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Mfextt, aber voch handlungsfähiger Bund werden. Ja, was Mächten wir nicht alles. . . Aber davon später!
Henke nur zu Ihnen, unfern Freunden von der Troddelmütze Und der Schenkschürze. Denn wenn mich manche — vielleicht die meisten von Ihnen — heute gar sein im Bratenrock und glatte frisiert einhertanzcln und ach, selbst die „gute Wölbung" der Vorderseite als Ausweis eines behäbigen und philosophischen Gemüts nicht mehr zeigen — bitte, lassen Sie uns dennoch im Geiste das alte freundliche Bild von Ihnen, das Ihre Vorfahren, boten zu der Zeit, da »och die gelbe Postkutsche mit Eile und Weile die Entfernungen zn Ihnen verminderte! Lassen Sie, meine ver- chrten Herren, besonders da, wo die Großstadt mit all ihrem „Komfort" und ihrer „Eleganz" noch keine Hypotheken niedergelegt hat, ruhig die alte Gemütlichkeit walten, die Gemütlichkeit und Behaglichkeit, die schon das Haus verrate, und die Wirt, Wirtin, Hebe und Ganymed tveiter bestätigen dürfen, ohne „unmodern" zu sein. Denn das ist's ja, was wir „draußen" suchen: wir wollen was andres, wollen, denken Sie nur, nicht die schätzenswerte Großstadt, aus der wir kommen, sondern, bitte verstehen Sie's, Kleinstadt und Dorf, wo nun einmal Kleinstadt und Dorf noch ist, wollen Landeseigenart und Heimatschönheit — nicht einen günstigenfalls uns nur heimlich belustigenden spießbürgerlichen Abklatsch der „Herrlichkeiten", die wir in der Großstadt verlassen haben, und die Ihnen, meine Herren von draußen/ mehr imponieren als uns.
Dafür lieber was Reelles! Seien Sie, meine Herren Gastwirte an der Landstraße (auch die in Dorf und Stadt zählen ja dazu!), nicht Nachahmer, seien Sie Vorbilder. Studieren Sie, bitte (es lohnt sich Ihnen), uns neue Reisende, und kommen Sie Uns entgegen! Daun kann ein neuer Landstraßenfrühling sich nicht nur entfalten, cs wir Ihnen auch ein dauernder Segen und eine dauernde Erwerbsquelle fein, so daß wir beide zusammen mal was Gescheites, was wirklich Kulturförderndes zustande gebracht haben. Bisher nämlich — gerad heraus! — waren Sie's, meine Herren Gastwirte und die übrigen Herren „Interessenten am Fremdenverkehr", so da am „Heben" der Orte arbeiteten, — ach ja: ebest Sie und sie waren es! nicht an letzter © teilte, die uns das Wandern verleidet haben.
„lind was verlangt ihr .mm eigentlich?" fragen Sie. Wir wollen's bekennen, aber ganz bescheiden mit dem Vermerk: wir verlangen gar nicht, daß jedes Gasthaus das alles bringen soll. Freilich, welches das täte, das wäre dann unser Mustergasthaus.
Also zunächst: das Neue Gasthaus oder Wirtshaus sollte nicht „Hotel" noch „Restaurant" heißen, sondern deutsch, damit uns nicht seine .Vornehmheit gleich von weitem erdrückend auf. die Brust fällt. Es sollte nicht in gestriger Modepracht außen mit unbesteigbaren Türmchen und unbrauchbaren Balkons, innen mit gesüßten Windbildern und gewässerten Versen bemalt, sondern soviel es eben geht, dem umgebenden Stück Welt und der eigentümlichen Bauart seiner Heimat angepaßt sein. Im übrigen allemal so einfach — nicht „nüchtern", auch nicht ärmlich „billig", — wie möglich. Ja nicht nach irgend einem Musterbuch, wie sie jetzt ja, gottlob, selbst in den Baugewerkschulen nicht mehr für fein gelten. Nüchternheit, meine Herren Wirte, ist das, wobei wir ans Lineal und an die Schablone denken, Einfachheit scheint uns wieder was andres: natürliche Sachlichkeit ohne jegliche überflüssige Putzerei — denken Sie: das komnit uns gerade vornehm vor. Zur heimatlichen Eigenart gehören aber nicht ungesunde oder irgend rückständige Einrichtungen. Im Gegenteil: technisch kann ein Gasthaus gar nicht vollkommen genug eingerichtet sein — soweit diese Einrichtungen, zum Beispiel elektrisches Licht mit Kraft aus nahen Stromschnellen oder dergleichen nur ohne Ruinierung von Naturschönheiten hergestellt werden können. Denn Sie müssen bedenken: was in der Landschaft in Ihrer Gegend ruiniert lvird, das merkt unsereiner so nach und Nach, und sagt's seinen Bekanntem Dann bleiben künftig er nnd die weg.
