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plastisch die Hebung seines Armes war. Es sah wie ein- geübt aus. Nun siel ihr Blick auch auf seine Hande, Und wieder Ivar sie erstaunt. Wie kam der große Bär zu diesen langen, schmalen, nervösen Händen?

Sie saß artig still. Hin und wieder sing sie einen seiner Blicke ans. Aber keiner seiner Blicke blieb auf ihr hasten. Sein Blick umfaßte sie, umringelte sie gewissermaßen, zog 'Meise um sie. Er traf nie etwas Bestimmtes, weder Stirn, noch Stase, noch Mund; er traf immer das Ganze ihrer Erscheinung. Sie hatte das sonderbare Empfinden, als ob sein Mick sie näher an sich zöge und sie in Fesseln lege.

Nun ging es hurtiger mit seiner Arbeit. Traute merkte, daß ein heiterer Ausdruck über sein Gesicht ging, das wohlige Empfinden fühlbaren Gelingens. Und jetzt be­gann er auch zu sprechen.

Das wird hübsch werden mit dem Maifest," sagte er. Natürlich machen wir es wieder in Sonderkroog, nicht in der Birkenhalde, wie letztes mal. Wir brauchen das Meer als Hintergrund, und Pie Dünen, und auf der anderen Seite die schwarzen Fichten von Ostrook. Es kann famos werden wenn schönes Wetter ist."

Sonst wird es verschoben."

Natürlich. Sonne muß, sein r und Wärme. Die Kostüme werden zum Teil recht leicht sein. Gute Idee von Eberstedt, daß er auch die Bande von Hnndertundeins mit 'heranziehen will. Da sind prachtvolle Mädel dabei."

Es wird Widerstand setzen beim hohen Senat."

Everstedts Sache. Wir machen alle nicht mit, wenn wir nicht freie Hand haben. Entweder ich arrangiere den Rummel, wie ich will oder ich danke. Die paar nied­lichen Weiberchen eurer Goldnen Horde genügen mir nicht. Ich will einen Riesenaufzug haben, will die ganze Märchen­welt wecken, vom Froschkönig bis zum Meisterdieb und von den drei Spinnerinnen bis zur Gänsemagd."

Ich habe schon überlegt: ich komme als Ällerleirauh."

Kein Gedanke, mein Kind. Sie sind die Märchen- Jee, und alles, was da ist, wird Ihnen huldigen. Ich werde chnen das Kostüm zeichnen."

Traute erschrak ein »venig: das konnte hübsch teuer werden.

Um Gottes willen," rief sie,ich als Märchenfee!? Was werden denn die andern dazu sagen? Was Suse und Lili und Eva?"

Ist mir höchst Wurscht."

Aber sie sind sowieso leicht eifersüchtig!"

Soll'n sich die. Eifersucht verkneifen." . . . Wieder griff er zum Spachtel. ...Kops mehr hintenüber, wenn sch bitten darf aber hallo, nicht zu. viel! Nee, Fräulein Traute, das sage ich Ihnen gleich: aut Caesar, aut nihii. Oder zu deutsch: Order pariert! Zwischen den Fichten, wissen Sie, nach der Talmulde zu, wo der Pavillon steht, ist eine kleine Lichtung: da wird Ihr Thron errichtet. Aus Frühlingsgrün, Veilchen, Maiglöckchen und blühenden Vei- gelien. Und dann defiliert der Zug an Ihnen vorüber, und Bvedon als Oberzeremonienmeister des Königs Drossel­bart wird das ganze leiten und die Aufstellung überwachen. Dieser Marquis hat sowieso etwas Zeremoniöses. Er kriegt rote Beine und tfchitscherigrüne Pluderhosen von ungeheurer Weite; die Schlitzen an seinem gelben Samtwanls müssen raupengrün sein, und als Hausorden trägt er einen Wldenen Assen. Er wird gut aussehen."

Und wie wird mein Kostüm sein?" fragte Traute etwas zag.

Könnte ich es aus Spinneweben schneidern lassen es wäre mir schon das liebste. Und hineingewoben ein paar Mondstrahlen, und als Besatz eine phantastische Borte ans Perlen des Frühtaus. Aber nichts darunter. Gott, müßten Sie schön aussehen!"

Ich würde mir den Schnupfen holen," entgegnete Traute lächelnd.

Natürlich man muß immer mit dem Menschlichen rechnen. Zur Märchenzeit kannte man noch nicht die Ge­brechen der Schleimhäute. Auch mein Irrlicht hat kein Schnupftuch zur Hand, und wenn ihn ein Nieser überkommen sollte, ich wüßte nicht, was es täte. Nun sind Sie wieder ein wenig aus der Position geraten, Holdeste bleiben Sie ruhig sitzen, ich rücke Sie mit vorsichtiger Hand zurecht!"

Das tat er. Er faßte zart an ihren KVpf, trat etwas zurück, nm sie aus der Entfernung zu betrachten, und korrigierte dann von neuem an ihrer Haltung, Sie spürte kaum die Berührung seiner Finger.

Jetzt schwieg er abermals. Seine Stirn umschattetg sich. Es schien etwas an seiner Arbeit, das ihm nicht! gefiel. Es war das Auge des Irrlichts. Er trug Farben Und Lichter lauf ünd vernichtete wieder, was er gemalt hatte,

Der Reflex des Mondes fehlt mir noch," sagte er, Ich werde das nächste Mal künstliche Nacht schaffen."

