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von Stund' An zu der wetnigen. Sie Kar, !vie mir der Herr Staatsanwalt gesagt hat, auch die des Herrn d'Escorval. Wir stehen einem Rätsel gegenüber, das es zu entziffern gilt.

Oh! es wird uns gelingen!' rief Lecog. Er fühlte sich zu Außerordentlichen Dingen fähig; er war bereit, für diesen Richter, der ihn so gut behandelte, durchs Fester zu gehen. Aus seinen Äugen blitzte eine solche Begeisterung, daß Segmüller sich eines Lächelns nicht erwehren konnte.

Auch ich, sagte, er, habe gute Hoffnung, aber wir sind noch sucht am Ziel. Und jetzt zu Ihnen! Haben Sie seit gestern etwas gemacht? Hatte Herr d'Escorval Ihnen Aufträge ge­geben? Haben Sie irgend ein neues Anzeichen aufgefunden?

Ich glaube, Herr Richter, meine Zeit nicht verloren zu haben.

Und sofort erzählte Lecog, knapp und deutlich, alles, was er seit seinem Fortgang von derPfefferbüchse" ausfindig ge­macht hatte: die kühnen Wagestücke des Mannes, den er für den Mitschuldigen hielt, die Bekundungen des Kutschers und der Portiersfrau, den im Brief des alten Absinth beschriebenen Vor­gang in der Morgue. Zum Schluß legte er die kleine Menge .Erde auf den Schreibtisch, die er sich auf so eigentümliche Art beschafft, und daneben ein ungefähr gleich großes Häufchen, von dem Staub, den er aus der Häftlingzelle au der Barriere d'Jtalie geholt hatte.

Hierauf setzte er auseinander, warum er diese Maßregeln er­griffen, und welche Erfolge er davon erwartete, und Segmüller rief: Ah, Sie haben recht! Vielleicht haben wir da ein Mittel, den Angeschuldigten, wenn er leugnet, außer Fassung zu bringen. Jedenfalls Haben Sie Hierin einen überraschenden' Scharfsinn be­kundet !

Dies mußte auch Herrn Goqüets, des Protokollführers, An­sicht feilt, denn er murmelte:

Sapperlot! Daran hätte ich nicht gedacht!

Während dieser Unterhaltung hatte Segmüller alle Beweis- Wcke sn eine große Schublade gepackt, aus der er sie zu gelegener Zeit eins nach dem anderen wieder zum Vorschein zu bringen gedachte.

Ich besitze jetzt, sagte er, genug Anhaltspunkte, um die Witwe Chupist zu befragen. Vielleicht werden wir irgend was aus ihr herausbringett.

Er streckte die HaNtz nach der Klingelschnur aus, als Lecog eine beinahe flehende Bewegung machte und sagte:

Ich Hätte Sie/ Herr Richter, um eine Gunst zu bitten?

Um was denn? Sprechen Sie!

Ich würde mich sehr glücklich schätzen, Wenn Sie mir er­lauben, Senn Verhör zugegen zu sein... Es bedarf zuweilen einer so unbedeutenden Kleinigkeit, um eine glückliche Eingebung hervorzurufen. Nach dem Wortlaut des Gesetzes soll der Angeklagte int Geheimen vorn Richter, unter Anwesenheit des Protokoll­führers, verhört werden. Nach der Auslegung schließt dies jedoch die Anwesenheit von Beamten der Polizeibehörde nicht aus.

'Meinetwegen! antwortete daher Segmüller. Sie können bleiben. Er klingelte, ein Gerichtsdiener trat ein.

Hat man, wie ich befahl, die Witwe Chupin vorgeführt?

Jawohl, Herr Richter, sie ist da und wartet im Korridor. Sie soll hereinkommen.

Einen Augenblick darauf trat die Witwe ein, sich mit vielen Verbeugungen und Knixen nach rechts und links verneigend. Sie stand nicht zNm erstenmal vor einem Untersuchungsrichter und wußte wohl, wie großen Respekt man dem Gericht schuldig ist. Sie hatte sich h'enst auch für das Verhör fein herausgeputzt, Ihre rebellische grauen Haare hatte sie flach an die Schläfen gelegt und ihr« Kleider so gut geordnet, wie sie konnte. Sie hatte sogar beim Gefängnisdirektor ausgewirkt, daß man ihr von dem Gcklde, welches sie bei sich hatte, eine schwarze K'repp- mütze und zwei Weiße Taschentücher kaufte; in letztere hatte sie sich vorgenommen bei passenden Gelegenheiten alle Tränen ihres Leides hineinzuweinen.

Zu diesen Toilettenkünsten hatte sie aus ihrem Grimassen- v'orrat eine recht unschuldige, unglückliche und gefaßte Miene hervorgeholt, die nach ihrer Meinung besonders geeignet war, den Beamten, von deut ihr Schicksal abhängen sollte, zu Güte und Nachsicht zu stimmen.

