Msntag den 8. August

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Das schlafende Heer.

Roman Von Clara Viebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Valentin nickte ihr freundlich zu, und daran denkend, daß er rhr noch vom Kalben der Rotbunten her etwas schuldig sei, zog er einen Rosenkranz von blauen Glasperlen aus der Tasche, den er eigentlich für das Settchen bestimmt hatte, das nun bald zur Kommunionstunde sollte. Mochte die Michalina denken, er habe den extra für sie mitgebracht!

Mit einem tiefen Knicks nahm sie die Schnur:

Padam do nog!" Sie wollte ihm die Hand küssen.

Als er ihr sie hälftig, ganz verlegen, wegzog, fiel ihm sauf einmal ein: ach, die war ja nur eine Dienstmagd! .Aber vielleicht, daß er sie mieten könnte! Die Mutter hatte erst neulich sich lobend des hilfreichen Mädchens erinnert ' und welch ein Triumph, wenn er, dem man erst heute morgen Teilnahrnlosigkeit und Mangel an Interesse vor- lgeworfen hatte, mut mit einer strammen Magd heimkehrte! Der Vater hatte keine auftreiben können!

Des Burschen Augen sprachen bittend. Für seinen Mund machte Stasia den Dolinetscher, die sich gern der Mutter des Bräutigams gefällig zeigen wollte.

So wurde man bald handelseinig. Die Polin ver­langte nicht zu viel; und da ihre Arme, die die aufgekrem­pelten Hemdärmel frei sehen ließen, voll und stark waren, würde sie ihren Lohn schon einbringen. Sehr zufrieden reichte ihr der Sohn ihres künftigen Gospodarz*) die Hand zum Abschied: also morgen wurde sie erwartet be­stimmt?!

Sie nickte und strahlte und legte die Hand aufs Herz er konnte sich darauf verlassen.

Als Valentin am Abend heimkam, war er selber er­schrocken, 'Ivie sehr er sich verspätet, hatte er Stasia doch erst bis ganz nach Hause gebracht, war dort auch noch abgestiegen und hatte einen langen Abschied von ihr ge- noinmeit im dunklen Flur. Der Vater empfing ihn nun mit lautem, heftigem Vorwurf, und die Mutter, die doch sonst immer so freundlich war, seufzte und sah ihn gar nicht an. Daß die Eltern beide böse waren, tat ihm bitter leid, aber er hoffte, sie schon zu versöhnen. Und heimlich brannte in seinem Herzen der Wunsch, ihnen daun von Stasia zu sprechen.

Als der Vater schrie:Wo haste dich dann eso lang erttmgetrieben? Wir krosen hier erum im Dreck, und du fährst spazieren zum Pläsier," sagte er mit dem frohen Bewußtsein, einen guten Hinterhalt zu haben:Ich hab' der Mutter en Magd gemiet'! Dat Mädchen, bat neulich hier geholfen hat, die Michalina vom Schäfer aus Ch'wali- horczyce! Morgen kömmt se!" ,

*) Dienstherr',

Dunnerkiel! Wie kömmste dann an die?" Peter Bräuer schmunzelte plötzlich: ein Teufelsjunge! Was der die Weiber selbst so 'ne bnntine polackische ViehmagK im Sack hatte!

Auch Frau Kettchen war hocherfreut. Sie hatte sich immer vor den buntbebänderten Polenmädchen Mit ihrem Singen itub Tanzen, das sie leichtfertig dünkte, gegraust; aber zu der braunen Michalina hatt sie ivohl Zutrauen« Die hatte so ehrliche Augen, die würde sicher nicht stehlen. Und dankbar kam sie von ihrem Stuhl beim Ofen, wo sie» fröstelnd gesessen hatte, zuni T isch heran und drückte Valentin die Hand.

Der Vater belobte den Sohn: das hatte er mal gut gemacht! Hatte er auch den Chilisalpeter mitgebracht?

Valentin wurde abwechselnd blaß und rot vor Schreck: den hatte er ganz und gar vergessen! Aber es ging ihm heute hin ohne großen Verweis, denn der Ehemann war viel zu froh, eine Hilfe für sein Kettchen zu haben.

Ganz einträchtig saßen sie jetzt beisammen am Tisch, auf dem die beschirmte Lampe friedlich brannte, während draußen die Frühlingsstürme ums Haus schnoben und wie mit begehrlichen Händen an Wand und Läden rüttelten.

Da" hielt Valentin iricht länger an sich; mit brennenden Wangen, wie ein Knabe, der nach etwas giert, fing er an, von Stasia zu sprechen. Wahrhaftig, die Eltern konnten es glauben, sie war ein liebes Mädchen und klug dazu und so schön! Was schadete es, daß sie polnisch ivar und er deutsch waren sie nicht alle beide katholisch? Nein, ohne sie leben konnte er nicht mehr, die Eltern mußten em Ein­sehen haben! Nachts träumte er ja nur von ihr, tags dachte er ja nur an sie. Er wollte sie heiraten, sie allein war sein Glück, sie war so ganz anders als alle Mädchen bisher, sie hatte es ihm angetan die oder keine!

Der Vater hatte den Sohn ausreden lassen, aber die Ader auf feiner Stirn war mächtig geschwollen. Also so weit ging die Geschichte wirklich? Nicht nur eine Liebelei, eine reelle Heirat sollte es werden?

Da hört doch alles bei auf," schrie er ivütenb und schlug auf den Tisch,biste geck, Jung? So en Polacken- mensch willste heiraten? Noch dazu die Tochter von dem Saukerl, dem Frelikowski, der einen: so tribuliert wegen nem erbärmliche Has'?! Ne, da wird nix draus, nie un nimmer geb' ich mein' Einwilligung!" Ganz außer sich sprang er auf und rannte mit Riesenschritten in der Stube hin und her.

Ganz betroffen saß Valentin da: so stark hatte er sich den Widerstand demt doch nicht gedacht. Es zuckte in des jungen Menschen Gesicht, als wolle er weinen, aber bann überkam ihn der Trotz. Was würde Stasia huch sagen, wenn er so schwachmütig wäre?! Verachten iuiirbe sie ihn, gar nicht mehr ansehen! Deutlich sah er sie uu- willig die schöne blonde Tolle hinteirüber werfen und den Mund stolz kräuseln. Nie mehr würde er's zu hören kriegen, das schmelzendedaj mi buzi", das so viel tausendmal