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Wuchsen. Tann erhielt ich Meine Rokke rind durste nach Hanse Men.

Ich lernte gar bald den Geschäftsbetrieb der Schmiere kennen. Ante männliche Nullen gleich ob .Heldenväter, schüchterne Lieb­hader, Bonvivants, Helden irnb Komiker spielte der.Herr Tirektor; die Fran DireUvr dagegen beschränkte sich noch immer ans die Naiven. Sie verstand cs, sich vorteilhaft zu kleiden; er sah stets wie ein Metzger ans. Daran konnte selbst sein Smoking nichts ändern, den er fast, jeden Abend anzog. Ter Smoking war ein elegantes Kleidungsstück: viel zu kurz, Adrmel desgleichen und die Breite der Hose- tarn der Länge des Fußes gleich.

Brauchte ich Regnisiten und fragte: Herr Tirektor, haben Sie vielleicht einen, Tolch für mich? so erhielt ich die Antivortr In, ich hatte-«neu silbernen, der ist mir gestohlen worden"; Herr Tirektor, haben Sie eine schwarze Kniehose?ich hatte ein« reinseidene, sie ist mir gestohlen worden"; haben Sie eine lang­haarige Perücke für mich?ich hatte eine wunderschöne, blonde', leider ist sie mir gestohlen wvrden". Ter Aermste!

Zur Ergänzmia des Fundus kam in W. eine Kiste von Tietz in Berlin an: 2 Leuchter und eine Standuhr, die natürlich ist .jedem Stücke und jedem Akte aus die Szene mußten. Und wie verstand es der Herr Tirektor für Abwechslung zu sorgen!: im 1. Akt 2 Leuchter, im 2. die Uhr, im 3. 1 Leuchter, im 4. 1 Leuchter und die Uhr und im 5. die beiden Leuchter da weiß, man nicht mehr, daij eK im 1. Akte ebenso war.

Ist Stücken, die ein größeres Personal verlangten, mußte jeder zwdi Rollen Spielen. Dienstboten und Schutzleute kamen in diesem vdrmehnien Rahmen natürlich stichst aus: die Bühne, sie Mußten draußen n,arten.' InWirklichkeit ist es ja auch so, doch soll, es Spötter geben, di» behaupten, das geschähe nur, weil für die kleinen Rollen keine Tarsteller vorhanden seiest. Mar eist Diener unentbehrlich und nicht auszntreiben, daun wurde einfach aus demWilhelm" eineWilhelmine", aus demFranz" eine Franziska" gemacht. Täglich wartete der Tirektor vergeblich Ms die Ankunft 6on TekoratiDNen im Werte von 300 Mark, die er mehrere Wochen vorher bestellt haben wollte in den sechs Wochen, die ich bei ihm! war, blieben sie aus. So mußte die offene Trhorativn des Wirtes eine Seite Zimmer, umgedreht: freie! Gegend benützt werden.

Ter Tirektor war absoluter Herrscher in seinem kleinen Reiche, er kontrollierte sogar die Post ! Widerspruch gab es bei ihm nichjt stnd so hatte ich mich bereits' auf der ersten Probe mit ihm ver­krachst. Da kam ein großes Fest: Geburtstag des Herrn Chef! Die Bvrmittags'pvobe würde auf bett Nachmittag verschoben und an ihrer Stelle gab es einen Frühschoppen. Ter Direktor komtz Mandierte: 1 großes Bier, 1 Kümmel; l Bier, 1 Kümmel üsw. Tas mag manchem ganz gut bekommen, ich bin es aber nicht ge­wöhnt und daher stab ich nach dem fünften Glase Bier das Rennen auf. Mit Würde bemeisterte der Herr Direktor seinen Zorn über meine Weigerung, mehr zu trinken. Auf dem Ge­biete^ des Kneipens wie ans der Bühne gingen unsere Ansichten auseinander, Ständal folgte auf Skandal, und schließlich wurde mir gekündigt, so daß ich Ende der Nachsaison das Ensemble Ver­lassen mußte. Viel schlimmer als mir erging' es dem Bonvivant, obwohl dieser bei der erwähnten Geburtstagsfeier derjenige war, der nächst dem Tirektor am meisten vertragen konnte. Der Tirektor förderte die Zeitungen auf, keine Hinweise für das' Benefiz dieses! Kollegen auszunchmen und da er nicht den Mut zum Kündigen; hatte, sandte er ihm eine Aufforderung, doch seine Eutlassungj zu nehmen.

