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Mrte Schaffen war sie eben auch nicht gewohnt; sie würde noch zum Liegen kommen.

-,Jeses Maria," der Ansiedler fuhr sich mit der flachen Hand über das verzogene Gesichtein' Frau hab' ich als verloren - dem Valentin fein' Mutter war noch Zehn Jahr jünger als dat Kettche, als' se sterben Mußt.. Wenn ich dat nu noch einmal erleben sollt, häng' ich mich an der nächste starke Baum, den ich find'!" Er lachte bitter auf:Mt enteil 'ne anständige Baum hat Mer hier! Mein' Obftbäum' kann ich als nur auch im Schornstein schreiben, da wird sein Leben nix draus. Der Wind biegt die, als wären se dünne Haar'; im Winter hat ich sie so eingepackt wie en Pupp', mit Moos un Stroh nn Sack' drum. Jawohl, abgekratzt haben mir die Luders, die Hasen, die ganze Verpackung, und die Bork' abge- knabbert. Die Bäum' gehen kaput. Un wat glauben Sie wohl, iverd' ich nn en Entschädigung kriegen? Ne, so wat is hierzuland kein Mod'. Dat sollt emal bei uns am Rhein passieren! Wenn da dem Graf Spee sein Wild oder dem von Ahrenberg feinet dem Bauersmann der Acker ver­buddelt oder der Garten verruiniert, da muß de große Herr gleich Schadenersatz leisten. Da gibt et doch noch Recht und Gerechtigkeit! Da sind überhaupt nit eso viel Unterschied'! Nee," er ballte die Rechte znr Faust und klatschte unwillig mit dieser in die offene Fläche der Linken wat mich dat ärgert, dat wir nit Nach Amerika gezogen sind! En größer Risiko war dat auch nit als hierhin, un wenn einer schnell reich werden will, kann er dat da drüben viel besser!"

Immer dieselben Klagen! Doleschals Ange, das sich beim Anblick des deutschen Mannes erhellt hatte, wurde wieder trüb. War denn das schnell Reichwerden das einzige Ziel, nach dem sie strebten? Hatte dieser Mann hier, der so recht das Urbild eines Deutschen schien, dessen Sohn soeben erst im Heere gedient hatte, denn gar kein nationales Empfinden?!

Warum sind Sie eigentlich vom Rhein fortgezogen, Bräuer?"

Ja, wissen Se" der Ansiedler kratzte sich den Kopf ,uo ja, darum! Et stand ja so viel dervon in den Zeitungen, von dengroßen Vergünstigungen" un wat weiß ich noch alles. Un da dacht' ich mir: de große Jung hat sein Teil von der Mutter selig, aber Vatersteil muß er doch auch kriegen, und da sind die vier kleine Mädches, die wollen doch auch mal wat haben. Un du selbst bist doch auch noch nit alt, wer weiß, vielleicht kriegste noch Kinder, un dich dein ganz Leben lang Plagen möchtste doch auch nit, aber am Rhein is et so teuer, da wirste ganz gries, bis de dich ausruhen kannst. Wissen Se, et is so wie so da nix mehr mit der Landwirtschaft. Alles Fabriken. Selbst die Sieben- Berg' möchten sie abkloppen, für Stein zu kriegen zum Fabrirkenbauen. Wat soll da noch de Landmann? Ich hab' ?n ganz hübsch Vermögen, aber am Rhein is dat gar nix, da sind ihrer viel, die Geld haben. Im Posenschen is et aber noch wat, die Polacken sind Power. Un ich darbt': jeden­falls is et da genug für 'ne schöne Anfang. Als ich zum Valentin dervon sprach, war de gleich Feuer un Flamm'. De hat schon auf der Schul' immer gern Jndianerbücher ge­lesen, und wat die 'Geschichten voM Karl May sind hau, de kann schön schreiben! Die mocht' ich selber noch gern lesen! Da kriegt mer ja so en Lust! Un denn, sehn Se, da halt' de Valentin in Köln eine von seiner Soldatenzeit her guter Bürgersleut' Kind war se un wat Geld halt' se !auch aber er Mocht doch nn nit mehr recht, loskommen wollt er. Drum weit fort. Ach" er seufzte plötzlich auf und wiegte bedauernd den Kopf hin und herHütt' er lieber die geheirat', et hätt besser gegangen, denn nu fach du lreber Gott!"

Er braich plötzlich ab'.

Und dann, nachdem er ein paar Sekunden starr vor sich hingeguckt hatte, fuhr er plötzlich auf:Der Teufel soll ihn holen, den Kerl, den Frelikowski! Kömmt de Schwein- Hund, de Polackenspion, mir auf einmal in meine Garte gestiegen, findt da en erbärmliche Hasenschling' und macht 'ne Schkandal, als wär dat 'ne Strick, wo 'ne Mensch dran gehängt is. Will mich aufnotieren, will mich auch seinem Herrn anzeigen, vor't Gericht bringen, Gott tzeiß wat! Aber ich hab' dem heimgeleucht':Macht, dat Ihr eraus kommt! Eraus aus der Tür!" Aber de Kerl is so stark wie ich. Un de Valentin wollt nit mit anpacken, de stand wie vernagelt. Da hat de Schuft mein Flint' mitgenom­

men, die geladen über mei'm Bett hängt Donner M Doria!"

