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die ein Gesetz zu suchen Mar höchst anziehend, aber auch setzst problematisch erscheint. ,

' Die Nachhaltigkeit, mit der sich diese Ansicht des Kulturlebens durchgesctzt hat, ruht zuletzt in dem .Bedürfnis, dem tn bet! Menschenwelt hervortretenden Leben einen absoluten Wert.zu^ver- leihen. Einen solchen scheint nur die Ueberzeugung von der Tat­sächlichkeit und Stetigkeit des Fortschritts zu verbürgen. ,

Daran aber erkennt man, daß diese Ansicht nicht sowohl em Ergebnis des Wissens ist, sonderii ein Postulat des Glaubens.

Man glaubt an den unendlichen Fortschritt des gesamten Welt- und Menschheitslebens, weil man sonst nicht dazu kommt, in dem Wirklichen zugleich etwas absolut Wertvolles zu erkennen.

Als Glaubenssache hat diese Ansicht dann auch ihre Kritik gefunden. Die Opposition ist erstanden in der Spekulation Schopenhauers und in dem Haupt- und Grundbuch des modernen! Pessiniismus, in der Philosophie des Unbewußten von Ed. v. Hart­mann. Aber auch diese Denker kommen doch Nicht um eine Art Weltfortschritt herum. Auch sie lassen teleologische Wertprinzipien für die Betrachtung der Gesamtgeschichte der Menschheit bis zu einem gewissen Grad gelten und erkennen damit em berechtigtes Bedürfnis des Gemütes an. r,, ,± , .

Angesichts des tatsächlichen Verlaufs der Geschichte kann nicht in Abrede gestellt werden, daß der menschliche Geist ol§ mbw vidueller sowohl wie auch als Geist der Gemeinschaft die Zähigkeit und die Tendenz besitzt, von gegebenen Anfängen und Bedingungen aus in einen Entwicklungsprozeß einzutreten, in dem das spater Erreichte sich zu jenen Anfängen verhält wie das Höhere zu denr Niederen, das Bessere zu dem Minderwertigen, das Vollkommene zu dem Unvollkommenen. Aus den Tatsachen der Entwicklung ergibt sich, daß das Kulturleben in intellektueller tote moralischer Beziehung des Fortschritts fähig und dazu beruien ist.

I Vor allem kommt es nun darauf an, wie dieses Berufensem ! gedacht wird. Die Fähigkeit und Tendenz zum Fortschritt bedeutet für den Geist nicht eine mit Naturnotwendigkeit sich vollziehendes Leistung, sondern eine Aufgabe, die er zu lösen oder zu verfehlen!

lichkeit maßgebend. Clemens von Alexandrien und Augustin ent­wickelten eine religiöse Teleologie, nach der die Menschheit unter 1 göttlicher Führung von unten herauf einem heilsgeschichtlichen Ziele I entgegenreift, eine Auffassung, die auf deutschem Boden von Lessing | aufgenommen und in seinerErziehung des Menschengeschlechts I weiter verfolgt wurde. ,, I

Durch die Bewegungen der Renaissance und der Reformation I wurde dann das Bewußtsein gestärkt, daß die Menschheit abermals | einen gewaltigen Schritt nach vorwärts getan habe. Dabei über- I nahmen die Deutschen die Führung, da sie den Grundfragen der I Menschheit am tiefsten unter den Völkern nachgingen, die Bahn i frei machten für geistigen und sittlichen Fortschritt und dem Aus- I blick in die Zukunft der Kulturarbeit eine bisher ungeahnte Weite I verliehen.

