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kühlen, dunklen Ort? vor sich gehen läßt. Erst wenn die Wurzeln den Boden des Glases erreicht haben und der Trieb etwa 5 Ztm. lang ist, bringt man die Gläser an das Fenster des Wohnziminers, hält sie aber so lange mit einer Düte bedeckt, bis die Spitzen sie anheben.
Sollte im Freien starke Kälte eintreten und auch eine starke Abkühlung am Fenster während der Nacht nicht zu verhindern sein, so setzt man die Gläser vorübergehend von dort weg.
Das Wasser ist während der ganzen Zeit zu beobachten. Das verdunstete wird mit zimmerwarmem Wasser nachgesüllt. Fängt es etwa an, trübe und übelriechend zu werden, so zieht man die Zwiebel mit den Wurzeln heraus, spült letztere vorsichtig aus der flachen Hand unter dem Strahl der Wasserleitung ab, reinigt den Wurzelboden innerhalb des Wurzelkranzes mit dem Zeigefinger, ohne den Nagel 51t benutzen, vom Schlamme, reinigt auch das Innere des Glases sehr sorgfältig, füllt frisches lauwarmes Wasser hinein und bringt dann die Zwiebel wieder daraus. Bei einigem Geschicke läßt sich dies ohne Wurzelverlust, der übrigens in geringem Maße keine nachteiligen Folgen hat, bewerkstelligen.
Wen in Töpfen und Gläsern die seitlichen Blattriebe aus den „Brutzwiebeln" der Hyazinthen, die sich an der äußeren Basis der „Mutterzwiebel" entwickeln, stören, schneide sie kurz ab. Das Ablösen dieser Brutzwiebeln aber darf nur vor dem Aussetzen aus Wasser geschehen, so lange die Zwiebel noch trocken liegt. Die verbleibende Wundstelle ist mit Holzkohlenpulvcr einzupudern. Je später getrieben wird, desto länger entivickeln sich die Bllltenschäste und können ost die schwere Dolde nicht tragen. Man steckt dann einen entsprechend dünnen, gespitzten Bluinenstab, der bis an die unteren Blüten der Dolde reicht, dicht neben die Zwiebel senkrecht in die Erde und bindet mit dünnem, gedrehtem Bastfädchen den Schaft geschickt an. Für die Zwiebeln ‘ aus Wasser besorgt man sich die hierzu eingerichteten, leicht am Glase zu befestigenden Drahthalter. Mit eingestopslem Moose läßt sich die Zwiebel genügend sesthalten.
Tas unangenehme „Sitzenbleiben" des Blütenschastes zwischen unverhältnismäßig schnell wachsenden Blättern ist nicht zu verwundern, wenn die Zwiebeln falsch behandelt, zu früh getrieben wurden, wiederholt zu großen Temperaturschwankungen oder häufiger Trockenheit usw. ausgesetzt waren. Aber auch trotz richtiger Behandlung hat selbst der Fachmann, leider nur zu ost, besonders bei dem frühen Treiben, darunter zu leiden. Die Ursache dieser Erscheinung ist dann darin zu suchen, daß die Zwiebeln im Sommer vorher nicht richtig „reif" geworden sind. Sei es, daß ein nasser, feuchter Sommer dies verhinderte, sei es, daß die Lagerung vor dem Einpflanzen an nicht vollständig lufttrockenem und nicht genügend warmem Orte oder nicht lange'genug erfolgte. Ein sicheres Mittel, den Blütenschaft in letzter Stunde 'herauszutreiben, gibt es meines Wissens nicht. Manchmal bewirkt das Abschneiden der längsten grünen Blätter, daß der Blütenschaft sich streckt.