Wie sie oft austrat, mit niedergeschlagenen Augen, mit honig­süßer Stimme, mit schmeichlerischen Verbeugungen, da glich sie so wenig der fürchterlichen Wirtin derPfefferbüchse", daß wohl könnt ihre Stammgäste sie wieder erkannt hätten. Dagegen hätte jeder alte ehrenwerte Junggeselle sie bloß auf ihr Gesicht hin als Haushälterin mit 20 Franken Monatsgehalt angenommen.

Aber Segmüller hatte schön ganz andere Heuchler entlarvt; er hatte denselben Gedanken, den man aus Lecogs Augen auf- lcuchtest sah: Was für 'ne alte Komödiantin !

Die Heuchelei der Witwe zu durchschauest, wurde ihm aller­dings wesentlich erleichtert durch einige Notizen, die er gerade eben' durchgelesen hatte. Diese Notizen bildeten das Strafregister der. Frau Chupin, das auf Antrag der Polizeipräfektur von Gerichtsstelle eingefordert war. Nachdem er fertig gelesen hatte/ machte der Richter seinem lächelnden Sekretär Goquet ein Zeichen, daß er sich Zum Schreiben bereit halten solle und fragte in kurzem Ton die Angeklagte:

Ihr Name?

Afpasie Clapard, mein guter Herr, Witwe Chupin, Ihnen zu dienen.

Sie versuchte eine schöne Verbeugung und fügte hinzu:

Ich habe meine Heiratspapiere zu Hause in der Kommode, und luenn man jemanden hinschickcn will. . .

Ihr Alter? unterbrach der Richter sie.

Bierundfünfzig Jahre.

Schankwirtin in Paris, ganz dicht bei der Rue du Chatcau- dcs-Rentiers, zwei Schritte von den Festungswerken.

Diese Personalfragen sind die unerläßliche (Einleitung jedes Verhörs.

Nun wollen wir uns mal, fuhr der Richter fort, mit Ihrem Vorleben beschäftigen. Sie haben bereits mehrere Strafen verbüßt ?<

Ich habe mehrmals Unglück gehabt, mein guter Herr Richter, winselte sie.

Ja, und sogar recht ost. Zu allererst sind Sie wegen Hehlerei gerichtlich verfolgt worden.

Aber ich bin weißer als der Schnee aus der Anklage hervor­gegangen. Mein armer Seliger war von Kameraden getäuscht worden.

Man fein. Aber dann sind Sic doch, während Ihr Wanst seine Strafe absaß, wegen Diebstahls mit einem Monat, und dann gleich darauf mit drei Monaten bestraft worden?

Ich hatte Feinde, die schlecht gegen mich waren, Nachbarn, die allerhand Klatsch verbreiteten ....

Ferner sind Sie bestraft, weil Sie minderjährige Mädchest zu einem schlechten Lebenswandel verleiteten.

Das waren Spitzbübinneu, mein guter lieber Herr, herzlose Mädels! Ich hatte ihnen Dienste geleistet, und nachher habest sie Lügen verbreitet, um mir Schaden zu tun . . . ich bin immer viel zu gut gewesen.

(Fortsetzung folgt.)

Das steirische Dornröschen.

Von Sophie von K h u e n b e r g.

Wenn man von Steiermark spricht, so meint man fast immer nur das Obersteiermark, das gekrönte Haupt des waldgrünen Berglandes. Das Stück Semmering, daS zst uns herüberreicht, die prächtigen Hochgebirgsgegenden an der Rax und Hohen Veitsch, um den Hochschwab herum, das berühmte Mariazell, das herrliche Aussee, Eisenerz mit seinem smaragdgrünen Leopoldsteinersee, das Gesäuse? und das lebendige Mürztal.

Etwas weniger spricht und schivärmt man vom Ennstal, obgleich es reich ist an großen Naturschönheiten, die freilich nicht alle knapp an der Bahnstrecke liegen, sondern im Berg­einwandern langsam erobert werden wollen.

Den Ruhm der Südsteiermark bilden seine Kurorte, vor allem das unglaublich milde Gleichenberg und das reizend gelegene Rohitsch-Sauerbrunn, das Karlsbad Kon­kurrenz macht.

Ja, all diese Perlen der Steiermark kennt und liebt man, sie prangt und stolziert mit ihnen wie eine Mutten sich aufgeblühter schöner Töchter freut, denen es an be­wundernden Werbern nicht fehlt.

Aber sie hat noch ein Töchterlein, die Fran Styria, eines, das noch gar so still und unberühmt ist und auf dessen keusche, unberührte Schönheit sie selbst kaum achtet, weil sie immerzu mit den strahlenden, Vielumschmeicheltest beschäftigt ist.

Dies Aschenbrödel, das für so unscheinbar gilt und dennoch verdienen würde, auf des Königs Ball zu glänzen, i ist dieWaldheimat", jenes Stück leuchtendes Bergland, das sich von Krieglach-Alpl nach Osten, gegen den Wechsel! hin breitet und in dessen Tannendunkel die Poetenflammtz Roseggers zu lodern begann.

Ich habe schon auf mancherlei Weife gesagt, wie lieh mir dies Stück Land ist, wie ich so gerne möchte, daß auch