Mtgii

Das nette Mädel.

Noma» von Fedor von ZobeltLK lNachdruck verboten»), (Fortsetzung.)

Natürlich wurde keiner der Herren angenommen. Emina machte ihre Sache auch schon besser. Sie bekam es schließlich ganz gut heraus, mit freundlicher Miene zu sagen: ,Beraure sehr, die Herrschaften sind nicht zu Hause/

Inzwischen war Traute ein zweites Mal in Wörres- hoop gewesen. Da hatte Kruse ein anderes Arrangement getroffen. Im Atelier war das große Fenster dicht ver­hängt worden. Er hatte eine künstliche Nacht geschaffen, und «ns einem Reflektor fiel blaßbläuticher Mondenschein lauf das Irrlicht. An diesem Reflektor wurde lange ge­schraubt Und gebastelt, um den Mondglast der Wirklichkeit nahe zu bringen, und auch Traute hatte es nicht leicht, in ihrer Pose den Wünschen Kruses nachzukommen. Wer schließlich war alles in Ordnung, Und Kruse arbeitete fleißig und schweigsam.

Ja, auch schweigsam. Er sprach fast gar nicht in dieser künstlichen Mondnacht. Er beobachtete und malte. Traute sah, wie ihr Gesicht auf dem Bilde der Vollendung ent­gegenging. Es Ivar ihr Gesicht und doch auch wieder ein anderes.' Es trug ihre Züge, aber nicht ihren Ausdruck. Sie wußte sich die Verschiedenheit nicht recht zu deuten; aber das Eine merkte sie doch: das reizende Antlitz des Irrlichts war wie überflutet von lockender Sinnlichkeit. Nichts Niederes im Ausdruck: ein jauchzendes Versprechen strahlte aus dem grünen Auge, gleichsam ein Aufwärts­fliegen aus der Schwere des Daseins, aus allen erdgebun­denen Problemen in einen Schönheitsrausch höchster und fesselloser Lust. Wer diese Idealisierung der Lust behielt doch den modernen Typus bei: dies Irrlicht hätte auch im Ballsaal loder auf dem Tennisplatz sein männerfangendes Wesen treiben können.

Zu gleicher Zeit war der durch den Wald schreitende Siedler ein anderer geworden. Er trug jetzt das Gesicht Fred Dewas: unverkennbar seine Weichen, mädchenhaften Züge mit dem Schatten der Ermüdung unter den Äugen und einem Ausdruck leerer Reflexion um den Mund. Der Blick schrak nicht vor der Erscheinung über dem Sumpf; im leisen Staunen lag zugleich das Gefühl des Sich-nicht- wehren-könnens gegen ein Feindliches, das, im Moment! vielleicht nur erst Gedankenbild, schon im nächsten wesen­haft werden konnte. So war das ganze "Gemälde im Grunde genommen eine Apotheose des Ewigweiblichen, in die sich durch das typisch Hjentige der beiden Gesichter «in ironischer Einfluß mischte.

Am Sonntag war im großen Saal der Ressource eilte Versammlung anberaymt worden,, in der man das Uro­

gramm für das Maifest endgültig festsetzen wollte. Bet dieser Gelegenheit kamen die Maler aus Wörreshoop seit langer Zeit wieder einmal in die verfemte Banausenstadlr. Alle waren da: sogar der kleine dicke Andreas Kögel, der Bildhauer, der den Unglücksfries für das neue Seeamt geliefert und sich verschworen hätte, nie wieder nach Abdera pilgern zu wollen. Aber dem Rufe Kruses hätte sich keiner widersetzt, um so weniger, als man sich von der Sache einen großen Spaß versprach. Denn Mels hätte angeordnet, das männtglich die hübschesten Mädchen aus nächster und wer­tester Bekanntschaft mitbringen sollte:unbeschadet der gesellschaftlichen Stellung, der Religion und Konfession, des Berufs und der Nebenberufe".

So fand sich denn im großen Saal der Ressource eine höchst gemischte Gesellschaft zusammen. Traute hatte sich ein wenig verspätet und war .erstaunt, als sie zunächst von zwei Mädchen begrüßt wurde, die sie zwar seit langem kannte, mit denen sie aber bisher noch kein Wort gewechselt hatte: den beiden hübschen Arbeiterinnen aus der Blumen­fabrik ihrem Zimmer daheim gegenüber. Sie kicherten beide, die Braune und die Schwarze, und erzählten mit flinker Zunge, die ijje Worte vor sich herschnellte, daß der junge Wetten sie herbestellt hätte, der Maler der Un­möglichkeiten, vor dessen realistischer Anschaulichkeit Fräu­lein von Simkowitz beinahe einmal einen Ohnmachtsanfall bekommen hätte. Und nun entsann sich auch Traute: sie hatte in einer Privatausstellung gelegentlich ein Bild Wettens gesehen: ,Der übermütige Faunh auf dem em lustiger Bocksbein zwei hübsche Nymphen beim Baden über­rascht. Das Bild war prachtvoll gemalt Und hätte auch annrntig wirken können, wenn der Künstler sich nicht daraus kapriziert hätte, seine Darstellung mit ganz unnötigen naturalistischen Einzelheiten zu versehen. Und da Trautes Blick über den Schwarzkopf glitt, fiel ihr auch die Aehnlrch- keit des Mädchens mit einer der Nymphen auf und fie errötete unter dem Eindruck einer unwillkürlichen Ge­dankenverbindung.

Und dann ging ihr Blick weiter Herrgott, wär das eine unerwartete Menschenfülle! Nur die ersten Stuhl­reihen waren besetzt, sonst stand man noch in Gruppen beieinander oder schritt plaudernd auf und ab oder hatte sich in die gewölbten Mschen der hohen Saalfenster zurück­gezogen, deren bunte Scheiben die Wappen der Donatoren trugen, die zu dem Neubäu der Ressource ihr Scherflem beigetragen hätten. Denn in diesem repubükamschen Ge­meinwesen war man stolzer .auf Herkommen und Art, als in irgend einer aristokratischen Oligarchie, und es gab kern Patriziergeschlecht, das nicht sein Wappen geführt hätte- mit ovalen, runden und geschweiften Schildern, nut Her­melin und Wolkenfeh, mit den schönsten Verschnörkelungen und in Tinkturen, für die die sieben heraldischen Farben noch lange nicht genügten. Was war einmal so, und man hielt darauf, wie auf seine geinalten Stamsnbäuche und. dttz