obspiegelln. Die Ehrfurcht vor dem Gelbe prägt sich! darin auA, tventt der Engländer tron dem ochtungswürdigsten Manne sagt:er ist nichts wert" (he is Worth nothing), d. h. er hat kein eigenes Bernrögen.

Hiermit hängt auch die mangelhafte Bildung unseres da­maligen angelsächsischen Vetters zusammen, mit der es allerdings heute 'besser aussieht. Universitäten, wie man sic außer in Oxford uttb Cambridge jetzt in vielen größeren Städten hat, gabs damals nicht: somit wird Crusius recht haben, wenn er sagt:Daher denn die Einseitigkeit des Engländers, seine ge einige P-euetratwn in allem, was nicht gerade sein Fach ist, und eine Menge von Schwachheiten und Blößen, die er dem unterrichteten Ausländer gibt." Die Langweiligkeit der Tafelgespräche, Wetter-Unterhaltungen, die Austisch,img kräftiger Zoten nach Tiners chlUß im Herrenkreise (die beiden letzteren Sorten von geistiger Gymnastik sollen allerdings auch bei uns Vorkommen I) sind daher für den Engländer vor hundert Jahren charakteristisch für den heutigen wohl auch noch. Auch die Unbeweglichkeit der englischen Aufnahmefähigkeit für fremdartig oder falsch aus- gespvochene englische Wörter, die Crusius miffiel, ist heute noch dieselbe. Ob's mit den Wohnsitzen der englischen Granden zur' Zeit noch ebenso aussieht, kann ich. nicht sagen: vor hundert Jahren aber hatten die Lords in ihren Landhäusern Türen, von denen das Stück durchschnittlich 200 d kostete, während es mit guten Büchern und Gemälden ziemlich schlecht aussah. So kann Crusius von der damaligen Tonart uild Höflichkeit im Verkehr nickst viel Rühmenswertes berichten, ausgenommen von Liverpool, Ivo schluckt wachsende Handelsbeziehungen eine fvlche Gefälligkeit des Entgvgenkomirrens erzeugt hatten, daß er glaubte, wieder in Deutschland zu sein.

natürlich hängt mit dein einseitigen Bildungsschatz auch die Besonderlwit und Gleichförmigkeit des Lelunis zusammen.My Hanse is my castle," das galt damals und gilt noch heute. Tie WohnungSabgeschlossenheit der besseren Stände schildert der säch- sisclie Magister sehr anschaulich, und was er über die Klopfern gepfloaenheiten berichtet, ist so amüsant und für den Kastengeist desfreien" britischen BolkiÄ so bezeichnend, daß es hier folgen inaa.Der Besuchende Meldet fiel) durch einen besonderen Klopfer an oer Haustür; und der Takt, in welchem man klopft, bezeichnet zugleiich den Stand des Eintretenden. Ein armer Mann darf nur einmal klopfen, ein Bedienter zweimal, ein Mann vom Stande vier und nach Befinden mehrere Male, bis zum Lord, dessen Bedienten einen gewaltigen Lärm machen. Und nach diesem Ver­hältnisse beschleunigt auch die Magd, welche öffnet, ihre Schritte, oder läßt den armen demütigen Klopfer so lange warten, bis sie eben Zeit findet, ihm aufzutun." Dabei find die Zimmer sauber, zierlich und solide eingerichtet, das Tabakrauchen ist ver­pönt, und wer gar im Hause des Engländers ausspucken wollte, brächte sich für eine geraume Zeit um Ehre und Reputation. Beim Zutrunk wird jemand von der Gesellschaft aufgefordert, oder jedes Mitglied bei seinem Namen begrüßt. Beim Essen war es durchaus ungehörig, die Gabel in der rechten Hand zu führen; dagegen kannte man Servietten bei den damaligen Mahlzeiten nicht. Diese einfache Lebensweise teilten damals auch die eng- tischen Großen, so lange sie in London lebten, während ihr Land­aufenthalt Zeugnis von ihrem Reichtum ablegte.

