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Redaktion: K, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kcbe» Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Rätsel.

Ich kenne im. Thüringerland einen Ort, Der ebenso heißt, wie das Flüßchen dort; Das Wörtlein wird mit vier Zeichen geschrieben. Doch willst bit sie richtig verdrehen und verschieben, So nennen sie dir einen Frauennamen, Der wenig gebräuchlich bei unseren Damen.

Im Drama imb im modernen Roman, Triffst du ihii bei iveiteni ani häufigsten an- Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithniogriphs in voriger Numiner: Kelle, Egge, Geel, Egle, Leeb, Celle, Leek, Ule, Beck;

K e g e l c l li b.

den Entschluß faßte, in Guanajuato ein Stationsgebäude zu errichten. Es ergab sich die Notwendigkeit, eine Anzahl Häuser niederzureißcn, die in früherer Zeit aus Backstein errichtet wurden. Zur Herstellung dieses Backsteins hatte man seiner Zeit die aus den Minen stammenden Stein- und Sand­reste verwendet, nachdem ihr Erzgehalt verwertet worden war. Als man zum Abbruch der Häuser schritt, gab man einige Schlittstücke zur Untersuchung in das Laboratorium. Dabei stellte sich heraus, daß dieser Schutt einen Goldgehalt von 12 bis nahezu 100 Mk. für die Tonne aufwies, durch­schnittlich 32 Mk. pro tausend Kilo. Die Ursache dieses reichen Goldgehaltes liegt in der Unvollkommenheit der früheren Mittel, mit denen die aus den Minen geförderten Massen bearbeitet wurden und bei denen viel Gold und Silber ver­loren ging. Mit Hilfe des neuen Verfahrens hat mau den Schutt der abgerissenen Häusergruppen bearbeitet und dabei für nicht weniger als 120000 Mk. Gold gewonnen.

* Westinette. Als ich kürzlich das Schaufenster eines hiesigen größeren Herrenkleidergeschäfts besichtigte, so schreibt der Gothaer L. Lencer der Zeitschrift des Allgemeinen DeutschenSprachvereins, bemerkteich ein eigenartigesKleidungs- stück, eine Herrenweste, die sich von der gewöhnlichen Weste dadurch unterscheidet, daß sie keinen Rückenteil hat. Unter diesem neuzeitlichen Erzeugnis der Schneiderkunst befand sich der Taufschein des jungen Erdenbürgers, der den stolzen NamenWestinette trägt. Als ich dies las, fühlte ich mich in meinem deutschen Sprachgefühl verletzt, und es kam mir der Gedanke: wann wirst du, deutscher Michel, zu dem Be­wußtsein gelangen, welche Schönheit der deutschen Mutter­sprache eigen ist, und welchen unendlichen Reichtum ihr Wort­schatz in sich birgt, so daß du es fürwahr nicht nötig hast, ein deutsches Wort zu verstümmeln und mit welscher Endung zu versehen? Du darfst dich versichert halten, daß das vor­erwähnte Erzeugnis deiner Kunst für den Liebhaber nicht minder Wert besitzt, wenn du es etwa mit dem guten deutschen Namen Halb weste belegst.Westinette aber ist der Gipfel der Abgeschmacktheit.

* Wie die Chinesen Epidemien bekämpfen, schildert ein Aufsatz der Chronique medicale. Wenn Krankheiten eine Stadt besonders heftig Heimsuchen, so vereinigen sich die Be­wohner zu großen Prozessionen; daran wäre noch nichts außer­ordentliches, da Man Aehnliches auch im Westen tmederfmdet. Aber wenn die Gebete nicht erhört werden und die Epidemie fort- daucrt, so eröffnen die Söhne des Himmels eine Subskription zu aunsten der Gottheit; dabei aber sind sie so vorsichtig, zunächst nur eine Anzahlung zu Machen, mit der heimlichen Absicht, den Rest nicht zu bezahlen, wenn der Himmel die erbetene Gnade auch so erteilt Alle Subskribenten erhalten Quittungen, die sw an ihre Haustür heften Mit der frommen Ueberzeugung, die ochen Geister der Krankheit bmiiit abzuschrecken. Wenn aber auch dic,es Mittel nichts fruchtet, so entschließen sich die Bewohner des Ortes zu einem heroischen Mittel; sie treten zusammen, und nach kurzer Beratung ändern sie das Kalenderdatum und eilen der Zeit mit einem Sprunge um acht oder zehn Monate voraus. A.tc bösen Geister, die sich lebhaft für den Kalender interessieren, >ehen dann, daß sie sich viel länger, als sie ursprünglich beabsichtigten, in der Stadt aufgehalten haben, und beeilen sich nun, aufzubrechen ^n der Nachbarstadt empfängt man sie nut demselben Mittet und die Folge davon ist, das; in gewissen chinesischen Provinzen ore Zeitrechniing völlig verschoben ist, so daß. dem Kalender gegenüber weises Mißtrauen gerechtfertigt bleibt . . . , .

