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Der Kommerzienrat lachte wieder.Auch noch! Fehlte tnir grade! Nee dazu sind wir zu Helle. Dummheiten jmachen wir nicht. . . ." t

Mm war Fritz beruhigt. Er klopfte scherzend auf die straffsitzende Weste des Vaters.Du rundest dich ab, Papa," sagte er.Wie denkst du über Marienbad?"

Gar nicht. Ich hasse alles Kuren und noch mehr alles Kürgemäße. Sonst hast du recht: Ich komme in die Aera der Rundung hinein. Ich fange an bequem zu werden. Nix paßt mir mehr. Die äußere Schönheit ist hin. Wer der innere Wert bleibt hoho!"

Er lachte ^abermals. Dies Lachen war das einzige, was Fritz störte. Es hatte einen merkwürdig hohlen Ton und etwas Erzwungenes. Es war nicht das alte, ftische, herz­hafte Lachen. w

Bei Nidderkopp hatte sich bereits eine kleine Gesellschaft versammelt. Seine Kellereien waren nicht groß, auch von keinerlei architektonischer Eleganz. Aber sie waren praktisch angelegt und gut gefüllt. Die Versteigerung hatte noch nicht begonnen, als die Friedels eintrafen. Man war noch beim Proben, und der Auktionator, ein junger blonder Mensch, probte aus Gefälligkeit mit. Wer er schlürfte den Wein bedächtig in die Kehle und spie ihn nicht wieder aus wie die andern.

Das ganze Bild erinnerte an Hasenclevers berühmtes GemäldeDie Weinprobe" im Berliner Museum. Nidder­kopp hatte eine blaue Schürze um und spielte sich mehr als je auf den Bauern auf. Er ließ heute auch diesoziale Frage" beiseite, sprach überhaupt wenig und half dem Küfer beim Einschenken. Die Gläser standen auf einem leeren Faß; ein Junge spülte und trocknete sie immer wieder aus. Wenn der lange Rickert kostete, behielt er den Wein eine Zeitlang im Munde. Der kleine Beuermann warf ihn ge­wissermaßen aus einer Backentasche in die andere. Der dicke Kupkakaute" ihn, und man hörte dabei seine Zähne knirschen. Herr Ottmaun aus Eltville, der auch dabei war, zog ihn mit vernehmbarem Schlürfen durch die Lippen und machte die Zunge hohl. Mit stiller Gewissenhaftigkeit prüfte der Weinhändler Kothe aus Wiesbaden. Sein Mund wurde breit beim Kdsten,; er lehnte den Kopf zurück und schloß die Augeu Er war ein ganz feiner Kenner. Uebrigenss waren auch sonst noch ein paar.Wiesbadener Händler er­schienen. Wer sie wären am liebsten gleich wieder fort- igegangen. Der Kothe ließ ihnen ja doch nichts.

Die Ankunft der Friedels unterbrach die Probe nicht. Man drückte ihnen schweigend und mit vollem Munde die Hände. Nur der lange Rickert spuckte aus und sagte lachend zu Fritz:Herrjeh, lieber Herr J-riedel, ich denke, Sie sitzen bereits im Kefterchen!?"

Ich hab's nicht so eilig," erwiderte Fritz.

Und dann trat ein unangenehmer Augenblick ein. Otto Spannuth stieg die Kellertreppe herab. Aber sein Takt half über das Fatale des Moments hinweg. Er grüßte nach allen Seiten hin, grüßte mit kurzer Kopfneigung auch ?u Fritz und seinem Vater hinüber und begann dann mit kothe zu plaudern.

Während der Auktion blieb Nidderkopp nicht anwesend. Das geschah nie. Er setzte sich draußen im Hofe auf einen großen Prellstein, ein abgegriffenes Notizbuch in der Hand, und ließ sich von einem seiner Angestellten Bericht über die Versteigerung erstatten. Dann rechnete er und schimpfte dabei forttvährend halblaut vor sich hin.

Die besseren Lagen erstand sämtlich Kothe, bis auf ein Halbstück Goldberg, das seiner Ansicht nach schlechtge­schönt" war. Die Wiesbadener Konkurrenten wüteten und verließen demonstrativ den Auktionskeller.

Sehr lebhaft wurde der Kampf um die kleineren Lagen, vor allem den Sichelheimer. Die gesamten Champagnsr- sabrikä.nten griffen ein. Für die Firma Friedel bot Fritz. An dem Sichelheimer lag ihm sehr viel; er steigerte be? ständig von hundert zu hundert Mark, bis er schließlich nur noch mit Ottmann zu kämpfen hatte. Dann begann sich unerwartet auch Otto Spannuth zu beteiligen. Mit Bewilligung der Versammlung wurde der gesamte Sichel­heimer gemeinsam versteigert. Fritz hatte für das Lager achtzehntausend dreihundert Mark geboten. Das war schon hoch getrieben; aber Fritz glaubte, daß der Wein sich noch mehr entwickeln und daß man ihn dann für die besseren Marken verwenden könne. Otto Spannuth steigerte um zweihundert Mark. Jetzt schwieg Fritz. Es widerstrebte ihm, grade diesen Mann zu überbieten. Eine kleine Pause

entstand.Blödsinnig," murmelte Rickert.Viel zu teuer," wisperte der kleine Beuermann seinem Nachbar zu;ime will denn der Spannuth aus seine Kosten kommen?" H Sein Schwarza-Etikett ist miserabel geworden," wisperte Ser Nachbar zurück.Die reine Einreibung," wisperte Beuermann.

