie sich in die Sonne zum Trocknen . . . (meine Schwester und ich werden Ihr Pferd mit zum Tattersall nehmen und Ihnen einen Wagen herausschicken. . So können Sie ja unmöglich in die Stadt zurück!"

Ah, das ist ja 'ne ausgezeichnete Idee!" stimmte der Major zu.

Zerschmettert sah Wilhelm Frobenius an seiner jam­mervollen Erscheinung herunter. . .Allerdings Sie haben wohl recht, gnädiges Fräulein! Ich danke Ihnen! Den Dank für meine. . . Rettung . . . hoffe ich Ihnen ... in etwas schicklicherer Verfassung . . ."

Schon gut, schon gut!" sagte Nelly,nur schuell von der Chaussee herunter, Herr Leutnant. . . Da hinten kommt schon eine Kompagnie vom Exerzierplatz zurück . .!"

Ahj gut, gut!" sagte der Major,also schnell, Herr Leutnant, verschwinden Sie! Und ihr, Mädels," das galt Nelly und der soeben herankommenden Molly macht, daß ihr nach Hause kommt . . . Ich halte den Schinder so lange und werde ihn der Kompagnie dort übergeben; die kann ihn zur Stadt zurückschafsen...!'<

Mit kurzem, herbem Kopfnicken verabschiedete sich die junge Dame von ihrem Schützling, der barhaupt iin prallen Sonnenschein vor ihr stand und mit schlotternden Gliedern eine hilflos befangene Verbeugung machte ... In schlan­kem Galopp stoben die beiden Reiterinnen nach rechts der Stadt zu.

Der Major ergriff die Zügel Kunos des Schrecklichen, der wieein Lämmchen folgte, grüßte kürz mit der Linken und sprengte der anmarschierenden Kompagnie entgegen.

Wilhelm Frobenius aber stapfte an seinem Tümpel vorüber . . . durch den Chausseegraben ... in den Wald , . . und suchte sich ein sonniges Plätzchen aus . . .

! 5. Kapitel.

Die Kompagnie, die auf der Chaussee vom Exerzierplatz sich näherte, war die dritte.

Hauptmann Haller, der vorschriftsmäßig an der Queue ritt, sah seinen Bataillonskommandeur herankommen und galoppierte an, überholte seine Kompagnie und meldete dem Major:Dritte Kompagnie auf dem Rückmarsch vom Exerzierplatz!"

Danke, lieber Haller! Hier bring ich Ihnen etwas Schönes mit!"

Ich hab mich schon gewundert, Herr Major."

Haarsträubende Geschichte! Hat den Leutnant der Landwehr Frobenius abgeworfen der Satan!"

Die Kompagnie war inzwischen herangekommen. Staub­bedeckt, lustig seine Zigarette rauchend, marschierte an ihrer Spitze der schlanke, blonde Leutnant von Finette. Er hatte die letzten Worte gehört, und nachdem er vor seinem Bataillonskommandeur salutiert, erlaubte er sich zu be­merken:Darf ich Herrn Major darauf aufmerksam machen, daß das Kuno der Schreckliche ist?!"

Küno der Schreckliche wer ist denn das?"

Ein total aus dem Leim gerittener Schinder aus dem Tattersall! Wer hat denn bloß dem unglücklichen Herrn von der Landwehr diese Kreatur unter den Leib gesteckt? . . Die ist doch eigentlich nur noch zu Beefsteak zu gebrauchen!"

So," sagte der Major,das begreife ich allerdings auch nicht . . . Ich werde doch mal an den Direktor tele­phonieren ... So was darf nicht wieder Vorkommen . . > das ist jane Infamie geradezu!"

Hauptmann Haller hatte inzwischen feinen Burschen herangewinkt, der dem Major die Zügel des unglücklichen Gaules aus der Hand genommen hatte.

».Haben Sie die Erste und Zweite gesehen?" erkundigte! sich der Major.

Zu Befehl, Herr Major! Die Zweite hat das Ka-! stanienwäldchen besetzt Die Erste greift von der Hohen Tanne her an!"

-Danke vielmels! g Guten Morgen, meine Herren!" *

Am Kreuzweg traf Sassenbäch, wie verabredet, mit seinem Adjutanten zusammen.

