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Wrung sich nach einem halben Jahr als unmöglich tzerausstellte. Dann war die Bnreänkratie über die arme Stadt gefommcn, dazu verlor der übrig gebliebene Teil der Genieindeverwaltung den Kopf, so daß er sich noch nicht einmal zu einer Ausarbeitung des Bebauungsplanes entschließen konnte. Es herrschte das größte Chaos. Und jetzt, da wir wieder im Dezember sind, wie sieht cs da aus? Immer noch trostlos, freilich, wer wie ich in diesen Tagen 110d) einmal der Unglücksstadt einen Besuch abstattete, der muß freilich auch fragen!, was man ohne Geld hätte machen können in entern Lande, das von den parlamentarischen und lokalen Parteikämpfen so zerrissen ist, daß jeder in seinem Nächsten seinen Feind sieht? Aber, und das ist das Merkwürdigste, der Hasen von Messina ist nicht zu zerstören und der Lebende hat Recht. Nach deut Sommer ließen die guten Messinesen darum die alte Stadt Stadt sein, entweder zogen sie, und das sind die reicheren und tätigeren Elemente, in die Dörfer der Umgegend, oder sie nisteten sich in die vom Staate, den Amerikanern und den italie­nischen Wohltätigkeitskomitees errichteten Baracken häuslich auf Bängere Zeit ein und gingen ihren Geschäften nach.

Besonders erzwang der Handel mit Südsrüchten die Fort­setzung der Arbeit, denn Messina ist der einzige Ausfuhrhafen! Siziliens sür Orangen nnb Zitronen. Wo also ein Kellerraum, ein Erdgeschoß irgendwie brauchbar war, wurde es in eine Kisten­schreinerei oder in einen Packraum verwandelt. Auch mußte, da der Verkehr im Hafen nicht aussetzte, weil für das Hinterland täglich neue Waren kamen, für die Mannschast der Schisse gesorgt werden. Infolgedessen entstanden in den neuen Barackenstraßen allerlei Kaffeehäuser, Kirrematographenbuden, Barbierläden, Gast­häuser, meist von zugewanderten Spekulanten errichtet, daneben Holzhotels, darunter eines, das jedem verwöhnten Reisenden ge­fallen wird, Banken und Wechslergeschäfte, vor allem, aber Lebens- InittellädLN aller Art. Ms Hauptstraste dient jetzt die südlich von der Innenstadt gelegene Allee San Martino, die auf eine; Länge von mehreren Kilometern ausgereckt imirbe und ganz von einer Reihe von Baracken eingerahmt ist. Ihr erster Anblick täuscht Über das Elend hinweg, man glaubt am Feiertag in einer amerikanischen Goldgräberstadt des wilden Westens aus den sech­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu weilen. Abgeordneter Cvlajanni, der Nörgler Siziliens, sagt darum auch, bisher habe man in Messina nur einen Jahrmarkt geschaffen. In Wahrheit geht es sehr geschäftig und bunt genug zu, denn auch die Bauerik der Umgegend haben {einen anderen Markt als Messina, so daß fie in Scharen hereinpilgern, um ihre Einkäufe für ihre Familien­este zu machen. Diese Einkäufe bereuen sie natürlich auch manch- mal, weil die Ladenbesitzer, nm sich möglichst schnell für ihre Leiden zu entschädigen, die mittlerweile aus den Trümmern gerette­ten Waren nm das doppelte verkaufen.

Dem großen Verkehr entspricht auch die Menge der Karren und Wagen. An dem Hafen sieht es schon anders und böser aus. Noch sind die Zustände dort wie am Tage nach dem Unglück. An der Palazzata täuscht das rege Straßenleben zuerst über den wahren Zustaich hinweg, denn mit großem Leichtsinn wurden die zum Teil stehen gebliebenen Erdgeschosse und Läden und Berkanss-- fttößtoe hergerichtet. Zwar wagt niemand, nachts, über in biefeu Räumen zu bleiben. Zieht man weiter nach Norden, so kommt man an Hütten und Baracken scheußlichster Art. Hinter ihnen leuchtet indes als reinliche Oase das Musterdorf, das die Königin Elena errichtet hat, in der Hoffnung, ihr großes Muster werde Nachahntung finden. Diese Hoffnung ist aber noch immer eitel. In der Innenstadt hat man nur in dem unteren Teil an der Via Garibaldi aufgeräumt. Dort sind ebenfalls vereinzelt einige Läden notdürftig geflickt und betriebsfähig gemacht worden. Auch am Dom legte man einige Stellen frei, um die Bergung der Kblnstschätze zu erleichtern.

