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-..Sobald ich Mir einen Stoff gewählt hatte, lieh ich nur von meinem Pariser Buchhändler alle Werke nach Psalzbürg schicken, die über diesen Gegenstand veröffentlicht waren, Cer sandte mit dann gewöhnlich ernte ganze Kiste voll. Ich schüttete nun alle die Bücher auf den Fußboden, schaute sie der Reihe nach durch und isonderte zur Rechten biejenigen, die ich behalten wollte, zur Linken die anderen, die mir nicht für mich geeignet schienen und die nach Paris zurückgingen. Die behaltenen Werke las ich dann durch, so rasch wie möglich. Dann machte ich mich auf die Strümpfe, ich durchwanderte die Gegenden, wo die Persönlichkeiten meines neuen Werks leben sollten. Ich lebte dort selbst mit ihnen Manchmal hatte ich das gute Glück, als Führer irgend ein altes Reisewerk zu finden, ein Heft mit Notizen, ein intimes Tagebuch. Dann entwickelte sich alles leicht und angenehm." Der so einfach schlichte, beinahe nüchterne Stil Erckmanns ist aber durchaus nicht mühelos entstanden, sondern durch eine ganz erstaunliche Arbeitsleistung und zähe Energie geschaffen worden. Die noch vorhandenen Entwürfe zu seinen Werken zeigen, daß er manche Sätze und Seiten viele, viele Male umschrieb; eine Naturschilderung ist z. B. 17 Mal verändert und gefeilt, ein einziger Satz 25 Mal mugeschrieben, bevor er die endgültigü Form erhielt. Hatte Erckmann den Roman beendet, dann trat sein Freund Chatrian in Tätigkeit. Sie waren bereits als Studenten miteinander bekannt geworden; der freundlich gütige, dabei wohlhabende Erckmann hatte den armen Chatrian unterstützt, und dieser war dem bedürfnislosen, unpraktischen, sich vor der Welt verschließenden Freunde unentbehrlich geworden. Chatrian nahm nun das fertige Manuskript und sagte: „Deine Arbeit ist erledigt. Du kannst dir jetzt unsere alten Tannen ansehen gehen, ich werbe das nun unterbringen." Er schrieb darauf das Werk noch einmal eigenhändig ab, veränderte einige Kleinigkeiten, strich ein paar Sängen, taufte ein paar Namen um. Es waren durchaus nicht ästhetische, sondern rein praktische Erwägungen, von denen er sich bei dieser Redaktion leiten ließ. Im übrigen war Chatrian der Geschäftsmann, wie Erckmann der Dichter. Er suchte mm einen Verleger, wählte den günstigsten Moment des Erscheinens, suchte in den Redaktionen für die neue Arbeit zu interessieren, setzte sich mit Theaterschriftstellern in Verbindung, dis aus den Romanen zugkräftige Stücke machten, leitete alle geschäftlichen Verhandlungen und verwaltete das Geld. Erckmann war damit zufrieden; ihm war Lhatri.au mindestens ebenso notwendig, wie er dem praktischen Freunde. Daß die Romane alle im Wesentlichen von Erckmann verfaßt waren, geht daraus hervor, daß es eine Reihe Arbeiten gibt, die Erckmann allein veröffentlicht hat und die durchaus das Charakteristische seines Stil und Dichtens haben. Chatrian, dessen Verse Erckmami bewunberte, hat nur einmal an einem Roman etwas allein geschrieben, nämlich den Schluß der „Geschichte eines Hilfslehrers", der in seiner harten, plumpen und lehrhaften Art sich von der feinen, zarten Art der übrigen Erzählung scharf abhebt. Erckmann war mit der Tätigkeit des Freundes zufrieden: „Im Ganzen haben wir jeder eine Million verdient. Sie wissen, wie wenig ich brauche. Mein Lieblingsefsen ist Rindfleisch. Was auch komme, ich bin ruhig." Auch als sie schließlich im Streit auseinanderkamen, bewahrte Erckmann noch dem Freunde ein wohlwollendes Gedenken, der nur durch ihn einen Platz in der Literatur erhalten hat.
Dcrinititfes.
- Was Kunsthändler verdienen. Wer des lästeren die großen Kunst- und Aniiquctätenhändler in ihrem eigensten Reiche auifucht und den weifen Reden der klugen Geschäftsleute andächtig lauscht, wird beobachtet haben, mit welchem Stolze fo ein begeifterter Verehrer feines eigenen Bernies sich rühmt, dies ober das Meisterwerk von unschätzbarem Werte für ein „Butterbrot" erstanden zu haben. Jetzt hat ein großer Pariser Kunsthändler ein ausgezeichnetes Geschäft gemacht, indem er fechs alte Tapisserien für eine Million Frks. erwarb. Eine Alillion ist allerdings fern Butterbrot und der Händler schwebte nach dem vollzogenen Kaufe auch in schwerer Sorge, ob es ihm gelingen würde, das Kapital wieder herauszmvirtfchasteii. Aber feine Befürchtungen sind geschwunden, beim heule, kurze Zeit nach dem Kaufe, hat er bereits eine der Tapisserien für 750 000 Frks. weiter verkauft und Sachverständige und Kenner versichern ihm, daß die übrigen fünf Stücke je eine Alillion wert sind. Das Ergebnis ist, daß der unternebnienbe Händler mit einem Risiko von einer Million innerhalb von zwei Wochen rund fünf Millionen verdient hat. Tie Tapisserien, um die eS sich handelt, sind in der Tat prachtvolle Meisterstücke. Es sind Darstellungen nach Entwürfen, die Boucher selbst geschaffen hat und die dann in Beauvais ausgeführt wurden. Die Arbeit ist schlechthiit vollkommen lind von einer Feinheit, wie sie heute nicht mehr erreicht wirb. Damals wurden sie für 60 000 Frks. verkauft. Die Besitzerin, eine sehr vermögende Dame, hatte schon mehrfach abgelehnt, diese Meister- werte der Tapisseriekunst zu verkaufen. Vor kurzem milßte nun plötzlich eine Schuld von einer Million Frks, bezahlt werben. Die Dame hätte die Schuld jedenfalls auch durch eine Anweisung an ihre Bank begleichen können, denn sie verfügt über ein großes Vermögen. Aber zufällig erfuhr der Kunsthändler davon lind er
schlug der Dame vor, die Gläubiger abzufinden, wenn er dafür die sechs Tapifferien erhielte. Die Versuchung war zu stark, sie gab nach. So brauchte sie ihr Bankkonto nicht um eine Alillion Frks. zu belasten; außerdem hatten sich die Gobelins schon so lange im Besitz der Familie befunden, baß man mit der Zeit das Gefühl für den wirklichen Wert der Kunstwerke verloren hatte. Der Kunsthändler aber, bet anfangs glaubte, ein großes Risiko einzugehen, kann sich beglückwünschen nnb tut es auch.
