631

Line Musterehe.

Nach ixnt Polnischen des Wl. Stare.

Pan Kajetan Klempecki hatte bereits die Vierzigangerissen", Meter die Brauseköpfe gehörte er also nicht mehr. Er war vor- sichtigertveise Junggeselle geblieben. Die Liebe hatte ihm sein Herz noch nie blockiert, und so sagte er sich: Kajetan, wenn du als Einspänner aus deinem Gute sitzen bleibst, bist du ein kluger Mann, denn du kannst dein ganzes Einkommen in höchsteigener Person verzehren.

Das war ein Grundsatz, dessen Richtigkeit niemand zu be­streiten vermochte. Da kam aber so kurz nach der Ernte dem braven Kajetan eine Sehnsucht nach Warschau nach einem kleinen flotten Jauchen in einem Klub. Diese Sehnsucht liest ihn nicht los, er vermochte ihr nicht zu widerstehen und das war das Unglück für die ganze übrige Zeit seines Lebens.

Rach einem rührenden Abschied! von seinen sämtlichen Hunden, suhr Kajetan stolzen Mutes und geschwollener Brieftasche nach Warschau. Er stieg imPolnischen Hof" ab.

.... Psia Krew war es heute nacht hoch 'hergegangen. Kajetan betastete seine Brieftasche, die bedenklich magerer ge- loorden war. Wenns noch ein paar Nächte so weiter ging und toemt er immer Pech hatte, bann würde er bald wieder nach Hause reisen müssen.

Da hörte er hinter sich das Rollen einer Droschke. Der Kutscher gondelte das Gefährt bald rechts, bald links. Da prallte feines der Vorderräder an den Bordstein und die Droschke geriet bedenklich ins Wanken.

Aber Kutscher," kreischte da: eine Frauenstimme,nach dem Polnischen Haus".

Ter Kutscher knurrte Psia: Krew, schlug dem Gaule die Peitsche Wm die Ohren und lenkte seine Karre auf die andere Seite hinüber. Er hielt vor demPolnischen Hofe". Die Dame stieg wus, Lohnte den Kutscher ab und spazierte in den Flur.

. In diesem Augenblick erschien von der anderen Seite Paü Kajetan, der sehr höflich den Hut lupfte.

Kann ich Ihnen dienen, gnädige Frau?"

:Mein Herr, was für ein Hotel ist denn das?"

! 'Tas ist derPolnische Hof"!"

'Voze, boze, da habe ich mich, verwirrt. Ich bin tml -.Polnischen Hause" abgestiegen. Ist das wtzit von hier?"

Reii:, Gnädigste, dies Hotel liegt ganz in der Nähe. Wenn Sie gestatten, dast ich Sie dahin geleite . . . Kajetan Klempecki aus Sieradze."

Maryanna v. Lebioda," die Dam« nahm das Anerbieten an und damit >var Kajetans Lebensschicksal entschieden.

Auf seine Erkundigungen erfuhr er, dast Frau Maryanna eine Witlve sei, daß, sie ein Gut hesitze, daß sie zudem ver- tuBgend sei und dast ihr erster Mann lediglich aus Langeweile erkrankt und verschieden ssis

Zwischen demPolnischen-Hof" und deinPolnischen Haus'" entstand jetzt ein so regcw friedvoller Verkehr, dast ganz Warschau an eine Fusion beider Hotels zu glauben begann, lind dieser Glaube wurde tatsächlich zur Wahrheit. Die Hotels selbst aller­dings konnten sich nicht vereinigen, wohl aber besorgten das Pan Kajetan unb Panie Mar Hanna. Ans diesen beiden wurde Koch im Laufe des Jahres 'ein Ehepaar.

Welch ein idyllisches Leben gab es jetzt auf Kajetans Gute. Der junge Ehemann war die Güte, die junge Ehefrau die Liebe selbst. Er haspelte Garn ab, sie strickte Strümpfe. Hand in Hand saßen sie sich gegenüber. Sie lächelte, er lachte. Wurde er zu geräuschvoll, erhielt er einen liebevollen Klaps ans den Münd. Er quittierte darüber, indem er seiner Partnerin! durch feinen Kuß die Stricknadeln in Unordnung brachte.