Gegenüber dem leidenschaftlichen Widerspruch Rousseaus gegen die Ansicht der weltbeglückenden Wirkung der bisherigen Zivilisation | begründete Herder die Auffassung der Kultur, derzufolge die Ent- I Wicklungen der verschiedenen Völker sich zueinander wie die Stadien eines ansteigenden Prozesses verhalten, in dessen Verlauf das I Wesen der Humanität immer vollkommener in Erscheinung tritt, I wobei er auch die physischen Lebensbedingungen der Menschen I in vortrefflicher Weise heranzuziehen verstand. Im Anfang des ! 19. Jahrhunderts erfuhr dann der historische Entwicklungsgedanke I eine weitere Klarstellung und Einbürgerung durch die spekulative | Durchbildung der Geschichtsphilosophie, der das geschichtliche Ge- | schehen als die ewige Entwicklung des Weltgeistes erscheint, deren einzelne Momente als ebensoviele sich nacheinander bedingende und erzeugende Ideen in der Aufeinanderfolge der verschiedenen führenden Völker zur konkreten Darstellung gelangen. HcgA teilte die Ueberzeugung von den ewigen ehernen Gesetzen, nach denen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden. Er glaubte die Entwicklungsgesetze a priori der Wirklichkeit vorzeichnen zu können. ,r, . .

Das auf spekulativem Wege gewonnene Ergebnis ist m der Ueberzeugung eines den Fortschritt ins Unendliche bedingenden Weltgesetzes niedergelegt. Diese Ueberzeugung wird im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die epochemachenden Entdeckungen un Ge­biete der Natur und durch die Vervollkommnung der Techmt bestätigt und verstärkt.

Vor allem wurden die Ergebnisse der Deszendenztheorie nach dieser Richtung hin verwertet. Ihre Lehre von der durch den Kampf ums Dasein bedingten Auslese des Passendsten und Lebens­fähigsten wird auf die Menschenwelt übertragen und stellt eme ins Unbestimmte, ja Unendliche fortschreitende Steigerung der körperlichen und geistigen Tüchtigkeit und Lebenskraft der Menschen in Aussicht.

Dieser Gedanke wurde von Nietzsche aufgegrissen und in der Lehre vom Uebermenschentum verwertet. H. St. Chamberlain hat ihn dann im Anschluß an Gobineau mit Beziehung auf die germanische Rasse weiter verfolgt. Nachdem durch Darwins Ein­greifen die gesamte organische Natur dem Gesichtspunkt der Ent- wicklung untergeordnet worden war, suchte man neben der tierischen Entwicklungsgeschichte auch die menschliche nutzbar zu machen, insofern die Geschichte der Organismen in körperlicher Beziehung Prozesse darlegt, bereit Analoga man im geistigen Leben wteder-

ist dem modernen Menschen mehr und mehr zum Bewußt­sein gekommen, daß das Wesen der Kultiir in einem ms Un­bestimmte fortgehenden Prozeß besteht. Die Menschheit steigt im Verlauf des geschichtlichen Werdens zu immer höheren Stufen der Vollkommenheit auf, und zwar unter Führung der ethischen

Von der Natur erhebt sich der Mensch zur Zivilisation und von hier zur Kultur. Zur Zivilisation gelangt er durch Aus­bildung und Betätigung der geistigen und körperlichen Kräfte; zur Kultur dadurch, daß sittliche Maßstäbe nicht nur das Dasein | der Einzelnen, sondern zugleich das Gememichaftsleben durcy- dringen und beherrschen. Sie sind der wertvollste Kulturbesitz, der durch stetige Weiterarbeit lebendig erhalten werden muß, die sich innerhalb der Welt der Erwachsenen und Heranwachsendün vollzieht Das Wundervolle an diesem Stück des Kulturbesitzes ist aber dies, daß alle Volksgenossen in gleicher Weise, ob arm ob reich, ob hoch ob niedrig, an ihm teilnehmen können, wahrend sich nur eine Minderheit des Volkes im Genuß der höchsten Er- rungenschasten der Wissenschaft und Kunst befindet. v>n vieltem Abstand folgt hierin die Masse nach. . Aber sie ruckt nach, m all­mählichem Aufstieg. Denn auch dann besteht em Stuck ftiutur-- arbeit, die starke Differenzierung der Bildungsichichten mehr und mehr auszugleichen, wenn auch das ungleiche Maß der Talen.g und Kräfte einzelner immerfort Hindernisse tn den Weg legt, ähnlich wie bei den Bestrebungen, welche die scharfen Gegensätze im Besitz einer gewissen Ausgleichung unterziehen wollen.

