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Wiederum daS Zischen und Fauchen, deü Apparat erhält einen Stoß, diesmal kann inan die Ursache sehen, ans ber einen Tragdecke ist ein Stück des BespaNnnngsstoffes losgerissen. Wie aus Kommando sehen sich die beiden Männer im ?>ckugzeug an, es ist ein viel sag end er Mick, den sie wechseln, der Worte bedarf es ja nicht, beide wissen nun, was das zu bedeuten hat, sie fUtbWie Tramir^hat 'solzmami das Höhönsteuer zur Fahrt nach aufwärts gestellt, wie ein gehorsames Roß setzt der Apparat an ’ Die Menschen auf dem Aeroplan fühlen sormüch, daß es höher geht, aus der Gefahrzone heraus, gespannt blickt Holz- inann auf den Barographen — er zeigt an, daß sie steten. Immer weiter arbeitet der Motor, angestrengt lauschen die Beiden, ob wieder das ominöse Zischen hörbar wird, es ist etwas Schreckliches so im Ungewissen zu sein. Was werden die nächsten Momente bringen? Unwillkürlich schaut der Pilot nach seinem Mitfahrer um, der aber hat scheinbar die Gefahr schon langst vergessen. Aufmerksam schaut er nach unten. Dazwischen sucht er auf der Karte und zeichnet dort Punkte em..
Die kurzen Feuerscheine werden seltener, em breiter Fluß schlängelt sich durch ziemlich flaches Land, die Waldhügelkette ist passiert. Der Generalstabsoffizier stößt den Piloten an, nut einem Lächeln, wie Holzmann noch nicht an ihm gesehen, beutet er an, daß die Fahrtrichtung vchündert werden sollte. Rasch ist das Seiteiisteuer gestellt, die Kurve erfordert du volle Aufmerksamkeit des Fliegers. Schon wieder macht sich der Offizier bemerkbar. Doch, es ist Sinnestäuschung, oder ist der Offizier nicht mehr Herr seiner Sinne, er lacht, lacht aus vollem Halse, reibt sich die Hände und — gibt das Zeichen. zu landen.
Holzmann ivill ihm begreiflich machen, daß er sich mit dem Flugzeug noch ganz gut halten könne, der Motor lauft m immer Noch gut, Benzin und Oel ist noch ut Hülle und Fülle da, außerdem befinden sie sich erst drei Stunden rn der Luft, also eine Leistung, die im Frieden gar nicht angestaunt wird.
Der Offizier schreibt auf eine Meldekarte: „Landen Sie, Aufgabe glücklich erledigt!"
Also landen! Die Aufgabe ist erledigt, denkt Holzmann, die Sache war wirklich nicht gefährlich!
Langsam int Gleitfluge geht der Aeroplan zur Erde, em freier Platz zum Landen ist gefunden, noch eine Minute, der Apparat schießt über die Erde hin und steht dann still.
„Wo sind wir?" fragt nun Holzmann den Offizier. Es ist das erste Wort, das sie wieder seit ihrem Start wechseln, denn eine Unterhaltung während der Fahrt ist durch das Motorgeräusch unmöglich. „Bei den Unsrigen! jedenfalls sogar tM Bereich oder in der allernächsten Whe des Armeekorps.
Kaum ist die Auskunft gegeben, wird es in der ganzen Umgebung lebendig. „Wer da?" ruft die kräftige Stimme eines strammen Grenadiers. Der Generalstäbler antwortete kurz. Offiziere aller Waffengattungen kommen herbei, da gibts em Hand^ schütteln und gratulieren. Selbst der Kommandierens laßt e® sich nicht nehmen, die kühnen Luftfahrer zu beglückwünschen. „Ich glaubte schon. Sie nicht mehr z'u sehen", sagt er, „das war ia die reine Schlacht, die gegen Sie geschlagen wurde. Der andere Apparat ist in unserer Vorpostenlinie niedergegangen und. zur selben Zeit, als ich die Meldung von einer Landung bekam, ging dort der Hexensabbath los. Unaufhörlich rollte der Kanonendonner und die Kavallerie meldete, daß sie auch von Infanterie beschossen worden sind." , r ,,
„Gemerkt haben wir ivenig, nur zweimal schien es so, antwortete Holzmann. „Der Flug war nicht leichter und Nicht viel schwerer wie ein Friedensflug. Jedenfalls gab es tn meinem Fliegerleben schon schwierigere Momente, wie heute. Daß wir beschoßen wurden, merkten wir kaum, denn der Kttall der Schlisse und das Bseifen der Geschosse wurde von dem Motorgeräusch und dem urren des Propellers übertönt."
„Und die Ausbeute ist gut," bemerkt der Offizier jetzt, „Exzellenz werden zufrieden sein."
Dem ersten Kundschasterflug solgten noch viele im Lauf des Krieges ... ___________
vermischte».
