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Ihr Fräund Platz nehmen wollen, will ich Ihne» alles erkläre», soweit es mir möglich ist.
Ich bin die Frau des Barons Edward Brackenstall. Ich bi» seit ungefähr xinem Jahre verheiratet. Ich glaube, es ist zwecklos. Ihnen zu verheimlichen, daß unsere Ehe nicht sehr glücklich gewesen ist. Ich befürchte, selbst wenn ich's leugnen wollte, würden Sie's von allen unseren Nachbarn hören. Vielleicht wag die Schuld zum Teil an mir liegen. Ich bi» in der freieren, weniger förmlichen Atmosphäre Südaustraliens erzogen, und dieses englische Leben mit seiner Etikette und Ziererei behagt mir nicht. Aber das Schlimmste war, daß, wie alle Welt weiß, mein Mann ein wirklicher Trinker war. Es ist nicht angenehm, mit einem solchen Menschen auch nur eine Stunde zusammen zu sein. Nun können Sie sich vorstellen, was es für ein empfindsames und stolzes Weib heißen will, an einen solchen Mann Tag und Nacht gekettet zu sein. Es ist unerhört, es ist eins Schmach, von Gesetzes wegen eine solche Ehe für bindend zu erklären! Ich kann Ihnen Nur sagen, daß solche ungeheuerlichen Gesetze einen Fluch über Ihr Land bringen — der Himmel will nicht, daß ein derartiges Verhältnis von Dauer sein soll!" Sie richtete sich einen Aug-ew- blick auf, ihre Wangen röteten sich und ihre Augen funkelten unter der furchtbaren Verletzung ihrer Stirne hervor. Daun drückte die starke Hand ihrer Zofe ihren Kopf wieder sanft auf das Kissen nieder, und der wilde Zorn ging in leidenschaftliches Schluchzen über. Endlich fuhr sie fort:
„Ich will Ihnen nun von der verflossenen Nacht erzählen. Es ist Ihnen vielleicht schon bekannt, daß in diesem Hause die gesamte Dienerschaft in dem neuen Flügel schläft. Dieses Mittelgebäude enthält vorne die Wohnräume und hinten die Küche und darüber unser Schlafzimmer. Ueber meinem Zimmer befindet sich die Schlafstube meiner Zofe Theresa. Außer ihr hält sich hier niemand auf, und die in dem anderen Flügel konnten den Lärm unmöglich hören. Das müssen die Räuber genau gewußt haben, denn sonst hätten sie nicht in der Weise vorgehen können- wie sie's getan, haben.
(Fortsetzung folgt.)
vermischter.
* Die Sprachkenntnisse der Herrscher. Der Herrfcherberuf zwingt die Fürsten, in ihrer Jugend dem Studium fremder Sprachen besonderen Fleiß zuzuwenden, und fast alle Monarchen Europas sprechen fließend eine Reihe von fremden Sprachen. An der Spitze der polyglotten Monarchen, so weiß eine französische Wochenschrift zu erzählen, steht der greise Kaiser Franz Josef. In keinent europäischen Reiche sind so viele Volksstämme zu einem Staate vereinigt, wie in Oesterreich-Ungarn. Tie erste Pflicht des Herrschers ist, die Sprache seiner Landeskinder sich zu eigen zu machen. In der Tat spricht Kaiser Franz Josef heute zwölf Sprachen: Deutsch, Französisch, Ungarisch, Tschechisch, Polnisch, Serbisch, Kroatisch, Ruthenisch, Dalmatinisch, Rumänisch, Italienisch und sogar ein wenig Hebräisch. So könnte der Kaiser, der gewiß auch noch über lateinische und englische Kenntnisse verfügt, unter den Philologen einer Akademie einen Ehrenvlatz ein- nehmen. Ihm folgt Kaiser Wilhelm, der sechs Sprachen vollkommen beherrscht. Der Kaiser spricht außer dem Deutschen fließend englisch, französisch, lateinisch, polnisch und vor allem russisch. Der Zar verfügt neben den: Russischen über eine vollkommene Kenntnis der deutschen und der französischen Sprache und beherrscht auch eine Reihe slawischer Dialekte. König Viktor Einauuel dagegen spricht in Wirklichkeit fast nur Italienisch, obgleich er seit langen Jahren Deutsch und Französisch studiert. Auch der König von Spanien bedient sich tast nur seiner Heimatsprache, wenn er auch Englisch und Französisch beherrscht. Dagegen besitzt Zar Ferdinand von Bulgarien ansgedehute Sprachkenntnisse, die ihn fast an die Seite des deutschen Kaisers stellen, denn neben der Sprache seines Landes bedient er sich fließend des Französischen, des Englischen, des Deutschen und des Russischen. Darin steht er dem verstorbenen König Eduard gleich, der ein reines Pariser Französisch ebenso gut sprach wie Englisch, und der zudem des Deutschen, Spanischen und Russischen mächtig war.
* Ter Zeitungsjunge als Tenor. In London errang dieser Tage in einem Konzert ein Tenor vielen Beifall, der noch vor kurzer Zeit seine Helle Stimme dazu verwendet! hatte, in den Straßen Newhorks die neueste» Zeitungen aus- zurufen. Ter junge Künstler, der den Namen B. Nevada Landino führt, verkaufte seine Zeitungen hauptsächlich vor den Toren eines Opernhauses, und so begab es sich eines Abends, daß der Direktor auf die warme, klangvolle Stimme des Jungen aufmerksam wurde. Er hörte ihn mitten in der Arbeit ein kleines Gassenliedchen trällern und war so entzückt von dem ungewöhnlichen Wohlklang seines Organs, daß er ihn ansprach. Der Direktor nahm sich nun Hes Jungen an und schickte ihn zur Ausbildung nach Italien; dort erwarb er sich eine vollkommene Kenntnis der Sprache und eine gute Gesangstechnik, so daß er bereits mit vielen: Erfolge auftreten konnte.
