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Samstag den \b. Januar
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Maria Hendrina von Goch.
Novelle von Luise Schulze-Brück» (Nachdruck verboten^ (SoctfeBitng.)
Der Alle war sehr zufrieden mit sich und der Welt. Erst M die Karte von der Tante Seit' kam, war er wieder brummig! 'geworden. Mußte die ihm den Tag verderben!
Tie kleine Kajüte blinkte im höchsten Glanz. Aus dem fest' lichen Kaffeetisch lag eine schöne gestickte Decke, ein Topf mit Mpenveilchen stand darauf zwischen viel Kuchen und kleinem Gebäck. Erwartungsvoll ging Hendrina mit Hildegard zum Bahnhof. Hildegard war verärgert.
„Heut' brauch fe auch net grad zu komme. Heut' wall Ls mer ja noch Rüdessem uW Eis gehe. SP L fcheeue Eisbahn is do. Wer weiß, wie lang die Herrlichkeit dauert. M'Babba dut heit de ganze Dag schun die linke groß' Zeh weh. Do gibt's immer amtet Meiler."
Hendrina schrak zusammen. Anderes Wetter! Tauwetter. Tarnt ging das Rheineis auf, und das Schiff ftchr hinauf nach Mannheim. Dann war alles vorbei. Wenn sie zurück kant, an Bingneu vorüber, dann war das alles wie ein Traum, wie etwas, was nie gewesen. Dann saß sie wieder in ihrem kleinen Hause in Goch nnt Fenster hinter dem steif gestärkten Borhängchen und häkelte Spitzen, und die Base las im „Goffins".
„Na, erschrecke brauchste .dich net." Tie Heldegard lachte.
„ES kann nach noch kälter werde. Dann hott der Babba es auch in der Zeh. litt 's is grad, als ob's noch kälter werde wollt!" Sie schuobberte mit dem spitzen Naschen in die kalte Lust. Wahrhaftig, es tvar, als sollte es noch kälter- werden. Die Berge drüben waren ganz rosig in dem feinen Kältenebel, durch den die Sonne leuchtend blitzte, — der Atem war wie eine blän- liche Wolke. Hildegard blies in das Luft.
„Siehschte! Wie kalt es is- Guck emvl die Telegraphe-- dräht. Ganz dick weiß siit se vor Fröscht. Zlvelf Grad Kält. Mo, die Tante Seit, die friert net. Die hält der Speck warm."
Sie lachte hell, während- sie doch heimlich spähend ihre Base ansah. Wer doch auch so aussähe wie die Hendrina. Sie schielte .Nach' lhrem Näschen. Das war sicher wieder ganz rot. Und die Hendrina, die war weiß wie Schnee. „Weiß wie Schnee, rot wie Blut," hatte der Tschortschie gestern gesagt. Eine Haut hatte sie wie tüte Wachspuppe. An beit Schläfen liefen zarte blaue Aeder- ichien, der dicke blonde Haarknoten barg kannr die Haarfülle. Ob wohl der Beert sehr verliebt in sie war? Sie machte sich sicherlich tniflst viel aus ihm. Hildegard konnte das gar nicht begreifen. Sie fühlte, wie ihr Herz, klopfte, wenn sie sie den Berrt nur ansah. 'Und gestern abeitd, als sie mit ihm getanzt hatte, — ach, sie hätte immer so forttanzeu mögen, — die ganze Nacht, und dann auf dein Heimweg, 'wenn sie allein waren, ihn herzen und küssen und Mr nicht ntehr loslassen. Das heiße Blut stieg ihr zu Kopfe, trotz der Kälte. Zornig riß sie an ihrem Tuch: „Dumm Zeug!" l Hendrina sah sie erstaunt an: „Was hast du nur?"
Ungeduldig mit kleinen Schritten lief die Hildegard weben ihr. „O du! Du bist eine! Do gehscht du newen einem tut buhst, als wann du kä Wässerche triewe kennst. Ae unschullkgs Gesicht Wachste wie Ä Heiligebildche. Utt hoscht es faustedirk hinnern Ohre! Den Tschortschie hoschte verliebt gemacht, »ist der Beert, den hältst du der warm. Ich hawive es gut genug gesehe geschient «wend. Immer, wenn der Tschortschie L Danz mit der gedanzt Hot, dann Hot aach der Beert den danach gehott! Mer kwwwe's all gesehe! Utt der Beert der is auch so dumm', der lpt aach kei Aage; wie alle Mannsleit! Dumm sin se all, se sehe nix, toat se net sehe wolle, sie hawwe ä Brett vorde Aage." Sie rveite fast.
Hendrina sah sie erstaunt und erschrocken an. „Aber ich hab' das ja nicht gewollt mit denk Tanzen. Das hat doch der Beert so gewollt. Ich könnt' doch nicht anders."
Hildegard stampfte zornig auf bart hartgefrorenen Boden': „Siehschte! 's is so wie ich sag! Zu dumm sin die Mannsleut! Die Tante Sette sagt aach immer, Mannsleut sin nur halwe Mensche!"
Hendrina verstand sie nicht.
, „Sei doch net so duntm! Siehschte beirrt gar net, was unk dich erum kassiert! Der Beert, so ä scheener Mensch, der kennt jede kriege! Ae Prinzessin kennt der kriege! Uit do will er MN keiner was wisse, un . . ."
Sie brach kurz ab. „Komm, da kimmt schun der Zug."
Sie lachte doch schon wieder leichtherzig. „Was for ä Hut werd dann heit die Tant Sette ufchawwe! Die hot der immer Türm uff! Ach, guck net so! 's is jo all egal, kriecht mir M eine net, schadts aach nix. Der Himmel is bloo — is der ään fort, is der anner do! Um den Beert reißt mir sich aach da Kopp net ab..-
Eine halbe Stunde später saßen sie alle um den Kaffeetisch in der Kajüte der „Maria Hendrina von Goch". Die Tante: Sette erzählte und lachte. Ihren blauen Samthut mit vielen Federn hatte sie sorgfältig auf Hindrinas Bett gelegt.
„Du brauchscht net ze lache, Hildegard, üwwer mei Schappv," hatte sie gutmütig gesagt. „Alles, wies for ein baßt. Wie ich eso alt war wie du, do braucht ich aach kei blaue Samthüt mit Feddern druff! To Hot mich noch die Jugend gebutzt! Awwer wann mer erscht in die Jvhrc kimnit, do muß mer selwer was dazu duc."
„Sag ens. Seit', gehst du noch vielleicht auf die Mannsleut- jagd mit Federhüt?" fragte der alte van Endert spitzig.
Sie sah ihn lachend an. „Aerger dich net, Schwager, d» kriegst de Gall' ins Blut! Du hoscht so schunn immer mit dem' Hot. Ich mach mich scheen wegen mir selwer, net Wege de Manns- Geblüt ze dun gehott, schon wie meine Schwester selig noch gelebt teut. Mannsleut sin doch nur salwe Menschen."
Hildegard platzte laut los. „Dodruff hawwe ich nor gewart', Dante Sette!" .
Tante Sette nickte: „Jo, so A jung Blut! Des meint, ohne Mannsleut giug's 'rtet uff der Welt. Eigentlich gehts jo aach net ohne se. Awwer so nehdig, wie du der denkst, sind sc


