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Äuf. Erschrocken stand da vor mir halb aufgerichtet ein altes Wein.

Oh weh, der Tag ist futsch!

Blinzelnde, blöde Augen blickten wich lange gleichmütig an. Die 'Alte war grundhäßlich. Ihr zahnloser Mund schien in dem verwitterten, ledernen Gesicht keinen be­stimmten Platz zu haben, sie verzog ihn zn einem tierischen Grinsen. Und dann pfiff über die fleischlosen Lippen ein kicherndes, winselndes Lachen.

Herrgott, das Weib ist verrückt. Diese Augen! Sie lacht immerzu. Und dann geifert sie unverständlich ein Wort. Ich horche erstaunt:

Was?"

.Die Hexe sagt's nochmals und dann verstehe ich recht: Zytmacher, komm!"

Zytmacher? das heißt Zeitmacher, was soll's wohl damit?

Sie winkt mir, daß ich ihr folgen soll, zögernd er­bebe ich mich vollends. Wie sie mein Buch erblickt, nickt sie befriedigt:Zytmacher", und kichert wieder laut stuf, da sie sieht, daß ich willens bin, ihr zu folgen. Nach we­nigen Schritten hebt sie eine verbeulte Blechbüchse auf. Sie sammelte Beeren.

Mir war's selten zu Mute. In Unbekannter Berg­einsamkeit tappe ich einem verrückten Weibe nach! Sie {chritt rüstig aus, unbekümmert Um ihre bloßen Füße sprang ie über Stauden und gefallene Baumriesen in den beginnen- >en Wald hinein. Lumpen wabbelten um die hagere Ge­stalt. Zuweilen sah sie sich nach mir um und wieder­holte das rätselhafteZytmacher".

Bor einer elenden Hütte, halb Höhle, halb Biberbau, machte sie Halt. Eine niedere Tür, was sage ich, ein Loch ist der Eingang.Zytmacher" und eine zerfahrene Hand­bewegung sagten mir, daß ich eintreten solle.

Das wollte ich nun doch nicht. Aber die Alte bat mit flehenden Augen und Bewegungen. Und so beugte ich den Oberkörper forschend unter den Türbalken und trat, da ich nichts Verdächtiges hörte noch sah, auti)| ein.

Der Boden, das fühle ich, ist feucht und morastig. Sehen kann ich vorerst nur wenig, der Raum ist stock­dunkel, ohne Fenster. Durch Ritzen in Dach und Wand einfallende Lichtstrahlen blenden. Die Luft ist voll ätzen­dem Rauch und Gestank. Der Gestank ist dem Raun: wohl immer zu eigen, der Rauch aber entsteigt einem Aschenhaufen in einer Ecke, wo in einem Kessel eine dicke Masse brodelt. Daß mich plötzlich ein Angstgefühl beschleicht, ist der Kessel schuld: denn er drängt mir den Gedanken auf: du bist bei einer Hexe, wie du es einst in den Märchen gelesen. Hinter mir verdunkelt sich der Türausschnitt: die Hexe Äüecht herein. Unwillkürlich ziehe ich mich an die Wand zurück.

Kichernd und wabbelnd richtet sich die Wte auf; in dem niederen Raum erscheint sie mir größer. Hastig geht sie auf mich zu, mit einem Satz bin ich' zur Seite t; und greift auf ein Gestell, das über mir an der Wand befestigt ist.

Und hinter klapperndem Gerümpel holt sie einen blin­kenden Gegenstand hervor, den die knöchernen Finger fest Umkrallen.

Zytmacher", sagt sie und hält mir das Ding Unteir die Augen.

Ein Wecker, Heine verbeulte messingne Weckeruhr!

Nun ist mir alles klar. -Daß mir das nicht früher schon einfiel! Zytmacher heißt im Dialekt jener Berge und stuch an vielen anderen Orten der Schweiz Uhrmacher. Das Wort Uhr gebrauchen sie dort selten, sie sagen Zht dafür. Was für Zht isch es?" entspricht unserer Frage:Wie­viel Uhr ist es?"

Der Beduine sieht in jedem Europäer einen Arzt; ich konnte es dem alten Weibe nicht verdenken, daß es mich t als Städter erkannt für einen Menschen hielt, der fähig wäre, sein kostbaresZyt" zu reparieren.

So nickte ich denn der Alten bejahend zu und trat mit dem Wecker in den Lichtbereich der Türe. Mein erstes war, die Federspannung zu prüfen. Was ich vermutete, traf zu: Der Wecker war nicht aufgezogen.

Wenn jetzt das Räderwerk noch gut, muß der Wecker im Augenblick zu ticken beginnen und ich dem blödsinnigen Weibe als wahrer Wundertäter erscheinen. - Ich muß ge­stehen, daß ich mit dem Wecker mehr Hokuspoküs machte als nötig war. Mit funkelnden Augen, aus denen jede

Blödigkeit gewichen zu sein schien, verfolgte das Weib jeden meiner Griffe. Derweil zog ich nur die beiden Federn auf, stellte die Zeiger und ließ dann den Wecker abrasseln.

Toll vor Entzücken tanzte die Alte in der Hütte herum', daß die Fußsohlen laut Ms dem Boden aufklatschten, und ries ein über's andere Mal:Zytmacher!" wobei sie das Rasseln des Weckers mit der Stimme und dem Wabbeln ihres ganzen Leibes nachzuahmen schien.

