1909

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Späünghof.

Roman von K. v. d. EidSL

(Nachdruck verbotm.)

(Fortsetzung.)

Wie ein Häufchen Unglück saß die Alte auf ihrem Stuhl. Ich komme ja nicht zu Gaste," sagte sie weinerlich,ich wollte inan bloß fragen wegen Tine, ob das wahr ist, daß sie nach Amerika ist."

Ach so," dachte Jan,also Neugierde ist es, was die Alte von Römstedt hierher getrieben hat."

Bist du extra deswegen hergekommen?"

Sie nickte.Ja, ich hatte keine Ruhe, als ich hörte, daß sie fort war. Wenn ich das gewußt hätte, als sie bei mir war" . . .

Jan wurde unruhig.Als sie bei dir war? Was denn?"

Denn hätte ich ihr die Karten nicht gelegt."

Du hast ihr die Karten gelegt? Sie war deswegen bei dir?"

Ja, ach du liebe Zeit, ich konnte doch nicht dafür, daß so was in den Karten stand. Ich habe keine Schuld," fuhr sie fort, wie ein Kind, das sich verteidigt, ehe es an­geklagt wird.Ich hatte ja keine blasse Ahnung. Ich dachte, sie lebte hier als ein Gott in Frankreich. Gin bißchen schnacksch kam es mir ja vor, daß sie so auf ebenschlicht zu mir kam und ich ihr absolut die Karten legen sollte. Ich sagte schon:Du kannst es ja gar nicht besser kriegen, als du es hast." Und daß eine weite Reise in den Karten lag, das konnte ja zum Pläsier sein, darum brauchte sie nicht nach Amerika zu gehen. Von Amerika hatte ich nichts gesagt. Amerika, wo es so viele schlechte Menschen gibt!"

Jan hatte stumm zugehört. Er sprach ein paar be­ruhigende Worte zu der aufgeregten Greisin. Seine Ge­danken waren bei Tine. Immer mehr gewann er einen Einblick in das wunderliche Innenleben seines Weibes. VH, wenn er das alles ein paar Wochen früher ge­wußt hätte!

Jette Dau kam mit dem gewärmten Kaffee und einem Stück Stuten. Angesichts der Stärkung beruhigte sich Schaues Gemüt. Sie trank ihren Kaffee und tauchte ihren Stuten hinein, bis er weich war. Die Rinden ließ sie Mnz in der Tasse aufweichen und sie zuletzt mit dem Teelöffel. Das Kauen iv-ar eine mühselige Arbeit für die Alte, denn sie hatte keine Zähne mehr.

Endlich war sie fertig und erhob sich. Sie hielt Jan chre runzelvolle Hand hin.Sag man zu Tine, wenn sie wiederkommt, die alte Schaue hätte gesagt, so was dürfe sie nicht wieder machen, vom Davonlaufen liegt nichts in den Karten. Das sag ihr man."

tverd's bestellen," sagte Jan. Bei sich dachte err Tme wird niemals iviederkommen."

Anndortjen kam vorgefahren. Anndortjen, im zivei- spännigeu Wagen, mit einem nagelneuen Federhut. Sie war rosig und schmuck, man sah es ihr an, daß es ihr gut ging.

Als Jan die energische und rundliche Frau vor sich stehen sah, ergriff ihn ein Widerwille, den er sich selbst nicht zu erklären vermochte.

Nein, so was!" rief Anndortjen.So was zu er­leben! Die Leute zeigen mit Fingern auf einen. Wie sie mir bloß so was antun konnte! Die niederträchtige, tief­denkerische Person. Du armer Junge!"

Jan stand sprachlos. Wenn die Mutter zu ihm ge­kommen wäre und ihn angeklagt, ihm geflucht hätte, das wäre ihm natürlich erschienen, da hätte er stille gehalten. Aber daß Anndortjen ihr eigenes Kind beschimpfte und nur sich selbst und ihn bedauerte, das konnte er nicht leiden.

Tine fühlte sich nicht glücklich," sagte ec,du mußt nicht so hart urteilen. Sie war eigenartig und tief an­gelegt."

Verrückt war sie, splienig! Sonst wäre sie nicht davon­gelaufen, Gott weiß wohin. Und kein Sterbenswort hat sie mir davon gesagt. So 'ne heimtückische Person. Aber daß du sie nicht wieder aufnimmst, wenn sie wieder kommt! Sie muß erst Mores kennen lernen."

Mein Haus steht ihr offen, so lange ich lebe!" ent­gegnete Jan.Und wenn sie jetzt draußen am Hecktor stände, dann lief ich und holte sie."

Ihr seid alle miteinander nicht recht bei Trost," sagte Anndortjen.Mir soll sie nicht kommen, ich bin ihre Mutter nicht mehr."

Nein, du bist ihre Mutter nicht mehr."

Anndortjen überhörte die Schärfe in Jans Worten. Ich habe Gott sei Dank noch ein anderes Kind, wenn es auch noch klein ist, das will ich mir schon anders ziehen. Tine hatte zuviel von ihrem Vater, das war auch so einer."

Jan sah die Frau an; in seinen sanften blauen Augen glühte heiliger Zorn.

Mein jetziger Mann ist von anderem Schlage, der hat wenigstens Geld."

Ja, Geld!" sagte Jan heftig und wußte nicht, was er hinzu setzen sollte.

Anndortjen knüpfte die breiten Bindebänder ihres Kapottehutes zu einer Schleife. Sie trat vor den Spiegel und band eine hübsche, große Schleife.Adjö, Jan," sagte sie.Hasche Hasch wartet draußen auf mich, ich muß nach Hause zu meiner Kleinen und den anderen."

Adjö!" Jan half ihr auf den Wagen, Hasche Hasch wurde nicht gebeten, abzusteigen und sich eine frische Pfeife zu stopfen. Sie fuhren aus dem Dorfe ohne Naß und ohne Trocken, wie Anndortjen giftig bemerkte.

Jan stand auf seiner Werste und sah dem Wagen mit finsterer Miene nach.

*

Tags darauf, als der Bauer von der Fenne hereinkam-