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dein Kloster Hersseld Güter in Pago Wedrebense in loco qui dicitur Hoinge. Nach dem breviarium (Güterverzeichnis) Lulli besäst Hersseld 786 schon 40 Haben nnd 28 mansus (Höfe) in Villa Houngim. Gleichzeitig erwarb auch das Kloster Lorsch umfangreiche Ländereien dortselbst. Tas älteste Hnngcn lag wohl ans der Höhe, wo heute Schloß und Kirche stehen. Der sanfte Abhang nach der Horloff (= Sumpswasser), die hier in leichtern Bogen herumfließt, bietet einen natürlichen Schutz. Die Bogtei (Gerichtsbarkeit) in der Hungener Mark hatte Hers­feld, wie cS scheint, denerr von Münzenberg übertragen. Da­durch jedenfalls kanr Hungen während des 12. Jahrhunderts in den Besitz dieser Herren. Das Amt des Meiers (Rentmeisters) über den hersfeldischen Fronhof zu Hungen wurde während des 13. Jahrhunderts in Zeitpacht gegeben, war aber schon 1390 ein Lehen der Herren von. Bellersheim. Kircheupolitisch gehörte Hungen zum Archidiakonat St. Maria ad gradus in Mainz, insbesondere zum Dekanat Friedberg. Tochterkirchen der Hungener Pfarrkirche waren die in Willingen, Non­ne n r o d, Mestfelden (ausgegaugen), alle mit eigenen Ple- banen (Läutpriestern), und eine Kapelle in Langsdorf.

Bestimmtes über die Entstehungszeit der Hungener Kirche läßt sich nicht sagen. 1183 kommt eilt Lubrant cleri- cus de Höhungen vor. Ter Turm weist als ältester Teil der Kirche unten noch romanischen Stil auf und die jetzt in seinem Innern freigelegten Malereien gehen wohl bis ins 13. Jahr­hundert zurück. Tie Kirche selbst wird 1286 als ecclesia ibidem erwähnt. Im Laufe der Zeit brachte sie es zu drei Altären, die der Jungfrau Maria (gegr. 1382), der hl. Katharina (gegr. 1405) und dem hl. Sebastian geweiht waren.

Mit dem Tode Ulrichs II. von Münzenberg 1255 ging Hungen an das Haus Falkenstein über. Wenn anch Abt Jo­hann nnd Konvent zu Hersfeld 1345 der Cistercieuserabtei Arnsburg gestattetenin terminis inrisdictjonis nostre Hö­hungen" Erwerbungen zu machen, so hatte Hersfeld doch da­mals kaum noch einen unmittelbaren Besitz dort. Hungen muß sich inzwischen zu einem ziemlich bedeutenden Ort ent­wickelt haben. Tenn 1361 erhielt Agnes von Falkenstein von Karl IV. das Recht, Hungen zu einer Stadt zu machen, mit Freiheit, Halsgericht und Markt. Aehnlich wie Homberg an der Ohm hat auch Hungen neben seinem Wahrzeichen den Wappenschild seines Herrn. Hungen führt in weißem Feld einen sogenannten Wasserturm mit ze einem Erkertürmchen rechts und links; darunter liegt der schräg gestellte münzen- bergisch-falkenstcinsche Schild, oben rot, unten gold. Tie Burg von Hungen wird nicht vor 1383 erwähnt, wo deren Besitzer Philipp VIII. von Falkenstein ist.

