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werden; dafür sorgen schon die Pfänderspiele und das lustige „Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg". Da hebt ein „Krehlen und Jubeln" an, ein Schreien und Jauchzen. „Vivat!" ruft die Frau Rat. Rosenfarb und Weiß sind ihre Leibfarben und ein Tänzchen die beste Motion. Dann setzen sich die Mädels um sie herum auf die kleinen Schemel nnb hängen an den Lippen der gütigen alten Frau in der großen Haube, die ihnen ihre Märchen erzählt, während die Sonne den goldenen Knopf des Kätharinenturms mit einem scheidenden Glanze umspielt; ab und zu nimmt sie mit den beringten Fingern ein „Prischen Tabak" und „die Lissel, die dicke Iris" bringt Konfekt und Bonbon. . . Nun ist die Geschichte bis zu ihrem glücklichen Ende gediehen; da springt die korpulente Rätin auf und jubelt mit den andern noch einmal im Kreise herum.....
Frau Rat war ein frommes Gemüt. „Nun danket alle Gott!" war die markige und ernste Begleitung ihrer lustigen Lebensmelodie. Mit den pietistischen Kreisen des Fräulein von Klettenberg stand sie in enger Verbindung, und die Bibel, in der sie so glänzend Bescheid wußte, daß sie sich bald den König Salomo und bald den König Hiskia zunr Vorbild nimmt, war ihre tägliche Lektüre. Aus dem Propheten Jeremia aber hat sie sich in schwerer Seelennot nach echt pietistischer Weise den Leibspruch „herausgedäumelt": „Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samariä, pflanzen wird man, und dazu pfeifen." Als gute Wirtin sorgte sie für das irdische Teil. Dem Sohne schickte sie jedes Jahr „welsches Korn", Kastanien und allerlei Hausgerät, das sie mit sorgender Hand vortrefflich auswählte. Allerlei „Krämchen" werden den Lieben zugedacht; Nanking zu ein Paar- Hosen, Seide zu Halstüchern und Batist, der noch „wie neu" ist, zu Manschetten, Spielsoldaten und Kinderzeug für den kleinen „Augst". Für ihr ersten Urenkelchen unternimmt sie eine Arbeit, „die — ich wette mein Hab und Fahrt — seit der Erschaffung der Welt — ein stark Stück — keine Urgroßmutter verfertigt hat: nehmlich die Spitzen an das Kindszeug die Häubger und Ermelger zu klöppeln — und nicht etwa so lirum larum, nein, sondern ein Brabanter- Muster 3 Finger breit und wohl zu merken ohne Brille!" Außer dem Spitzenklöppeln, dem Klavier und dem Schachbrett, ihren drei „Steckenpferden", hatte sie eine große Leidenschaft: das Theater, das ihr den höchsten Genuß gibt. „Da mir Gott die Gnade getan, das meine Seele von Jugend auf keine Schnürbrilst angekriegt hat, so fühle ich alles was wahr und gut und brav ist mehr als vielleicht tausend andere meines Geschlechts — und wenn ich um Sturm und Drang meines Herzens im Hamlet vor innerlichem Gefühl und Gewühl nach Luft und Odem schnappe, nun eben dieses unverfälschte und starke Nathurgefühl bewahrt meine Seele — Gott seh ewig Danck vor Rost und Fäulniß." ' Dr. P. L.
