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dies das Wiedersehen, auf das sie alle die Jahre gewartet hatte wie auf den Messias?

Sie betastet sich, sie befühlt ihre Hände, sie greift zum Gebetbuch. War das nicht ein böser Traum, der sie geäfft hat? Aber nein, da liegen ja die verschmähten Papiere.

Müde, ach Gott, sv müde sinkt sie in ihren Sessel. So sitzt sie sinnend zusammengekauert, als die Hausfrau, durch Neugierde getrieben, kommt, um zu fragen, was der feine Herr bei ihr gewollt habe.

Elle hatte ihrem Sohn kein Versprechen gegeben; aber auch jetzt noch siegt die unendliche Mutterliebe und müh- sam nach Fassung ringend, erzählt sie, es sei ein guter Freund ihres Sally gewesen, der ihr dessen Tod mitgeteilt habe.

Sie log nicht, für sie war der Lebende tot.

Erst mit Tagesgrauen suchte sie ihr Laaer ftitf. Als am anderen Morgen die Glaubensgenossen kamen, um sie zu trösten, erzählte sie jedem in ruhigem, gleichmäßigem Tone, ihr Sally sei gestorben. Aber nachts, wenn sie allein war, kain der Schmerz mit erneuter, elementarer Gewalt über sie und die Tränen flössen unaufhörlich.

Was ist die Elle doch zusammengegangen seit der Todes­nachricht ihres Sohnes, sagen die Nachbarn und helfen mit­leidig in ihrem Haushalt.

Nach einigen Wochen kam der Vorsteher der israelitischen Gemeinde und teilte ihr mit, ein Bankhaus sei beauftragt, ihr eine Monatsrate von 100 Mark auszuzahlen. Elle lehnt dankend ab. Sie habe genug auf ihre alten Tage. In dem Kasten liege ihr Vermögen, das sie der Gemeinde hinterlasse.

Der Sommer kam wieder ins Land. Elle wurde mit jedem Tag elender. Den inneren Gram über die Lieblosig­keit ihres Kindes sowie über die Vernichtung all ihrer Hoffnungen konnte sie nicht überwinden.

Die .Herbstfeiertage sind da. Elle ist schwach und hin­fällig geworden. Arn langen Tag ist es ihr erbärmlich schlecht; aber nichts und niemand kann sie bewegen, etwas zu sich zrr nehmen.

Als arn anderen Morgen die Aufwartefrau ins Zimmer tritt, sitzt sie tot in ihrem Lehnstuhl. Sie ist gestorben und hat das Geheimnis mit ins Grab genommerr.

Niemand verrnutet, daß der große Künstler, der Lorbeer And Ruhm auf Ruhm erntet, der Sohn der alten Elle ist.

Nur der Küsterssohn hats vermutet und mir erzählt.

* Ein Zeichen der Zeit. Daß das Studium eines gelehrten Berufes nicht immer am einträglichsten ist, dürfte eine weltbekannte Tatsache sein. In Paris sind laut polizei­licher Statistik unter den Droschkenkutschern zwei Mediziner, ein Rechtsanwalt und ein Hochbauingenieur zu finden. In einem vielgelesenen Blatte der Stadt Sussex in England war folgende Annonce zu finden: Rechtsanwalt, 28 Jahre, sucht irgendeine Beschäftigung; beste Zeugnisse; erwünschtes Ge­halt 15 Schilling wöchentlich.

' Aus dem Leben Henry Irvings. Der verstor­bene Großmeister der englischen Bühne, Henry Irving, erhält nun ein literarisches Denkmal in dem soeben erschienenen zwei­bändigen Werke voll Austin Brereton, das alsBiographische Skizze" bezeichnet ist, aber in der liebevollen Kleinmalerei ein­zelner Erinnerungen eher ein allzuweit ausgeführtes Gemälde dar­stellen könnte. Irving stammte aus einer alteingesessenen Bauern- familie, und von einemgottvergessenen kleinen Dorf" in Somer- setshire führte sein Weg nach London, aus unbekannter Einsam­keit und Stille zu Ruhm und Glanz. Kein größerer Gegensatz als feilt unglückseliges erstes Auftreten in der Rolle des Cleomenes inWinterlnärchen" mit achtzehn Jahren iin September 1856, als erin der Aufregung völlig seine Worte vergaß, die ganze letzte Szene umwari und unter wildem Zischen von der Bühne stürzen mußte", und dem 13. Oktober 1905, da er zum letzten Male, umbraust von Beifallsjubel, als Thomas Becket die Worte sprach:In deine Hände, o .Herr, in deine Hände!" In den erstell 2Va Jahren seiner Bühnenlaufbahn hat Irving die er­staunliche Zahl von 428 Rollen bewältigt. Bon 1860 bis 1866 fügte er seinem Repertoire -160 weitere Charaktere ein, und in Loudon hat er dann 83 neue Rollen geschaffen, so daß die Ge­samtzahl der von ihm dargestellten Dichtergestalten sich auf 671 beläuft. Garrick hatte tu seinem ganzen Repertoire nur 93 Rollen. Irving wurde bald ein beliebter Schauspieler, aber seine Gage blieb lange Zeit sehr dürftig. Wie das Publikum scholl damals an ihnl hing, davon hat er selbst gern erzählt: In Sheffield warf mir eines Abends in der Hochsaison ein Mann

