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Sollen wir das wirklich so hart benennen, Herr Pastor? Torfbuben, die mit Steinen nach Aepseln werfen, und Mause, die Speck naschen, wird es wohl geben, so lange die Welt steht. Mir scheint, Gotthard bemaß die Strafe doch zu hoch."

Mag sein, mag sein. Er ist jung und strengdenkend."

Und dann," fuhr sie fort,scheint mir, das; der Schlag daneben ging. Tie beiden Delinquenten gingen frei aus, die Strafe traf Unschuldige, nämlich die kranke Mutter, der die Ziegenmilch wohltätig ist, und das kleinste Kind."

Ter Pastor seufzte tief.

Tas tut mir herzlich leid. Ja, ich ,mißte mich mehr herans- reistcn aus diesen trüben Gedanken aus diesem Vermissen" er sah sich wie suchend im Zimmer umich will es ja nicht. Ich will intim- an die teure Heimgegangene nur denken, als selig und erlöst Von irdischem Leid, und dankbar sein . . . aber ich ent­behre die Lebensgefährtin so schmerzlich ich vergesse darüber meine Pflichten"

Lieber Herr Pastor!" sagte sie leise und streichelte freund­lich seine Hand,ich kann das doch so verstehen. Wenn ich mir jetzt dächte Wilhelm ---" ihre Stimme wurde rauh, schon der

Gedanke schnürte ihr die Kehle zu.

Ter alte Mann sah vor sich hin und schüttelte den Kops.

Menn cs bei mir nur dabei bliebe . . . aber nun kommen gleich die grauen Gvübelgeister und spinnen mich ein, Ivie, in einen Nebel, daraus kein Ausweg ist. Tiefe Fragen! Diese Zweifel! Ties fruchtlose, ewige Warum? Warum ist alles so gekommen? Warum ist mein Haus verödet und ich ein alter, siecher Mann? Wie es alles so gekommen ist, weist ich ja, und denke ihm doch immer wieder nach und versuche mich in Gottes Ratselwege zu finden, und versuche zur Klarheit darüber än kommen, warum es so sein mustte. Und das läßt mich nicht los, und je mehr ich ringe, frei ztl werden von den quälenden Zweifeln und der Bitterkeit, desto mehr verdichten sich die Nebel."

Er sprach bereits ganz zu sich selbst, in fast murmelndem Ton, schaute dann auf uno besann sich.

Richtig. Tie Webers. Sie sollen die Weide wieder haben, gewiß, Fräulein (SMtraut. Nichts liegt mir ferner wie Strenge. Woher sollte ich auch das Recht dazu nehmen? Nein, ich habe kein Recht dazu. Und doch weshalb darf ich es nicht haben? Warum? Was tat ich ....? Sie sagten vorhin: die Strafe trifft Unschuldige. Ist das nicht oft so und warum?" cs lag wieder rührende Hilslvsigkeit in dem Blick, mit welchem er, der Seelsorger, seinen jungen Gast, sein Beichtkind ansah. Wir sind allzumal Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten, aber hierin, meine ich, werden wir nicht um unserer eigenen Schuld willen gestraft, sondern müssen die Folgen fremder Sünde tragen, und diese Folgen reihten sich, Ring an Ring schließend, zur Kette. Was tat ich, daß mir die treusorgende Hausfrau genommen ward? Was hat meine Tochter Frieda verbrochen, dast sie um ihr Lebensglück kam, und nicht die Gattin ihres Verlobten werden durste? Womit hat mein Sohn vor anderen es verdient, daß ein Schatten über seinem jungen Leben liegt, wie eine hemmende Bürde? Aber lassen wir das, lassen wir das. Sie werden meine Trübseligkeit satt haben, liebe Edeltraut."

Ich will Sie nicht weiter in Ihrer Arbeit stören," sagte sie freundlich,und gehe Frieda aufsuchen."

Gotthard ist heute auch hier," begann der Pastor etwas unsicher,wollen Sie mit ihm noch über die Weide sprechen . . . Sie werden ihn überzeugen. . ."

Fast mitleidig sah sie ihn an.

Tie Weide zu vergeben steht Ihnen zu, Herr Pastor, nicht ihm . . . aber schließlich ist es auch hart, sie den Rentschels wieder zu nehmen. Ter Mann braucht es auch recht, sehr . . . vielleicht 'rede ich noch mit Wilhelm darüber . . . es findet sich wohl schon ein Fleck, wo eine Ziege ihre Nahrung suchen kann"

Sie sah, dost er erleichtert aufatmete, und verließ rasch das Zimmer.

In der Küche schälte die Magd Kartoffeln. Ter ganze Raum, in welchen die Nachmittagssonne durch hell geputzte Fenster schien, blitzte von Sauberkeit. Eine in den Garten führende Türe stand offen und neben dieser Türe, angesichts der frischbepflanzten Gemüsebeete und der grünenden Stachelbeersträucher, stand eine breite, grüne Holzbank.

Hier saß die Pastorstochter und besserte Wäsche aus, wobei sie tuanchen Blick auf die Reihen hellgrüner Salatpflänzchen warf und auf die jungen Erbsen und Bohnen, die schon ansingen, ein feines Fingerchen an die Stangen zu haken.