Tie Nachsaison in W. ging zu Ende. Da der Tirektor nun' fünf Wochen aussetzte, gab's jetztFerien".. Einige Kollegen wollten diese Zeit in W. verbringen. Auch ich blieb dort, da. ich noch kein neues Engagement hatte.

Wir beschlossen auf eigene Rechnung weiterzuspielen. Nur -wenige Personen. standen zu unserer Verfügung, doch genügte -unsere Zahl, um eineHeirat auf Probe" in Wirklichkeit ein altes abgespieltes LuMyiel' mit anders lautendem Titel aus­führen zst können. Tas gab eineSonder-Abschiedsvorstellung! des Saisontheaters in W.". Der' künstlerische Erfolg war ein recht zweifelhafter, der materielle ein völlig negativer. Wir hätten, noch zuzahlen müssen, um die Unkosten zu decken, wenn der Wirt uns nicht schließlich die Saalmiete erlassen hätte. Ter Kunst- Hunger der Bewohner von W. war also gesättigt, hier war nichts mehr zu holen. Verhandlungen mit einem Wirte in Güstebiese an der Oder führten zum Ziel, mit ihm wurde ein zweimaligeÄ Gastspiel vereinbart. Schnell.waren die Zettel gedruckt und in R. verteilt; in den umliegenden. Ortschaften ließen wir die Bvr- stellung ausllingcln: Hierdurch wird bekannt gegeben.

Ter Tag des ersten Gastspiels kam, wieder sollte dieHeirat auf Probe" gegeben Werden. Eine zweistündige Wagensahrt, dann mir einer Kettestfähre über die Oder und wir waren in Güste­biese angelangt. Mit uns fuhren zwei. Schüler der Musikerr­schule in W die unsere Gesangseinlagen begleiten und Nach der Vorstellung Tanzmusik machen sollten.

Tie Aufführung begann. Das Publikum hatte sich in ansehn­licher. Zahl eingefunden und nahm jeden Scherz mit Begeisterung a,Us. Der Vorhang fiel gerade nach dem ersten Akte als das gesamte Publikum in großer Hast den Znschauerraum verließ, Inr ersten Momente fragte ich mich, habe ich wirklich so gut gespielt, dH da drangen einige dumpfe, langgezogene. Signale

an. mein Ohr: cs WM Zetteriarm! Wie ich bald erfuhr, bräunte in der Mhe ein Ziegenstall. Ta: auch nicht ein einziger Mensch mt saald blieb, zogen wir den Vorhang wieder hoch, sprangen Wit der Bühne hinunter, eilten durch das Lokal, stolperten Ater die finstere Steintreppe und liefen in Kostüm und Maske zup Brandstätte. Rach einer Stunde war das Feuer gelöscht und sitz herausziehcudes Gewitter trist! alles wieder ins Theater zurück. Wir hatten I.1/4 Stunde Pause gemacht und nun mußten wir weiter-- spielen, als ob inzwischen nichts geschehen wäre.

Nach der Vorstellung war Tanz. Wir forderten von jedem Tänzer 1 Mark Tauzgeld- und die so eingenommenen 5 Mk. waren,' ein willkommener Zuschuß für unsere Kasse. Tann wurden Kutscher und Fährmann geweckt und- sw machten wir uns auf' den Heimweg. Um halb 4 Uhr morgens kamen wir wieder in W. an.

Am Pfingstmontag, sollten wir in Ait-Welin und am dritten Fingstseiertäg nvchmäsK in Güstebiese spielen. Wir hatten also iwch große Pläne, und begierig Warteten wir jeden Mittag vor der Post auf die neuesten' Wetterprognosen.Scheint an Pfingsten die Sonne, dann geht niemand ins Theater, aber wenn xs' Regelt gibt. . .", und in Gedanken teilten, wir schon das Geld. Da! brach plötzlich in unseren Reihen Streit aus, der alles in Frag« stellte. Erst nach vielen. Anstrengungen, - ich habe an einem Tage bei meinem Kollegen F. fünf Besuche, und, bei R. sechs BesitcH gemacht - gelang es mir, die Parteien so weit zu versöhnen, daß sie wieder miteinander spielen wollten.