Was macht der Brummschädel?"

Danke gehorsamst, Herr Major g durchaus vor­schriftsmäßig !"

Langt's zu 'nem Galopp?"

Selbstverständlich, Herr Major! Hohe Zeit! Die Erste und Zweite müssen schon aneinander sein!"

Hauptmann von Brandeis hatte frühmorgens am Rande des Exerzierplatzes seine Kompagnie in Züge aus- einandergezogen und Uebungen im Entfernungsschätzen durch die Zugführer vornehmen lassen. Nach einer Stunde hatte er die Kompagnie zusammengezogen und sie fünf Kilometer weit nordwärts geführt, um auf Grund einer mit Hauptmann Goll vereinbarten einfachen Gefechtsan­nahme eine kleine Felddienstübung anzuschließen . . .

Einer von den üblichenTürken", die mit tödlicher Sicherheit sich immer wiederholten und denselben typischen Verlauf nahmen.

Die beiden Hauptleute hatten miteinander verabredet,- daß ihre ältesten Zugführer die Kompagnien führen sollten.

Hauptmann von Brandeis hatte den weißen Helmbezug und die weiße Armbinde der Schiedsrichter angelegt, und zu ihm war von der Zweiten Leutnant Quincke als Schieds­richtergehilfe getreten. . . Oberleutnant Menshausen führte die Zweite. . . Leutnant der Reserve Flamberg die Erste . . . Hauptmann Goll, als der Aeltere, markierte den Leitenden und hätte den Leutnant der Landwehr Fro- benius als Zuschauer zu sich befohlen.

Bei der Zweiten wurden infolgedessen sämtliche Züge von Unteroffizieren: einem aktiven und einem Reserve- Vizefeldwebel und dem ältesten Sergeanten geführt . . . Bei der Ersten standen Leutnant Earstanjen und zwei Vize-, feldwebel als Zugführer.

Der Oberleutnant Menshausen besetzte mit allen drei Zügen den Rand des Kastanienwäldchens und ließ dis Mannschaften sich eingraben. . .

Dann hielt er Musterung unter den Unteroffizieren . .) Der einjährig-freiwillige Unteroffizier Friesen!"

Hier!"

Kommen Sie mal her . . . Für Sie hab' ich heute eine Spezialaufgabe: Sehen Sie sich mal rechts da das Gebüsch an! Sehn Sie?"

Zu Befehl, Herr Oberleutnant!"

Nehmen Sie sich die beiden rechten Ilügelgruppen vom ersten Zuge und suchen Sie, in das Gehölz hinein--, zukommen. . . aber gedeckt. . . verstehn Sie!?. . auch wenn Sie -einen größeren Umweg machen müssen! Und daß Sie mir nicht eher zum Vorschein kommen, als bis die Erste über den Exerzierplatz zum Angriff ansetzt . . < sie muß ja selbstverständlich von der Hohen Tanne Her­kommen . . . Wenn dann die vorhergehenden Züge auf der Höhe Ihres Gehölzes angekommen sind, dann erscheinen Sie plötzlich mit Ihren zwei Gruppen am Waldrand und schießen der' Ersten in die linke Flanke hinein . . . Haben Sie begriffen?"

Zu Befehl, Herr Oberleutnant!"

Na, nun nehmen Sie sich mal zusammen und be­weisen Sie, daß Sie würdig sind, nächstens die Offizier-i qualisikation zu bekommen Sie Vertreter der Intelligenz! Los, treten Sie an!"

Der einjährig-freiwillige Unteroffizier Friesen begab sich an die rechte Flanke der ausgeschwärmten Kompagnie und befahl:Erste und zweite Gruppe vom rechten Flügel des ersten Zuges- sammeln!"

Im selben Augenblick galoppierte auch schon der Konw pagniefü.hrer heran:Donnerwetter, Friesen, wozu wollen Sie denn Ihre zwei Gruppen sammeln? Lassen Sie die doch ausgeschwärmt. . . Wir sind im Gefecht! Einfach kehrt marsch und dann in Schützenlinie 'runter in hen Grund ... so schnell wie möglich . . ."

Der Einjährige stand stramm, zog dann mit dem Befehl! Schwärmen!" seine beiden Gruppert wieder auseinander