Gencralregel: Alle Reklame-Plakate, --Tafeln, --Bilder, und wenn die noch so „herrlich" sind, entfernen Sie — im Innern der Gaststube nicht minder Ivie am Äeußern Ihres Hauses, an den Baumstämmen nnd den Felsen der Umgebung. Auch für Sie gilt das strenge Wort: „Rur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände" — vom „Beschmieren" spricht man ja nur bei Ueberflüssigein, einfache, sachliche Anzeigen und Wegweiser sind keine „Reklame". Was für Bier es gibt, und was der Schinken kostet, kann ich aber wohl auch noch sonstwie als von den Wänden erfahren. Tie Reklame ist der schlimmste Feind aller Heimlichkeit und Gemütlichkeit. Denn die bedeuten doch: man fühlt sich wie zu. Hanse oder bei einem Freund — wer aber hängt sich zu Hause die Wände mit Plakaten voll?
Das „Neue Gasthaus" muß eingerichtet sein, daß man drin ansruhen kann. Also nach aller Möglichkeit: Lärmschutz mit Doppelfenstern und Doppeltüren, und keinen irgendwie entbehrlichen. Skandal in Haus und Hof. Auch mit „Lichischntz"; daß man ausschlafen kann, wenn man's will, soll ein Zimmer gut M verdunkeln sein. Abends aber soll ein Lämplein drin brennen können, bei dem sich lesen läßt.
Das „Neue Gasthaus" soll ferner auf nicht-alkoholische Getränke und auf das Nichttrinken überhaupt eingerichtet sein. Ich verstehe darunter nicht, daß mau sich Batterien voll Limetta, Frntil, Bilzbrause (brr!), Poinril und. wie all das Zeug heißt, Anschasst, und dies, ebenso wie Milch, Tee nnd Selters zn Phan
tasiepreisen an die „Sonderlinge" verkauft, die sich unbegreifticher- weise nicht schon morgens mit Bier vollpumpen wollen. Meine Herrn Wirte, suchen Sie mal in Ihren Erinnerungen: die Rad- fahrerhorden, die Kneipreisen zu Ihnen machten, wo sind sie?. Allmählich weggebliebeu! In der Al ko hol frage muß der Gast- wird gründlich vorgehen: Erstens: nur „echte", das heißt nicht unappetitlich oder aus Chemikalien „gemachte" Getränke. Zweitens: preiswerte. Ein Glas Tee ist mit 10 Pfennigen glänzend bezahlt, in der Schweiz bekommt man's oft für 8.
„Reformieren" Sie aber einmal im Punkte Trinkzwang, so folgt daraus („sowie die Nacht dem Tage") eine Wandlung im Speisezettel, die eilte wahrhaft neue Aera im Gasthausspeisen bedeuten würde, und doch mit einem Worte zu kennzeichnen ist: keine Mahlzeit ohne reichliche, mit genügender Flüssigkeit utid nach dem Vorbilde der bürgerlichen Küche bereitete Gemüse, ober Hülsenfrüchte, Kompott, frisches Obst, Salat usw. Ohne diesen Schritt ist die Getränkeresorin ein zu baldigem jähen Ende verurteilter Unsinn.
Tann: es müssen für Wanderer (Tagesreiseude) Zimmer für ein paar Stunden zu mieten sein, Grundtaxe: eine Entschädigung für Reinigen und Aufräumen.
