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Welcher Art in Wirklichkeit die furchtbare Strafe für sein Verbrechen und für jeden sei, der ihm bei der Ausführung desselben behilflich gewesen. Zu jener Zeit Ivar das Gesetz nicht so weichherzig, wie ich höre, daß es jetzt ist.

Nun also weiter.

Ich verdiene eine Belohnung (war er so gütig zu ageu) für den Dienst, den ich ihm geleistet, und eine Ent- chädigung (wie er freundlichst hinzufügte) für das, was .ch dadurch gelitten hatte. Er sei gern bereit der groß­mütige Schurke! mir einen hübschen Jahrgehalt aus­zuwerfen, der mir vierteljährlich ausgezahlt würde, über nur unter zwei Bedingungen. Erstens sollte ich in meinem eigenen Interesse sowohl als in dem {einigen schweigen. Zweitens sollte ich nie, ohne ihn vorher davon zu unterrichten und seine Erlaubnis dazu zu erwarten, Welmingham verlassen. Hier konnte keine achtbare Frau mir Freundin sein und so mich in Versuchung bringen, ihr gefährliche vertraute Mitteilungen am Teetische zu machen und hier würde er mich stets zu finden wissen. , Eine harte Bedingung, diese zweite aber ich ging sie ein.

Was konnte ich auch wohl anderes tun? Ich stand verlassen da mit der Aussicht auf die kommende Sorge eines Kindes. Was konnte ich anderes tun? Mich der Gnade und Barmherzigkeit meines blödsinnigen w.'ggelau- fenen Mannes übergeben, der den ganzen Skandal gegen mich erhoben hatte? Ich wäre lieber g storben. Und übri­gens war es allerdings ein hübscher Jahrgehalt. Ich hatte ein besseres Einkommen, ein besseres Haus über meinem Kopfe, bessere Teppiche unter meinen Füßen, als die meisten der Weiber, die bei meinem Anblicke die Nasen rümpften. Das Kleid der Tugend in unserer Gegend war bunter Kattun. Ich trug Seide.

Ich nahm also seine Bedingungen an und benutzte sie zu meinem besten Vorteile; ich führte meine Sache gegen meine Nachbarn auf ihrem eigenen Boden und gewann sie im Laufe der Zeit. Sogar der Pfarrer grüßt mich jetzt. Wie ich sein Geheimnis (und meins) wahrend all der Jahre bis auf diesen Tag bewahrte, und ob meine ver­storbene Tochter Anna sich jemals wirklich in, mein Ver­trauen schlich und ebenfalls hinter das Geheimnis kam, sind Fragen, die Sie vermutlich sehr gern beantwortet hätten? Nun! Meine Dankbarkeit versagt Ihnen nichts. Ich schreite zu einer neuen Seite und b antworte sie Ihnen. Aber Sie müssen mich entschuldigen, Mr. Hartright, wenn ich damit anfange, mein Erstaunen über das Interesse auszudrücken, das Sie für meine verstorbene Tochter ge­fühlt haben. Dasselbe ist mir vollkommen unbegreiflich. Falls dieses Interesse Sie wünschen läßt, Einzelheiten über ihre Kindheit zu erfahren, so mutz ich Sie deshalb an Mrs. Clements verweisen, die darüber mehr weiß als ich. Bitte, lassen Sie sich's gesagt sein, daß ich durchaus nicht vorgebe, eine übermäßige Liebe zu meiner Tochter gehegt zu haben. Sie war mir von Anfang bis zu Ende eine Last und eine Sorge, und hatte außerdem noch das Un­angenehme, daß sie schwach im Kopse war.

Hin und wieder reifte ich fort und verschaffte mir ein'ge Abwechselung, nachdem ich mir zuvor von meinem Herrn und Meister hierzu Erlaubuis erbeten, die mir auch gewöhn­lich gewährt wurde. Er war nicht Narr genug, mich zu sehr zu drücken, und konnte sich billigerweise darauf verlassen, daß ich, wenn nicht um seinetwillen, doch um meiner selbst willen schwieg. Eine meiner längsten Abwesenheiten von Haufe war meine Reise nach Liinrneridge, wo ich eine Halb­schwester zu pflegen hatte, die im Sterben lag Man sagte, sie habe Geld gespart, und ich hielt es für geraten (für den Fall, wo sich irgend etwas ereignen sollte, um meinem Jahr­gehalte ein Ende zu machen), in dieser Richtung hin nach meinen eigenen Interessen zu seben. Doch stellte es sich heraus, daß dies weggeworfene Mühe gewesen: ich bekam nichts, weil nichts da war.

Lange später, nachdem ich mich mit Anna in Wel­mingham häuslich niedergelassen, erhielb ich eines Tages einen Brief von jenem hoä)geborenen Herrn, dem Ver­storbenen, als Antwort auf einen von mir, in welchem ttf) ihm, der Uebereinkunft gemäß, angekündigt, daß ich einer kleinen Veränderung halber die Stadt zu verlassen wünschte.