Bon dem Reichtum, den selbst die Kriege und die Kinitinental- sperre 'dem Lande nicht hatten rauben können. Aber doch waren die Engländer, begreiflich genug, auf den Marm, der ihnen ihre beste goldene Hmcdelsader so nachdrücklich abgebunden hatte,ge­laden" wie Höllenmaschinen. Und nach den Mahlzeiten, wenn die politischenGasts" begannen, mögen sie oft genug über ihn hergezogen sein. Man nannte den ehemaligen Machthaber Frank­reichs j,Bony", und die englischen Damen waren nicht müde, die sächsischen Besucher' zu fragen, was sievon Bony" wüßten. Worauf dein exilierten Lölverr mit den WortenGod dam the bog" der übliche Eselstritt von dem zarten Geschlecht versetzt wurde.

Diese trotz Kriege und Sperren nicht zu ruinierende WoM- habenheit war neben anderem in der industriellen Bedeutung des damaligen Englands begründet. Heute kennen die Briten den Feind, damals ahnten sie ihn wenigstens und witterten mit Recht besonders in denHellen" Sachsen ihre znkllnftige.nl Konkurrenten. Tenn in Sachsen war infolge der Koutincntal- sperve die Textilindustrie mächtig aufgeblüht. So bittet Crusius ein großes.befreundetes Haus in Liverpool um die Empfehlung an ein garnfabrizierendes Haus in Manchester, zwecks Besich­tigung der Mafchinen. Der Antwortbrief enthielt folgende charak­teristische Bemerkung:Diese Herren. aus Sachsen wissen doch, daß man in Manchester keinen Fremden in die Fabrrßm einführt, und da wir selbst wissen, wie streng sie darüber halten, die Ihrigen Vor Ausländern zu verbergen, so.bitten wir Sie blaß, Unfern Empfvh'tnen anderweitige Dienste M leisten, deren sie etwa benötigt sein möchten usw." Diese Mafchinen wurden viel­fach von Dampfmaschinen in Bewegung gesetzt, die man in Deutsch­land stoch nicht kannte. Letztere imponierten dem Atagister Crusius durch ihre Größe und ihren ruhigen Gang besonders, noch mehr aber die erste Lokomotive, die er bei Leeds sah.Man traut seinen Sinnen nicht," schreibt er,diese lange Reihe von Wagen rüstig dahin ziehen zu sehen, ohne ein Zugtier oder einen

Führet zu bemerkest. Eick einzelner Mann besorgt die Dmstpßi maschine, und schreitet neben denr Zuge her, der auf einem Weg« mit eisernen Gleisen bequem hinzieht." Neben den Textilfabriken werden auch alte möglichen anderen: Kurzwaren-, Gewehr-, Glas- und Papiermachö-, Pvrzellanfabriken von dem lernbegierigen Sach, feit besucht und mit vielem Lob bedacht. Es entgeht ihnen dabet nicht, Ivie die Handels-- und Geschäftstätigkeit zu neuem Lebest erwacht ist. Dio Einrichtung einer Tuchbörse erweckt ihr Erstaunen, der Aufschwung von Liverpool ihre Bewunderung, daneben lausen aber' auch handelspolitische Sorgen für b-«e Zukunft, die sie jedoch durch die naive Hoffnung beruhigen, die deutschen, lwlländifchen, französischen und italienischen Häfen wurden bald Mittel finden, sich den englischen Fahrzeugen zu verschließen: Amerika werde feine Rohprodukte nach dem Kontinent liefern und sie fabriziert von dort zurücknehiuen.

Also England war damals der Feind. Heute ist's umgekehrt, Hoffen wir ober, daß nicht die Dreadnoughts, sondern die Stimmest friedlicher Bereinbarung in dem Weiterlaus des wirtschaftlichen! Kampfes das letzte Wort sprechen werdest.

