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gerettet Hat, wäs viel mehr wert iff, etwas, wÄs ihn froh Mrd zufrieden mit sich selbst macht.

Sie dachte nicht mehr über die Erregungen des Tages nach, sie wußte nur das eine:Einmal kämmt doch das Ersehnte, das Wunderbare in mein Leben; ich muß nur warten und allen Stürmen staudHalten!"

Uchtes Kapitel.

Wenn der Winter ein strenges Regiment hielt Mrd das kleine Thüringer Nestchen so ganz und gar in Schnee Und Eis eirigebettet hatte, dann herrschte Totenstille rings sums Saalehaus.

Die Luft war klar und hell und durchsichtig; der Wind hatte sich seit vielen Tagen schlafen gelegt. Das kleine Gärtchen am Saaleufer lag wie erstarrt da, und das Wehr, das sonst durch sein Rauschen urrd Schäumen eine be- stündige Unruhe in die große Stille brachte, war nun auch verstummt, denn die Saale war seit Wochen fest zugefroren.

Mittwochs urrd Samstags hatterr sich öfter ein paar Musikanten zusammengetan und gerade vor dem Saalehaus ein Eisfest veranstaltet, aber jetzt, bei zweiundzwanzig Grad Kälte, hatte kein Mensch Lust aus dem Haus zugehen, und die Kosy schimpfte, daß sie allmorgendlich Bahn kehren mutzte rein für nichts, denn Briefträger, Bäckerjunge und Milchmann, die brauchten das bißchen Schnee und Glatt­eis doch nicht zu fürchten.

Wenn sie mit ihrer großen Schneeschippe auf der Straße hin und her lief, dann trug sie dicke gestrickte Fausthand­schuhe, und über die Kapuze hatte sie ein großes, wollenes Tuch gebunden, so daß nur die zwei schielenden Aeuglein Und eine blaurote Nasenspitze hervorsahen.

Alle zwei Minuten hielt sie in ihrer Arbeit inne, Katschte in die Hände, sah nckch oben und schüttelte den Kopf. Das sah nicht aus, als sollte sich's ändern, da hing noch viel Schnee und Frost am Himmel. Dreißig Brikettsteine mußte sie täglich in den Ofen bei Frau von Hilbach einlegen. Das war zu viel, auf diese Weise war man Mitte Februar mit der Feuerung fertig und dann??

O, wenn sie darüber nachdachte, dann kam etwas Häß­liches in ihr Gedächtnis, etwas, was ihr oft wieder die Tränen in die Augen trieb.

Kosy da nimm!" ries Erwin von Hilbach und reichte Mr mit Leiden Händchen ein Stück Papier, auf dem ein Wuschen Brotkrumen lag.

Da, Kosy, für meine Spatzen!"

Mach's Fenster zu, Jungchen!" sagte sie ärgerlich. Wir haben's nicht überflüssig, laß das bißchen Wärme Nicht Herairs!"

Im ganzen Haus, in allen Stockwerken schalterr sie, daß sie so viel Feuerung brauchten, und alle sangen ihr Klagelied vor Frau von Hilbach; die Specht hatte ihr geradezu gesagt, dieses Haus sei so kalt und so schlecht gebaut und die Oefen seien so miserabel, daß man recht­licherweise etwas vom Mietspreis ablassen müßte, statt die Mieter noch zu steigern.

Aber der Baumeister, der zu Rate gezogerr wurde, hatte Frau von Hilbach getröstet.

Wenn nur alle neuen Häuser so fest gebaut würden ?sie das Saalehaus, das wäre ein Glück!" hatte er ge- agt, und daß man bei einer Kälte von zweiundzwanzig Grad mehr Briketts gebrauchte, als bei den milden Win­tern der vergangenen Jahre, das müsse doch jeder einsehen, Md dafür sei kein Hausbesitzer verantwortlich.

Sie klagten aber alle, und Frau von Hilbach hatte immer das peinliche Gefühl, als müsse sie sich entschuldigen.

Die Häuflein war die einzige, die mit lächelnder lieberlegenheit diese Unannehmlichkeit ertrug, aber die Pasto­rin Melzing war ganz gebrochen. Sie hatte im Herbst versäumt, srch die Feuerung zu Sommerpreisen zu besorgen Md mußte sich nun Zentner- und stückweise Briketts und Torf anfahren lassen. Oft kam der Kohlenmensch nicht {ünktlich, und sie borgte sich in allen Stockwerken ein aar Torfsteine oder eine Handvoll Holz, aber niemand ?;ab es ihr gern, lveil man der Pastorin Vergeßlichkeit in olchen Dingen kannte.

Wenn die Kosy ihr ein paar lumpige Torfstücke ver- sLreichte, machte sie jedesmal eine hämische Bemerkung, Md einmal rief sie der armen Gräfin noch über die Treppe laut nach:Wiedersehen macht Freude!"

Ungebildete Person!" murmelte die Pastorin leise, ging in einiger Erregung die Treppe hinauf, und wie sie oben war, warf sie den Torf vor den Ofen und begann zu suchen.