Aber nun ein. anderes Stück, das man mit wenige» Perftmeik geben kann! Unser Liebhaber besorgte einen Schwankunsere Soldaten", dies sollte ein für uns geeignetes Stück sein. Dich Material kam an -- cs kostete 13,50 Mark! und als ick das Buch erhielt, schlug ich natürlich zunächst das PersonenverzerchnD auf: 17 Solo Rollen, außerdem Bauern, Biiuerimten, SoldatÄNj, ja, Militär sollte mit klingendem Spiel über die Bühne ziehen. Wir waren drei Hsrven und- eine Dame, und da. ließ der Mensch dieses Stück kommen! Ja, Ich- Regisseure von besseren Theatern', hier hättet Ihr Euch sicher nicht helfen können, in solchen V«c> hältnissen zeigt es fick- erst, im ein Stückeinrichten" kann. Zunächst wurden die entbehrlichen. RLpcäsentations- und Episoden'-- rvllen. gestrickten. Und müssen denn die beiden Töchter durchaus zwei Lmtnants beüonwueu, es genügt doch vollständig, wenn Leide einen haben! Tann übernahm jeder von. wnS zwei Rollen, auch die Frau des Liebhabers, eins völlige Dilettantin, mußte zwei Rollest spielen, eine Rolle erhielt ein talentiertes Mhmadcheit und nun ging cs ans die Suche Nach einem Vertreter der Komischen! Hauptrolle. Ein berühmter Mann auK W. der Star sämtlicher dortigen Titettantenvevetn» gab schließlich seine Einwilligung, Ans den Proben war er aber stark angetrunken, daß er nicht «in» mal lesen konnte. Ich gabelte rasch einen Ersatz für ihn auf doch da erklärte unsere mit Mühe gefundene Souffleuse, wenn bet betreffende Herr mitspielen sollte, erlaube ihr Verehrer nicht, daß, sie mitfahre. Also noch Familienangelegenheiten! Was' tun?

Tas Stück einrichten!! Es' wurde so bearbeitet, daß jeder der beiden anderen Herren eine Rolle von mir zuspielen konnte, also drei Rollen hatte, und ich übernahm, die Komikerrolle. TaS Buch forderte 17 Personen usw., aus dem Zettel standen 10 Per­sonen, in Wirklichkeit waren wir sechs, davon zwei Dilettanten. Was noch aus unserem Wagen stieg, das waren die erste Verkäuferin' ans dem Käiser'schen Kaffeegeschäft in W. und die zweite ans der gegenüberliegenden Kvnkürrenz, die wir mitgenommen hatten, um den Bewohnern von Mt-Weliu durch unsere Zahl zu imponieren; auch hatten wir vor dem Wirte Furcht, dem wir mehr Tarsteller versprochen hatten, Der Besuch-unserer Vorstellung ließ trotz des schönen Wetters nichts zu wünschen übrig, nach Abzug der Kosten kamen auf jeden 24 Mark. Am folgenden Tage spielten wir dass Stück in Güstebiese, wo 10 Mark ans den Teil tarnen; fo standen wir uns in den 14 Tagen, in beiten mir auf eigene Rechnung spielten, ebenso wie vorher in Gage.Unsere Soldaten" gefielest in beiden Orten außerordentlich. Zu jedem Aktschlüsse gab es' einen Chorgesang von sämtlichen Mitgliedern. Schade, daß, vor der letzten Strophe intimer einer ab gehen mußte, um den Vorhang hernnterzulafsen. Dieser eine war gewöhnlich ich.

Am folgenden Morgen fuhr ich in mein neues Engagement: T. in Pommern. Dieser Ort von 3000 Einwohnern nennt sich Lnftkurvrt 1. Ranges als ich ihn am 16. Juni verließ, war noch kein einziger Kurgast da. Ich war hier bei einem sächsischen Familiendirektvr. Ter Komiker war seit 20 Jahren Tuzfrennd des Direktors, ich ttiot fremd und alle übrigen Mitglieder etwa 10 an der Zahl waren mit dem Direktor verwandt ober verschwägert. Hier wurden auch Ausstattungsstücke gegeben wie Der Verschwender". Da sah man offene Verwandlungen: Ter Direktor ließ mit Donnergepolter einen Prospekt fällen. Da stand die Fee Chcristane, sie beschwör ihren dienstbaren Geist Azur der, da wir keine Versenkung hatten, sich unter einem Tische verbergen müßte -- jetzt kroch, unser Azur aus seinem Verstecke hervor und sprach sächselnd: Tu! Die du mich durch Zaubermachk geboren, gebietest du mir Segen oder Fluch? Ter Azur war betrunken und stockheiser. Sein Lied würde hinter der Szene vvm Direktor gesungen und auf der Szene gröhlte er in doppelt beschleunigtem Tempo. Znm Schlüsse- gab es ein lebendes Bild: Glaube, Liebe, Hoffnung- mit bengalischer Beleuchtung natür­lich, d. h. der Direktor stand in der Kulisse und zündete eilt büttteA