Der Hammer des Auktionators siel dröhnend auf das Faß.Zum zweiten!"

Plötzlich rief der Kommerzienrat:Schlußgebot für K. A. Friedel neunzehntausend Mark!"

Spannuth setzte sich ruhig auf einen Holzklotz und sprach nicht mehr. Fritz schaute seinen Vater fragend an. War das nicht wirklich eine verdreht hohe Summe für diese paar Halbstück? Die Köpfe neigten sich zueinander; em Flüstern Hub an. I Gott bewahre, was machte der. Kärl August?!Nana, Herr Kommerzienrat!" ries Rickert. Für meinen Privatkeller," antwortete der;das Geschäft trägts nicht."

Der Sichelheimer fiel der Firma Friedel zu. Draußen auf dem Prellstein saß Nidderkopp und rechnete noch immer. Wer er schimpfte nicht mehr. Nun sollte auch Mauritius, den neuen Gaul bekommen, den er sich wünschte.

Warum hast du gleich so hoch gesteigert, Papa?" fragte Fritz seinen Vater auf der Heimfahrt.

Weil ich dem Spannuth jedes weitere Gebot ata- schneiden wollte. Dem Mrl gönne ich nichts! Sllles, was den Namen Spannuth trägt, ist falsch wie Galgenholz. Ich bin doch der Ueberzeugung, daß seine Bande unser Kirchen­stück verwüstet hat der innersten Ueberzeugung!"

,,Andere behaupten wieder, Leute aus dem Verein Sancta Barbara wären dabei beteiligt gewesen."

Wie kämen die dazu? Weil Pfarrer Wediger den Verein patronisiert und der mein alter politischer Feind ist? Gar kein Gedanke, Fritz! Wediger ist ein schwarzer Halunke, aber so was macht er doch nicht. Gott bewahre da sitzt die Spannuthsippe dahinter!"

Fritz antwortete nicht. Wer die Frevler gewesen waren, kam vielleicht nie an das Tageslicht. Zwei Spannuthsche Arbeiter waren verhaftet und wieder entlassen worden. Fritz glaubte auch nicht daran, daß Otto Spannuth hinter der Niederträchtigkeit stehen könne; das schien ihm ganz aus­geschlossen. Die Namensnennung hatte ihn wieder an Maud erinnert. Der Vater hatte seine Morgenzmtung aus der Tasche gezogen; er aber lehnte in der Coupsecke und schaute aus dem Fenster, und mit seinem Mick flogen seine Ge­danken unwillkürlich dem hübschen Chalet entgegen, das sich im Rahmen des Geländes bald zeigen mußte. Oben ein Schloß: der stattliche Neubau des Grafen Wolfrad- Greifeneck. Dann ein freundliches Städtchen, eine Helle Mauer mit der leuchtend schwarzen ReklametnschriftSchnei­der u. Co. Kronprinzensekt" und nun das Frühlings­grün einer saubergepflegten Parkanlage mit dem Span- nuthschen Chalet, dessen sonnenglitzewrde Fenster in Blumen­kästen zu stehen schienen. Und wieder tauchte ein blasses Gesicht mit rotem Mund und dunklen Augen vor ihm auf. Aber der Zug ratterte weiter: schon flogen die ausgedehn­ten Fabrikanlagen der Gebrüder Spannuth vorüber, ein langgestreckter Komplex von Gebäuden, alle buttergelb und alle gekrönt von riesigen Blechschildern mit dem Namen der Firma und dann trat rechtswärts der Rhein näher au die Bahnlinie heran und die Häuser von Schrattsteiw wurden sichtbar. Die Lokomotive gellte.

(Fortsetzung folgt.)

Gestohlenes Eut.

Von Thomas Gl ahn.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Auf dem' Marktplatze des Kreisstädtchens hielten an eiuetrt wundervollen Januartage zwölf bis fünfzehn Schlitten. Die .Ressource', zu der nicht nur sämtliche Honoratioren der Stadt selbst, sondern auch viele Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft ge­hörten, machte heut' den üblichen Winterausflug.

Neben dem Silvesterball war er die Krone aller winter­lichen Vergnügungen. In teils gemieteten, teils von den um?--, wohnenden Besitzern zur Verfügung gestellten Schlitten wurde gleich nach dem Mittagessen auf glänzend weißer Schneebahn> eine kleine Musikkapelle im ersten Schlitten voran, Hinausgh- fahren. Das Ziel war immer das gleiche: ein wenige Meilen! entferntes Wirtshaus, in dem der Kaffee genommen ward, ist dessen oberem Saal die Jugend dann lustig das Tanzbein schwang und in dessen unteren Räumen die.trinkfesten Manner sich bei Rotwein oder Grogs sanft anwärmten. Erst am späten Wen8