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herein geschlichen hatte, umstrich schnurrend ihr Bett, als ob er zuhörte. Tiue wärmte die Abendsuppe am Herd, und Jak ging mit finsterem Gesicht in der Diele auf und ab.

Drohend schüttelte er die geballte Faust nach der Wohnstubentür.Warte nur, morgen, morgen bekommst du die doppelte Portion. Wir wollen doch sehen, wer stärker ist, ich oder du!"

Tine hatte die Suppe hereingebracht und kam fliegen­den Schrittes über die Diele. Die Alte hatte ihr drohend die knochige Faust entgegengestreckt, und unter dem Bette hatte zusammengekrümmt der Kater gelegen mit glühen­den Augen.

Tu bist narrsch!" sagte Jak. Er trat in die Küche, stopfte sich die Pfeife und nahm d.ie Mütze vom Haken.

Ich gehe noch mal zu Frie Kühl," sagte er.Ich muß meinen Aerger versaufen!"

Geh nicht geh nicht!" bat Tine.Mir hat den ganzen Tag was auf der Seele gelegen, was ich dir sagen muß. Rein, geh nicht ich muß dir's erst sagen sonst kann ich die ganze Nacht nicht schlafen."

Deern, du bist mall," sagte er.Weswegen weinst denn weil uns die Alte überrumpelt hat? Was hast denn noch? Deern, mach mich nicht wild!"

Tine hatte ihre Hände gefaltet unb hob sie hoch bis zu Jaks Schulter.Jak, Jak," jammerte sie.Tu hast mich in Unehren gebracht; wenn du mich nicht'wieder zu Ehren bringst, komm ich um in Schimpf und Schande. Dann darf ich meiner Mutter nicht wieder ins Haus kommen. Jak, verstehst du mich?" .

Ja, ich versteh dich," sagte er. Er strich sich über die Stirn, sie hatte Falten, und seine Wangen waren blaß. Ich versteh dich ja, es wird Zeit hohe Zeit!"

Und plötzlich erfaßte ihn der alte Zornmut.

Was heulst du, Deern? Wenn du meine Frau wirst, dann wirst du die reichste Bäuerin in Witzwort. Sei still unb gib mir einen Kuß; Jak Thomsen läßt bich nicht sitzen."

So," fuhr er etwas milber fort,nuu geh ins Bett. Ich geh noch mal in ben Krug. Ein gutes Glas Grog ist das Beste, gegen den Aerger."

Er ging. Auf der Trift sah er sich noch einmal um. lag Spätinghof vor ihn: im Mondschein in seiner ganzen stattlichen Größe. Alles Blut strömte ihm zu Kopfe. Weh, iver mir das nehmen will," rief er fast laut.Jak Thomsen ist nicht dazu geboren, ein Knüppelbauer zu werden." . . .

Tine ging bald zur Ruhe. Einmal noch schlich sie auf Strümpfen ins Wohnzimmer, löschte die Lampe und zündete dafür das in einem Oelglase schwimmende Nachttämpchen an. Die Alte lag still in ihrem Bette; sie schien zu schlafen. Bor dem Bette lang ausgestreckt lag der Kater.

Tine schlüpfte hinaus und ging zu Bett; aber sie fand lange keinen Schlaf. Immer wieder tönten ihr die Worte der alten Schaue ins Ohr:Der bich will, den willst du nicht, und den Pu willst, der will dich nicht." Ja, das erste war wohl wahr, aber das zweite? Nein, nein, es konnte nicht sein.Jak, Jak, verlaß mich nicht; ich bin in großer Not," so betete ihre Seele, und ihre Hände waren dabei gefaltet.Jak, mein Herr und mein Gott!" Ivar eine unruhige Stacht. Am Himmel jagten sich offen. In dem alten Schornstein heulte es, als ob ein Sturm im Anzuge wäre. Halb im Traume hörte Tine eine Tür klappen. Sie hatte einen schlechten Traun: von einer großen, grauen Katze, die sie mit glühenden Augen ansah. Im Traume hörte sie ein Stöhnen; es rief jemand ihren Namen. Sie wollte ausspringen, aber die Katze lag ans ihrem Leib und hielt sie fest umklammert.

Und plötzlich erwachte sie und lag in Schweiß gebadet. Alles im Hause war still, und die Uhr von: nahen Kirch­turm schlug vier. Da legte sic sich auf die andere Seite und schlief weiter bis zum Morgen.

Jan kam an diesem Abend erst gegen elf Uhr nach Hause. Er schlief, seitdem die Tante krank war, im Wohn­zimmer in dem zweiten Wandbett. Bei dem Scheine des Nachtlämpchens entkleidete er sich leise und war bald ein­geschlafen.