Tn bist cs?" sagte sie erfreut und machte Platz, auf der Bank.

.Edeltraut fejjfe sich neben sie.

Ja, ich bin cs'. Bei euch ist alles viel weiter als bei uns."

TaS macht die sonnige Lage," versetzte die andere bedächtig und lächelte freundlich, ohne sich in ihrer Arbeit stören zu lassen und ohne zu bemerken, dast sie prüfend angesehen wurde, denn Edellraut hatte noch die Morte des bekümmerten Vaters im Sinn.

Es war an dem etwa dreißigjährigen, verblühten Mädchen nicht viel zu sehen. Sie sah gesund und ruhig ans, hatte ein etwas breites Alltagsgesicht, glatt gescheiteltes,' blondes Haar und gute Augen, aus denen Gefälligkeit und Bescheidenheit, aber auch eine stille Resignation sprachen. Sie trug ein graues Kleid mit schwarzer Borte um Hals und Aermel und eine schwarze Brosche. Dazu eine blendend weiße Latzschürze.

Cdeltraut hob den Zipfel derselben auf.

Jetzt ist es Abend und lvie sieht sie noch aus! Weshalb trägst du Schürzen, tvenn nie ein Fleck drauf kommt? Ta sind sie ja überflüssig."

Drolliger Gedanke," sagte die andere und streichelte die rosige Wange des jungen Mädchens.Wie geht es Herrn von Haide?"

Oh, danke, gut. Wir hatUu heute den ihn sehr beglückenden Besuch des Rittmeisters von Loysen. Kannst du dich auf den besinnen? Er war früher oft hier."

Tie schüttelte den KVpf.

Julchen sagte, es sei ein svemtev Herr mit euch im Kirchen­stuhl gewesen. Also das war Herr von Loysen? Nein, ich kann mich nicht auf ihn besinnen, denn ich habe ihn früher nie gesehen."

Er ist ein Bruder van der Bardesschen Recknih."

Ja so. Ja so. Tn hast mir nie von ihm gesprochen."

Das ist sehr möglich. Ich habe ihn eigentlich auch jetzt erst kennen gelernt. Genug, Wilhelm- liebt ihn er ist ihm nächst mir" Edeltraut schluckte,gewiß der liebste Mensch aus der Welt, und da das so ist" sie sprach entschlossen, mit zusamimengebissenen Zähnenso bleibt mir, soll ich nicht tod- unglücklich werden, eben nichts übrig, wie ihn. auch zu lieben, und ich denke, es soll gehen!"

Lieben?" wiederholte die Pastorstochter erschreckt,diesen Herrn?"

Jawohl. Wenn cs Wilhelm beglückt, so wird es mir möglich sein."

Aber Kind! Liebe Edel! Dn wolltest jemand nur deinem Bruder zu liebe heiraten?"

,,Heiraten!" schrie Ebeltraut auf,heiraten!!" sic saß ganz fassungslos, dann griff sie mit beiden Händen an die Bank­lehne und bog den Oberkörper zurück, ihre großen, klaren Augen wurden schwarz vor Schreck -- doch im nächsten Moment faßte sie sich mit einem Ruck, ließ die Hände schlaif herabfallen und sagte ganz ruhig, fast bedauernd:Ich glaube, du bist wahn­sinnig."

Bitte, bitte," verwahrte sich die andere, herzlich lachend, ich habe meine Sinne noch beisammen."

Frieda! Wie konntest du mich nur so mißverstehen!" (Fortfepung folgt.)

MrdeW Krauen.

Bon Ann hWothe (Leipzig).

Nachdruck verboten.

Würdelose Frauen hat es stets- gegeben, und sie werden auch nie aussterbeu, aberdie Moderne" zeitigt jetzt noch eine ganz besondere Spezies von Würdelosigkeit, gegen die inan gar nicht genug zu Felde ziehen kann. Ich meine das S ch w ä r men der F r a u e n !v c l t für die K ü n st - ler und die Art, wie man dieseSchwärmerei", um keinen härteren Ausdruck zu gebrauchen, betätigt. Niemand wird der Fran eine ernsthafte, spontane Begeisterung, die der Kunst und auch dem ausübenden Künstler gilt, übel deuten. Man wird verstehen und begreifen, oaß gewaltige dichte­rische Heldengestalten, in die sich der darstellende Künst­ler hineinlebt, auch einen gewissen Abglanz auf seine Per­son lvirft, man wird ihn immer von einem gewissen Nim­bus umgeben betrachten, aber es ist gewiß nicht nötig, daß Frauen würdebar sich diesen Helden bedingungslos unter­werfen.

Wenn die Frauen wüßten, wie der ernste, echte Künst­ler verächtlich die Achseln über die Weiber zuckt, die ihn verhimmeln, sie würden Vor Scham in die Erde sinken. Begeistert euch, so viel ihr wollt, für die Künstler und zeigt ihnen euren Beifall im Theater, im Konzert, wo der Platz dafiir ist, je nach eurem Empfinden, aber lern t die Person von dem Künstler trennen. Ist es