Was aber in diesem Prozeß an Unbegreiflichkeiten und Un­ebenheiten int natürlichen oder ethischen Dasein sich aufdrangt, wird unter dem Gesichtspunkt aufgefaßt, daß es tm wetterest Verlauf eine- Aufhellung oder Fortbildung sinden werde, die es als notwendiges und berechtigtes Glied in der Kette der^Ent- wicklnngsznstände erscheinen läßt. Perioden des -Stillstandes oder Verfalls gibt es hiernach entweder nur scheinbar, oder sie zmgen an, daß die Entwicklung nach oben sich nicht geradlinig, .sondern in einer schwer bestimmbaren Wellenbewegung sich vollzieht, für

(Ein vergessener seekrieg.

Vor mehr als einem Jahrhundert führten die Vereinigten, Staaten einen vierzehnjährigen Krieg ans dem Mittelmeer, der von der Geschichtsschreibung so gut wie überleit worden, aber non aroßem Interesse ist nicht nur wegen der Tatsache, daß zn der Zeit,^da Europa von den Schrsecken der napoleontischest Kriege unaufhörlich durchrüttelt wurde, sich /"letwn südlichen Küsten ein Extra-Krieg abspielte, ; andern auch wegen der außer ordentlichen Zähigkeit und Kühnheit der amerikanischen Führer.

in r^cinc ift

De/Fortschrittsgedanke in der Fassung eines unausweichlich sich von selbst vollziehenden Aufsteigens ist kulturfeindlich, wetk er in Hinsicht des Moralischen einen verderblichen Quietismus begünstigt, wie er hinsichtlich des Religiösen alles von der Gnade! einer übernatürlichen Offenbarung erwartet.

Als Aufgabe dagegen betrachtet ist der Fortschrttrsgedanbe kulturfördernd, weil er jeden Einzelnen zur Mitarbeit aufruft. Nach ihm haben föir unser Schicksal in unserer eigenen Sani)., Wir sind uns bewußt, daß unser Tun einen auch noch so kleinen Beitrag zu dem fortschreitenden Prozeß der Menschheitsentwtcklung liefert, daß wir kraft unseres Willens eingreifen können in diel Organisation der mei'.schlichen Verhältnisse sowohl rote tn die Ent­wicklung unserer eigenen Persönlichkeit, lind dies vollzieht sich, trotzdem die Wissenschaft von der Zukunft nichts sagen und auch das Ziel unseres irdischen Daseins int Sinne eines Mit Sicherheit eintreffenden herrlichen Endes der menschtzeitlichen Entwicklung nicht berechnen kann.

Aber die Richtung des von uilserem Zustand aus etnw schlagenden Weges getraut sie sich zu bestimmen auch das Ziel vermag sie bestimmt zu formulieren m der Zeichnung der Zuge/ die zur Ideal-Persönlichkeit des Einzelnen wie des Volkes ge- hören. So können wir die Zielsetzung, die Bestimmung dessen, was sein soll, als Wissenschaft strengster und höchster Art an­sehen, von welcher die tausendsältigen Einzelbeobachtungen der wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Entwicklung ihr Licht und ihre Bedeutung empfangen.

Es ist also festzuhalten: Der Kulturfortschritt ist nicht eine naturnotlvendige Tatsache, sondern eine ethische Aufgabe, die von einer Generation an die andere weiter gegeben wird. Unbeant- wortbar bleibt die Frage, wie weit das fortschreitende Leben es in seiner fernen Zukunft zu bringen vermöge; um so enW I und dringender aber erhebt sich für jeden denkenden und strebenden, I Menschen die Mahnung, sich den jeweiligen ans der unmittelbaren I Zeitlage erwachsenden Kulturaufgaben mit selbständiger indivi­dueller Teilnahme zuzuwenden. . u.

Hier setzt nun der Erziehungsgedanke em nut der doppelten

Höhere Bildungen des Gemeinschaftslebens sind immer nur dadurch zustande gekommen, daß Persönlichkeiten die dahrn zielende Aufgabe erkannten und sich selbst und andere für ihre! Durchführung zu begeistern wußten.

I 2. Wahrer Kulturfortschritt kann unter Leitung sittlicher I Normen bewirkt werden, die bestimmend für den EiiizeiNen rot® I für die Gemeinschaft sind.