Mich bedachte sie mit bewundernden Blicken. IhrZyt­macher" klang beinahe zärtlich. Ich erllärte ihr darauf die Federspannnng, das Stellwerk, so gut es eben ging, und ließ sie die nötigen Handgriffe und Umdrehungen aus­führen. Dabei fand ich nun, daß sie nicht viel dümmer als andere ungebildete Leute ihres Schlages, der Sprache allerdings war sie fast ganz beraubt. Auch verstand sie mich zumeist nur mit Hilfe einer ganz verzweifelten' Zeichensprache.

Wie sie zu dem Wecker gekommen, konnte ich nicht er-, fahren.

Die Hütte besah ich mir nun genauer. Eine elendere/ armseligere -Wohnung habe ich weder früher noch seither, gesehen. Ein Heuhaufen und ein faulender Strohsack bil­deten das Lager der Alten; ein großer Kessel, zwei niedere Töpfe und einige Scherben das Küchengeräte, vervollständigt durch einen Holzlöffel und ein Messer, das neben der Feuer?-, stätte in einer Mauerfuge steckte.

Als ich fragend auf das seltsame grüne Gebräu ist dem Kessel deutete, sagte die Alte zweimal:SU" und führte mich hinter die Hütte, wo sich im Schlamin eist schwarzes Schwein wälzte. Dies und eine magere Ziege waren der Armen einziges Eigentum.

Im Dorf konnte ich wenig über das Weib erfahren'.. Sie sei landesfremd und vor Jahren zugelaufen Die Sennen und Holzer mieden scheu die Umgebung ihrer Hütte. Beerensuchende Kinder trauten sich nicht in die nächstest Waldbestände. Ich aber schmauste manchen Tag die leckeren Beeren, die da oben in Menge reiften. Und die Alte zeigte mir die ergiebigsten Plätze.

Ein hartes Urteil über die Frauen.

In denB. N. N." spricht ein höherer Beamter der; P o st über seine Erfahrungen mit den weiblichen Beamten. Wist entnehmen den Ausführungen, die für die Frauen alles anders/ nur nicht schmeichelhaft sind, folgende besonders bezeichnende! Stellen:

Der völlige Mangel an Dienstinteresse und Diensteifer sind es, die bei weiblichem Personal eine dauernde, männliche Bc- anfsichtigung erforderlich machen. Sobald diese fehlt, stockt die Arbeit. Unter Schwatzen, Kichern und Streitereien wird haust alles vergessen. Ucberhaupt bilden Streitigkeiten und Zänkereien,, gegenseitige Verleumdungen und Angebereien anscheinend ein Lebensbedürfnis für die Frauen, welche durch äußeren Zwanig! in gemeinsamer Tätigkeit gehalten werden. Streitigkeiten und! Meinungsverschiedenheiten kommen überall vor, wo eine größerst Anzahl Menschen aufeinander angewieseu ist. Aber unter weib­lichen Beamten hundertmal mehr als unter männlichen Beamtens Bei den Frauen spielt in den meisten dieser Fälle die gegen­seitige Eifersucht, der Neid wegen irgend welcher körper­licher Vorzüge, wegen Kleidung und Putz eine sehr große Rolle, was bei den Männern fortfällt. Dazu kommt, daß die Fraucst an und für sich zänkischer und rechthaberischer find als die Männer. Eine wirklich unparteiische und gerechte Bcurteilung von Frauen durch Frauen gibt es überhaupt nicht oder doch mir äußerst selten. Ein treffender Beleg für diese weibliche Mißgunst und Ungerechtigkeit ist es jedenfalls, daß vor einigen Jahren die; Pariser Fernsprechgehilfinnen bei .dem Ministerium um Ab- schaffuug der weiblichen Au fsi ch t s b c a m t e n vor­stellig wurden und ihren Antrag damit begründeten, daß frühest unter männlichen Aufsichtsbeamten Gerechtigkeit geherrscht hätte/ daß aber unter den weiblichen Aufsichtsbeamteu nur Parteilichkeit/ Neid und Haß vorhanden und die Verhältnisse unerträglich ge­worden wären. Uebcr die Arbeit und die Leistungssähigkest weiblicher Beamten läßt sich nicht viel Gutes sagen. Gewissen­haftigkeit, Gründlichkeit und Aufmerksamkeit, diese Grundbeding­ungen jeder ordentlichen Arbeit und jeder Tätigkeit, fehlen dcst Frauen gänzlich. Sie sind nie vollständig beider Sache/ mit der sie beschäftigt sind. Dazu kommt der Mangel an llebcr- legung und die Unfähigkeit zu intensiver Anstrengung. Wisj diesen Gründen können Frauen nur sehr einseitig verwendet! werden. Zu allen Arbeiten, die größere geistige oder körper­liche Anspannung erfordern, sind Frauen nicht zu ge- brauchen, ebensowenig zu Arbeiten, bei denen es lich um Ueberlegung, UM Nachdenken, UM eigene Entschließung und Nist Entschlossenheit handelt/ überhaupt zu allen Aroeiten, diö Selbständigkeit und Verantwortlichkeit ver-