Diese Idylle währte zwei, drei Monate. Noch 'immer haspelte Kajetan Garn ab, noch immer strickte Frau Maryanna! Strümpfe. Aber sie gähnte dabei und Käjetan verfiel in sausten Schlummer, er schnarchte sogar und jeden Klaps beanttMrtcte fer mit einem bärbeißigen Gebrn'mm.

Nach der Kreisstadt kam eine Schauspielertruppe.Das Leben für den Zaren" hätte sich Kajetan für sein Leben gern angesehen. Seine Anregung wies seine Frau aber mit den Worten zurück: fehlte mir gerade, da wirst du wieder in deine Jugendsünden zürückfälleu. Denn Schauspielerinnen sind auch dabei. . ."

Was gehen mich 'die Schauspielerinnen an," suchte er ans- zuweichen.

Früher sehr viel," gab sie gereizt zurück.

Was Mißt denn du?" brauste er aus.

Mehr als dir lieb ist," höhnte sie.

Ehedonnerwetter, Faustschläg aus den Tisch, Tränen, Nerven- dirfall, Weinkrämpfe, vierundzwanzig Stunden tödliches Schweigen. Verzeihungsbitte, Absolution. Aber der Stachel des Mißtrauens war in den beiderseitigen Herzen zurückgeblieben.

Diesem kleinen Scharmützel folgten bald größere Borposten- gefechte und schließlich Frontattacken.- Nach.einer für Frau Mary- mma günstig verlaufenen Schlacht forderte sie von Kajetan den Kassenschlüssel.

Hier hast dn das Ding," und klirrend lvarf er den Schlüssel ahf den Tisch,aus einer Kasse, in der nischt drin istz kann ich! Virch nischt herausnehmen."

Nischt. . ., nischt," zeterte Fran Maryanna,'n Dialekt

West du schon wie ein Muschis. Wenn in der Kasse nichts drin! rst, ust's deine «schuld. Du versumst und verlotterst ja alles, was tn der Wirtschast cinfommt."

Kajetan schnitt eine Grimasse: er hatte seit drei Wochen ausgerechnet drei Glas Dünnbier und die drei dazu gehöriges Wuttn getrunken. Er führte also schon ein menschenunwürdiges Da,em. Ec nahm die Flinte, ging hinaus und schoß, vor lauter Wut alles tot,- was zwischen Himmel und Erde einherflog, selbst die Spatzen schonte er nicht.

. J?'1? gesagtz die erste Wut. Die legte sich aber

im Verlauf der Jahre, Monate und Tage imd schließlich breitete sich der Schleier der Resignation über Kajetan.

Frau Maryanna machte ihm Vorwürfe, Kajetan schwieg.

Frau Maryanna räsonnierte, Kajetan schwieg weiter

Frau Maryanna tobte, spuckte Feuer und Flamme, wünschte sämtliches Erdenteck meilenweit weg von Kajetan, aber der blieb stumm wie zlvei Fische. Weder rückte noch rührte er sich: vollständig gefühllos!

In der Nachbarschaft hatte es sich schon herumgesprochen, daß Kajetan fest an der Ehetrippe gehalten wurde. Man lachte, man spottete, schließlich aber sand man die Sache ganz in der Ordnung. Es konnte diesem Sausewind gar nichts schaden, wenn er zur Ehrbarkeit und zu einem soliden Lebenswandel zwangs­weise angehalten wurde! Frau Maryanna herrschte, sie regierte im Hause. Wenn sie Kajetan 'mal unter vier Augen sich vor­nahm, hagelte es Schmeicheleien: Mensch ohne Grundsätze, zy­nischer Patron, leichtsinniger Verschwender, alter großer Nichts­nutz.

Nacht ward es um Kajetan Nacht!