Und: cs müssen in jedem solchen Gasthaus alle wichtigem Reifebücher, die Heimatwerke, Karten, Pläne, Führer usw. eilt» zusehen sein, die Handbücher der Verbände, in fremdsprachigen Gegenden Wörterbücher usw., ferner Nachschlagebücher (auch Floren, Faunen usw.), Ratgeber für Liebhaberphotographeu und die ent» sprechenden Fachzeitschriften. Außerdem noch: was Gutes zu lesen. Leicht zu lesen muß es ja fein, denn unsereins hat abends nach der Wanderung nicht mehr alle Kräfte in feinem Kopf bei sich. Aber bitte: nicht nur das Reklantealbunt mit den illustrierte Annoncen sämtlicher Prima-Hotels usw. Und nicht bloß beit „Fantiliensrenud", bett Sie für Ihr Fräulein Tochter Anno 1885 abonniert hatten und alsdann zum Erfrifchungsqnell für Ihre Gäste binden ließen. Es gibt gute illustrierte Zeitschriften beut» zutag und Büchersammlungeu, in denen man, bett Band zu 20 bis 100 Pfennigen, bekommt, was auch einer lesen kann, der immerhin Gehirn hat. Ueberhaupt: all das hier Verlangte kostet zusammen noch nicht soviel wie ein einziger ordentlicher Schrank. Ober die hochbeliebten Kugeln, Spitzen, Säulchen, Giebel »sw./ die mau von all den fein-feinen Möbeln eines Äasthanscs für Reisende alter Art erst abnehtnen muß, damit sie den neuen! Reisenden.erträglicher aussehu. Einer Gegenleistung sind solch« Darbietungen freilich auch wert. Daß es keiner Leihgebühr be- darf, beweisen z. B. die Alpeiigasthäuser, die gute Bücher und Karten jetzt schon unentgeltlich vorlegen. Aber anständiges Benehmen der Reisenden selbst, das sei die Gegenleistung. Boykott des Rüpeltnms," Korpsgeist der „neuen Reisenden" selbst, bi« zusammen halten tmb rücksichtslos ben Sachbeschädiger ober gar den Dieb sogar denunzieren. Auch diesen „Anlagen" ben „Schutz des Publikums" zu versürafsen, muß geradezu Ehrensache sein..
Das „Neue Gasthaus" muß eingerichtet fein auf die Bedürfnisse des Liebhaberphotographem Solange mau von jedem Ausflug nach Hause zurückkehrt, besorgt man dort seine Sachen, soll mau aber wirklich über Land reifen können, so muß man unterwegs die nötigen Einrichtungen finden. Manche Wirte tun so, als ob diese Forderung etwas Ungeheuerliches wäre. In, Wirklichkeit ist sie fast ohne Kosten zu erstillen. Ter Kamera- besitzer braucht eine Dunkelkammer nebst Einrichtung und Che- mikälien. Für 20 Mark kann man alles Nötige bei jedem Händler kaufen, ein zur Dunkelkammer geeigneter Raum — lichtlos und! womöglich mit Wasserleitung — ist überall zu beschaffen. Ist nur die Kammer unb eine Rotlichtlampe bä (Kostenpunkt: 1 M?.),■ so kann man wenigstens Platten entlegen unb wechseln. Als Zeichen wäre ein rotes Schild mit einer Lampe, außen nm Hause, zu empfehlen, das macht teilt Geschästsgeschrei unb kann! ganz lustig anssehen. Hat man weiter drei Schalen, je eine; Flasche „Entwickler" und „Fixierbad" (auch in Patronen), und! ein paar Meßgläser, so ist bas Wichtigste beisammen. Man berechnet für Benutzung der Dunkelkammer ohne Chemikalien 10 Pfennig, mit Chemikalien (Entwickeln) eben diese, wie ich in der WirtSstnbe mein Glas Getränk bezahle. Hält man einen Vorrat Platten, besonders im Format 9x12, bereit, so wird man mit diesen Geschäfte machen.
Für Rad- unb Motorfahrer braucht man einen trocken es» Schuppen, womöglich mit Holzfußboden, unb Vorrichtung zum Stellen oder Hängen ber Räber. Man muß ferner gereinigtes! Benzin, Schmieröl (dies sind besondere Marken), Karbid für die Laternen unb eine Luftpumpe hereithalteu, bic auch Atem hat. Es empfiehlt sich, überdies eilt paar billige Papierlaternen zur Notl>eleiichtui!g bereitzuhalteu. Das Stahlroß ist keine melkende Kuh, nehmt ihr's nicht umsonst in den Stall, so fordert ein-i schließlich der Fütterung mit Lust doch nicht mehr als eines. Nickels Wert dafür! Auch Oel, Benzin, Karbid und Laternen — nicht mit 300 v. H. Aufschlag! Der Wirt soll nicht klemlich sein — ist er liberal, wird der Gast aufgeknöpft.
Um wieder zum schlichten Alltag zurückzukehren: das körperliche Befinden, das der „neue Wirt" zu verwalten hat, ist mit Essen, Trinken und Schlafen noch nicht „erledigt". Ein gutes aber einfaches Bad ist für Wanderer wie Radler geradezu eniti „unerläßliche Bedingung". Freilich ist nicht immer gerade bas Gasthaus darauf einznrichten. Daß es aber einem Orte ganz