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*’ Die schönste Frau der Welt. Eine amerika- nsche Bildhauerin, Miß Beveridge, hat vor wenigen Wochen nach einer mehrjährigen, Forschungsreise durch dre Welt den Satz ausgesprochen,' daß die Amerikanerin den idealsten Typ weiblicher Schönheit darstellt. Ein Pariser Blatt hat nun die Behauptung nicht ruhen lassen und daher bei französischen Künstlern und Bildhauern eure Umfrag veranstaltet, wem sie den SchönheitspreiZ unter den Frauen aller Länder zuerkennen. Die eingelaufenen Antworten sind interessant genug, wenn sie die Frage, welches die schönste Frau der Welt lst, vollständig ins klare stellen. — So schreibt genri) Caro Delvaille: „Die Amerikanerin hat auf mich e!“eu tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht. Aber rch meine„ doch, daß die Italienerin "es in- bezug auf d:e Schönheit getrost mit den Amazonen jenseits des großen Wassers aufnehmen kann. Die Italienerin
ist eine mehr menschliche, die Amerikanerin ausschließlich eine mondaine Schönheit." Cormon urteilt: Früher stellte die Griechin den vollendetsten Schönheitstyp des Weibes dar. Heute hält es sehr schwer zu sagen, wem der Preis gebührt. Unsere Damen von heute haben alle eine viel zu enge Taille. Wenn Miß Beveridge die Amerikanerin für das schönste Weib hält, so muß man ihr das zugute rechnen, denn sie selbst ist ja eine Amerikanerin." Der Maler Jnjalbert antwortet: „Es ist eine Lüge und noch dazu eine plumpe, wenn man einfach verkündet, die Amerikanerin ist die Schönste von allen. Natürlich, der Gebirgsbewohner liebt das Gebirge, und der Anwohner der See erklärt das Meer für das Herrlichste in der Natur. Ich kann überhaupt über die Frage: welches ist die schönste der Frauen? nur lachen. Ich habe auf meinen Reisen immer noch gefunden, daß es überall Schönheiten gibt, bei allen Nationen und in allen Farben, ganz gleichgültig, ob blond oder brünett." Herr Willette zeigt sich in seiner Antwort als echter und galanter Franzose. Er schreibt: „Die schönste Frau ist entschieden die Französin mit dem entzückend großen Hute und dem wunderbaren Teint. Die Amerikanerin hingegen ist einfach geschmacklos, wirkt lächerlich und unverträglich. Freilich, an das Schönheitsideal, das uns die griechischen Künstler hinterlassen haben, reichen unsere Frauen heute nicht mehr heran." Ein zärtlicher Ehemann ist entschieden der Maler Guilleaume. Er schreibt aus Villepreux und erklärt: „Die schönsten Frauen gibt es ohne Zweifel nur in Frankreich. Und die allerschönste wohnt in Villepreux und heißt Madame Guilleaume."
*Der Segen der Ar beit. Wir lesen, in der N. Fr. Pr.: Der 3. Band der „Bedeutung der menschlichen Lebensdauer im modernen Staate" von Alfred von Lindheim. Herr von Lindheim bespricht u. a. den rechnungsmäßigen Wert des Menschen und gelangt auch zu dem weitaus interessantesten Thema: „Die Sterblichkeit im Ruhe- st an d e", woran Professor Dr. Ratts vom statistischen Reichsamt in Berlin, Professor Westergaard und Sekretär- Spitz in Wien arbeiteten. Mit Unterstützung der österreichischen Behörden, der Landwehr und Marineverwaltung wird' hier zum erstenmal in gründlichster Weise die übermäßige Sterblichkeit der pensionierten Beamten, aber auch der Landwirte und Kaufleute, die sich vorzeitig zurückziehen, nachgewiesen. Hieran reisten sich in großer Fülle die Zahlen der übergroßen Sterblichkeit der Arbeiterrentner in Deutschland, und zwar auch nach der Auslese der wegen Krankbeit Pensionierten.
Beschauliches und Erbauliches.
Man lernt Verschwiegenheit am meisten unter Menschen, die keine haben, und Plauderhastigkeit unter Verschwiegenen.
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Eins! trat der liebende Genins der geiühlreichern Menschen vor den Jupiter und ba.t: Göttlicher Vater, gib deinen armen Menschen eine bessere Sprache, denn sie haben nur Worte, wenn sie sagen wollen, wie sie trauern, ivie sie frohlocken, wie sie lieben. — „Hab' ich ihnen denn nicht die Träne gegeben," sagte Jupiter; „die Träne der Freude und des Schmerzes und die süßere der Liebe?" Der Genius antwortete: „Auch die Träne spricht das Herz nicht aus. Göttlicher Vater, gib ihnen eine bessere Sprache, wenn sie sagen wollen, wie sie die unendliche Sehnsucht suhlen — wie ihnen das Morgensternchen der Kindheit nachblickt und die Nosenaurora der Jugend nachglüht. Gib ihnen eine neue Sprache für das Herz, mein Vater!" Jetzo hörte Jupiter in dein Sphärenklange der Welten die Meise des Gesanges annahen, und er winkte ihr >n>d sagte: „Geh hinunter zu den Menschen >ind lehre sie deine Sprache." ' Da kam die Muse des Gesanges zu uns hernieder und lehrte die Töne; und seitdem kann das Menschenherz sprechen.
___________ Jean Paul.
Charade (viersilbig).
Voiil Raub im Dunkeln lebt der beideii erstes Corps, Scheut, Diebeii gleich, das Licht und peinigt jedes Ohr, Doch aus beit letzten zwei'n strahlt euer Ich hervor; Das ganze, Leser, ist ein sehr berühmter Tor.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Selbst ist der beste Bote.
Lwdaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Berlaa der Briibl'ichen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