Da trat die Vierthaleru ein Und vermeldete, das Früh­stück stehe bereit.

Ist mir recht," ries Kruse,eine Verlegenheitspause, die wir gut Msfüllen können."

Die Vierthaleru wollte Traute in ein japanisches Ge­wand aus indigogesärbter Baumwolle schlüpfen lassen, das an der Ecke einer Staffelei hing. Doch Kruse wehrte dem. Das war für die kleinen Modelle, wenn sie ihre Blöße be­deckten, aber nicht für das allergnädigste Irrlicht.Immer­hin," meinte er,bleiben wir bei Ostcsiien. Zwölfmark, die Pelzjacke des Chen-chi-chung!"

(Fortsetzung folgt.)

3im Butlers Weitflug.

Eine phantastische Fluggeschichte von. A. Manns (Bremen)'.,

Die Räume des Aeroklub-Hauses zu Chicago waren heute! besonders stark besucht, denn morgen früh wollte Jim Butler den großen Weitflug nach Kalifornien auf seinem Butler-Edison-Ein- decker antreten, mit bem er kürzlich den. Weltrekord in Ge­schwindigkeit und Zuverlässigkeit ausgestellt hatte.

Seit einigen Wochen verkehrte im Klub ein ausländischer Gasts« Mirawada, ein vornehmer wtb gelehrter Inder aus der Brah- manen-Kaste; mit ihm unterhielt sich Jim Butler diesen Abend fast ausschließlich. Jim mochte den interessanten Fremden gut leiden, doch konnte er es nicht unterlassen, ihm gegenüber das souveräne Selbstbewusstsein des praktischen amerikanischen Geistes möglichst deutlich zum Ausdruck zu bringen.

Mirawada hörte den Lobestiraden, die Jim auf sein Vater­land sang, schweigend rind durchaus nicht ablehnend zri. Dann nickte er.

Bei Ihrer Nation herrscht das Bestreben, die Krafts de« Natur zu verwerten; das ist Ihre Art; die unsere ist, diese Kräfte zu erkennen itnb zu begreifen. Man muß jedem das seine lassen. Auf beiden Wegen hat man einen Ausblick aus wahre Kultur, doch kann sie leider niemand gleichzeitig gehen."

Sie sollten eine Slmeritänerin heiraten, Mirawada," meinte Jim lächelnd, und in einem Ton, der ein ganz klein wenig überlegen klang, fuhr er fort:Ernstlich, dieses grüblerische! Verbohren in unreale Dinge oder Begriffe, hat es je wahr­nehmbare Ergebnisse erzielt? Nennen Sie mir doch ein Beispiel?"

Wenn ich will, kann ich Ihre Gedanken und Handlungen! beeinflussen," sagte der Inder und sah Jim mit einem so starren, seltsamen Blick an, daß dieser die Augen schließen mußte. Es war ihm überaus beklommen zumute; wie er nach Haus ge- kommen Ivar, hatte er nicht zu sagen vermocht.

Am nächsten Tage, unter dem jauchzenden Zuruf der Menge, begann Jim Butler den großen Flug. Als er nach woU- geluugeuem Ausstieg noch einmal unter sich sah, um womöglich in dem dichten Gewühl seine Braut, Daisy Laudsey, zu er­kennen, sah er von allen Menschen nur Mirawada, der unver­wandt zu ihm emporblickte. Der Blick des Inders verlies; ihn nicht, er fühlte ein leichtes Unbehagen, das sich bis zum wirk­lichen Schwindel steigerte und sogar einmal zu Angstgefühl wurde. Dann plötzlich verschwand dieser unbehagliche Zustand.

Jim flog und flog, viele, viele Meilen weit, über Seen, Flüsse, Berge und Städte hinweg. Es war ihm unendlich leicht und frei, kein Luftzug störte den Genuß, die Maschine arbeitete st> sicher! und ruhig, als ob er selbst zu denken vermöchte, Unglaublich rasch wechselten die Bilder, die Jim in Muße betrachtete, sei»! Apparat trug ihn wie ein gut geschultes Reittier, das den Willen seines Herrn errät. Merkwürdig, was Jim auf der Erde unten sah, setzte ihn von Minute zu Minute mehr in Erstaunen, lleberalh sah er die ihm wohlbekannte typisch amerikanische Landschaft/ und doch schien ihm alles eigenartig verwandelt. Er meinte doch die Gegend zu kennen und wunderte sich, daß er den großes prachtvollen Wald in der Prärie noch nie gesehen habe, eben­sowenig die weitläufige Stadt dort mit den sonderbaren Häusern! und den rutschbahnartigen Dächern; ab und zu sauste etwas über, unter und neben ihm vorbei; doch was es war, konnte er nicht erkennen. Das, was er jetzt sah, mußte wohl ein Kornfeld sein, es war eine schier endlose Fläche von mindestens drei Meilen im Quadrat. Die einzelnen Halme schienen Jims Schätzung nach 10 Fuß lang zu sein. Auf dem Feld lief, fast mit dcÄ Geschwindigkeit einer Lokomotive, ein großer, schwarzer Kasten hin und her, und dort wo er gewesen war, .hinterließ er die reine, schwarze Ackerkrume. Dann'wieder kam eine riesige Wiesen­fläche, ans der Tiere weideten wie sie Jim nie gesehen hatte. Rinder waren es, doch von so enormer Größe, daß der stärkste Bulle der normalen Sorte jm Vergleich zu diesen Tieren eist Zivergrmd war.