föitger von Hameln, von denen sich die Seute in der kleinen alten Vaterstadt mündlich noch allerhand abenteuerliche Geschichten erzählten. Schließlich machte ihm in seinen Trimmen und Gedanken der übermütige Schalk Till soviel zu schaffen, daß er sich im Jahre 1869 frohgemut an die Arbeit setzte, und, wie er selbst erzählt,ohne mir vorher mit dem Äusspinnen einer Fabel und Handlung lange den Kopf zu zerbrechen, darauf losschrieb, was mir gerade ein­fiel, und die Werse flössen mir so leicht und rasch aus der Feder, als diktierte sie mir nicht der heilige, sondern ein recht weltlich gesinnter Geist". Einen starken Trieb, die Dichtung gedruckt zu sehen, verspürte er nicht.Das Dichten hatte mir Freude gemacht, reichliche Mußestunden beglückend ausgefüllt, und mir war nun zu Mute, als hätte ich mir in leichtfüßigen Wersen etwas von der Seele herunter­geschrieben, was mich unwillkürliche zum Aussprechen ge­drängt hatte." Wolff machte den deutsch-französischen Krieg mit und während dessen entschwand ihm sein Till Eulen­spiegel völlig aus dem Gedächtnis, der ruhig zu Hause im Kasten lag. Unterdessen erregten aber seine Kriegs­lieder, die zuerst vereitelt in den von Franz Lipperheide herausgegebenenLiedern zu Schutz und Trutz" erschienen und dann unter dem TitelAus dem Felde" cherausgegeben wurden, regen Beifall und nun kanr er auf den Gedanken, ob mir die praktische Pflege der Dichtkunst nicht auch zur Erwerbsquelle werden könnte". Er nahm also seinen Till Eulenspiegel wieder vor und sandte ihn an den ihin be­kannten Ferdinand Freiligrath, um seine gütige Fürsprache hei der Cottaschen Buchhandlung zu erbitten. Nach einiger Zeit kam das Manuskript zurück und der Lektor des Cottaschen Verlags erklärte, die Dichtung hätte Aussicht auf Annahme, wenn eine ganze Reihe von Mängeln darin beseitigt würden.Mit Heller Begeisterung und einem Herzen voll Hoffnung fiel ich über mein Werk her, flickte und feilte mit fliegender Feder daran herum, und noch nicht zwei Wochen später war Till Eulenspiegel zum zweiten Male in Stuttgart. Aber da kam ein strengerOho!" von Ferdinand Freiligrath. Was ich mir denn eigentlich ein­bildete, schrieb er mir in freundschaftlicher Entrüstung; ich wäre verfahren tote ein Schneider, der einen ver­schnittenen Rock in ein paar Tagen wieder zurecht meistert. Das hätte die Herren dort sehr verschnupft, und sie lehnten den Verlag nun ein- für allemal ab." Nun begannen lange Wanderjahre für den wiederauferstandenen Till; er reiste von Verleger zu Verleger im deutschen Reich herum und kehrte wie Noahs Taube stets 'wieder zu seinem Dichter zurück. Schließlich aber fand er doch Unterschlupf bei einem Verleger in Detmold, und schon hielt Wolff die ersten Exemplare seines Buches in der Hand, da kam die Schreckensnachricht, daß die ganze Druckerei des Verlags niedergebrannt und damit auch Till Eulenspiegel in Flammen aufgegangen sei. Noch einmal hatte sich der närrische Kauz gegen die poetische Beschwörung aus dem Dunkel seines Grabes gewehrt, aber es half ihm doch nichts, ermußt es eben leiden", ward noch einmal von vorn an neugedruckt und erlebte nun eine fröhliche Urständ in vielen vielen Auflagen. . . .

Vermischtes.

* Genies als schlechte Ehemänner. In einem Artikel des Nineteenth CenturyEhe und Schriftsteller" sucht Sidney Low an der Hand eines reichen Materials den Beweis zu erbringen, daß Genies und vor allem die Genies der Literatur notwendig schlechte Ehemänner sind. Er hat die Stellung zur Ehe von 68 berühmten Schriftstellern, unter denen sich die leuch­tendsten Namen der englischen Dichtung befinden, untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß nur 20 Ehen einen ziemlich befriedigenden Verlauf genommen haben; 23 Ehen waren un­glücklich und zum Teil direkt Tragödien; 25 Genies waren un­verheiratet. Man kann also höchstens voN einem Drittel der 68 Schriftsteller sagen, daß sie in erträglichem Einvernehmen mit ihren Frauen lebten. lieber Shakespeares unglückliche Ehe be­steht kein Zweifel; Milton war dreimal verheiratet und tieft sich von seiner ersten Frau scheiden, die ihm schön nach wenigen Wochen weggelaufen war. Drhdert litt schwer unter seinem Ehe- kreüz. Swift war heimlich mit einer Frau verheiratet, mit der £r Nie zusammen gelebt hat und die er nur in Gegenwart dritter Personen sah. Eoleridge lebte von seiner Frau getrennt. Shelley ging m lugendlichem Alter eine unüberlegte Ehe ein und trennte sich von seiner Frau, die Selbstmord verübte. Ruskin lief seine Frau mck dem Maler Millais weg. Dickens lebte von seiner