Ohne Frage hängt das rasche Aufblühen von Hungen in diesen Jahren damit zusammen, daß die Bevölkerung der zahl­reichen Torfschaften ringsum unter dent Truck des immer mehr um sich greifenden Fehdewesens nach der naheliegenden festen Stadt answaudcrte. Ende des 14. und anfangs des 15. Jahr­hunderts verstummt nämlich plötzlich jede Nachricht von fol­genden Orten, die allesamt zur engsten Nachbarschaft von Hungen gehörten: Fellheim, Meßfelden, Rehinburn, Zelle, Grast, Weitershausen und Nordenhausen. Tatsächlich war man zu jener Zeit auf deut flachen Lande seines Lebens nicht mehr sicher. Tie ritterlichen Raufbolde kehrten mit ihren Händeln jede Ordnung_ um. Allenthalben in der Wetterau gab es ezwepunge, erlege und irrunge". Auf allenstraszen mürben Kauflude, pilgeryn und andere lute, geistliche und werutliche beraubet und beschediget". Deshalb forderte denn König Rup­recht 1405 die Stadt Friedberg neben anderen auf, sich an einem Zug gegen die Straßenränder in der Wetterau zu beteiligen. Tie Friedberger sollten dabei auchire großen büßen myde- furett, mit Pulver, steinen und andern gezuge". Die schnelle Entwickelung Hungens im 14. Jahrhundert war außerdem durch seine günstige Lage an der großen Handelsstraße bedingt, die aus Norddeutschland über Grünberg und Friedberg durch die Wctterau nach Frankfurt führte. So hatten Kölner Kaufleute 1399 auf der Reife von Lübeck nach Frankfurt zuletzt in Hungen und Friedberg Halt gemacht. Für das Bild, das man sich von dem Aussehen Hungens zu Anfang des 15. Jahrhunderts zu machen hat, liegt vielleicht auch darin ein Anhaltspunkt, daß hier 1419 ein Tag zwischen Herzog Otto von Brauu- schweig und Landgraf Ludwig stattfand. Am 3. Oktober 1403 hatte Philipp VIII. von Falkcnstein und Münzenberg von Abt Hermann zu Hersfeld und dem dortigen Stift deren letzten Rechte zu Hungen aufgekauft. Den 21. Januar 1404 be­scheinigte das Kloster Hersfeld den Empfang des Kaufgeldes und am 1. Februar 1405 trug Papst Jnnocenz VII. dem Dechanten zu Wetzlar. auf, diesen Verkauf zu untersuchen und A)m daun die päpstliche Genehmigung zu erteilen. 1407 starb Philipp VIII. von Falkenstein kinderlos und 1418 erlosch sogar der ganze Falkensteinsche Mannesstamm mit dem Hinscheidett des Erzbischofs .Werner III. von Trier. Bei der nun endlich am 28. Mai 1420 erfolgten Teilung der falkensteiuschcn Erbschaft ftel u. a. Hungen den Grafen Bernhard II. und Johannes

Solms zu. Ihre Mutter Agnes war eine Tochter Phi­lipps VIII. von Falkenstein und Gemahlin des Grafen Otto I. zu Solms (1409 f). Durch weitere Verträge zwischen den Brüdern Bernhard II. (f 1459) und Johannes wurde dann

.Hungen ersterem überwiesen (16. Nov. 1432). Dieser ließ 14541456 die Burg in Hungen neu erbauen. Sein Sohn Otto II. (14591504) erwirkte für Hungen 1469 bei Kaiser Friedrich III. und 1494 bei Kaiser Maximilian I. Markb- privilegien. Ottos II. Nachfolger, der ihm 1468 geborene Graf Bernhard III. (t 1547), feierte 1492 unter großer Prächtenk- faltung seine Vermählung in Hungen. Ursprünglich war Braun­fels dafür in Aussicht genommen. Da aber die auswärtigen! Gäste allein 1400 Pferde mitgebracht hatten, mußte man sich wohl oder übel noch nachträglich anders bequemen. Mehrere große herrschaftliche Gebäude neben dem Schloß in Hungen ermög­lichten ein Unterkommen. Tie Festlichkeiten dauerten 14 Tage.

Und nun zur Reformation.

