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Die Pflastermeisterin.

Ronran von Alfred Bock.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

'Der Pfarrer, seit Jahren an die Ergießungen des pessimistischen Kantors gewöhnt, entließ diesen, ohne auf eine längere Unterhaltung einzugehen. Er wußte wohl, daß in dein Garten, zu dessen Hüter er bestellt war, mancher­lei Unkraut aufschoß: Kraft seines Amtes dies auszuroden, hatte er niemals den ernstlichen Versuch gemacht. Soweit es sich nut seiner Stellung vereinbaren ließ, war er be­müht, sich alles Unangenehme fern zu halten. Die großen und kleinen Skandale, die sich mit einer gewissen Regel­mäßigkeit im Weichbild des Städtchens abspielten, drangen daher selten bis! zu der Höhe, auf der er sich behaglich ein­gerichtet hätte. Und dennoch! Heute fühlte er sich ver­stimmt, und er verhehlte sich nicht, daß ihm das Schicksal der Pflastermeisterin nahe ging. Unter den Frauen seiner Gemeinde galt sie ihm als Borbild weiblicher Tugend und Tüchtigkeit. Für seine Schützlinge, die Stadtarmen, hatte er stets ein williges Ohr bei ihr gefunden. Ihr vor allem -hätte er nach dein Verlust des ersten Mannes in zweiter Ehe ein ruhiges Glück gewünscht. Um so schmerzlicher be­rührte es ihn, sie jetzt so gemein betrogen zu wissen. Auch gestand er sich, daß er sich bei dem jungen Meister, den er für einen gediegenen, soliden Handwerker gehalten, gründ­lich verrechnet habe. Bielleicht war die Frau in ihrem Harm noch der Roheit des Mannes preisgegeben. Es war seine Pflicht, ihr zu Hilfe zu kommen und das Mittler- ämt zu übernehmen. In dieser Erwägung wurde er durch den Besuch Friedmars unterbrochen. Der Meister, verlegen die Mütze hin und her wendend, suchte nach- einem einleitenden Wort, seist Erscheinen bei dem geistlichen Herrn Zu erklären. Der Pfarrer, der seine Befangenheit bemerkte, redete ihn zuerst an:

Was führt Sie zu mir?"

Herr Pfarrer, ich bin diesen Morgen vor Gericht ge­wesen."

Und da?"

Hab' ich acht Tag' gekriegt."

Das ist mir mitgeteilt ivorden."

Da weiß der Herr Pfarrer am End' schon, wie's zu- gegangen ist?"

Allerdings."

Jetzt möcht' ich mit dem Herr Pfarrer sprechen, ob Nnr der Herr Pfarrer Rat schaffen könnt'."

Rat" inwiefern?"'

,Kch möcht' loskommen."

Sie sind doch zu Recht verurteilt?"

Ei gewiß. So ist's nicht gemeint. Ich möcht' hält los von der Meisterin, meiner Frau."

Und da kommest Sie zu mir?" brauste der alte Herr auf.Haben Sie denn keinen Funken Schamgefühl?"

Mit Verlaub, Herr Pfarrer," sagte Friedmar mit Fre.i- uiut,nach meinem Sinn müßt' ich erschamen, wann ich das Mädchen int Stich ließ. Mein Leben hängt an derst Mädchen. Mer die Meisterin spricht, sie gäb mich nicht frei." 1

Der Pfarrer sprang von seinem Platz am Schreibtisch auf und nahm, die Hände auf dem Rücken, dicht vor Fried­mar Stellung.

Und da soll ich wohl Ihre Frau zur Nachgiebigkeit bestimmen?"

Ich hätte mich nicht unterstanden, zum Herr Pfarrer zu kommen. Aber ich weiß, der Herr Pfarrer ist ein gut­tätiger Mann."

Der alte Herr unterdrückte ein hartes Wort, das ihm auf der Zunge schwebte, durchmaß mit großen Schritten das Zimmer und blieb dann wieder vor Friedmar stehen.

Meister, ich muß es Ihnen sagen. Sie sind ein gott­vergessener Mensch. Nicht genug, daß Sie sich mit dem Mädchen eingelassen und ihre Frau hintergaugen haben, jetzt wollen Sie sich hier aus dem Staub machen und drüben in Dietkirchen das Verhältnis fortsetzen. Das wollen Sie doch?"

Ich gedenk' das Mädchen zu heiraten, Herr Pfarrer."

Sie denken, hm! Es ist wirklich traurig, was Sie für einen Begriff von der Heiligkeit der Ehe haben. Da geht man so zusammen, meinen sie, und läuft.wieder aus­einander, wie's einem gerade paßt. So weit sind wir, -Gott sei Dank, noch nicht. Und merken Sie sich das wohl. Menn sich Ihre Frau nicht von Ihnen trennen will, spricht Sie kein Gesetz Ihrer Pflicht gegen sie ledig, es sei denn der Tod."

Der Pfarrer machte eine Pause, nahm eine Prise und fuhr darauf fort:

Wie konnten Sie sich so schwer versündigen? Und was mich ani meisten empört, ich entdecke keine Spur von Reue in Ihnen, nur Trotz, lasterhaften Trotz. Seh'n Sie denn nicht, daß Sie mit aller Macht in den Abgrund! treiben? Meister, ich als Ihr Seelsorger ermahne Sie: machen Sie sich von diesem sträflichen Verhältnis frei, fangen Sie ein neues Leben au. Das kann ihnen an der Seite einer so braven, verständigen Fran nicht schwer werden. Sie sind noch! jung, eines Tages werden Sie einsehen, was Sie an dieser Frau haben. Eines Tages werden Sie ihr Dank wissen, daß sie es war, die sich nicht von Ihnen losqesagt hat. Wahrlich, sie hätte allen Grund dazu. Meister, hören Sie auf die Stimme Ihres Pfarrers. Kehren Sie jetzt nach Hans zurück und richten Sie Ihr zukünftiges Leben °so ein, daß Ihre Frau vergessen und verzeihen kann."

Während der würdige Herr mit aufrichtigem Bemühen auf Friedmar einzuwirken suchte, stand dieser kerzengerade und unbeweglich und verriet mit keiner Miene, lvas in ihm vorging. Nur als der Pfarrer ihm ankündigte, daß seine Ehe mit der Meisterin zu Recht bestehe, so lange