Mit lletfe war es den ganzen Winter nicht richtig. , Die übrige Literatur ließ er liegen und summteWanderers I Sturmlied", wo er ging und stand, und hxk'lamierte es den Pfarrersleuten, undGötz von Bertichingen" las er abends mit heiliger Inbrunst. In keinem Hause hrniiten in Weimar mochte des jungen Herzogs Freund so gefeiert werden wie im Häuschen am Horn.

Der heilige Augustinus sagt:Verlangt dich nach der Erde, wirst du zu Erde. Verlangt dich nach Gott was sage ich -- so bist du Gott."

Verlangt dich nach Goethe, wirst du zwar nicht Goethe; aber du könntest es bis zu dessen Abschreiber bringen. So i erging es Uerle. Ein Februarabend fand ihn über ein I goethisches Manuskript gebeugt. Seine Ohren brannten, seine Seele war ungeheuer zusanimengefaßt. Der Dichter konnte nicht weltentrückter geschaffen haben, als Uerle ab­schrieb. Ja, er halte den Mut gehabt, Herrn Goethe seine Dienste anzutrag'en und war für gut befunden worden zu einer Abschrift.

Jetzt hörten fürs erste die Abende bei Pfarrers auf, denn Uerle schrieb nächtelang. Am Morgen aber, ehe er ins Geschäft ging, brachte er Alma das Manuskript, und sie mußte es in seinem Beisein in ihre Lade schließen und versprechen, den ganzen Tag das Haus nicht zu verlassen.

Der Sommer zog wieder herauf.

Die langen Tage, die kurzen Nächte, die heißen Stun­den bewegten sein Herz..

Almas Schönheit strahlte, ihre Laune war so nmrm, so sonnig; was sie tat, tat sie mit großer Freudigkeit. Mit den warmen, großen Tagen erwachte sie zu ihrein Lebensfest.

Unter ihren Soniinerblmnen im Garten mußte inan sie sehen, um ihr Wesen ganz zu fassen. Da lag 'über der jungen Person eine Seligkeit gebreitet, wie sie eilies Menschen Wesen nur im Augenblick höchsten Glückes dttrch- leuchtet, vielleicht einmal im Leben, wenn die schweren, körperlichen Stoffe von Lebenswonne ganz durchdrungen sind.

Wer aber die Erinnerung in sich trägt, als Rosenstrauch einst geblüht zu haben, dem ist die heilige Sommerfonne Glücks genug, um ganz in Freude aufgelöst zu werden.

Die Pfarrersmädchen saßen an einem stillen Abend mit der Mutter im Wohnzimmer und sangen, während Alma sie am Spinett begleitete. Die Linden tropften in voller Blütenpracht, und ihr Duft hatte lote jedes Jahr die Bienenvölker angelockt. Die Bäume dröhnten vom Bienensummen und Brausen wie zwei Orgeln, und das Häuschen schien die süßen, starken Klänge der vier Frauen­stimmen in seine» Mauern nicht fassen zu können. Es strömte über.

Ein leichter, warmer Regen fiel.

Drei junge Männer, die ein Spaziergang heraufgeführt haben mochte, standen und lauschten. Milten in wogenden, blühenden Kornfeldern ein singendes Haus und musizierende Linden davor, das war eine gar wunderlich liebliche Sache.

Der Gesang verstummte. Da ging einer von den Dreien dem Hause zu und bedeutete die beiden anderen, sie möchten ein wenig zurnckbleiben. Er öffnete die niedere Garten­tür in der Taxushecke, trat unter die Linden und fand sich einem dunkeläugigen Mädchen gegenüber, das soeben aus der Haustür trat rind erstaunt aufsah.

Der Fremde grüßte artig und sagte:Wir suchen einen gewissen Uerle, der hier auf dem Horn wohnt: könnte die Jungfer uns Auskunft geben?"

Du mein Gott," antwortete das Mädchen bewegt,den Uerle? Ja, der Uerle wohnt hier oben aber er ist nicht da." Sie sprach erregt.O, vielleicht kommen Sie wegen der Abschrift?"

Ja, deshalb komme ich freilich." Das Mädchen war ganz verwirrt; eine tiefe Glitt floß über ihr Gesicht. Sie schaute den Fremden wie hilflos an, itnb schaute in zwei Augensonnen hinein, in denen, wie in den ihren, die große Weltfreude strahlte, die Wonne am Sein, der Sommerfriede. Sie blickten einander an, und in jedem Gesicht war ein Ausdruck von Betroffenheit. Beide vergaßen einen Augen­blick, zu fragen und zu antworten.

Nein, er ist nicht hier, der Uerle. Er ist noch unten, im Geschäft. Das Schriftstück aber, das habe ich in meiner Truhe."

Da ist es ja prächtig aufgehoben!" rief der vornehme, schöne Mensch,-froh auflachend.

Wollen Sie bei uns eintreten?" fragte das Mädchen nach einer Pause bewegt.

Wenn Sie erlauben, da möcht' ich aber auch für meine Freunde bitten. Der Siegen wird stärker." Er winkte den beiden anderen, zu kommen.