Sonst ist aber der größte Teil Messinas, namentlich die Oberstadt, unverändert, sie bietet dasselbe Bild des Greuels wie vor einem Jahre. Unwillkürlich drängt sich der Vergleich von Messina imb San Francisco auf, aber die Baukccs sind andere Leute als die Sizilianer. Auch sind in Italien die juristischem Verfahren andere ckls bei uns oder in Amerika. Wenn man nämlich bedenkt, daß der reichere und im Großhandel tätige Teil der Bevölkerung starb, also das Element fehlt, das Interesse an persönlichem Vorgehen hätte, so erklärt sich manches. Die Erben haben zunächst noch viel zu tun, um ihre Erbansprüche sichern zu lassen und die Feststellung der Entschädigung abzu­warten für das Gelände, das sie erbten, und das nach neuen Vor- Sd)ciften bebaut werden soll. Eher kann man nicht an den Aufbau rer Stadt gehen, bis alle jurifttschen Fragen über den früheren Grundbesitz geregelt sind, und dann kann erst mit der Forträumung des Schuttes begonnen werden, was noch über ein Jahrzehnt dauern kann. Die einzelnen Behörden sind sich aber noch nicht darüber klar, umhin der Schutt fortgeschafft werden soll, welche Art von Häusern später bei der Neuerbauung gelten, nach welcher Richtung hin sich die neue Stadt auSdehnen soll. So wird man wohl noch sehr lange auf die Wiederauferstehung der Stadt warten iirüsfen, um so mehr, als der Staat als sttothelfer Bankerott See­macht hat, und sich die Notwendigkeit herausstellte, die Wieder-' Mtserstehung Messinas einem Nationalausschuß großen Stils zu überlassen, wie man in Mailand beschlossen hat. Jedoch eine solche Llusbangesellschaft erfordert nicht nur ungezählte Millionen, son­

dern auch besondere Rechte und Befugnisse. Das Geld ist aber noch nicht gezeichnet, urib über die Rechte der Gesellschast sind sich bisher weder die Juristen noch die Bureaukraten einig.

Berlin als Lichtstadt.

Mehr als 34 000 Gasflammen, über 1000 elek­trische Lampen und etwa 120 Spiritusg lühlicht- imd Petrvleumlaternen erhellen die Straßen und Plätze Berlins und machen die Stadt zu einer der bestbeleuchteten her Welt. Aber es war eilt langer Weg durch Dunkelheit und ungewisse Dämmerung, der bis zu diesem sttahleudeit Glanz der heutigen Beleuchtung sührt. Es sind jetzt gerade 100 Jahre her, daß in den Straßen der Reichshauptstadt völlige Nacht herrschte und die Beleuchtung überhaupt aufhörte, weil es in diesen Zeiten der Not der Polizei an Mitteln fehlte, um die Oellieferanten zu bezahlen, und diese sich auf weitere Lieferung nicht mehr einlassen wollten. Damals wagten sich nur- wenige bei dringenden Anlässen hinaus aus die stockfinsteren Straßen und verlassene Einsamkeit breitete! sich aus, wo heute wimmelndes Leben im reichen Strome h-in- und herwvgt. lieber die Geschichte der Beleuchtung Berlins er* Sen wir interessante Einzelheiten -aus einem inhaltsreichen