Die aus Wasser getriebenen und abgeblühten Zwiebeln sind so erschöpft, daß man sie am besten bald ' sortwirst. Die in Erde kultivierten bringen im nächsten Jahre meist noch einmal eine allerdings bedeutend dürftigere Blume, wenn man sie folgendermaßen behandelt: Sobald die Blunie unansehnlich wird, schneidet man sie mit dem Schafte tief zwischen den Blättern ab, stellt den Tops an ein sonnig gelegenes Fenster in einem kühlen Raume und hält die Erde nur mäßig feucht. Entsprechend dem nach einiger .ßeU allmählich eintretenden Vergilben der Blätter gießt man immer seltener und hört bald ganz auf. Der Topf wird nun an einen recht trockenen, luftwarmen Ort, der dunkel sein kann, gestellt und sich selbst überlassen bis Milte August. Dann wird die Zwiebel herausgenommen, von den alten Schalen und Wurzeln befreit; die trockene, aus den Blatt- und Schaftresten bestehende Spitze wird scharf abgeschnitten und nun die Zwiebel wie eine srisch gekaufte behandelt.
Vermischtes.
* Das fromme Argentinien. In den ersten Sep- tembertagen wurde der vornehme Nachmittagskorso auf dem C-allä Florida yt Buenos Aires empfindlich gestört. Eine 'sich unaufhörlich erneuernde Menschenmenge staute sich vor einem der zahl^ reichen Juwelengeschäfte. Ein Diadem von ganz besonderem Reiche tum, aus einer Unmenge kostbarer Perlen und Diamanten be-> stehend, leuchtete dort auf seidenem- Kissen. Obwohl die argen-, tinische Geldaristokratie nicht gerade knausert, wenn es sich nm die Schaustellung von Preziosen handelt, konnte man doch kaum annehmen, daß- das allzu prunkvolle Stück einer Dame der Gesellschaft bestimmt sei. Zn der Tat sollte es auch nicht den Scheitel emer irdischen Frau krönen, sondern das Haucht der heiligen Jung-, frau von Cuho, des volkstümlichsten Marienbildnisses im Lande. Wer aber sind die Spender des kostbaren Diadems? Man denkt an tagend eine ftomMe alte Dame, an eine der alten katholischen Famtlten. Aber damit hat nian Anrecht, denn das Diadem ist die Estbe der herrschenden Regierungschartei, die völlig unter dem Einfluß des Klerus steht, an die Beata Vergine di Cuho. Wenn es gilt, ihre Frömmigkeit zu beugen, läßt diese Partei nicht mit sich lumpen; so hat sie denn auch An den 80 000 Skudi oder 175 000
Franken, die das Diadem' gekostet hak, noch weitere 120 000 Franken hinzugefügt, um auch dem Jesuskind, das die Jungfrau auf deut Arm hält, ein kleineres, aber -ebenso reiches Kronlein zu spenden. Wenn die stärkste politische Partei so fromm ist, kann die Regierung mcht zurückstehen. So hat sie denn dem Gouverneur von Buenos Aires 50 000 Franken zur Bestreitung der Kosten angewiesen^ dre er anläßlich be§: Krönnngsfestes der heiligen Jungfrau v'ntzf ihres Kindes hatte. Aü chsonst sorgt die argentinische Obvigkeit' recht gut stir Kirchen und Altäre, nicht schlechter zum mindesten alH ßir ihre Schulen. Erst in den letzten Wochen hat der Senat'gegen 600000 Franken für alte und neue Kapellen u-nd Klöster b&e willigt, nachdem kurz vorher eine halbe Million zUp Unterstützung religiöser Kongregationen verwendet worden war. „Verlorenes Geld!" wagten einige „Aufgeklärte" angesichts dieser reichen Dotationen zu einer Zeit wirtschaftlicher Krise auszUrufen; sie wolltet dagegen protestieren, aber die Regierung verbot ihre Versamm^ langen, ebenso wie sie Mr selben Zeit den Vortrag einer Dame/ die über sexuelle Aufklärung sprechen wollte, nicht zuließ. Um fp weltlicher ging es beim Fest der heiligen Jungfrau ,von Euyp her; die Welt und auch die Halbwelt entfalteten höchsten Luxus! und sahen von den Tribünen aus dem bunten Umzug der Priester zu. Dann aber sollte auch eine Art von Wohltätigkeit zu Rechte kommen: Mit Nummern versehen, die sie wie Galeerensträflinge ihres Kindes hatte. Afuch sonst sorgt die argentinische Obrigkeit schen.an den prächtigen Tribünen mit den vornehmen Damen vorbei, die den Akt der Wohltätigkeit genießen wollten. Nachdem jeb-er der Armen sein „Gloria al Barnbin Gesu, gloria al Presi- dente della Eepublica“ gerufen hatte, bekam er zum Lohn dafüv sein Almosen.