— Die „Vergessenen des Gothaer", so kann man M Könige nennen, die trotz ihres Ranges und ihrer Würden un- bekmint sind und selbst im Gothaer Hofkalender keine Erwähnung gefunden haben. Umsonst wird man in der Liste der regierenden Häuser nach Seiner Majestät Sidney I., König der Kokos-Jnseln, suchen. Der Begründer dieses Königreiches war ein schottischer Matrose, der vor 50 Jahren bei einem Schiffbruch an die unwirtlichen Ufer jener Insel getrieben wurde. Der brave Seemann verlor den Mut nicht, es gelang ihm mit der Zeit, das Vertrauen Und die Bewunderung der Eingeborenen zu erwerben, er führte B sozusagen in die europäische Zivilisation ein, und wurde ließlich so populär, daß er eine der eingeborenen Frauen ratete. Er blieb 40 Jahre lang auf den Kokos-Jnseln, exportierte Kokosnüsse und häufte ein gewaltiges Vermögen an. Sein Sohn, der heutige König, der jetzt 30 Jahre zählt, trmrde in
England erzogen. Ditz Kokos-Jnseln sind ein ideales Land, man braucht dort weder Soldaten noch Polizisten, der König ist buchstäblich der einzige Beamte feines Reiches, Richter, geistliches Oberhaupt, Regent usw. in einer Person. Ein anderer „vergessener König", dessen Herrschaft ein tragisches Ende nehmen sollte, tvar Edmund I., König von Neuseeland. Er hieß ursprünglich eigentlich Edmond Thierry und war Sekretär des französischen Gesandten beim Wiener Kongreß. Doch da er sich während der Herrschaft der hundert Tage Napoleon an schloß/ wurde ihm nach der Restauration sein Amt entzogen, und er wanderte auf die Suche nach einem Throne. In Nordamerika hatte er kein Glück, er nahm dann in Mexiko an dem Sturze des Kaisers Bturbide teil und wurde als Verschwörer zum Tode verurteilt. Er wurde auch „erschossen" hatte aber das Glück, zu genesen, nachdem er von zwei Kugeln getroffen worden war. Nun wandte er sich zur Südsee; sein einziges Gepäck bestand trug einer Violine. Auf den Maranesas-Jnseln ließ er sich nieder und gründete sein erstes Reich. Dann siedelte er nach Neuseeland über, wo er den Kaorikriegem eine Konstitution schenkte und sich zum König erheben ließ. Er war in Geldnot, und um sich zu helfen, schrieb er seinen Wechsel auf seinen „Kollegen" Louis Philippa von Frankreich aus, aber die Tratte wurde leider nicht eingelöst. Dann wollte er Verhandlungen mit England an- knüpsen; das aber wurde dis Verderben des neuen Königs, Großbritannien hatte Absichten auf Neuseeland, .ermutigte einen Aufstand der Maoris, eines Tages brach im Reiche Edmunds I. (eine Revolution aus, und der „König" wurde ermordet. Mehr Glück hatte der Italiener Paolo Soiaroli, der sich zum König von >Sardhananh in Indien aufschwang. Er Ivar Schneider, erbot sich dem Könige von Sardhananh, Uniformen für seine Soldaten zu schneidern, machte sich selbst eine prächtige Generaluniform'/ die dem stattlichen Italiener so gut stand, daß sich die Königstochter tin ihn verliebte. Als der König dann starb, trat Solaroli seine Nachfolge an und wurde König. .
' Die Tyrannei des Fernsprechers. Wenn einmal nach längerer Zeit eine Geschichte des Fernsprechers gefcbriebett werden wird, dann wird wohl auch von ihm das Dichterwort von dem Schwanken des Charakterbildes gellen. An der Parteien Haß und Gunst fehlt es ihm wahrlich nichl, nur daß sich meist beide Parteien in derselben Person verkörpert finden. Die Bewertung des Fernsprechers wechselt zuweilen von Stiinde zu Stunde. Eben noch bis in den siebenten Himmel gepriesen, wird er bald darauf als ein Störenfried verwünscht, wenn ihm nicht gar noch schlimmere Titel beigelegt werden. Eigenartig ist dabei der Umstand, daß die schwarzen Stunden des Fernsprechers sich bansen, je beguenier er zur Hand ist. Befindet der "Apparat sich auf dem Fliw, so kamt fein Besitzer, wenn er melodisch in seine Nachmitlagriche hineinlautet, vielleicht noch zmveilen andere Gefühle durch eine gewisse Schadenfreude Niederkämpfen, indem er sich den Aerger dessen der vergeblich auf ihn wartet, größer vorstellt als seinen eigenen. Steht der Apparat ober im selben Zimmer auf dem Schreibtisch, so wird der Herr des Gemachs wohl lieber so bald als möglich seine horizontale Lage verlassen, um den Lärm wenigflens zum Schweigen zu bringen. Allenfalls findet man noch am Mittagstisch in Gemeinschaft mit den ©einigen die Willenskraft, dem Rus des Fernsprechers zu ividersteben, der sich selbstverständlich ebenso plötzlich zu dieser Zeit emznstellen pflegt wie die Boten, die eine Rechnung einzusordern haben. Ernster ivird die Sache für Leute, die mehr oder weniger wichtige Sprechstunden berufsmäßig abzu- halten haben nnb jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt sind, ihre Untersuchung ober Unterhaltung unterbrechen zu müssen, weil bte Glocke des Fernsprechers es verlangt. Für Aerzte muß es geradezu bedenklich erscheinen, ob sie den Fernsprecher in ihr Sprechzimmer ausnehmen dürfen.
Meuzrätsel.
In die Felder nebenstehender Figur siitd die Buchstaben a a aabbdeeeeeggg ggghhiiiillnnnno osssttttnuuuww derart einzutragen, daß di« wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bezeichnen!
1. Bestimmte Zeit des JahreS.
2. Einen Schmetterling.
3. Stadt in Sachsen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Gar lieblich ist das Lachen In Gottes schöner Welt;
Doch iveil es oft uns Schwachen Zu kühn die Seele schtvellt, Wird Schmerz ihm beigesellt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen UniversuätS - Buch» und Steindruckereh R. Lang«, Tietz«»