Alma führte klopfenden Herzens die Fremden ins Hans. Sis schritt ihnen voraus in das Wohnzimmer, ging auf ihre Mütter zu, die sich erhoben hatte, legte den Arni um! deren Schulter, neigte den Kopf an deren Wange, deutete leicht auf die Eiutretenden und sagte, unbeschreiblich in ihrer Bewegung:Mutter, der Herr Goethe kömmt zu uns!" Es war ein so tiefer Herzenston nitb die Art, wie sie es sagte, so ungewöhnlich, so rührend schön, daß alle er­staunt ausblickten. Schlosstern uild Mutter, und die Fremden schöpfes, ein und nm eben freundlich bewillkommt.

Die Fran Pfarrerin reichte dem jungen, berühmten Mann die Hand und sagte aus ihre einfache, .würdige Weise: Wir haben gar schöne Stunden durch Ihre Werke genossen. Unser Freund Uerle wurde nicht müde, uns vorznlesen uno zu erzählen."

Die Begleiter waren zwei junge Stollbergs, die nicht Worte genug sanden, ihr Erstaunen auszudrücken über das liebliche Wunder des Häuschens unter den brausendell, bat» henden Bäumen. Der Regen strömte jetzt stärker unb hielt die Bienen in ihrem weiten, duftenden Gefängnis. Die Er­regung der miendlich vielen kleinen Seelen brauste ganz gewaltig auf.Ja, wenn es regnet," sagte die Pfarrerin, sind sie ganz des Kückucks da draußen."

Aber hier, Frau Pfarrerin, das läßt man sich riicht träumen," sagte der jüngste Stvllberg,in dieser Einöde solch ein behaglicher Winkel."

Sie betrachteten den Schrank und das. Himmelbett der Pfarrerin. Auf elfenbeinweißem Grund hatte ein kühner Maler dunkelgrüne, breite, geschwungene Linien gezogen, die wie Laubwerk den Grund fast verdeckten, dazwischen Dornenkronen, durchstochene rote herzen und brennende Herzen und als Bekrönung von Schrank mtb Bett rote Herzen in Strahlenglorien.

Sieh, Wolfgang, was ich gefunden hab', sieh nur nnt Fußende des Bettes die beiden Herzen! Siehst du, in jedem Herzen ist eine schwarze Drei gemalt. Treu! Verstehst du? Ist das nicht entzückend?" rief wieder der jüngste Stollberg lebhaft.Frau Pfarrerin, wo haben Sie diese Märchen- stttcke her? Man sollte glauben, in ein verzaubertes Harts geraten zu sein."

(Fortsetzung folgt.)

GedankenÄberMrschutzund verwandteBestrebungen.''

Bon M a g n n s S ch w a n t j e.

Die Tierfchützkr bedenken zu wenig, daß die Tierquälerei nicht nur eine lt r s ache, sondern oft auch eine Wirk n n gl von Ungerechtigkeit n n d R o h e i t gegen Mens ch e U ist. Wohl haben die Tierschützer das Recht, von beit Anhängern anderer ethischer Bestrebungen Hilfe zu verlangen; denn der Tierschutz ist eines der wichtigsten Mittel zur Menschenveredlimg.. Andererseits sollten die Tierschützer aber auch die Bestrebungen, zum Schutze von Menschen fördern: denn eine gründliche und dauernde Besserung der Lage der Tiere wird erst möglich sein, wenn unsere gesamte Gesittung eine edlere geworden ist.

Daß der Tierschutz zu den wirksamsten Mitteln zur sittlichen Erziehung der Kinder gehört, ist schon in zahlreichen! Schriften klargelegt worden. Selten wird aber darauf hinge- wieseu, daß auch umgekehrt die Besserung der Erziehung, bS- svnders der Waisen und anderer der Fürsorge bedürftiger Kinder, ein wichtiges Mittel ist, nm die Tierquälerei einzuschränken. Tau­fende von Fuhrkuechten und anderen Arbeitern pflegen nur des­halb die. Tiere rücksichtslos oder grausam zu behandeln, weil sie als Kinder ebenfalls das Opfer der schlechten Launen ihrer Pfleger waren und von Jugend an daran gewöhnt wurden, daß der Mensch an seinen Untergebenen seinen Aerger ansläßt. Nur ein Mensch von ungewöhnlich guter Anlage wird Tiere rücksichtsvoll

*) Wir entnehmen diese Aussprüche mit Erlaubnis des Ver­fassers, der soeben von derGesellschaft znr Förderung be§ Tierschutzes und verwandter Bestrebungen" in Berlin W. 57, Bülowstraße 95, herausgegebenen SchriftDie Beziehungen, der Tierschntzbewegwng zu anderen ethischen Bestrebungen" (32. Seiten, Preis 30 Pfg.). Wir können die. Schrift, in der manche neue Gedanken ausgesprochen werden, warm empfehlen. Eine Prob«-, sammlung ihrer Flugblätter versendet die genannte Gesellschaft unentgeltlich.