doch zuletzt meine Identität und nachdem ich meine Ge­danken und Gefühle an andern wiederholt gesehen hatte, erbaute ich mir allmählich meine Menschen- und Gottes­welt. Durch Lesen und Studieren habe ich gefunden, daß die andern Menschen es genau ebenso machen. Der Mensch sieht in sich selber hinein und findet mit der Zeit das Maß und die Bedeutung des Weltalls.

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C. K. Wie Beethoven taub wurde. Jir London ist kürzlich eine groß angelegte Lebensbeschreibung Beet­hovens von Alice H. Diehl erschienen, die eine Reihe kaum bekannter Tatsachep aus Leben und Schicksal des großen Meisters ins rechte Licht rückt. Die Mitteilungen der Ver­fasserin gehen zum Teil aus mündliche Ueberlieferungeu zurück. Wie Beethoven taub tourbe, erzählt sie nach den Mitteilungen des Engländers Charles Neate, dem von eng­lischen Musikfreunden der Auftrag geworden war, den be- rühmtsn Komponisten nach London einzuladen. Neate be­suchte Beethoven in Wien, und um ihn zu dec Reise zu über­reden, erwähnte er auch die Ueberlegeuheit der englischen Ohrenärzte, die viel weiter wären als die Mediziner des Festlandes und die ihm vielleicht Heilung verschaffen könnten. Beethoven schüttelte den Kops:Nein," sagte er,ich habe allerart Aerzte konsultiert und mich ihren Vorschriften und Mitteln unterworfen. Ich werde niemals geheilt wer­den. Ich will Ihnen erzählen, wie die Sache passierte. Ich schrieb gerade an einer Oper"Fidelio?" fragte Neate.Nein," antwortete Beethoven;es war nicht Fi­delio. Ich hatte damals mit einem sehr lästigen und launen­haften Tenor zu tun. Schon hatte ich 2 große Arien auf den­selben Text geschrieben, aber keine von beiden gefiel ihm, und ebenso ging es mit einer dritten, für die er beim ersten Ueberfliegen und Probieren auch nicht viel übrig zu haben schien, obwohl er sie mit sich nahm. Ich dankte dem Himmel, als ich mit ihm fertig war und wieder anfangen konnte, mich einer Sache zuzuwenden, die ich beiseite gelegt hatte. Ich hatte daran eine halbe Siunde tüchtig gearbeitet, als ich ein Klopfen tin meiner Tür hörte, das ich als das meines Tenors erkannte. Ich sprang in einer solchen Wut von meinem Tisch !auf, daß ich mich, als der Mann in das Zimmer trat, selbst auf den Boden warf, wie man's auf der Bühne macht" (dabei warf er die Arme in die Höhe und gestikulierte wild, um seine Unbändigkeit zu zeigen)aber ich fiel auf meine Hände. Als ich aufstand, fand ich, daß ich taub war, und ich bin es von diesem Augenblick an geblieben. Die Aerzte sagten, ich hätte die Nerven verletzt."

* Kindlicher Patriotismus. Hänschen hatte bei der Sedanfeier in der Schule außer der obligaten Brezel ein baumwollenes Schnupftuch erhalten, auf dem die Schlacht bei Sedan dargestellt war. Triumphierend kommt er damit nach Hause und läßt es auch von seiner 12 jährigen Schwester bewundern. Zum Schluß will er es gleich einweihen. Die Schwester aber reißt es ihm schnell weg und sagt:Aber, Hans, was denkst du denn, dieses Nastuch darfst du doch' nicht gebrauchen!" Hänschen aber ist damit nicht zufrieden, wenigstens will er dann selbst das Tuch in Verwahrung und Obhut nehmen. Als die besorgte Schwester es ihm jedoch nicht wieder aushändigen will, macht er ein höchst betrübtes Gesicht und bald rollen ihm ein paar dicke Tränen über die Pausbacken. Da wird Schwesterlein gerührt und gibt ihm das Tuch zurück mit den Worten.:Gut, hier hast du ds; du darfst es meinetwegen auch benutzen, aber nur da, wo die Franzosen stehen!" hb.