Am 29. April 1521 berührte Luth e r aus seiner Rück­reise vom Wormser Reichstag Hungen. Es acht das aus einer kurzen Mitteilung hervor, die er an diesem Tag früh Morgens von Friedberg aus an seinen Freund Spalatin sandte: dieselbe besagt, daß er heute nach Grünberg reise. Worms hatte er Freitag, 26. April,um 10 Uhr vor Mittag" verlassen und warnoch desselbigcn Tages gen Oppenheim gefahren". Noch zu Lebzeiten Bcrithards III. von Solms-Braunfels traten viele Geistliche der Grafschaft zur neuen Lehre über. Sein ©olm' und Mitregent Gras Philipp (1581 t) war ihr eifriger Förderer. Als Lehnsmann von Hessen hatte er Philipp den Großmütigen im schmalkaldischen Krieg mit Truppen unterstützt, fügte sich, wie allerwarts die Protestanten, nur notgedrungeti dem Augs­burger Interim (Mai 1548) und trat, als die Verhältnisse sich günstiger gestalteten, offen zur lutherischen Kirche über. Ein solmsisever Rat war es auch, Johann Lieblich von Kröffel­bach, der 1555 zu Augsburg namens der wetterauischen Grafen freie Religionsübung verlangte. 1558 fand auf Veranlassung von Graf Philipp im solms-braunfelsischen Gebiet die erste Kirchen­visitation statt. Als kluger Kopf wußte Philipp dem neuen Zeitgeist durchaus Rechnung zu tragen und hob für seine Unter­tanen die Leibeigenschaft auf. Bis ms 19. Jahrhundert hinein wurde dieser Tag gefeiert (am 13. August jeden Jahres). Graf Philipp hielt, sich mit Vorliebe in Hungen auf. 1572 vergrößerte er das dortige Schloß, indem er mehrere alte Gebäude nieder­reißen und durch einen ansehnlichen Bau ersetzen ließ. Hier starb er auch 1581 nach segensreicher Regierung (1545 Wald­ordnung, 1571 Gerichtsordnung und Landrecht, 1578 svlmfisches Hausgesetz) hoch betagt im Alter von 87 Jahren. Während der Regierung seines Sohnes .Konrad (158192) wurde im solms- braunfelsischen Land das lutherische Bekenntnis durch dos re­formierte ersetzt (158387). Den Anstoß hierzu gaben die engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Oraniern «Nassau- Tilleuburg). Die reformierte Lehre in Solms-Braunfels witrde durchToctor Olivianus" (Oelmamt) eingeführt. Olivianus starb 1587 als Professor tu Heidelberg und ist neben UrsinuS Ver­fasser des Heidelberger Katechismus. Dem letzten Willett ihres Vaters entsprechend feilten die Söhne Konrads (1592 j) am 10. Juni 1602 das väterliche Erbe. Jvhamt Albrecht I. erhielt die Aemter Braunfels und Gambach, Wilhelm I. bekam Greifen­stein und Wölfersheim und Otto (der Jüttgere") das Amt Hungen. Unter Ottos Leitung wurde die Stadtkirche zu Hungen neu erbaut (Schiff), ferner das jetzige Rentamtsgebäude im öst­lichen Schloßhof (Kanzleibau" undKtttschenhans") undDie beiden schönen Säle" im Schloß. Zudem legte Otto neue Gärten an und versuchte unter bedeutenden Kosten das Wasser ans dem Westfelder Bruntten nach Huttgett zu leiten, weil dort kein gutes Trinkwasser zu haben war.

1605 wurde Hungen von der P e st heimgesucht. Die Hun-> gener Stadtrechnung gibt davon Nachricht.4 fl. in die Apothek zu Frankfurt vor Arznei als es hier gestorben." Ta es zu dieser Zeit in Friedberg schon 3 Apotheken gab, handelt es sich hier wohl um Geheimmittel. Weiter besagt die Hungener Stadt- rechnmig von 1605:1 fl. 3 th. als der Rhat benebeu dem Pfarherrn Ordttmng gemacht ivegen der Krancken."1 fl. 8 th. 14 Pf. als die Todtengräber gedingt worden."

Nicht unerwähnt bleiben dürfen hier die Briefe eines Mar­burger Studenten aus Hrntgen 16061611. (Z. d. v. I. Hess. Gesch. u. Lltdeskde. N. F. Bd. XXIII.) Neben ihrer Wichtig­keit für die Geschichte des höheren Schulwesens sind sie auch kulturgeschichtlich recht ergiebig und geben manchen Aufschluß über Hungener Verhältnisse. Schreiber der Briese ist Joannes Eber- hardns Fabrieius Hoingensis Wedderavns (Johann Schmidt). Als Ämptmann zu Höingen geriet er später mit Pfarrer Johannes Cerviuus (Hirsch) zu Wetterfeld, dem Verfasser der Wetierselder Chronik, hart hintereinander (Wetters. Ehr. S. 5254). 1608 (27. Okt.) trat 'Hungen das Recht des öffentlichen Weinfchanks an Otto ab. Dafür wollte Otto dieErneuerung undt Erhal­tung gemeiner Statt undt Burgerschafft Beuw an Mauren, Pfortten, Wegen, Stegen, Brücken rc. anstellen und ausz' feinen Rentten die Vorlag leistem Tie Burger aber, Einloufftige undt ackerleutt, sollten darbest die gemeine Dienst nach iedes gebür thun." Graf Otto zu Solms-Hungen fiel am 23. Juni 1610 in einem nächtlichen Scharmützel vor Mölsheim j. Elsaß, wohin er von Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz im Verlauf des jül.- clev. Erbfolgestreites geschickt worden war, um die Protestanten, vor den Gewalttätigkeiten des dort von Erzherzog Leopold