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Haltung der Mutterkirche beizutragen. Den Gottesdienst besorgten bis 1323 die Augustiner-Chorherren, mit denen das Kloster besetzt war. 1323 wurde das Kloster Schifsenberg dem deutschen Orden übergeben. Nach der Reformation waren die Geistlichen zn Schiffenberg nicht mehr Glieder, des Ordens, sondern Pfarrer des Cointhurs und wohnten später zu Steinbach, von wo sie den Gottesdienst zn Schiffenberg und in den Filialen zu besorgen hatten. Das seit 1162 zu Watzenborn bestehende „Capelchen" wurde 1584 für den Gottesdienst eingerichtet und erhielt zwei Mocken. Um diese Zeit wurden auch die sogenannten „heiligen Wiesen" gestiftet, die 1690 Eigentum des Pfarrers wurden und aufhören, Kirchengut zu sein. 1624 wurde mit dem Umbau der Kirche begonnen, in dem auch das seither bestehende „capelchen" cingezogen wurde, dessen Vollendung sich jedoch bis 1650 verzögerte. Diese Verzögerung trat ein durch die verderblichen Wirkungen der Pestjahre sowie durch die Wirren des 30 jährigen Krieges, in dem namentlich 1645 der Ort durch hessische (kasselsche) und weimarische Kriegsvölker arg verwüstet wurde, da bekanntlich die Landgrafen von Hessen-Darmstadt auf Seiten des Kaisers standen.
Adlige Fanrilien (so wahrscheinlich Konrad v. Arnsburg) waren znn: Zehnten in Watzenborn berechtigt; ein Zehnte heißt noch jetzt der „Junkerzehnte". Das Kloster Schiffenberg bezog Geld- und Fruchtzinsen aus Watzenborn und forderte Beiträge zur Unterhaltung seiner Gebäude. Dagegen hatten die Watzenborner Bewohner das Recht, „Urholz" im Schiffenberger Klosterwald zu holen. Diese Watzenborner Holzgerechtsamkeit führte zu Streitigkeiten mit Schisfenberg zur Zeit, als das Kloster an den deutschen Orden kam. Vergebens wurden 1492 bei einem Grenzritt Unterhandlungen > in dieser Angelegenheit geführt, die sich aber wie auch
i. später 1564 und 1580/83 zerschlugen.
Dazu kam noch, daß Philipp der Großmütige seit der Reformation der Commende Schiffenberg Gerechtsame und Ländereien entzog, so daß der deutsche Orden nicht günstig über das Land Hessen dachte und seinen Bewohnern nicht wohl gesinnt war. Das kirchliche Verhältnis von Watzenborn zn Schisfenberg löste sich immer mehr. Daher befahl 1607 Landgraf Ludwig V. von Hessen die Trennung von Schiffenberg und erteilte dem Superintendenten Victor zu Meßen die Weisnng, in Watzenborn eine eigene Kirche aufzurichten.
Zur Besoldung des neuen Pfarrers war auch bereits ein freies Kirchengut, in Garbenteich gelegen, vorhanden. Da jedoch die Bestellnng des Landes wegen der weiten Entfernung von Watzenborn zu viel Beschwerden verursachte, wurde das betreffende Kirchengut um 1000 fl. verkauft, wovon 200 fl. in den Gotteskasten (Kirchenkasse) fielen. Von den testierenden 800 fl. Kapital sollte der neue Pfarrer j jährlich 40 fl. Pension (Zinsen) beziehen. Diese Zinsen
< waren jedoch immer schwer einzutreiben, da die einzelnen
> Kapitalien meist an Witwen und arme Leute ausgeliehen
, waren. Zu diesem Gute in Garbenteich kam ein weiteres
am sogenannten „oberen Steinberg", welches „zum capelche (wie man diese kirch damals genant) von einem vom Adel ist legiret und vermacht worden." Auch dieses zweite Gut wurde wegen der Schivierigkeit der Bewirtschaftung an Ein- wohner von Leihgestern „verlehnt". Die Benutzer dieses Gutes urußten jährlich „etlitz an körn und Hasser davon entrichten; es haben aber diese lehnlente dem Hr. Pfarrer mit so schlechter frucht bezahlet, daß er gemüßigt worden, solche frucht seinem Vorgesetzten, Herrn Superintendenten zu zeigen, der es bei der damaligen Herrschaft erhalten (bewirkt), daß solches Gut auch feil geboten, vnd Gebhard Walthern einwohnern zu Steinberg und etliche seiner eon- sorten umb 1000 fl. verkauft worden ist." Die seitherigen Lehnsleute von Leihgestern beriefen sich aus ihr Vorkaufsrecht und setzten es durch, daß ihnen das betreffende Gut nm „Obersteinberg" um 200 fl. billiger, also für 800 fl. , Kaufpreis überlassen wurde. Statt der früheren Natural-
* lieferungen sollten sie nun von den betreffenden Aeckern und
Wiesen eine Pension (Zins) in Geld zu leisten haben. Der Pachtzins ging jedoch spärlich ein, da viele Inhaber verstorben oder verzogen waren, so daß die Aecker oft herrenlos oder unbebaut dalagen. So heißt es in dem Zinsregister: „Zwantzig fl. hat Joh. Gerbrechter Wtwe. zu leihgestern. (Ist etliche jahr flüchtig gewesen nach ihres mans tod.) Nachdem sie nun wider kommen, war sie zur Verfertigung einer Verschreibung (Ueberschreibung) genötigt worden." Der Zins von einem Acker im Werte von 76 fl. dreh Thornus
von Peter Vettern zu Leihgestern mit jährlich 3 fl. 22 albus (1 alb. = 8 Pf.) „blieb dem Pfarrer von vielen Jahren aus, da dieser Belten vor 40 Jahren gestorben" und die Lage des Ackers und das Eigentumsrecht der Pfarrei nicht mehr festgestellt werden konnte. Weiter heißt es: „Hundert und vierzehn Gulden ist Phil. Vogel zu Leihgestern der Pfarrei fchnldig laut Versicherung (Obligation, Hypothek). Dieser ist ebenfalls vor langen Jahren gestorben, hat Kinder gehabt, die aber aus der gemein hinweg gezogen und die guter liegen lassen.... können auch bis dato nicht erforscht werden, sonderlich auch weil die anlieger unbekant und lengst auch verstorben sein, bleibt also diese Pension (nemblich 5 fl. 18 alb. 6 ^) wie die vorige von vielen Jahren aus."