Sie hatte einen Hundertmarkschein verloren, und ob­schon sie alles um und um gekehrt hatte in ihrer Woh­nung, konnte sie ihn nicht finden; aber diesen Hundertmark- schein konnte sie unmöglich entbehren, denn ihre reiche Ernte vom Sommer war dahin, und ihre Söhne schrieben alle drei um Geld, und aus dem Schreibtisch lagen eine Menge kleiner Rechnungen.

Wenn ich ihn nun wirklich aus Versehen in den Ofen geworfen hätte!" sagte sie verzweifelt und setzte sich jn einen tiefen Lehnsessel aus weiß lackiertem Holz mit goldnen Rokokkoverzierungen und einem hellroten Sammetbezug. Es wäre furchtbar, furchtbar!"

Sie stützte den Kopf in die Hand und versank in tiefes' Sinnen, aus dem sie erst erwachte, als ihre Hände und Füße vor Kälte erstarrt waren und ein heftiges Frostgefühl ihr einen Schauer durch den Körper jagte.

Sie kniete vor dem Ofen, warf Papier und Holz hinein und versuchte vergebens, ein Feuer instand zu bekommen. Das Papier brannte ab, aber das Holz war zu feucht, es wollte nicht brennen.

Drei, viermal hatte sie neues Papier entzündet, die Stube mit den weißgoldenen Möbeln aus dem.Grafen­schloß zu Wehringen füllte sich mit Qualm, und die Pastorin begann zu weinen.

So viel Jammer, so viel Elend!" schluchzte sie,und wenn ich meinen Hundertmarkschein nicht finde, kann ich hungern in der nächsten Zeit, himmlischer Vater, warum suchst du mich so schwer heim?"

Sie begann von neuem, Papier zu entzünden; sie, pustete in die Asche, aber es nutzte nichts. Stur ihr Ge­sicht wurde von Ruß bedeckt, und die Augen taten ihr weh.

Ich werde zu Frau von Hilbach gehen! Die ist gut und hat eine warme Stube, und wenn ich der Gemüsefrau ein gutes Wort gebe, kocht sie mir ein Süppchen mit!"

Sie traf aber nur den kleinen Erwin unten au, und er sagte ihr, daß Frau Natusius seine Mutter zu sich gerufen habe, und daß Frau Natusius so furchtbar gemeint hätte.

Die Pastorin nahm den Jungen auf den Schoß, las ihm ein Märchen von Andersen vor und war glücklich, daß sie im Warmen saß und für die nächsten Stunden ge­borgen lvar. ;

(Fortsetzung folgt.)

Aus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 500 Jahren.

(Vortrag, gehalten am 11. Januar 1911 im Ortsgewerbeverein! von Christian Müller, fürstlichem Kammerdirektor. Nachdruek ist nicht gestattet.)

Aus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 300 Jahren biete ich heute abend einige, wie ich hoffe, nicht uninteressante Mitteilungen als Teilergebnis meiner be­scheidenen lokalen Forschungen. Nicht alles, was ich bringe, kann neu sein. Ich muß an Bekanntes anknüpfen; jedoch vieles als bekannt voraussetzen. Die Gewannnamen und Ortsbezeich- nungen, mit denen ich Beweise führe, oder zu führen suche, sind sämtlich urkundlich belegbar.

Engbegrenzte ortsgeschichtliche Zustände und Begebenheiten werde ich kurz zu schildern versuchen und afct und zu auch mit Personen, die uns begegnen, bekannt machen. Ortsgeschichtliche Dinge stehen zur Besprechung. Die Grundlage aber jeder Orts- geschichte ist die möglichst genaue Kenntnis der Oertlrchkeiten, auf denen sich die Begebenheiten, die uns beschäftigen, abgespielt, wo die Personen, die wir kennen lernen, gelebt haben. Nur eine genaue, Ortskenntnis läßt uns vertraut werden mit der Vergangen­heit und Verständnis gewinnen für ihre Eigenart, aber auch für die einer zum Teil ganz anders gearteten Gegenwart. Zwie­fach ist demnach der Nutzen, den uns die Beschäftigung mit der Ortsgeschichte bringt, oder dpch bringen kann.

Die Zeit, aus der ich erzähle, füllt mit der Regierung des Grafen Wolfgang Ernst von 15961628 zusammen und umfaßt demnach auch die letzten Regierungsjahre des Grafen Heinrich von der Ronneburger Linie, mit dein er sich bis zu dessen int Jahre 1601 erfolgten Tode in die Menburgischen Lande teilte, Burg, Stadt und Gemarkung Büdingen waren gemeinsamer Besitz.

Die Quellen, aus denen ich hauptsächlich schöpfe, sind: eine Urkunde, aus dem Fürstlichen Archiv von 1517; ein Meßbuch der Büdinger Feldgeschworenen von 1600 bis 1606 aus der städt. Registratur und ein Ackerbuch nebst anderen Aufzeichnungen aus der Landteilnng des Grafen Wolfgang Ernst von 1628 bis 1632,