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Trotzdem muß das ein Ende haben, Herr Doktor. Nus verschiedenen Gründen. Der eine ift, daß ich ab- reifen tvcTbc/' .

Detlev Gollaud stutzte, dann rückte er an fentern Augenglas.

Hm', und die anderen?" . ,±.

Die anderen," sagte sie zögernd und unter fluchtigem Erröten,nun, die liegen in der Art, in der Sie mit nur Verkehren. Lassen Sie mich ausreden, bitte. Sie haben <chr Wort gegeben, daß Sie mir weder schriftlich noch mündlich Von dem sprechen werden, was ich nicht hören will.

Hartherzigerweise. Ich habe Ihnen aber auch erklärt, daß ich trotzdem eine Form finden würde."

Eben das wünsche ich zu hintertreiben. Ich will Nicht hören, was ich doch nicht glauben kann. Dav klang ernst und herb. Etwas milder fügte sre hinzu:Sie wissen, wie ich über Ihren, an sich sehr nützlichen und ehrenwerten Beruf denke: daß ich nie die Frau eines Mannes werde, der den tausend Unfreiheiten Ihres Standes unterworfen und nur Gast an seinem häuslichen Herd ist. Dennoch erklären Sie mir, daß Sie diesen Stand lieben und ihn Nicht aufgeben würden. Das verträgt sich nicht mit dem, wovon Sie mir sprechen wollen und nicht dürfen. u>er nicht einmal das Opfer eines Berufswechsels bringen kann ---"

Pardon. Welcher Beruf erscheint Ihnen denn als der würdigste?"

Frei und unabhängig in meinem -Sinne ist jedenfalls der des Landwirts.' Wozu aber die vielen verlorenen Worte! Morgen und übeimurgen den Heiligabend und ersten Feiertag werde ich auf Kaltzien bei meinem Oheim Verleben. Er beabsichtigt, das Gut zu verkaufen, und da ich als Kind dort gelebt habe, möchte ich noch einmal dort weilen. Am Montag gehe ich auf Reisen und werde voraus­sichtlich einige Jahre sortbleiben."

Ist das Ihr Ernst?"

\Mir ist nicht scherzhaft, Herr Doktor."

Dann müßte ich mich also beeilen, jene Form zu finden."..,,

Das werden Sie nicht tun!" sagte das junge Mäd­chen erregt.Widmen Sie sich Ihrem geliebten Berufe, her Ihnen sicher nicht einmal gestattet, mich zu begleiten."

Nur bis zum Portal, gnädiges Fräulein. Es könnte sich jemand schon hier an Ort und Stelle mit Wohltätig- ffeits-Konfekt den Magen verkorksen, sich die Finger ver- ernten oder" .... ,,

,Nun also! Lassen Sie suh, bitte, nicht stören! Adieu"

Brüsk wandte sie sich ab und verschwand im Gewühl. Dennoch umspielte ein leises, übermütig glückliches Lächeln Vie Lippen des jungen Arztes. Er hatte einen feuchten Schimmer in ihren sonst so kühl und hochmütig blickenden Augen gesehen. *

' Weihnachtsabend -----

Auf der behaglichen Diele des Schlosses Kaltzien war pur ein kleines Bäumchen hergerichtet, wie es für zwei alte, Meinstehende Leute genügte. Gegen Mittag war ganz un­erwartet Ellen Wichhardt gekommen. Jetzt saß man beim Tee, Kammerherr von Gröve in seine Zeitung vertieft, die Damen im Gespräch. Wer die Unterhaltung wurde ziemlich einseitig von der kleinen, schneehaarigen Guts­herrin geführt-, und auch ihr unverwüstlicher Redefluß er­lahmte schließlich unter der wortkargen Zurückhaltung ihrer Nichte.

Fehlt dir etwas, Kind?"

Nein, Tante." ,

Hast du Aerger gehabt?"- .

Ja, Tante. Das heißt nein, ich habe keinen Aerger tzehabt."

Was ist denn nur mit dir! Du bist schon immer etwas Verschlossen gewesen. Wer so

Frag' mir das Mädel nicht nervös, Alte," mischte sich der Kammerherr ins Gespräch, indem er von der Zei­tung und über die Brille hinweg aufschaute,Und wenn du schon fragst, dann so, daß sie nicht immer bloß mit ja vder nein antworten kann. Paß auf, wie ich das mache. Hör' mal, Ellem > zunächst leg' den Teelöffel hin, du zerbrichst ihn; Tante weint dann drum, also, was ich fragen wollte, sage mir rund und offen: wie heißt er?"

Aber Mann!" fuhr die quecksilberne kleine Frau er­schrocken auf. Ellen Mchhardts Antlitz aber überzog sich

mit einem glühenden Rot. Sie stand aus Und wandte sich zur Tür. Mer ein ernster Anruf des Oheims hielt sw zurück.