* Die Priester der Polarvölker. Wie überall, sp gibt es auch bei den Polarvölkern bestimmte Leute, die sich diel Pflege der Beziehungen zwischen Menschen und Geistern bc* sonders angelegen sein lassen, und den Verkehr zwischen beiden vermitteln. Man bezeichnet sie, wie wir in dem BüchleinDiei Polarfvrschnng", Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig lesen, gewöhnlich mit dem tnngnsischen Namen Schamane (jatut, Ajun, sainoj. Tadyb, aleiit. Kanghdmeut, imtit. Angakokj. Es sind meist Männer, seltener Frauen, und diese werden weniger geachtet. Der Schamaneubernf vererbt sich vom Vater aus beit Sohn, doch muß sich der Novize einer Vorbereitung (in Grönland bis zn 10 Jahren) dazu unterziehen: er lebt eine Zeitlang in einer Einöde, wv er von alten Scluuuaueu belehrt Ivird, auf welche Weise er die Geister sich dienstbar machen kann, nnd w» er angeblich schreckliche Prüfungen über sich ergehen lassen muß. Eine wesentliche Vorbedingung ist eine gewisse Reizbarkeit der Nerven, welche bei samojedischen nnd jakutischen Schamanen be­sonders stark auftritt. Eine plötzliche Berührung oder ein mw gewöhnliches Geräusch kann diese in solche Wut versetzen, daß sie ein Messer oder Beil ergreifen und, wie malaische Amokläufer, den ersten besten niedermachen. Hält man sie fest, so schreien sie und schlagen wütend um sich, bis mau ihnen ein Stück angezündetes Renntierfell unter die Nase hält, worauf sie in einen 24 stündigen Schlaf verfallen. Manche von ihnen bilden sich in irgendeinem Zweige ihres Berufes zu Spezialisten aus, z. B. für Renntierzucht, Heilkunde, Fischfang, Wetterzauber, Wiederfinden verlorener Gegenstände usw., und die, die sich durch manuelles Geschick und hervorragende mysiisclw Veranlagung aus« zeichnen, erlangen den Ruhm von großen Schamanen. Schamanin­nen bevorzugen die Jakuten bei Geisteskrankheiten. Um ihr An­sehen und die Furcht vor sich zu erhöhen, tragen sie, wie di« Zauberpriester anderer Völker, absonderliche Kleidung und suchest ihre Klienten durch allerlei Kunststückchen zu verblüffen, um diese von vornherein von ihrer Macht über die ihnen dienstbaren Geister (inuit. tornat) zu überzeugen. So reißen sich sich z. B. scheinbar die Augen aus und essen sie auf, verschlingen glühende Kohlen, stoßen sich Messer in den Leib, lassen sich eine Kugel in den Kopf schießen, und andere ähnliche Dinge, wie sie bei uns die Zauberkünstler anszuführen pslegen. Aufs Haar gleicht einer spiritistischen Sitzung die Vorführung eines alaskanifchen Scha­manen, welche Jacobson angesehen hat. Der betreffende Schamane ließ sich die Hände und Füße mit starken Riemen binden una begann, nachdem auf seinen Wunsch die Lampen ausgelöscht wor­den waren, mit den. Geistern in fremdartigen Worten zu reden,. Nach deni Wiederanzünden der Lampen stand er ohne Fesseln da,.

Krenzrätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a aaaaaa, ddd, eeeeee, ff g g St k k, 1 1 11, m m m m, n n n, o o, r r r, s s 8 s, 11 der­art einzutragen, daß die ivage- rechten und senkrechten Reihen gieichlautend folgendes ergeben

1. Englischer Staatsmann,

2. Bescheidenes Blümchen,

3, Niederländische Stadt,

Anstoiung in nächster Nummer:

Auflösung des Schevzrätsels in voriger Nummer:

Else (ein StückApfelsine" = eis, ein klein wenig Pfeffer = e)>

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießest,