Donnerstag den Dezember
1910
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lFortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Friedel halb-süß.
Roman ton Fedor von Zobeltiß.
an. Sie müssen doch Unsre Champagne kennen lernen! Und meine Weinberge! Und meine Meierei — !und La Vitrine, mein Jagdschlößchen!" — Sie rief einen der Diener heran nnd gab ihre Aufträge. „Um neun Uhr das Auto- mobil. Um zwölf Frühstück in La Vitrine. Zum Diner! sind wir wieder zurück. ... “
Eine Stunde später lag Fritz in seinem Bett int Hotel de l'Europe und versuchte zu schlafen. Aber es ging nicht so recht. Seine Mission hatte den Stachel verloren; sig begann unterhaltsam zu werden. . . . Fritz dehnte sich behaglich und lächelte vergnügt. Wie gut, daß von dem gräflichen Hause oer Hoche nur dies süße LeuchtküfercheU übrig geblieben ivar! Sie war ein prachtvolles Geschöpf, in das man sich rechtschaffen verlieben konnte. Aber bei diesem verliebten Gedankensprung schüttelte Fritz auch gleich energisch den Kopf. Nur das nicht — nur nicht verlieben ! Cs wäre grade jetzt eine Torheit ohnegleichen. Eine Torheit schon deshalb, weil dieser Liebe jeder vernünftige Zweck fehlen würde. Eine aussichtslose Herzenspassion! Die Erbin der Miquelons ist nichts für Herrn Fritz Friedel aus Schrattstein. Ein Herzog ist schon verabschiedet ivorden, ein Marquis auch. Die Komteß hat ihr eigenes Köpfchen. Wer die Auswahl ist nichtsdestoweniger groß, und in die Champagnerzone Frankreichs heiratet gewöhnlich nur legitimistischer Adel hinein, allenfalls noch der Schwertadel Bonapartes: die Montebello, Elchingen, Pomar, Tarente und wie die berühmten Geschlechter sonst noch hießen, die sich mit der Schaumweinaristokratie zwischen Reims und Avize vereinigt hatten. . . Fritz ivarf sich wuchtig auf die andere Seite. Nur jetzt keine Dummheit! Komteßchen hat helle Augen und eilt recht gescheites Gedankenspiel hinter der hübschen Stirn. Vielleicht ist ihr liebenswürdiges Entgegenkommen doch auch ein wenig Mittel zum Zweck. Vielleicht sieht sie deU bevorstehenden Einigungsversuchen keineswegs allzu rühm gen Gemüts entgegen nnd sucht in stimmungsvoller Prophylaxis der Strenge der Gerechtigkeit vorzubeugen. . « Jedenfalls mußte man vorsichtig sein.
Das rief Fritz sich noch -einmal zu, ehe der Schlump mer kam und mit ihm der Traumgott. Aber es war sehr? verwunderlich: Fritz träumte von Maud. Ein wirrer Traum und ein häßlicher. Durcheinanderflutende Bilder/ und dann ein dumpfes Geräusch. Und da fuhr Fritz in bis Höhe und starrte mit schlaftrunkenen Augen in das Morgenlicht. Pochte das nicht? — Sein verschleierter Blick fiel auf die Uhr. Es war acht Uhr früh — und wirklich, es klopfte an der Tür. Der Briefträger trat ein, der ihnt den telegraphisch Mgemeldeten Eilbrief Ms der Heimat brachte.
Beim Cafe au lait und dem vorzüglichen französischen Gebäck erbrach Fritz den Brief. Kesselholz schrieb zmrächsttz daß die meisten Privatglaubiaer des Kommerzienrats sich insofern verständig zeigten, als sie nicht drängend werden -wollten, nnd daß -auch mit den Banken ein Abkommen unt
Das Diner war vortrefflich und wurde rasch serviert. Dagegen konstatierte Fritz heimlich, daß der zu den Forellen gereichte Rheinwein schlecht und parfümiert war Und sogar der Bordeaux zu wünschen übrig ließ. Zu den Hors d'oeuvres gab es einen Perrier Jouet, dann wurde Elicquot in die Schalen gefüllt Miquelon kam nicht auf den Tisch.
Der Kaffee wurde auf der Terrasse genommen. Die Diener brachten Liköre und Zigaretten, und nun merkte Fritz, daß die Komteß in eifrigem Flüstertöne mit dem Haushofmeister verhandelte; schließlich wurde auch noch Madame Bailloud herbeigerufen, und das Geflüster ging fort, bis die Madame ihr Schlüsselkörbchen kommen ließ, lange darin herumsuchte und dem Chef der Dienerschaft endlich einen Schlüssel einhändigte, mit dem dieser verschwand.
„Gottseidank," sagte Andree lachend, „die Ehre des Hauses ist gerettet. Es fragte sich nämlich, ob Zigarren zur Hauo wären. Sie sind seit endloser Zeit der erste Gast vom stärkeren Geschlecht bei uns —. " •
„Der mit Vergnügen mit einer Papyrus vorlieb Nimmt," warf Fritz ein.
„Aber nein — es hat sich herausgestellt, daß der Zigarrenschrank Papas noch gefüllt sein muß. Sehen Sie ।—da kommt Petitbon schon und bringt ein ganzes Warenlager mit!"
In der Tat nachte der Haushofmeister mit einer .Unzahl größerer und kleinerer Kisten auf dem Arm. Es waren alles vorzügliche Marken, aber sie lagerten schon lange, und die Zigarren waren daher trocken und spröde. Nichtsdestoweniger erklärte Fritz seine Bock für ganz aus- gezeichnet; er war in der Laune, auch eine Fünfcentimes- Zigarre vortrefflich zu finden.
Der Wend war köstlich und versprach für den kommenden Tag schönes Wetter. „Das müßten wir eigentlich benützen," sagte die Komteß. „Der Hühnerkrieg hat begonnen — sind Sie Jägersmann, Herr Friedel?"
„Kein passionierter, Komteß —. immerhin, ich bin nie iföht pfh pphrvTipr l<
„Zu wenig für das Handwerk. Ich würde einen Ausritt Vorschlägen, vielleicht bis Chateau-Thierry, wo Sie vor Lafontaines Geburtshaus den Hut ziehen könnten — Uber Sie haben keinen Dreß mit. Da bleibt als letztes eine Autofahrt. Wollen Sie h-? "
„Mit Freuden. Nur bemerke ich gehorsamst, daß Sie mich für morgen vormittag elf .Uhr zu einer Konferenz befohlen haben."
„Die schieben wir Ms. Es kommt Ms einen Dag nicht