Fräst getrennt. Bei genialen Frästest ist übrigens die gleiche! llntauglichkeit zu Ehe zu beobachten, wie die unglücklichen Ehest der Schwestern Bronte, der Elliot, Christina Rossetti u. a. be­weisen. Dafür, daß. es in Frankreich, Deütschland und Amerika in den Ehen der großen Dichter Nicht anders sei, Weift Low auf die Namen Goethe, Heine, Kleist, Müsset, Sand, Walt Whitman und Poe hin. Als Erklärung dieses Phänomens führt der Ver­fasser dieHäuslichkeit" der Schriftsteller an.Die meisten Männer, vom Maurer bis zum Minister, üben ihren Beruf außer­halb des Hauses aus; der Schriftsteller aber tut seine Arbeit daheim. Die Frauen haKu nun nicht immer die Energie, bis! zum späten Abend mit der Mitteilung zu warten, daß hie Köchin sich betrunken hat und der Küchenofen geplatzt ist, wenn der Mann in der Stube nebenan sitzt; eine solche Unterbrechung wird.aber ein Dichter, der gerade ein unsterbliches Werk vollende^ nicht immer im rechten Sinne aufnehmen. Der Schriftsteller', der immer mit seiner Frau zusammen ist, wird daher häufig! vvn den Gefühlen jenes Herrn beseelt fein, dein ein Freund ein» furchtbare Mitteilung machte.Ich imtft es Dir sagen," erklärt« er,ich habe gesehen tote x. Deine Frau küßte."Merk­würdig," antwortete der beleidigte Gatte,und es zwingt ihn! doch niemand dazu." Eine weise Jungfrau sagte vor der Hochzeit zu ihrem Zukünftigen:Eins mußt Du mir versprechen: Nie­mals zum Lunch zu Hause zu sein." Ter Schriftsteller ist leider oft zum Lunch zu Hause. . .

* Wie alt war Methusalem? 78% Jahre! Zu diesem Resultat, das höchst überraschend klingt, gelangt eilt Mit­arbeiter derJewish World", der sich mit dem Problem be­schäftigt, welche Bedeutung den Angaben der Bibel über das Alter der Patriarchen znkontme. Es ist anzunehmen, so führt er ans, daß in den frühesten Zeiten der Mond als Zeitmaß benutzt wurde. Das Zählen nach 'Monden erwies sich jedoch bald als lästig, und eine Einteilung nach größeren Zeitabschnitten wurde notwendig. Nach einer Theorie bestanden die erstenJahre" aus fünf Monaten zu je 30 Tagen, indem so viel Monate hu! einer Einheit zusammengefaßt wurden, als Finger an einer Hand sind. Vorher aber bildete lange Zeit die Dauer eines Monats die Zeiteinheit, und dieJahre", Nach denen die Lebensalter der Patriarchen angegeben werden, umfaßtest die Tauer eines Mond- Nmlaufes, also 29% Tag. Bei dieser Voraussetzung reduzieren sich die 930 Lebensjahre Adams auf 75% Jahr, und Methusalem, dessen hohes Alter sprichwörtlich geworden ist, hätte bei seinen! 969 Jahren, von denen die Bibel spricht, nach nuferer Rechuuna nicht mehr als 78% Jahre, also keineswegs ein ungewöhnliches Lebensalter, erreicht. Eine Bestätigung dieser Annahme sieht man darin, daß nach 'den Worten des Psalmisten das menschliche Leben siebzig Jahre währt; man kann nicht annehMen, daß bie> Lebensdauer sich seit der Zeit der Patriarchen bis zu David um! elf Zwölftel verkürzt habe. Eine andere Berechnung des Jahres' liegt augenscheinlich den Angaben über das Alter Abrahams und Isaaks zugrunde. Sie zählt nach Jahren zu fünf Monaten von je 30 Tagen; dabei würden die 175 Jahre Abrahams 72 und die 180 Isaaks 74 Jahre nach unserer Rechnung bedeuten. Die Rech­nung des Jahres zu zwölf Monaten begann bei den Aegyptern.

* Zn stark getourst. Arzt:Ei, ei, Herr Meyer, Sie sehen wieder gar nicht gut aus! Halten Sie auch die borge-; schrieben« Diät inne? Nur reizlose Kost!"Habe ich genau befolgt, Herr Doktor; aber da kant Ihre gepfefferte Rechj- nung und die hat alles verdorben!"

* In der Schreckens ka mmer. Herr (zum Aufseher beim Anblick der Folterwerkzeuge):Hm. . . Klaviere gabs da­mals wohl noch nicht?"

* Na, ja!Du, heute abend müsse mer zum Kreuzwirt, da is a Versammlung." -Das fällt mer im Schlaf net ein." Hier in der Zeitung heißt's aber: Kein Gebildeter darf fehlen!"-Ja, nachher ntüsse mer scho hin!"

Silbenrätsel.

be, bers, bur^, da, biet, dns, e, e, et, e(, en, fa, gen$, ha, i, i(, tn, h), ma, na, re, rho, ti, Je, ter, ti.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen zehn Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Ansangs­und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen ein geflügeltes Wort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Mythologischen Namen.

2. Einen Romanschriftsteller.

3. Türkische Insel.

4. Erzählt tot die wunderlichsten Dinge.

5. Stadt in Bayern.

6. Einen Strom.

7. Küstenland im Adriatischen Meere.

8. Insel im Atlantischen Ozean.

9. Mädchennamen.

10. Kirchliche Strafe.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Eisen und Blut.

Redaktion: I. V.: E. Leb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sieitldruckerei. R. Lange, Gießen,