Trr, eines Tages ein Lichtblick. Kajetans Rechtsanwalt! schrieb aus Warschau, daß dessen persönliches Erscheinen zu einem Termin durchaus notwendig sei. Frau Maryanna prüfte den Briefunischlag, studierte das Schreiben und fand alles in bester Ordnung.

Na schön," dekretierte sie,fahr nach 'Warschau, nimm deine Geschäfte wahr. Ich bewillige vier Tage Urlaub."

Ein Schein der Freude flog über Kajetan's Gesicht. Er legte; dasselbe aber sofort wieder in die ernstesten Falten, und heuchelte furchtbaren Trennungsschmerz. Aber er überheuchelte sich derart, daß Maryanna stutzig wurde. Sollte ihr Mann etwas planen, von dem sie keine Ahnung hatte? Aufpassen, das war das Beste, was sie jetzt tun konnte.

Und wie sie aufpaßte! Sogar die Schlafinütze setzte sie- jetan auf, dmnit sie sich überzeugen konnte, daß die Nachtwäsche feiltenKassiber" enthielt.

Da kam der Tag vor der Abreise.. Maryanna ging umher mit den Nygen gleich einem Luchse. Sie bemerkte denn auch, daß ihr Mann heut länger am Schreibtisch saß, als er sonst zu sitzen pflegte. Er arbeitete an einem Briefe. Tie Arbeit war bedenklich schwierig, denn er begann mit dem Schreiben, zerriß den Briefbogen, begann noch einmal und zerriß das Papier von Neuem.

Endlich ging's vorwärts. Er überflog den Brief noch ein­mal, kuvertierte ihn und schob ihn vorsichtig unter die Mappe.

Tas Alles hatte Frau Maryanna genau beobachtet und jetzt stürmte sie mit dem Rufe ins Zimmer:Kajetan, schnell das Gewehr znr Hand, ein Habicht will aus unseren Hühnerstall stoßen."

In Kajetan regte sich das Jägerblut, er nahm die Flinte, die immer schußbereit in der Ecke des Zimmers stand und eilte hinaus um aus den Habicht zu pürscheu.

Frau Maryanna stürzte nun selbst wie ein Habicht zum Schreibtisch, klappte die Mappe hoch und ergriff den Brief. Sie verbarg ihn unter der Schürze und ging in ihre Kenmate. Sie las den Umschlag: Frau Maryanna Klempecka, hm, er hatte einen Brief an seine eigene Frau geschrieben? Hastig ent­faltete sie das Blatt:

In der Seele geliebtes Weibchen!

Mit großem Schmerze teile ich Dir mit, daß ich in Warschau «och einige Tage verweilen muß. Den Rechtsanwalt habe ich leider noch nicht sprechen können, weil er über Land gefahrest ist. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich nach Dir bange, halb zu Tode habe ich mich bereits gelangweilt, denn ich ver­misse hier jede angenehme Gesellschaft. Mein ganzes Vergnügen besteht in stillem Gedenken an Dich. Sobald ich den Rechtsamoalt werde erwischt haben, eile ich in Deine Umarmungen zurück.

Dein Dich herzlichst liebender Gatie

Kajetan."

Während des Lesens färbte sich das Gesicht der Frau Ma­ryanna bald rot, bald blaß. Schließlich biß sie die Zähne fest zusammen, verwahrte den Bries und ging nach dem Hos hinunter, wo ihr Mann hinter dem Hühnerstall stand und vergeblich nach bc'm Habicht ausspähte. Maryanna schritt schweigend an dem! Jäger vorüber, fixierte ihn mit einem giftigen Blick unb ging bann hinüber nach den Ställen.

Kajetan erschrak ob dieser Begrüßung. Er ließ Habicht Habicht sein und suchte sein Zimmer auf. Er wollte seinen Koffer packen, da fiel ihm plötzlich der Brief ein. Er kramte und suchte, suchte und kramte .... Der Brief war spurlos verschwnude»! Eine Kerze, ein Licht, ein Gasometer, eine elektrische Zentralanlage stieg