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1908 — Nr. N
HelMuiK Von LonlLN. ,
Romän^von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) \
(Fortsetzung.)
sagte er, „ich komme. Ich werde mir in Berlin daS ^^Tas lvird schon möglich sein und ich will vir sie öffnete ihre .Handtasche und kramte schon ganz gescha^g Nähzeug und ein Stink Trauerflor heraus, „stehst du! Halte mal hptt beT, icb bette btt b*(i3 ein. , .
hielt den Arm ausgestreckt und sah schweigend zu, wie sie mit geschickten Fingern (Mutierte und ihm einen glatten schivarzen Streifen auf dem hellgrauen Tuch befestigte Tabei füllten fcch ibre gutherzigen Augen mit Tranen, wahrend sie lächelte.
' Tu böser, schlechter Mensch," sagte sie klagend, „eben wo ich wieder etwas für dich hut kann, sühleuch so recht, wie^wuiend ick auf dich bin! — Ten .Kopf könnte ich dir abrerßen.
Wäre noch nicht das Dümmste.
"Redet keinen Unsinn," knurrte Rccknitz, „seinen Kvpf wird er wohl noch brauchen, um sich eine neue Existenz zu schassen und wo? wenn man fragen darf?" — , . ,, m A ik
Nun kam auch das wieder zur Sprache, und obwohl Reckrntz dabei hoch aufhvrchte und sich lebhaft für Loysens Plan zu en- teresstereu begann, konnte er es doch nicht lassen, anzuicutc , > ß er in dieser Verbannung eine gerechte ©träte für leine Jh] etn chh" wurde auch dies Gespräch zu einer nerv^aufreibenden Marter Keines von beiden erwähnte Rothawe mit einem Wort, ja cs war, a!s zürnten sie den Haides, daß sie "ufgemumnei und damit diese Heirat gleichsam sanktioniert batten. Und wenn Marie mehr und mehr den fast mütterlich zärtlichen Lon früherer Tage wird-rsand, so blieb er ihr doch der unartige Knabe, der leine Schüte kriegt und dann wieder geliebkvst wirb, weil man L nun mal lieb hat. Aber ein Bubenstreich blieb ihr, was ihm Gewisseuspflickt gewesen war.
Als sie Berlin erreichten, trennte man sich. Loch.n war «j elnaekallen daß er seinen schwarzen Trauungsanzug bei seinem LS Ä- i»UU. w„ bkSm.l M °i»k°> »---.»UI- «w6t S'l'i»*'“» firinneit und suchte dann noch einen Notar aus, >0 0-18 er men nitzeus erst am nächsten Vormittag auf dem Bahnhof wiedersah Tie Talrt ging nach Rotthofen, der Dobrau am nächsten liegenden Haltestelle. Loysen war während der Fahrt sehr schweigsamgewesen. Tie Gewißheit, das; das Regiment ^i der Feier sta vertreten sein würde, drängte sich ihm auf. Daran hatte er noch aar nicht so recht gedacht. Aber es hals nun nichts, er mutzte durch. Als der Zug hielt, entstiegen ihm ^/AaiintsckMft Berliner Trauergäste, lauter Herren aus Twßens Bekatint,chast ,,ud frtff nfte aml> Loysen bekannt. Ta war auch Nicht Liner, der ihn nicht mit gespannter Miene begrüßt hätte- Einige verhielten sich zurückhaltend, anderen, stand neugieriges Forschen, ra ~ > lustigung unverhohlen im> Gesicht. — Tr
Man bestieg die bereitstehenden Wagen nndsuhr nach Dobrmi. Loysen saß mit drei dieser Herren zusammen. Man sprach wahr end
Miiwsch dm 25. MarZ^
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ber Fahrt fast immer von „diesem famosen Kerl, dem armen, guten Troß", on welchem die Tugenden plötzlich aussproßten tote &&. Trotz dieses Gesprächsthemas fühlte ich LoYsm aber doch als Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Als er sich einmal räusperte, fuhren alle Kopfe herum. Man dachte, er habe etivas sagen wollen.
In Tiobrau war im alten Schloßhof der volle Mrauerpomp entsaltet. Tor Sarg stand unter dem offenen Schloßportal, von Kandelabern und Palmen umgeben. Eine Gruppe Damen tu tief em! Sckswarz, denen sich Marie Anne zugesellte, blieb sehr m der Minderzahl gegen die Menge der anwesenden Herren, ^dsen stellte sich neben Recknitz auf die Seite der Verlvandtsthaft, und so hatte e die ganze Zeit, während der Geistliche sprach, den.Anblick btt vielen weißleuchtenden Uniformen vor sich, em Anblick, der ihm am Herzen riß.
Auch sie, mit denen er einst sein Leben geteilt, sahen zu rypßiiher nicht mit belustigter Neugier, sondern mit unver- bobl-nem Bedauern — es streifte an Mitleid. Da war vor ntient Sch^adewitz, dessen häßliches, ehrliches G-stuht deutlich auSdruckw: Armer Kerl, das hast du nun davon! Wie konntest du. Uber ich bleibe dir trotzdem gut! —
Dies „trotzdem" las er noch in vielen Gesichier>t, esstel als bitterer Tropfe» zu allem, was seinen Leidenskelch füllte. Wieder mußte er an Wilhelm und Edeltraut denken, und eine heiße Dankbarkeit erfüllte ihn. , . ,, . ...
Baronin Anne Marie Troß saß regungslos allein sur sich zwischen all den Palmen und Orangenbäumen zu Haupren deS Sarges. In ihrer tiefen Trauer mitt dem verhüllenden Schleier sah sie unendlich schmal aus. Sie hielt sich steil, und ihre lange» weißen Hände lagen gefaltet im Schoß. Trotz Schleier- sah mau, daß ihr Gesicht infolge der anstrengenden Pflege kalkweiß und abgespannt aussah. Sie weinte nicht und noch W» heuchelte sie einen Seelenschmerz, den sie nicht empfand, twpd.m sand Loysen heute zum erstenmal, daß ihr Ausdruck etivas Rührendes habe. Woran es lag, wäre schwer zii sagen gewesen aber es zog ihn mächtig zu ihr hin, ihr em Wort der bi^eillchen Liebe auszusprechen. Doch kaum hatte der Geistliche die Cm- seguung beendet, so war Anne Marie verschwunden. 3u8 setzte sich nun nach dem Familienbegräbnis im Part tu Bcivegung. stier stand eine Kapelle, in welcher, da Dobrau keine Kirche hatte, manchmal Gottesdienst gehalten wuÄe. Neben der Ka^lle, von einem eisernen Gitter umfriedet, betandeu sich d-e meist piiine vollen Grabdenkmale von zwei Generationen der »amiue^ro^ Hier ward der letzte der Lime Troß-Tobrau etngefcnkt ein nutzlos Reis am alten Baum- . . ,, .
" Als alles vorüber und die letzten Blumen in dw unift a«> streut waren, erblickte Loysen Anne Marie wieder. Sie war doch lncr stand vor der Kapelle und nahm die Kondolenzen aller Trauergäste entgegen. Es widerstrebte ihm, mitten in diese leeren Phrasen hineinzukommen mit seinen 'S
ntio hielt er ihr nur stumm d.e Hand hni. Sie schrak leicht zu sammen Fast war es, als wolle sie seine Hand ignorieren, aber in ihrer instinktiven Abneigung gegen rede Szene erwiderte 1 e , doch den Händedruck, ja, als sie ihn nun ansah, wandelte sich die