Wie aus den vorstehenden Einträgen ersichtlich, waren die Einkünfte an Zinsen ans den verkauften beiden Kirchen- gütern, etwa 80 fl. jährlich, sehr zweifelhaft. Dazu hatte der Pfarrer nicht das genügende Brot für seinen Haushalt, da er nur wenig Land hatte; denn „von den 2 achtel Malter Frucht, die er zu Garbendeich bekombt, wie auch von den 2 achtel Malter Korn aus der „neuen Mühle" (die jetzt noch besteht), hette er sich kaum ein Vierttheil Jahr in der Haushaltung ausbringen (durchbringen) können. Diesem nun zuvorzukommen, haben die beiden Gottescasten aus dem Hospital zu Gießen 60 fl. entlehnt und davor von einer Wittib allhier (Watzenborn), Eva Happelin genant etliche beschwerte (mit SfiigaBeit belastete) guter etwa 5 morgen äcker und etliche wißpläcklein (die allzusammen über einen Karn voll Heu nicht ausmachen) er tauff et; auf diesen gutem hat nun der Pfarrer sein brot suchen vnd Ziehen sollen, welches aber nicht geschehe,: können, daher der gute mann als mit vielen Kindern gesegnet in gros armuth geralhen, daher auch nicht länger hie bleiben können, sondern ander- wertsliche Dinst gemacht vnd gefunden vnd sein leben daselbst beschlossen."
(Schluß folgt.)
* ueber einen eigenartigen Studenten-, ulk lassen sich die „Münchn. N. Nachr." aus Erlangen berichten: Vier fidele Würzburger Studenten haben,: angetan als Pfälzer Dorfmusikanten und ausgerüstet mit einen: picksüßen Hölzl, zwei Geigen und einem Bombardon,- eine Kunstreise von Würzburg nach Erlangen unternommen. In allen Ortschaften, die sie in den zehn Tagen ihrer Tournee zu Fuß durchwanderten, gaben sie ihr reiches Programm stilecht zum besten, klopften bann ebenso stilecht die Ortschaften ab und gewannen so ihren Unterhalt.- Hier gaben sie noch gratis einige Konzerte zum besten — eins int Flußbad int Adamskostüm — und dampften dann, von hiesigen Kommilitonen zur Bahn geleitet und sich selber mit dem „Muß i beim zum Stäbtele naus" zur Bahn spieleub, wohlgemut ttnb ihres Kunsterfolges frc', vergangene Nacht nach Würzburg zurück.
* Der Tob einer Kirche. Aus Jena wirb geschrieben: Ein Kirchlein buchstäblich zu Grabe zu leiten/ bas kann nur bei Jenaer Studenten vorkommen. Steht da noch die alte Spittelkirche, baufällig, nicht mehr benutzt, ein Wahrzeichen aus vergangenen Zeiten. Im Gemeinderat der Stadt gabs heftige Kämpfe: die Heimatschutz-Leute waren für die Erhaltung, die nüchternen Praktiker wollten sie als Verkehrshindernis beseitigen. Nun ist das Geschick des Kirchleins entschieden: es wird fallen. Das ging der Burs ch e n s ch a f t A r minia, die in diesem Semester über viele Leute verfügt, ganz besonders nah. Sie veranstaltete einen Trauerzug. Drei Bannerträger trugen das umflorte Bild der Spittelkirche, es folgte ein Kaffeekränzchentisch betrübter und betagter Spitalinsassinneu. Der nächste Wagen versetzte der gegenwärtigen Gemeinderats- ersatzwahl einen Seitenhieb: über den miteinander streitenden Nationalliberalen und Natioualsozialen thront als Sieger der tertius gaudens mit der Ballonmütze. Im Landauer folgen als „zwei dicke Freunde" die beiden Herren — getreulich imitiert —, die sich beim Kampf um das Geschick des Kirchleins am heftigsten entgegengetreten waren, und während der ganze folgende, fchwarzbehandschuhte