Bräuer atmete hastig, die Stimme zitterte ihm vor Erregung:Herr, nu sagen Sie mir, muß ich mir dat gefallen lassen? Ich mir gefallen lassen von dem dem dem Polack?! Ne, ich laß et mir nit gefallen! Un ich laß et mir nit gefallen! De .Valentin sagt zwar> ich halt' unrecht ach wat, de Jung'is Partei! Ich laß et mir nit gefallen. Un wenn dat Wild mir mein' Bäum' ruiniert, schieß ich et eben, wie Mer en Katz' schießt, die auf die Vögel geht. Den will ich doch sehn, der mir dat verwehrt.

Protzig reckte er seine breitschulterige Gestalt, die Röte des Zorns brannte ihm auf der Stirn. Begierig nach Zu­stimmung suchte sein Blick den Doles-Hals.

In diesem regte sich der Unmut: war der Mann denn ganz ohne Disziplin? Wie sollte man von Polen Ge­sittung verlangen, wenn Deutsche ein so schlechtes Beispiel gaben?!

Hören Sie, Bräuer," sagte er scharf,Sie sind wohl ganz des Kuckucks? Ich habe Ihnen, wenn ich nicht irre, schon früher gesagt: wir leben hier in einem zivilisierten Lande. Wie können Sie Wild schießen, einfache, weil es' Ihnen paßt? Dann sind Sie ja nicht besser als ein Wilddieb!"

Oho!" Der Ansiedler schlug eine grobe Lache auf. Auf meinem Grund un Boden bin ich doch Herr. Ne, dann haben Vie. eben keine richtige Begriff von der Sach'! Un mit dem Wilddieb, da seien Sie nur ganz still von! Ich bin keine Wilddieb. Ich bin 'ne anständige Manm un wer wat spricht vonWilddieb", de is meine Freund nit mehr. Ich' will nur lieber gehen. Sie haben viel Freundlichkeit für uns gehabt, Herr danke! aber ver­stehn tun wir uns doch nit. Adjüs!"

Er grüßte kurz-, mit dem' ganzen Stolz eines Mannes, der sich in seinem guten Recht beleidigt fühlt, und ging/, weitausholenden Schritts, den Knoteustock fest aufsetzend, zum Hoftor hinaus.

Es gab dein Zurückbleibenden, der ihn forteilcn sah, einen Stich durchs Herz. Auch der ging unzufrieden! Auch der, auf den er so viele Hoffnungen gesetzt hatte, war nicht das Holz-, aus dem man die Männer schnitzt, tauglich für die Scholle, welche, gedüngt mit Blut, jetzt beackert sein will mit liebender Hingabe, auf daß sie Frucht trage!

Nun er tröstete sich damit diese Generation, Leute wie Bräuer, waren eben nicht geeignet zu der Mission. Sie waren nicht erzogen dazu. Aber ihre Kinder! Der Sohn zum Beispiel, der Valentin, wenn der sich, hier festsetzte, der war noch jung genug dazu, das Land lieben zu lernen, in dem er zwar nicht geboren, aber zum Manne geworden war. Und wenn er sich eine Familie hier gründete, so konnte sie eine Pflanzstätte deutschen Wesens werden, eine Feste gegen das Slawentum.

Voller Sympathie gedachte Doleschal des schmucken An­siedlersohnes, der offen und heiter jedem ins Gesicht sah mit seinen blauen Augen.

Als er zu Helene eintrat, lächelte er. Sie saß in der! Kinderstube. Erfreut über sein erheitertes Gesicht ging sie ihm entgegen, umfaßte ihn und hob die Stirn zu ihm'auf, daß er sie küsse.

Die Knaben umsprangen ihn. Früher hatte Väterchen sie oft reiten lassen aus seinen Schultern, das wollten sie auch heute wieder gern. Und er willfahrte ihnen.

Er lachte, als er einen nach dem' andern seiner Söhne auf die Schultern hob. Schwere Burschen schon, das mußte man sagen; aber er fühlte die Last nicht. Wie ein wildes,' Pferd galoppierte er um den großen Tisch, an dem sie eben' ihre Nachmittagsmilch getrunken hatten; noch standen die silbernen Becher, auf jedem der Name seines Besitzers, der Reihe nach: Hanns-Martin, Friedrich, Erich, Werner, Kurt.

Ganz außer Atem ließ sich der müde Vater endlich aus einen Stuhl fallen. Mer als Helene den Knaben, die nun stürmisch seinen Schoß erkletterten, wehren wollte, sagte er leise:Laß sie!"

Sein Auge war schnell wieder ernst geworden. Lange ruhte es, wie prüfend, auf den noch kindlich-unentwickelten, weichen Zügen seiner Knaben. Seiner Fran zunickend mit einem' Lächeln, das heiter, aber nicht ohne Wehmut war sagte er:Ja, ja, Mein Herz, man wird alt! Und müde schon. Unsere Söhne wachsen heran!"

(Fortsetzung folgt.)