jeBerlin in Geschichte und Gegenwart", das Pros. Paul Goldschmidt bei Julins Springer soeben hat erscheinen lassen. Ter erste, der sich eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung an­gelegen sein ließ, war der Gwße Kurfürst, der 1679 bestimmt, daß in jedem dritten Haus .eine Laterne mit brennendem Licht heraushängen solle, und zwar sollten dies die Hausbesitzer ab­wechselnd tun, so daß jeder alle drei Tage einmal an die Reihet kam. Dem liebel wurde aber damit wenig abgeholfen, und die Klagen über die Dunkelheit auf den Straßen dauerten fort, denn die Durchführung dieser Verordnung war sehr schwierig und gab Anlaß zu ewigen Streitigkeiten und Reibereien. Vtatt schritt daher allmählich zur Ausstellung fester Laternen auf Pfählen und die Sarge sür die Beleuchtung wurde den Hauswirten abu genommen. Nun übernahm dis Kosten für die nächtliche Erhellung der Stadt der König selbst, und er überließ wieder das SaternaH» Wesen dem Pächter, der am wenigsten forderte. Um 1740 gab es beim auchin den abgelegenen und kleinen Straßen" Laternen, diegut und allemal brennen" sollten. Zur Beanssickstigung des Pächters war ein Laterneninspektor eingesetzt, derfleißig und öfters selbst persönlich visitieren solle, ob die Laternen zu ihrer Zeit richtig brennen", dazu auchordentliche Ronden zu Pferde! anstellen" mußte. Diese strenge Kontrolle nützte aber nicht allzu viel. Der gute Bürger wagte sich zur Nachtzeit überhaupt nicht auf die Straßen; allerlei loses Gesindel aber triebböse Bos­heit und llebenttut", so daß z. B.eine Anzahl Laternen, in­sonderheit die auf der Langen Brücke, ganz und gar abgebrochen und mit den darinnen! befindlichen Lampen und Zubehör gestohlen und weggetragen wurden." GegenSaterncnbiebe" wurden des­halb besonders schwere Strafen angeordnet; sie mußten sosort 200 Rthlr. fiskalische Strafe bezahlen; konnten fie _ das Geld nicht erlegen, so mürben sieohne alle Gnade mit scharfen! Staupenschlägen und Brandmarkimg auf der Stirn" bestraft und des Landes verwiesen. EineLichtstabt" aber wurde Berlin! immer noch nicht, trotzdem der Laternendiebstahl so streng ge- aljndet wurde; vielmehr stand der geistigen Erhellung, mit der die AusWrung die preußische Residenzstadt versorgte,, in eiiteirt oft Betonten Gegensatz zu der Dunkelheit, in der sich die Straßen befanden. Der Mond war auch um 1800 immer noch der zu­verlässigste Wegiveiser des Berliner Nachtwanderers', während den Lateruen nicht recht zu trauen war. . Wer eine Gesellschast gab ober sich sonst mit Freunden bis zu später Stunde fröhlich ver­einen wollte, der wählte gern zu solcher Veranstaltung die Zeit des Vollmondes. Als Zelter seine Liedertafel begründete, wurde die mvnatliche Sitzung, eben mit Rücksicht auf die mangelhafte Sttasen- beleuchtung, immer auf den. Dienstag festgesetzt, der dein Vollmond am nächsten war. Eine wirkliche Besserung begann erst mit der Einführung der Gasbeleuchtung, die man in England bereits feit Ende des 18. Jahrhunderts kannte. Paris hatte 1817 Gas erhalten, von deutschen Städten zunächst, nur Haumwer. In Berlin erlangte eine englische Aktiengesellschaft von der Regienmg ein ausschließliches Privilegium für Gasbeleuchtung auf 21 Jahre und am 19. September 1826 war der gwße Tag, an dem zum erstenmal Unter den Linden Gasflammen brannten. Aber die staunende Bewunderung ivich bald gemischteren Gefühlen, bemii das neue Licht war recht teuer. Wer da in seinem Hause sich den Luxus einer Gaslampe leisten wollte, der mußte im Durch­schnitt etwa 15 Taler für eine mäßig gwße Flamme zahlen, die nur vom Eintritt der Dunkelheit bis nm 11 Uhr abends brenueiii durfte. Tie Privatkampen konnten nicht eher an gesteckt werden! als die Gasflammen der Straßenlaterne«, berat bis dahin waren die Houvthähne geschlossen. Ta die Gesellschaft sich dabei mehr nach den Angaben des Kalenders als nach den Bedürsntssen richtete, so mußten die Benutzer ost reckst lange Warten. 1837 wurden Gas­messer eingeführt, doch der Preis blieb weiter so hoch, daß em allgemeiner Gebrauch des Gaslichtes ausgeschlossen war. eo war man zunächst ans bem Regen in die Traufe gestnranen. Dia Straßenbeleuchtung war sehr mangelhaft und beschränne sich ans den inneren Kern der Stadt unb außerdem aus einige befonbers beÄlste Straßen; die vereinbarte Beleuchtungszeit von 1300 Bram-