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zimmer, der Wadestube und der zweiten leeren Fremdenstube.
Kein Laut ließ sich vernehmen — tiefe Finsternis umgab mich, als ich die Füße auf die Veranda gesetzt hatte, ausgenommen an der Stelle, über^ welcher das Fenster der Gräfin lag. Da, gerade an der Stelle über der Bibliothek, wo ich meinen Posten nehmen mußte, gerade da sah ich einen Lichtstrahl. Die Gräfin war noch nicht z-n Bette gegangen.
Es war zu spät, um umzukehsten, und keine Zeit, um zu warten. Ich beschloß, auf alle Gefahr hin weiter zu schreiten und meiner Vorsicht und der Dunkelheit der Nacht zu vertrauen.
Ich ging an dem dunklen Fenster des Fremdenzimmers vorüber, indem ich, ehe ich es wagte, mit meinem ganzen Gewichte auf dem Bleidache zu ruhen, erst mit dem Fuße die Sicherheit desselben untersuchte. Dann kam ich an Lauras dunklem Fenster vorbei und dann an Sir Percivals dunklem Fenster. Darauf kniete ich nieder, stützte mich mit den Händen auf den Boden und kroch so unter dem Schutze der niedrigen Mauer zwischen dem Dache der .Veranda und dem Hellen Fenster dahin.
Ms ich zum Fenster hinaufzublicken wagte, sah ich, daß nur das obere Fenster offen und das Rouleau inwendig herabgelassen war. Während ich noch hinfchaute, sah ich den Schatten der Gräfin ans dem weißen Felde des Rouleaus Vorübergleiten und dann langsam wieder zurückschweben.
Ich stellte mich mit der Seite gegen das Eisengitter, nachdem ich mich zuvor durch vorsichtiges Tasten von der Stellung der Blumentöpfe unterrichtet hatte. Es war gerade Raum genug, daß ich zwischen ihnen niederkauern konnte. Die duftenden Blüten zu meiner Linken streiften mein Gesicht, als ich leise den Kopf an das Gitter legte.
Das erste, was ich sah, war wieder der Funke, welcher abermals in der Dunkelheit unter der Veranda hervorkäm, nach meinem Fenster bin schwebte, einen Augenblick dort wartete und dann zu der Stelle zurückkehrte, von welcher er ausgegangeu war.
Zum Henker mit deiner Unruhe! Wann gedenkst du dich einmal zu setzen? brummte Sir Percivals Stimme unter mir.
Puh! Welch eine Hitze! sagte der Graf mit einem Seufzer der Erschöpfung.
Seinem Ausrufe folgte das Knirschen der Gartenstühle auf dem Pflaster der Veranda, welches aus Kieselsteinen besteht — ein willkommenes Geräusch, das mir sagte, daß sie sich, wie gewöhnlich, dicht ans Fenster zu setzen im Begriff waren. Bis hierher war das Glück mir günstig Die Uhr im Türme schlug ein Viertel vor zwölf, als sie sich auf ihren Plätzen niederließen.
Inzwischen fingen Sir Percival und der Graf unten ihre Unterhaltung an, indem ihre Stimmen hin und wieder etwas leiser wurden, aber nie bis zum Flüstern sanken. Die Seltsamkeit und Gefahr meiner Lage, sowie die Furcht vor der Gräfin erleuchtetem Fenster, welche ich nicht be- metstern konnte, machten es mir schwer, ja fast unmöglich- gleich zu Anfang meine Geistesgegenwart zu behalten und meine Aufmerksamkeit ausschließlich auf die unten vor sich gehende Unterhaltung zu rechten. Während einiger Minuten gelang es mir bloß, ihren allgemeinen Inhalt zu erfassen. Ich verstand, daß der Graf sagte, das eine helle Fenster sei das seiner Frau, daß int Erdgeschoße alles ruhig sei, und sie sich jetzt ohne Furcht vor einer Störung unterhalten könnten. Sir Percival antwortete hierauf, indem er seinem Freunde vorwarf, den ganzen Tag auf die unverai.twortlichste Weise seine Wünsche unberücksichtigt gelassen und jein Interesse vernachlässigt zu heben, wogegen der Gras sich verteidigte, indem er erklärte, daß er von gewissen Unruhen und Besorgnissen erfüllt gewesen, die seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hätten. Und dann stehen wir vor einer wich- tigen Krisis in unseren Angelegenheiten, Percival, sagte der Graf, und wenn wir überhaupt einen Entschluß über die Zukunft fassen wollen, so muß dies heimlich in dieser Nacht geschehen.
Diese Rede des Grafen war das erste, was meine Aufmerksamkeit gerade so, wie sie gesprochen wurde, zu erfassen vermochte.
