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text mit Miß Fairlie von neuem in die Augen. Wer kch sah nun auch, worin sie ihr nicht glich.

, Die zarte Schönheit von Miß Fairlies Hautfarbe, die durchsichtige Klarheit ihrer Augen, die weiche Reinheit ihrer Haut, die blühende Farbe auf ihren Lippen, alles dies fehlte auf dem äbgemagerten, müden Gesichte, das jetzt dem meinigen zugewendet war.

Sie sehen mich an, und Sie denken an etwas, sagte sie nun mit ihrer seltsamen, atemlosen Schnelligkeit der Sprache. Was ist es?

Nichts besonderes, entgegnete icky ich dachte nur daran, wie Sie hierher gekommen seien.

Ich kam m», einer Freundin, die sehr gut gegen mich ist- bin erst seit zwei Tagen hier.

Und Sie fanden gestern den Weg hierher?

Woher wissen Sie das?

Ich erriet es bloß.

Sie wandte sich von mir und kniete wieder vor der Inschrift nieder.

Wohin sollte ich gehen, wenn nicht hierher? sagte sie. Sie, die mir mehr als eine Mutter war, ist die einzige Freun­din, welche ich in Limmeridge aufzusuchen habe. O, es tut meinem Herzen weh, einen Flecken auf ihrem Grabsteine zu sehen! Er sollte weiß wie Schnee gehalten werden um ihretwillen. Ich gab gestern der Versuchung nach, es zu reinigen, und mußte heute wiederkommen, um es zu vollen­den. Liegt darin irgend etwas Unrechtes? Ich hoffe nicht. Es kann doch nichts Unrechtes in dem sein, was ich aus Liebe zu Mrs. Fairlie tue?

Ich, sah, daß, um ihr Vertrauen zu gewinnen, es das beste sein würde, sie zu ermuntern mit der bescheidenen Arbeit fortzufahren, uin derentwillen sie auf den Begräb- nisplatz gekommen war. Sie nahm sie auch augenblick­lich wieder auf, sowie ich ihr sagte, daß sie es tun möget. Nunmehr erzählte ich ihr von den beiden Männern, die sre in jener Nacht verfolgt hatten.

Sie denken doch nicht, fragte sie furchtsam, daß ich wieder in die Anstalt zurückgebracht werden soll?

Ganz gewiß nicht. Ich freue mich, daß Sie daraus entflohen sind. Sie sprachen damals von einer Freundin jn London. Haben Sie sie gefunden?

Ja, es war sehr spät. Glücklicherweise war ein Mäd­chen im Hause noch mit Handarbeit beschäftigt, und sie half mir, Mrs. Clements zu wecken. Mrs. Clements ist meine Freundin.

Ist Mrs. Clements eine alte Freundin von Ihnen? Kennen Sie sie schon lange?

Ja; sie war früher unsere Nachbarin zu .Hause in Hampshire; sie hatte mich lieb und sah nach mir, als ich em kleines Mädchen war. Vor langen Jahren, als sie von dort fortzog, schrieb sie in mein Gebetbuch ein, wo sie rn London wohnen werde, und sagte:Wenn dir's jemals schlecht geht, Anna, da komme zu mir. Ich habe keinen Mann, der mir's untersagen konnte, noch Kinder, für die rch zu sorgen hätte; und ich will für dich sorgen." Waren das nicht gütige Worte? Ich habe sie wohl behalten, weil sre so gütig waren. Außer ihnen habe ich freilich nur wenig, sehr, sehr wenig behalten!

Hatten Sie keinen Vater, keine Mutter, die für Sie sorgen konnten?

Mein Vater? Hab' ihn nie gesehen; ich habe meine Mutter me von ihm sprechen hören. Mein Vater? Ach Gott! er wird wohl tot sein!

Und Ihre Mutter?

Wir passen nicht gut zusammen; wir verursachen ein­ander nur Sorge und Furcht. Ich spreche lieber von Mrs. Clements. Mrs. Clements denkt wie Sie, sie findet Nicht, daß ich nach der Anstalt zurückgebracht werden sollte Sie weinte über mein Unglück und sagte, es müsse vor tollen Leuten geheimgehalten werden.

IhrUnglück! Jn welchem Sinne gebrauchte sie dieses Wort? In einem Sinne, der ihren Beweggrunds aus dem sie den anonymen Brief schrieb, hätte erklären können? Ich beschloß, den Versuch zu machen, diesen Zweifel zu lösen, ehe wir von etwas anderem sprächen.

Was für ein Unglück? frug ich.

,, iinglück, daß ich eingesperrt würde, entgegnete sie> allem Anscheine nach erstaunt über meine Frage: welch anderes Unglück könnte es sonst noch für mich geben?