* Etwas von der Sprachpolizei. Sprachpolizisten könnte man sie nennen, die unbequemen Mahner und Warner, nein lieber Sprach-S chntzlente, denn sie wollen ja schützen, — die Muttersprache schützen gegen Gleichgültigkeit rind Liederlichkeit, gegen Verrohung und — Ueberseinerung. Und sie mögen wohl nicht immer verstehen, sich beliebt zu ntachen, wie es ja der staatlichen Polizei auch hier und da — mit Recht oder Unrecht — nachgesagt wird. Denn wie d i e Polizei am meisten taugt, die mit freundlicher Bestimmtheit die Massen zu lenken versteht, ohne so. fort bet dein geringsten Anlaß grob und täppisch zuzugreifen, so zieht man attch jene Sprachreiniger, tvelche die Leute bei guter Laune ztt erhalten wissen, denen vor, die beim ersten besten Fremdwort dem andern über den Mund fahren. Denke doch niemand, es ginge nur mit galligem Tadeln und Schelten, mit ärgerlichem Verbessern und pedantischem Belehren! Gewiß, auch solche Mittel können unter Umständen nützlich sein; aber besser als Scheltrede ist meist ein Scherz, besser als Tadel ein fröhliches Schmunzeln, beffefc als Belehrung nicht feiten ein duldendes Schweigen. Jeder, der an der Hebting ttnserer Untgaitgssprache arbeitet, hat wohl schon die Erfahrung gemacht, daß ost feine bloße Anwesenheit genügt, um den und jenen zu größerer Achtsamkeit in sprachlichen Dingesi ztt erziehen. Da sitze ich bisweilen ganz rtthig ttnd zucke auch bei dein übelsten Frentdivort nicht mit den Wimpern, und doch bleibt Herr $. oder Freund 2). (sie kennen mich ja längst!) plötzlich, indem er mich aitsteht, mitten in der Rede stecken und gebraucht eilt deutsches Wort statt des fremden, das ihnt aus der Zunge lag! Und hat er erst öfters die Erfahrung gemacht, es geht auch so, dann wird er bald auch in meiner Abwesenheit dies und das rembe Wort meiden, bis er volle sprachliche Sicherheit erlangt hat. Wenn auf diese Weise sich die Sprachpolizei mehr und mehr überflüssig macht, so sollte das ihr höchstes Lob sein; denn eilte Polizei, die sich überflüssig macht, hat ihre Ausgabe erfüllt.
R. Palleske.
* Zweierlei. „Hat meine Frau nicht entzückend kleine! Füße?" „'Das weiß ich nicht; die Schuhe sind allerdiügH Kein!" ___________
Abendfrieden im Walde.
Wenn leise sich die Dämmrtmg senkt,
Herab aufs stille Tal,
Und fällt aps Wiese, Wald und Feld
Der letzte Sonnenstrahl,
Dann ziehet ein der Friede mild
Ins bange Menschenherz
Dann muß für Augenblicke wohl
Verstummen aller Schmerz. O. S.
Rätsel.
„Das schmeckt ja herrlich zu dem Brote!" Rust der Soldat mit Schmunzeln aus.
Setz' statt des letzten Zeichens h und t, Sogleich erhältst du, was im Wald zu Haus.
Auflösung in nächster Nummer»
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1. Th6 —b6 K d 5 — c 4.
2. Lg2 —e4: Lc5 zieht.
3. L e 4 — d 3 f und Matt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.