* Der zerstreute Professor. Ein wegen seiner großen Zerstreutheit berühmter Professor steckte unlängst früh beim Ausstehen seine Taschenuhr aus Versehen in die rechte anstatt in die linke Westentasche. Als er nun in der Schule aus die Uhr schauen wollte, griff er wie gewöhnlich in die linke anstatt in die rechte Westentasche, aus der ein Bleistift zum Vorschein kam.Krieger," sagte der Herr Professor nach kurzem Bedenken zu seinem Lieblingsschüler, gehen Cie schnell in meine Wohnung und holen Sie meine. Uhr! Sie muß noch auf bem Nachttisch liegen." Damr griff er in bie rechte Westentasche, zog die Uhr hervor und Mach:Jdtzt ist es acht Uhr dreißig; um acht Uhr vierzig rönnen Sie wieder da sein."--Sehr einfach. Bauer:

Jetzt, Herr Justizrat, möcht' i' do gern wissen, tote die

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G'schicht' mit dem neuen G'setz is, wo der Tierhalter für sein Vieh haftbar is! Was versteht ma' denn eigentli' unter Tierhalter?" Justizrat:Das ist sehr einfach, mein Lieber! Tierhalter ist derjenige, der die Gewalt des! Tieres, von dessen Standpunkt aus, der auf Grund der von ihm erkannten oder der exante bei normaler Einsicht und Umsicht erkennbaren Bedingungen sich als eine Realisierung der Tiergefahr darstellende Anfangerfolg adäquat verursacht erscheint!"- Unter Freundinnen.Einen wunder­schönen Hut haben Sie, beste Freundin; der gefällt mir wirklich von Jahr zu Jahr besser!" (Flieg. Bl.")

(ipc.) Wie die Chinesen die Welt sehen. Ein Weltreisender, dem es durch ganz besondere Protektion gelang, auch in den Kaiserpalast von Peking zu gelangen, entwirft eine sonderbare Schilderung von einer chinesischen' Weltkarte, die er dort zu Gesicht bekommen hat. Aus dieser Karte kann man sich ungefähr eine Vorstellung machen, welche Ansicht die Chinesen von der Welt haben. Die Karte? ist ungefähr sechzig Zentimeter breit und einen Meter lang. In der linken oberen Ecke ist ein Meer ersichtlich, das un­gefähr einen Quadratdezimeter groß ist. In diesem ist als' eine sehr kleine Insel Europa eingezeichnet. In Europa; liegen dann England, Frankreich, Deutschland, Holland und Portugal, sowie Afrika und sämtliche Länder sind ungefähr von gleicher Größe. Am größten ist Holland, am kleinsten; Afrika. Dann ist noch Rußland zu sehen, daß die nord­östliche Grenze von China bildet und die übrige Fläche der Karte bedeckt fast vollständig China, während für Amerika; noch ungefähr gerade soviel Platz bleibt, wie für Japan.

* Iu der Sommerfrische. Dame (zum Wirt):Ach) ist bas ein langweiliges Nest, da gibt es ja gar keine Abwechs­lung."Aber ich bitt' S', gnä' Frau, wir haben jetzt doch jeden) Tag ein anderes Wetter!"

Literarisches.

Der Guckkasten. Paul Keller, der bekannte Ro­manschriftsteller, gibt unter dem TitelDer Guckkasten"- eine buntillustrierte Wochenschrift für Humor, Kunst und Leben heraus, von der uns das erste prächtig ausgestattete Heft vorliegt. Das im besten Sinne moderne Blatt ist aus der bekannten humoristischen ZeitschriftDie Lustige Woche" hervorgegangen und zeigt wie Paul Keller in feinem gemütvollen Vorwart selbst sagt: Humor und Leid, Kari­katur und ernstes Menschen- und Landschaftsbild, Begeiste­rung und Spott, das flache Leben und die blauen Berge des Sehnsuchtslandes." Als Mitarbeiter der gediegenen Zeit­schrift, deren kerniger und gesunder Humor auch für die Familie geeignet erscheint, finden wir unsere besten Schrift­steller und ersten Maler. Die zum Teil in Vierfarbendruck gehaltenen Reproduktionen sind mustergültig ausgeführt.

Rätsel.

Die erste Silbe ist ein Ruf, Der überall gemein;

Bald drückt er Ueberraschung aus, Bald Freude oder Pein.

Fügst du ihr noch ein Zeichen zu,

Nennt sie dir eine Kraft, Die, Forschern der Natur bekannt. Geheimnisvolles schafft.

Ein Zeichen mehr, hast du ein Lied,

Im Altertum gepflegt, Tas in der Dichtung hohem Schwung Dich zu den Sternen trägt.

Ein Zeichen noch hinzugesetft Lästt dich nach Osten schauen; Dort zeigt des Wortes Silberband Dir schöne deutsche Gauen.

Wenn dir, mein lieber Rätselfreund,

Dein Raten nicht gerät, So wisse, daß in dem Gedicht Das Wort schon einmal steht.

A. Ammann.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: H i r n g e s p i n n st.

Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.