Es war von der größten Wichtigkeit, Naß jeder Schritts den ich letzt in meiner Nachforschung vorwärts tat, mit Sicherheit ausgesührt wurde.

Es gibt noch ein anderes Unglück, sagte ich, das einem- Werbe widerfahren und ihm lebenslänglichen Küminer und lebenslängliche Schande bereiten kann.

Welches ist das? frug sie begierig.

Das Unglück, zu unschuldsvoll an die eigene Tuge ich und dre Redlichkeit und Treue des Mannes zu glauben, den man liebt, erwiderte ich.

Sie sah mit bem- ungekünstelten Ausdrucke des Nicht- begrrfsenhabens eines Kindes zu mir auf. Kein gesprochenes Wort hätte mich so wie ihr Blick und Benehmen über­zeugen können, daß der Beweggrund, den ich ihrem Schrei­ben und Absenden des anonymen Briefes an Miß Fairlie unterlegte, unzweifelhaft der verkehrte sei. Dieser Zweifel war wenigstens jetzt beseitigt; aber dieser Umstand selbst brachte uns neue Ungewißheit. Der Bries bezeichnete, wie rch nach entschiedenen Indizien wußte, Sir Percival Glyde, obgleich er ihn nicht nannte. Sie mußte einen starken Beweggrund haben, welcher aus einer tiefen Verletzung ent­sprang, um ihn heimlich und in solchen Ausdrücken, wie sie gebraucht hatte, bei Miß Fairlie anzuklagen.

Ich verstehe -Sie nicht, sagte sie zuletzt.

Das tut nichts, entgegnete ich. Lassen Sie uns mist dem fortfahren, wovon wir sprachen. Sagen Sie mir, wie lange Sie bei Mrs. Clements in London blieben, und wie cs zuging, daß Sie hierher kamen?

Wie lange? wiederholte sie. Ich blieb bei Mrs. Cle­ments, bis wir beide vor zwei Tagen hierher kamen.

Dann wohnen Sie hier im Dorfe? sagte ich. Es ist eigen, daß ich noch nicht von Ihnen gehört habe, obgleich Sie erst zwei Tage hier sind.

Nein, nein; nicht im Dorse. Drei Meilen von hier auf einem Gehöfte. Kennen Sie Has Gehöft? Es wird Todds Ecke genannt.

Ich erinnerte mich des Ortes vollkommen; wir waren auf unfern Spazierfahrten oft daran vorbeigekommen. Es war eins der ältesten Gehöfte der Gegend und lag land­einwärts an einer einsamen, geschützten Stelle am Fuße zweier Hügel.

Die Leute zu Todds Ecke sind Verwandte von Mrs'. Clements, fuhr sie fort, und hatten sie oft gebeten, sie zu besuchen. Sie sagte, sie wolle zu ihnen reisen und mich mitnehmen, damit ich Ruhe und frische Landluft ge­nießen könne. War das nicht sehr freundlich von ihr? Ich wäre überall hingegangen, um nur in Ruhe und Sicher­heit und Verborgenheit zu fein. Aber als ich hörte, daß Todds Ecke nahe bei Limmeridge sei o! da war ich so glücklich,, daß ich gern den ganzen Weg barfuß zurück­gelegt hätte, um das Dorf und die Schule und Limmeridge House wiederzusehen. Die Leute zu Todds Ecke sind sehr freundlich. Ich hoffe, ich werde eine lange Zeit bei ihnen bleiben tonnen. Nur eins gefällt mir nicht an ihnen, und gefällt mir nicht an Mrs. Clements

Was ist das?

Sie quälen mich, weil ich mich immer ganz weiß kleide sie sagen, es sieht so auffallend aus. Was wissen sie davon? Mrs. Fairlie verstand das am besten. Sie selbst trug sehr oft Weiß und kleidete ihre kleine Tochter immer in Weiß. Ist Miß Fairlie wohl und glücklich? Trägt sre noch Weiß, wie damals, als sie ein kleines Mädchen war?

Ihre Stimme wurde leiser, als kenne sie die Gefahr,- welcher sie sich ausgesetzt, indem sie den anonymen Brref absandte, und ich beschloß sogleich, meine Antwort so einzurichten, daß sie es mir in ihrer Ueberraschung bekannte.

Miß Fairlie war heute morgen nicht sehr wohl, sagte rch, weil sie Ihren anonymen Brief erhalten hat.

. Sie hatte feit einiger Zeit auf ihren Küien gelegen, indem sie sorgfältig die letzten Flecke von der Inschrift abwischte, wahrend wir zusammen sprachen. Jetzt zuckte sie zusammen. Das Tuch entfiel ihren Händen, ihre Lippen öffneten sich, und die wenige Farbe, die in ihrem Ge­suchte noch übrig war, schwand gänzlich daraus.

(Fortsetzung folgt)