voll der Galerie eilt paar Vögel airf die Vübne mit einem Zettel» auf dem in steifen Buchstaben unbehUfliche Worte des Dankes standen, und einer aus dem Parterre beschenkte mich mit einem- Mess.r, das er selbst verfertigt hatte." Damals bekam Irving 60 Mk. die Woche, wovon er 30 Mk. seinem Vater abgab, so daß er schwer mit der Not des Lebens zu kämpfen hatte. Der Ruhm kam langsam. Es dauerte noch lange, bevor ihn .Wnigi» Vik­toria zum Ritter schlug. Selbst in feiner Blütezeit tadelte man ihn wegen seinerManieriertheit". Viele große Schauspieler haben ja ihre persönlichen Eigenarteil uild Unarten.Garrick spuckte, Edmond Kenn krächzte wie eilt Rabe, Kemblc hatte chronisches Asthma und sprach im Hohen Falsett, Alacready stotterte und grunzte, Holland schnaufte, Burke stolperte über seine spindel­dürren Beine" aber sic alle erweckten Begeisterung, und so war es auch bei Irving. Die Einnahmen, die Irving voll 1878 bis 1905 gehabt hat, berechnet Brereton folgendermaßen: in London 24 430 000 Mk., in Amerika 1422 000 Mk., in den Provinzen Großbritanniens 659000 Mk., int ganzen 26 511009 Mark.

* Der eifrigeAnsichtskarten schreibet. Herr (der eine Rundreise gemacht):Jetzt bin ich schon acht Tage daheim . . . ich kann esseil und trinken, was ich will . . . ich schniecke nvchi immer nichts anderes als Briefmarken!"

Aus denFliegenden".

Gsrneinnütziges.

Wasch lederne .Handschuhe reinigt matt fol­gendermaßen. Man füllt eine Waschschüssel mit lauwnrment Wasser, fügt einen Eierbecher voll Stearinöl, ebensoviel Salmiakgeist hinzu und rührt diese Mischuug mit der Hand durch, bis sie schäumt. Nun zieht man die Handschuhe an und wäscht sie, bis sie sauber sind. Dann werden sie leicht ausgedrückt und zum Trocknen aufgehäugt. Ist dies ge­schehen, reibt man sie weich und zieht sie einmal über die Hand. __________

Literarisches.

Künstlerische Modellierbogen. Um die häusliche Beschäftigung unserer Knabetr bildend zu gestalten» hat die Firma B. G. Teubner ein Preisausschreiben für künst­lerische Modellierbogen erlassen. Weit über 100 Entwürfe, viele von anerkannten Kunstmalern und Architekten stam­mend, gingen eht und wurden von den Preisrichtern, zu denen u. a. Direktor Goerke-Berlin, Oberbaurat Schmidt- Dresden, Professor Steinhausen-Cassel gehörten, eingehend geprüft. Nur die in jeder Richtung einwandfreien Aus­führungen wurden zur Vervielfältigung empfohlen. Sa ergaben sich folgende Gegenstände zur Weiterführung deN Unternehmens: Die K o g e l v u r g b e i V o l k m a r s e n als typisches Beispiel einer mittelalterlichen Schutz- und Trutz­stätte, eine niedersächsisch eDorfkirche nebst denk dazu gehörigen Bauernhaus als Beispiel für echte Volks­kunst, ein rumänisches Bauerngehöft, das die Eigentümlichkeit eines fremdländischen Lebens recht plastisch vor Augen führt. Außer den genannten tvurden folgende völlig neuartigen Modellierbogen für die Kleineren preis­gekrönt: ein zu humoristischer Betätigung einladendes! Schatteutheater, ein lebensvoller Krammarkt, sowie ein Bild aus Häusel uud Gretel. Außer den ausgezeichneten Gegenständen werden noch ausgeführt eine P f a h l b a u a n s i e d e lu n g, ein a l t w e n d i s ch e r B a u-^ e r n h o f, soivie eht Bahnhvfgebäude einer Kleinbahn, Die neue Reihe wird in tadelloser Ausführung auf starken^ holzfreiem Karton erscheinen.

Berkvandlungs-Rätfel.

Herd Ruck Bemio Werk MauS Och 2 Tigel.

Jedes dieser Wörter ist dadurch in ein anderes zu verwandel«) daß sowohl der Anfangs- als auch der Endbuchstabe geändert werden, z. B. Hals in Waid, Schaf in Achat. Die Anfangs- und Endbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben zufammen eia Sprichwort.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuz- und Querräiscis in vor. Nummer: le ne fier den

Leb en, Sterben, Lene, Nester, Sterne,

Redaktion: E- Anderson. Rotationsdruck und Sietlaa bei Brüdl'sche» Unwerlüälg-Buch» und Stetudtuckeret» R. Lange, Gieße«.