* T r e u e A n h ci u g l i ch k e i t cm feinen Herrn wird gewöhnlich als Tugend des Hundecharakters gerühmt; daß sie aber auch Schweinen, ja sogar Wildschweinen, eigen fein kann, beweist folgender Fall: Eine Dame war Eigentümerin eines jungen Wildschweines geworben, daß sich infolge bester Pflege schließlich so an die Frau gewöhnte, daß es Tag und Nacht nicht von ihrer Seite wich. Arbeitete sie am Schreibtisch, so ruhte das Ferkel ivie ein Hund auf bet Schleppe ihres Kleides, und während der Nacht legte es sich als Wächter vor ihr Bett. Die Zuneigung des Tieres steigerte sich schließlich soweit, daß niemanb die Dame anrühren durfte, und als gelegentlich die Kammerjungfer erschien, um ihre Herrin anzukleiden, fuhr das Schweinchen mit aufgetichteten Borsten wütend auf sie los und biß sie in die Hand. Daß die Chinesinnen besondere Liebe für Ferkelcheu baten, die tatsächlich, ehe sie Schiveiucheu werben, recht nette Tierchen sind, und daß sie ihnen die Schoßhündchen ersetzen, ist bekannt.
* 93 o m Nutze n der M u n b a r t. Die meisten Wörter unserer neuhochdeutschen Schriftsprache sind gemeinsames Eigentum aller deutschen Mundarten; aber feit den Tagen Luthers hat auch eine große Anzahl landschaftlicher Wörter Eingang in unsere Schriftsprache gefunden, die vordem nur auf engem Gebiete galten. Während sich die ursprüngltch niederdeutschen Wörter baggern, Bord, Ebbe, Robbe, Reede, Krabbe, Wrack vom Norden des Deutschen Reiches aus verbreitet haben, sind umgekehrt die Wörter Loden, Rucksack, Senner nordwärts bis au das Meer gezogen. Den Deutschen in und um Bozen verdankt die Schriftsprache die Sommerftifche. War vor wenigen Jahrzehnten noch bas Wort Gigerl mir in bet zweitgrößten deutschsprachigen Stadt Wien und in ihrer Umgebung bekannt, so finden wir heute in verschiedenen Teilen unseres Sprachgebietes sogar schon Torsgigerl. Auch bas Niederlcuidsiche, eine deutsche Mundart, die durch ihre Entwicklung zur felbständigeu Schrisisprache leider den Alachtbereich der beutfdjcn Schriftsprache eingeengt hat, schenkte dieser die Ausdrücke Deut, flau, Kaper, Naseustüber, praffen, Watte, Schellack. Alan sieht es den heute im ganzen deutschen Sprachgebiet geltenden Wörtern entsprechen, geistvoll, kernhaft, staunen nicht an, daß sie früher nur auf dem engen Gebiete beS schweizerischen Deutsch Geltung hatten; bagegen den Wörtern Firn, Föhn, Gletscher, Lawine, die sich auch von der Schweiz aus über ganz Deutschland verbreitet haben, merkt man leicht „die Naturfarbe ihrer Heimat" an. Vergleicht man diese den deutschen Aluudarten entlehnten Wörter mit den uns aus fremden Sprachen zugeflosseuen Fremdwörtern, die sich der Eigenart unserer Sprache nicht angepaßt Haden, so wirb man bie ^Bereicherung unserer Schriftsprache durch deutsche mundartliche Ausdrücke zu schätzen iviffen und gern hoffen, daß der gewaltige Verkehr und der Einfluß nuferer Schriftsteller dem gemeindeutschen Wortschatz noch manchen brauchbare» mundartlichen Ausdruck einverleiben Helsen.
* Aus der guten alten Zeit. Major: „Ja, was ist denn das? Ihr exerziert ja heute in Zivil?" Feldwebel: „Entschuldigen der Herr Major, die Uniformen hat die Frau Majorin heimlich zu einem Faschingskränzel holen lassen!"
* Redeblüte. Verteidiger: „Der Kläger, meine Herren, klammert sich krampfhaft an den Floh, der ihm ins Ohr gesetzt wurde."
* O Schreck! Junge Fran: „Meine innere Stimme sagt mir ..." — Gatte: „Um Gotteswillen, eine innere Stimme hast du auch noch?" _______
Kreujrätfel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben c e eeeeeeeeeehhii i i k k 1111 mramnnoo pprrrsssttttun derart einzutragen, daß di« ivagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgenbe» ergeben:
1. Geschenk bet Erbe.
2. Ein Längenmaß.
3. Deutsches Land.
Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: SB a n b, Wind.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