Er mußte in dem Augenblicke, wo er meinen Brief er­halten, in einer seiner Wüterichslaunen gewesen sein denn in seiner Antwort verweigerte er mir seine Erlaubnis

auf so abscheulich impertinente Weise, daß ich ganz außer Fassung geriet und in Gegenwart meiner Tochter auf ihn losschimpste und ihn einengemeinen Betrüger" nannte, den ich lebenslänglich zugrunde richten könne, falls es mir einfiele zu sprechen und fein Geheimnis zu verraten."

Meine Gefühle waren nicht sehr angenehmer Art, kann ich Ihnen sagen, als ich ruhig genug war, um über meine Torheit nachzudenken. Anna war in dem Jahre verdrehter und seltsamer als gewöhnlich gewesen, und wenn ich an die Möglichkeit dachte, daß sie meine Worte in der Stadt wiederholen und seinen Namen mit ihnen in Verbindung bringen konnte, wenn neugierige Leute sie auszufragen anfingen, fiel mir eine schöne Angst über die möglichen Folgen aufs Herz. Meine schlimmsten Befürchtungen für mich und meine größte Angst vor dem, was er tun möge, gingen jedoch nicht weiter, als bis hierher. Ich war ganz unvorbereitet auf das, was sich schon am nächsten Tage in Wirklichkeit ereignete.

Er kam, ohne mich vorher von seinem beabsichtigten Besuche in Kenntnis zu setzen, an diesem folgenden Tage in mein Haus.

Seine ersten Worte und der Ton, in dem er sie sprach, so verdrießlich derselbe auch war, zeigten mir ganz deutlich, daß er seine impertinente Antwort auf mein Ersuchen be­reits bereute, und daß er in äußerst schlechter Laune gekommen, um die Sache wieder gutzumachen. ehe es zu spät fei. Da er meine Tochter bei mir im Zimmer fand (ich hatte mich seit dem Tage vorher gefürchtet, fie aus den Augen zu lassen), befahl er ihr hinauszugehen. Sie hatten einander nicht gern, und er ließ feine böse Laune, die er mir nicht zu zeigen wagte, an ihr aus.

Lassen Sie uns allein," sagte er, sie über die Achsel! ansehend. Sie sah ihn ebenfalls über die Achsel an und blieb, als ob sie nicht zu gehen beabsichtige.Hören Sie?" schrie er sie an.Gehen Sie aus dem Zimmer."Sprechen Sie höflich mit mir," sagte sie mit gerötetem Gesicht. Werfen Sie die Verrückte hinaus," sagte er zu mir, ge­wendet. Sie hatte immer abgeschmackte Ideen über ihre Würde gehabt, und das WortVerrückte" brachte sie so­fort auf. Ehe ich noch ein Wort sagen und mich dazwischen legen konnte, trat sie in großer Wut vor ihn hin.,Bitten Sie mich augenblicklich um Verzeihung," sagte sie,oder ich will's Ihnen Heimtragen. Ich will Ihr Geheimnis verraten. Ich kann Sie lebensläncstich zugrunde richten, wenn es mir einfällt zu sprechen." Meine eigenen Worte! genau so wiederholt, wie ich sie am Tage vorher ge­sprochen hatte in seiner Gegenwart, und zwar, als ob sie von ihr selber kämen. Er saß sprachlos da so weiß im Gesichte, wie das Papier ist, auf dem ich schreibe, während ich sie aus dem Zimmer schob.

Ich bin eine zu gebildete Frau, nm zu wiederholen, was er sagte, als er sich wieder gefaßt. Meine Feder ist die Feder eines Mitgliedes der Gemeinde unseres Kirch­spiels und einer Subskribentin derMittwochs-Vorlesungen" überDer Glaube macht selig" wie können Sie er­warten, daß ich sie gebrauchen werde, um böse Worte zu schreiben?

Es endete damit, wie Sie wahrscheinlich bereits er­raten, daß er darauf bestand, seine eigene Sicherheit da­durch gewiß zu machen, daß er sie einsperren ließ.

Ich versuchte die Sache wieder gutzumachen. Ich sagte ihm, sie habe die Worte bloß wie ein Papagei nach dem wiederholt, was sie mich hatte sagen hören, und daß sie nicht das Geringste von den Einzelheiten wisse, weil ich davon nichts erwähnt hatte. Aber er wollte von nichts anderem hören, als daß sie eingesperrt würde.

Unter diesen Umständen tat ich meine Pflicht als Mut­ter.Keine gewöhnliche Armenirrenanstalt," sagte ich;ich gebe es nicht zu, daß sie in einer Armenirrenanstalt ein» gesperrt wird. Eine Privatanstalt, wenn ich bitten darf. Ich habe meine Muttergefühle und außerdem meinen Rus in der Stadt zu bewahren." Das waren meine Worte.

Habe ich Ihre Neugierde befriedigt? Jedenfalls habe ich mir Mühe genug gegeben, dies zu tun. Meine schlimmsten Verantwortungen waren, was fie betrifft, vorbei, als sie in die Anstalt geschafft wurde. Man gab mir in BezuW auf die Art und Weise, in derie unter Aussicht gestellt worben, eine Briefform abzuschreiben und damit eine An­frage von einer gewissen Miß Halcombe zu beantworten, Die Darüber Neugierde fühlte und Die von einer gewissen