* Das 100-Millionen-Baby. Der transatlantisch« Mabel erbebte am Montag besonders stark unter der gewichtigen ■ Nachricht, daß der 9 Monate alte Master Winson Walsh McLean
glücklich uud Münd auf denk „Kronprinz Wilhelm" in PlyMolltH angekomme» ser. 'Master Wilson ist nämlich kein gewöhnliches Baby, sondern er darf den Anspruch daraus erheben, das reichste Kind Amerikas zu sein, und der Ehrentitel „das 100-Millionen? Baby" ist ihn: zuteil geworden. Als das einzige Kind, das in zwei der reichsten Multimuionärsfamilien Amerikas, den Walshs und den McLeans, vorhanden ist, ist es der Erbe eines Vermögens, das auf 100—120 Millionen Dollar geschätzt wird. Das nach ihn: reichste Kind der Vereinigten Staaten, der kleine John D. Rockefeller III., wird voraussichtlich einmal nicht mehr als 50 Millionen Dollar besitzen. Der Großvater des 100-MillioNery- Babys war Thomas F. Walsh, der Besitzer der Camp Bird-Gold- mine in Colorado, deren Schätze sich Jahr um Jahr als immer reicher erweisen; sein anderer Großvater ist John R. McLean, der Eigentümer zweier Riesenzeitungen, der „Washington Post" und des „Cincinnati Enquirer"; ihm gehören auch die Beleuch- tungs- und Straßenbahn-Anlagen in Washington. Die Mutter Master Winsons war vor ihrer Hochzeit in der Hauptstadt als „das Mädchen, das alles hat, was es will", bekannt. Aber auch der Vater besaß bereits, bevor er Miß Walsh kennen lernte,: alles, was er sich nur wünschen konnte. Man erzählte sich; der reiche Evelyn Walsh habe erklärt, sie werde nur einem Mann« die Hand reichen, der sich sein Brot selbst verdiene.
* Sind die Männer koketter wie die Frauen? Die Frage, ob es die Männer mit den Frauen auch in der Koketterie aufnehmen können, hat ein englischer Journalist aus originelle Weise zu lösen versucht. Er postierte sich eines Tages in der feinsten Geschäftsgegend der Regents Street vor einem! großen Modemagazin, das mit schönen, klaren Spiegeln ge- tomiidt war, und beobachtete die Vorbeigehenden. „WievieiL Männer werden sich innerhalb fünf Minuten tn diesen verführerischen Gläsern ihre Wohlgestalt beschauen, wieviel Frauen?" Das war der Gesichtspunkt, unter dem er seine Beobachtungen machte. Das Notizbuch in der Hand, schaute er eifrig aus und schrieb sich sorgfältig seine Ergebnisse auf. Was er feststellte, schien auf den ersten Blick für die Männer günstig: von 50 Angehörigen des stärkeren Geschlechts, die in der kurzen Zeit vorbeckamen, sahen sich nur 19 in den Spiegeln an, während von 50 Frauen, die in acht Minuten vorbeieilten, 22 ihr Spiegelbild betrachteten. Wer während die Damen nur einen kurzen! Augenblick Halt machten, um durch einen flüchtigen Blick den guten Sitz ihres Hutes und der Toilette festzustellen, schauten die Männer lange und eingehend auf ihr Ebenbild, das sich in dem Glase zeigte, und lächelten mit befriedigter Miene, als wenn sie so recht die alte Mythe vom eitlen Narziß bestätigen wollten. Die einen rückten an ihren Krawatten herum und! legten sie in schwungvollere Falten, die anderen strichen sich durch die Haare, um ihnen einen schöneren Fall zu verleihen- oder gaben dem Schnurrbart die richtige Lage. Das starke Geschlecht scheint also auch in dieser bisher den Frauen Vorbehalte»^ Eigenschaft sich auszuzeichnen.
humoristisches.
* D i e R e 11 e r. „Bei der Trauung des Barons von Pumpen- horst soll ja eine Panik entstanden sein." — „Ja, aus dem Kronleuchter fiel eine brennende Kerze herab und setzte die Braut* schleppe in Brand; die Flammen wurden aber von den herbeistürzenden Gläubigern sofort erstickt."
* Unangenehme Eröffnung. Junger Mann (einem Dienstmann einen Liebesbrief übergebend): „Aber so schreibe» Sie sich doch die ziemlich komplizierte Adresse des Fräuleins auf!" — Dienstmann: „Js nich nötig, da vorne hat mir 'n junger! Man» ooch 'n Brief an dasselbe Fräulein gegeben!"
Arithmogrkph.
1 2 8 5 4 französische Stadt.
2 7 2 Stadt in Tirol.
3 2 14 eine Kulturpflanze.
4 2 7 5 2 4 russischer Schriftsteller der Gegenwart.
5 7 5 2 4 ein Heldengedicht.
6 2 3 4 persische Provinz.
2 4 Figur ans dem Kartenspiel.
7 2 2 3 Holländischer Maler.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Titel einer Wagner- schen Oper.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
I
8
A
R
8
0
D
A
A
D
A
M
R
A
M
A
« ................ ' mn il I Ilia..... ........... » ।
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