Hierbleiben, bitte ich mir aus! Das Ware ja noch chöner! Ms alter Soldat bin ich gewohnt, auf eine Frage auch eine Antwort zu bekommen. Bist du ein verschüchterter Backfisch oder das tapfere Frauenzimmerchen, als das ich Ellen Wichhardt immer geschätzt habe? Also noch einmal

Die junge Dame atmete befreit auf, als ihr Oheim von einem Diener abqelenkt wurde, der eine Karte überreichte. Gleich darauf lehnte sie sich in einer Anwandlung Von Schwäche gegen den Tisch.

Nanu, am Heiligabend Besuch?" murrte der alte Herr. Dann hellten sich seine Züge auf.Golland, Detlev Golland! Sapperlot, das ist doch der Prachtkerl, der mich in der Frensdvrffschen Klinik behandelt hat und au den ich dich mit deinen Nerven veriviesen habe, Ellen! Du hast übrigens noch keine Silbe davon erzählt, r, selbstver­ständlich, ich lasse bitten!"

Der Arzt trat ein und fuurbe von dem Kammerherrn mit geräuschvoller Herzlichkeit begrüßt.

Das ist ja eine freudige Festuberrasehung, lieber

Verzeihung, wenn ich zu so ungewöhnlicher Stunde lästig falle. Aber der Anlaß, der mich Herfahrt, ist ebenfalls ungewöhnlich und leidet keinen Aufschub."

Je nun, zunächst werden Sie eilte Taste Tee mit­trinken. Meine Frau keuuen Sie, und meine Nichte wohl

auch: oder--" , , . ,

Ich hatte die Ehre," sagte der Arzt unter einer tiefen Verbeugung vor der alten Dame und einer zweiten nach der Fensternische hin, in die Ellen Wichhardt sich zurück^ gezogen hatte. Nichts verriet die nähere Bekanntschaft. Er ließ sich in einen Sessel nieder und nahm auch die ihm ge­botene Zigarre.

Und wie ift3 Befinden, Herr Kammerherr?

Dank Ihrer Behandlung und der Verhaltungsmaß, regeln, die Sie mir gegeben, ausgezeichnet, lieber Doktor. -

Das freut mich. Ergo kann ich gleich an unser Ge­schäft gehen. Sie beabsichtigen, Kaltzien zti verkaufen?/«

Allerdings."

Kostenpunktt" i

Achtmalhundertfünfzigtausend Mark."_

Das ist nicht teuer," bemerkte Detlev Golland mit iefem Ernst und rückte an seinem Augenglas-Wir könnten »fort abschließen, wenn Sie mit einer Anzahlung von tebeit Milte zufrieden wären."

Der alte Herr lachte laut auf.

Wie kommen Sie denn gerade auf bteje unmatztge Summe?!" ...

Weil ich im Augenblick nicht mehr habe. Das heißt, Nchtig besitze ich bloß etwa fünfzehnhundert. Der Rest sind am 1. Januar fällige Honorare, und was dann noch. fehlt, könnte ich mir vielleicht pumpen."

Sehr konsolidierte Verhältnisse!" ries Kammecherr von Gröve anfs höchste amüsiert.Und wie steht's. nut dem! Betriebskapital?"

Pardon, was ist das?"

Nun, Sie müssen doch Mittel hinter sich haben, lun wirtschaften zti können!" . »

So . . . Muß man das? Daran habe ich allerdings noch nicht gedacht."

®er alte Herr brauchte einige Zeit, um sich von feutemi Entzücken über den originellen Käufer zu erholen.

Nm alles in der Welt, Doktor, verstehen Sie de ml überhaupt was von der Landwirtschaft?"

Nicht die Bohne. FJch Tann zur Not Roggen von Hafer und eilte Runkelrübe von einem Kahlkopf unterscheide^

Das ist alles." > , r.z

Ja, woraufhin wollen Sie denn da Grundbesitzes werden?"

Das möchte ich auch wissen. Ich weiß nur, daß ich es werden muß, wenn auch fürs erste nur nebenamtlich. Damit Sie mich ab^r nicht länger als nötig für verdreht halten, bitte ich. Ihnen mitteilen zu dürfen, daß ich liebe. Und zwar, nicht wie man als Student liebt, sondern mit denk positiven Gefühl: diese ober keine! Nun ist die Dame leider sehr reich und deshalb fürchterlich eigensinnig. Sie beharrt auf dem Standpunkt, daß der Arzt ein unfreier und qual­voll abhängiger Mensch sei. Nur der Berus des Land-. Wirts sei unabhängig und eines Mannes würdig."