BIS
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Ihres Taters Tochter.
Roman bon Lulu von Str auß. und Torney.
(Nachdruck verboten.) (3-ortieüung.)
^Ttter Freund, meine Weltanschauung ist im ganzen die gleiche geblieben, die Du kennst, nur daß das ethische Moment darin stärker herbortritt In der Jugend pocht man aus Rechte, ivo man in der Reise Pflichten sieht.
Der Begriff Reue, wenigstens im landläufigen Sinn, hat nie in meinem Lexikon gestanden.
Wenn ich mit meinem eigenen Leben das arme geliebte Geschöpf Mieder hätte lebendig und glücklich machen können, ich hätte mich keinen Augenblick besonnen. Aber ich kann nrcht jammern um Dinge, die unabänderlich sind. Die Reue, die ich anerkenne, sieht borwärts und nicht zurück.
Ich wußte, daß ich das Beste und Schönste, was ich besaß, mit eigenen Füßen zertreten hatte.
Aber wer noch eine Ausgabe hat, der hat noch eine Leiter, die wieder hinauf führt. Ich habe einen so unbegrenzten Glauben an das Leben, daß ich ihm zutraue, Mlch noch aus den Scherben einer mutwillig oder gedankenlos zerstörten Existenz etwas Ganzes und Bolles zu schaffen. Es läßt uns allerdings die Folgen unserer Jugendsünden tragen; aber es legt es in unsere eigene Hand, diese Folgen so zu tragen, daß sie aus Buße Gnade werden. Wenn unsere Sünde uns und andern Stufe wird, dann ist sie eben überschritten und liegt unter uns. Was ich der armen Toten selbst nicht mehr tun konnte, das konnte ich ihr doch mittelbar in ihrem hinterlassenen Kind tun und geben. Dieses Kind ist der Inhalt meines Lebens geworden.
Du weißt, daß ich früher ein unruhiger Geist wär, nirgends lange seßhaft. An dem Dag, wo ich das Kind holte, habe ich mir den Plan zu dem Haus entwerfen lassen, in dem ich heute noch lebe. So ein junges Gemüt hat Ruhe und Stetigkeit der äußeren Eindrücke nötig. Wenn ich, selten genug, berreise, so sind es meist Fahrten, auf denen ich Agnes mitnehmen kann. Es ist mir ein Genuß, diesen jungen, hellen Augen die Welt zu zeigen ünd zu deuten.
Das habe ich auch nie fremden bezahlten Menschen überlassen. Das Kind hatte.durch meine Schuld die Mutter verloren — denn daß Annas körperliches Leiden mit ihrem seelrschen eng znsammenhing, weiß ich! — So hatte es ein Recht darauf, seinen Bater ganz zu besitzen. Ich wollte ihr Vater, Mutter, Freund zugleich sein.
Ich bin es auch geworden, und du verstehst wohl, daß vlese Buße Gnade werden mußte.
Mer damit es so kommen konnte, war eins nötig; ste durfte nichts von dem erfahren, ivas zwischen ihrer Mutter und mir geschah. Wenigstens vorläufig nicht, bis sie reif geworden ist, die Sache zu verstehen und zu über- schauen, Vorher würde es Dissonanzen w ihre Entwickelung
bringen, denen sie nicht gewachsen ist, und die zu verhüte« ich die Pflicht habe. Daß sie durch aridere davon erfährh ist nicht zu befürchten. Mein Bruder, der einzige, der vvtt meiner Familie noch lebt, weiß von meiner Absicht, ebens>- mein aller Freund van ©tränten. Die Geschichte ist längst verjährt, wir leben in einer völlig anderen Gegend Deutschlands, und meine Tochter pflegt nur dm Verkehr, den ich ihr wähle.
Sie ist jetzt neunzehn Jahre, körperlich und geistig schärt und gesund entwickelt, meine stündliche Freude, mein lieber Kamerad, mein bestes Kunstwerk. Wenn von meinem ganzen! Leben und Denken nichts übrig bleibt, als was ich diesem jungen Menschenkind gegeben habe, so ist das übergenug; Ich weiß, daß nichts vergangene Sünden ungeschehen "macht, aber ich weiß auch, die Tote würde mir dankbar sein» wenn sie ihr Kind heute sähe.
Vielleicht kann ich sie Dir einmal schicken, dann hast Du etwas, das besser für mich spricht, als dieser Brief es kann.
Ich hoffe, alter Freund, Du läßt nun auch Vergangenes! bergangen sein und gibst mir die Antwort, die ich hören mochte. Unsere Freundschaft war ein großes und wichtiges Kapitel in Deinem und meinem Leben. Wollen ivir dem nicht jetzt einen guten und harmonischen Ausklang geben, dmnit wir es itt Ruhe und ohne Bitterkeit wieder durchblättern und lesen können? Der alte Bücherschreiber holt sich sein Gleichnis vom Handwerk!
H erzlich en Hand schlag!
Dein Peter Fl. Weddigem
Eisenach, 10. November 93, Mein guter, aller Freund und Kamerad!
Ich bin wieder jung geworden, als ich Deine,! Brief las. Also immer noch der gleiche, der alte warmherzig« Draufgänger, der mir beide Hände entgegenstreckt und froh ist, daß er nicht mehr zu brummen braucht, genau wie früher nach jeden, kleinen .Krach'. Alter, Du verstehst mich ja. Wenn ich lache, so ist's, um nicht weich zu werden!
Ich danke Dir für Deine'., kurzen und bündigen Rapport über Dich und Dein Leben. Du hast den Weg gemachh den Du machen mußtest, Zuversichtlich und unaufhaltsam über alle Hindernisse hinweg, lind nun au, Ziel ein ganzer Mann und auch Deine Kunst etwas Ganzes, Starkes. Ich' bin stolz, einen solchen Freund Zu haben"
Merkwürdig, daß wir beide auf so verschiedenen Wegen zu so ähnlichen Resultaten gekommen sind. Du predigst auf der Leinwand das gleiche, wie ich in Druckerschivärzer einen starken, freudigen Optimismus, der überall an das Leben glaubt; oer selbst, wo es ungütig ist, es durch Kraft und Güte zwingt und so überwindet. Wenigstens versteh« ich ,so Deine Bilder, ,in denen die Sonne auch über der wildesten Steinwüste Gold ausschüttet.
Von mir soll rch Dir noch mehr UnzelW.ten .erchihlech von meiner Kunst,, meinem Lehen?