Eine halbe Stunde mochte er wohl geschlafen haben, als er von einem Geräusch erwachte. Jak kam mit un­sicheren Schritten ins Zimmer und machte sich noch ein

Glas Grog zurecht. Jan sah, wie er an die Schatulle trat, Zucker aus der Tüte in das Glas schüttete, es halb voll Rum goß und aus den: heißen Kessel, der in: Ofen stand, Wasser dazu tat. Er rührte es im Stehen um und trank es in einem Zuge leer.

Es kam Jan sonderbar vor, daß der Bruder heute abeud nicht ohne Grog einschlafen konnte; wozu war er dem: in dem Krug gewesen? Die ganze Stube roch wider­lich nach den: starken Grog.

Hast du denn in: Krug nicht genug gekriegt," fragte Jan unwillig.

Nein," erwiderte Jak.Frie Krügers Grog ist die reine Pflanmenfuppe. Willst du nicht auch 'nen Schlummer­punsch? Man schläft fein danach."

Nein," sagte Jan,sei man ein bißchen still, die Tante wird wach."

Jak hörte nicht mehr. Er taumelte zur Tür hinaus in seine Stube, die er jetzt allein bewohnte. Jan hörte, wie er sich im Dunkeln die Diele entlang tappte und die Tür zuschlug. Dann war alles still, und Jan schlief be­ruhigt ein.

Nein, es war nicht still, Jan erwachte bald von einem Stöhnen. Er horchte auf.Warst du es, Taute?" fragte er. Die unregelmäßigen Atemzüge der Taute antworteten ihm.Ich habe geträumt," dachte er und schlief wieddr ein. Tie Pappeln von Spätinghof rauschten, und in: Schornstein heulte der Wind.

9.

Grau und düster brach der nächste Morgen an über Spätinghof.

Draußen wehte ein eisiger Wind. Eine dunkelblaue Wolkenwand stieg im Westen auf: nun mußte es bald Schnee geben.

Spätinghof lag heute im Dunkel. Schatten fielen auf die Fenster; es sah heule in dem alten Hause noch öder und unfreundlicher als sonst aus.

Mamsell Goos schien der gestrige Tag nicht gut be­kommen zu sein. Still, mit halbgeschlossenen Augen lag sie da. Neben ihrem Bette stand die Obertasse nut dem Pulver, das Jan ihr soeben eingerührt hatte. Heute führte sie nicht einmal die Komödie des Einnehmens n:ehr aus; sie war vollständig apathisch.

Einmal nur war sie aufgefahren, als Jan den Kater, der steif und lang ausgestreckt vor dem Bette lag, in dick Höhe nahm.

Er ist tot," sagte Jan,was hat er denn gefressen?"

Da fuhr die Kranke auf, verwirrt, entsetzt starrte sie Jan an; aber dann sank sie wieder matt in die Kissest zurück. Ihre Hände krallten sich in die Bettdecke.

Die Medizin," murmelte sie,ausgeleckt."

Als Jan ihr dann noch einmal die Obertasse reichen wollte, stieß sie ihn von sich.

Jan war ratlos. Die Tante war augenscheinlich sehr krank; sie wollte aber nicht einnehmen. Was machte er nur?

Wieder machte die Alte große Anstrengung, zu sprechen. Er beugte sich über sie.Heute Kühe rein," weiter vernahm er nichts. Er nickte, und beruhigt schloß sie die Augen.

Es geht mit ihr zu Ende," dachte Jgn.Aber Gott soll mich bewahren, die Kühe hereinzuholen, ehe ich mit Jak gesprochen habe." Da die Tante jetzt zu schlafen schien, ging Jan leise hinaus.

(Fortsetzung folgt.)

Das Alter des Menschen.

Boi: Georg B u s ch a n.

Wer auf entwicklungsgeschichtlichen: Standpunkte steht und ein jeder exakte Naturforscher tut dies> wird sich der Annahme nicht verichließen können, daß auch der Mensch aus niederen Lebewesen yervorgegangen ist. Nur darüber werden die Meinungs­unterschiede bestehen, ob die nächsten Vorfahren des Menschen sch-on an der Stufe der Säugetierentwicklung (in: Eozän, wie Klaatsch annimmt) gestanden haben oder ob dieselben in Tieren aus geologisch jüngeren Erdschichten, im' besonderen in den vor- weltlichen Affen zu suchen sind. Die llebereinstimmung der heu­tige!: Anthropoiden und Menschen in ihrer ersten Kcimesanlage, vor allen: in der Beschaffenheit der Eihäute, sowie in der bio­logischen Blutbejchasseuheit (Serumrcattion nach Uhlenhuth's, Nuttals und Friedenthals Forschungen) fallen zu Gunsten der zweiten Auffassung ins Gewicht. Wo sich die Menschwerdung vollzog und zu welchtzw Zeitpunkte, ist zurzeit noch dunkel. Wer-