Bevor wir von der Zukunft reden, fuhr der Graf fort, will ich dir die Lage auseina,übersetzen. Nachher sagst
du mir, was ich noch nicht weiß. — Also, wir kehrten vom Festlande zurück in sehr ernsten Geldverlegenheitem Die einzige Art und Weife, das Geld zu erhalten, war, mit Hilfe deiner Frau es auszunehmen. Statt aber nun deine Frau dadurch zu regieren, daß du dich durch sie nicht aufreizen lässest, wie ich dir riet, verlorst du durch! deine tolle Heftigkeit ihre Unterschrift zum Dokumente, verlorst das bare Geld, triebst Miß Halcombe das erstemal dazu, an ihren Advokaten zu schreiben —
Das erstemal? Was willst btt damit sagen ?
Dies: Miß Halcombe hat heute zum zweiten Mals an den Advokaten geschrieben.
Unten ans dem Pflaster der Veranda fiel ein Stuhl um i— mit einem Krachen, als ob er absichtlich wütenst umgestoßen oder geschleudert worden. Es war ein Glück für mich, daß des Grafen Mitteilung Sir Percival in diesem Grade in Wut versetzte, denn als ich hörte, daß ich abermals verraten, verließ mich im kritischen Augenblicke alle Selbstbeherrschung, und ich fuhr dermaßen zusammen, daß das Gitter, an das ich mich lehnte, laut krachte. Wie, in des Himmels Namen, hatte er dies erfahren? Die Briefe hatten meine Tasche keine Sekunde verlassen, bis ich sie im Wirtshause Fannys Händen übergab. >
Du kannst deinem Glücksterne danken, daß du mich im Hause hast, hörte ich den Grafen sagen, um das Unheil ebenso schnell wieder gut zu machen, wie du es anrichtest. Danke deinem Glückssterne, daß ich nein sagte, als du tollerweise davon sprachst, Miß. Halcombe einzusperren, wie du iir deiner unheilvollen Narrheit schon deine Frau eingcsperrt hattest. Wo hast du deine Augen? Künnst du Miß Halcombe anschauen und nicht sehen, daß sie die Entschlossenheit und Umsicht eines Mannes besitzt? Dieses herrliche Wesen, das ich von ganzer Seele bewundere, obgleich ich ihm in deinem Interesse und den: meinigen entgegenarbeite, -treibst du aufs äußerste, als ob es um nichts schlauer oder kühner wäre als die übrigen seines' Geschlechts. Percival! Percival! Du verdienst, "daß es dir mißlänge, und es ist dir mißlungen.
Es trat eine Pause ein. Sir Percival war der erste- der das Schweigen wieder brach.
Was ist nun zu tun? fragte er etwas kleinlaut.
Du gibst von heute abend an die ganze Leitung- der Sache in meine Hände, war die Antwort, und überläßt sie ihnen für die Zukunft. Ich spreche zu einein praktischen Briten, wie? Nun, praktischer Brite, was sagst du dazu?
Was beabsichtigst du zu tun, falls ich es dir überlasse?
Beantworte mir erst meine Frage. Gibst du die Sache in meine Hände oder nicht?
Angenommen, sie wäre in deinen Händen — was dann?
Erlaube mir erst ein paar Fragen, Percival. Jetzt gilt es, mein Gedächtnis in Bezug auf deine Angelegenheiten aufzufrischen, es ist schon zictnlich lange her, daß ich mit dir darüber sprach. Das Geld ist in Ermangelung! der Unterschrift von deiner Frau vermittelst Wechsel, die in drei Monaten fällig werden, ausgenommen worden, und zwar mit einem Verluste, daß sich bei dem Gedanken daran mein armes ausländisches Haar sträubt! Wenn nun diese Wechsel fällig werden, gibt es dann wirklich und wahrhaftig in der ganzen Welt kein anderes Mittel für dich, sie zu bezahlen, als mit Hilfe deiner Frau?
Kerns.
(Fortsetzung folgt.)
Einiges vom Samtätswefen.
Im Militär-Wochenblatt schreibt Generalarzt z. D. !Dr.> Körting seine Eindrücke, die er als Militärarzt auf der Hygiene- ausstellung in Dresden empfangen hat. Der Verfasser zieht dabei interessante Vergleiche zwischen dem Militär-Sanitätswefen des deutschen Reiches und der übrigen Staaten, von denen wir die interessantesten widergeben wollen:
Der Verfasser führt zunächst an, daß es für das Sanitätsweseni der Armee. und Marine keine Geheimnisse gäbe. Was heute wissenschaftlich festgestellt, morgen in die Praxis umgesetzt wird, ist bei den heutigen Verbindungen in kurzer Zeit Gemeingut der Kulturvölker auf der Erde. Ob ein Verbandmittelbehälter nebst Inhalt, ob ein chirurgisches Instrument eine japanische! oder englische oder deutsche Inschrift trägt, macht wenig aus; in ihrem Wesen sind sich die Tinge ähnlich wie ein Ei dem