* Backfisch-Monolog.Na, mich sollte einmal em Herr zu küssen wagen, ich wollte ihm schon zeigen, daß ich Mit Mund auf der richtigen Stelle habe!" < '

Frauen ein zwischen b'ert Beine« vurchgefnWeS Stoffende den Charakter von Pumphosen gibt; Oberkörper und Beme werden vom Wolke meist nackt getragen. Echtes Volksleben ohne alle eurm Mischen Einflüsse entfaltet sich besonders rn Bangkok an dem breiten Strom, dem MenaM, wo unzählige schwimmende Haufep auf Bambuspsählen an den Ufern entlang bis. tief ui Mn Fluh hineinliegen. Da lebt alles und belustigt sich im Wafser, es ist ein wahres Froschdasein. Die Hauptnahrung des Volkes bilden Fisch und Reis, das Getränk Tee und Wasser. Ueberall be­stehen die Häuser der Armen aus Bambus und ruhen auf Pfahlen, um sich gegen Schlangen und Tiger z« schützen: die Dächer sind aus Reisstroh oder Palmblattrippen. Holzhäuser haben nur die ganz Reichen. Doch dem armseligen Leben des Siamesen! verleiht eine anspruchslose Heiterkeit und friedfertige Freundlich­keit so manche Reize und Abwechselung durch religiöse Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theatervorstellungen u. a.

Vermischtes.

* Aus dem Kaiser Friedrich-Museum wird uns eine amüsante kleine Szene, die sich kürzlich dort er­eignete, geschildert. Vor einem Meisterwerke des Quattrocento steht ein biederes älteres Ehepaar. Die Frau, ein wenig unsicher, gern bereit, sich zu begeistern, der Mann mit dem ruhigen Selbstbewußtsein des nüchternen Bürgers, der sich kein X für ein U vormachen lassen will und sein Kunst­erleben mit praktischer Erfahrung durchtränkt.Sieh doch", sagt die Frau,wie sorgsani dies alles gemalt ist, die Bäume, die Blumen, alles ganz genau, es ist doch sehr hübsck." Aber der Mann will sich von der Kunst nicht so ohne weiteres übermannen lassen und schließlich findet er die alles erklärenden Worte:Ja, aber so ein Maler hat doch auch sonst nichts zu tun."

* DieSendungen von oben"., Die Mitglieder eines Hamburger Stammtisches gerieten über die Toiletten­verhältnisse an Bord der Zeppelinscheu Luftschiffe in Meinungs­verschiedenheiten und wandten sich brieflich mit der Bitte um Auskunft an den Grafen Zeppelin. Hierauf ist jetzt vom Bevollmächtigten des Grafen, Herrn Uhland, folgende launige Antwort eingetroffen:Unter Bezugnahme auf die an Seine Exzellenz Herrn Grafen v. Zeppelin gerichtete Anfrage betreffs der Toilettenverhältuisse an Bord des Luftschiffes teile ich Ihnen, ohne natürlich auf eine eingehende Beschreibung der Toilettenverhältnisse der Toilettenanstalt übergehen zu können, mit, daß für die speziellen Verhältnisse besondere Einrichtungen und Maßnahmen getroffen worden sind, so daß die Herren des Stammtisches getrost ihre Spaziergänge fortsetzen kön­nen, ohne mit Regenschirmen oder anderen Mitteln zum Schutze gegen Sendungen von oben ausgerüstet sein zu müssen."

*' Die Schnelligkeit der Schwalben. Ein Ant­werpener Bürger hat kürzlich ein interessantes Experiment gemacht, durch das die ganz außerordentliche Schnelligkeit der Schwalben erwiesen wurde. Es gelang ihm, eine Schwalbe zu fangen, die ihr Nest unter dem Dach seines Hauses hatte; er" machte sie durch einen roten Farbenfleck kenntlich und sandte sie dann mit einem Schnellzug nach Compiegne, der 250 Brieftauben mitnahm. Am nächsten Morgen wurde die Schwalbe um 7x/4 Uhr zugleich mit den Tauben aufgelassen, und schnell wie der Blitz nahm sie die Richtung nach Norden, während die Tauben erst längere Zeit kreisend die Richtung ihrer Heimstätte suchten. Um 8 Uhr 32 Minuten erreichte der Frühlingsbote wieder sein Nest in Antwerpen. Die ersten Tauben kamen drei Stunden später an. Die Schwalbe hatte 235 Kilometer in 1 Stunde 7 Minuten, also 207 Kilometer in der Stunde zurückgelegt, während die Tauben es kaum auf 57 Kilometer iu der Stunde brachten.

* Eine Stadt aus Gold. Die goldne Stadt des Märchens hat in der Wirklichkeit eine Art Ebenbild: die Stadt Guanajuato in Mexiko. Man hat die überraschende Entdeckung gemacht, daß die Häuser dieser Stadt einen reichen Goldgehalt aufweisen. Guanajuato ist eine der ältesten Minenstädte Mexikos, aber den Wert der Stadt an sich hat erst die jüngste Zeit entdeckt, als eine Eisenbahngesellschaft