708

Die Frisur endlich erfordert größte Sorgfalt, vielmehr >als die Damenwelt iin allgemeinen darauf verwendet. Ein schlechtfrisierter Kopf macht das beste Kleid zu schänden, und umgekehrt hebt eine hübsche, kleidsame Haartracht auch den einfachsten Anzug, SB ie sie beschaffen sein soll, hängt natürlich vom jeweiligen Typus ab, immer aber bilde sie eineu schönen, wenn auch ganz schmucklosen Rahmen für das Gesicht.

Natürlich ließen sich dem Bilde der eleganten Frau noch eine Menge kleiner, feiner Züge einstigen, mir kaut es aber nur darailf an, die Grundlinien zu geben. Aussühren mußt du es selbst, schöne Leserin, mit deinem Weseil erfüllen, mit deiner Persönlichkeit durchtränken, mit deinem Stil über dich selbst erheben. Delln der Stil, die persönliche Note ist alles, auf dem bunten, heiteren Gebiet der Mode nicht weniger als in den anderen Bezirken der Menschheit, wo immer lauter und gebieterischer der Schrei nach Individuali­täten ertönt. ____

2>ermH4>*e£.

* Aufdeckung uralter deutscher Grab­stätten. Wie aus Weimar gemeldet wird, sind kürz­lich in dem benachbarten Dorfe Kleinromstedt Grabstätten aufgedeckt worden, die nach Annahme b:v aus­grabenden Mitglieder des I uaer Gsrnlauischen Museums über 2000 Jahre alt sind. Gefunden wurden darin zahl­reiche Uryen aus Bronze und Waffen, so liamentlich ein gut erhaltenes Schwert.

* D i e Geburt des Königs von R o m. Dicht bei Kirchheim-Bolenden, an der Straße, die von'Rockenhausen herführt, findet sich eine Tafel mit folgender Inschrift: Luisen-Garten, angelegt zur Erinnerung an die Geburt Napoleons II., Königs von Rom, im I ihre 1811." Diese Inschrift erinnert an eine schmachvolle Zeit der deutschen Geschichte. Als dem Kaiser Napoleon im März 1811 ein Sohn geboren wurde, der schon in der Wiege wahrschein­lich, um ihn zum Nachfolger der alten Kaiser des , heiligen römischen Reiches" zu stempeln den NamenKönig von Rom" erhielt, da empfand der Kaiser große Freuds und befahl in seiner bekannten Art, daß an dieser Freude auch seine Untertanen Anteil nehmen sollten. In allen Zei­tungen des französischen Reiches wurden Bulletins ver­öffentlicht, die der Komik nicht entbehrten. So las man am zweiten Tage nach der Geburt des kaiserlichen Kindes folgende von beit Aerz.en Bourdois und Auvich unterzeich­nete Mitteilung:Seine Majestät, der König von Rom, hatten eine sehr gute Nacht, obgleich er vorübergehende Bauchgrimmen fühlte, die, wie man weiß, in dieser Epoche seines Lebens unvermeidlich sind. Diesen Morgen befanden sich Seine Majestät kehr wohl." Pslichischüldigst mußten auch die Bewohner des linken Rheinufers, die seit 1801 französische Bürger waren, an dieser Freude teilnehmen. Alte Aktenstücke aus dem Archiv eines jetzt rheinhessischen, damals zum Departement Donnersberg gehörigen Dorfes geben uns davon Kunde. Am 81. Mai 1811 berichtet der Maire an den Präfekten zu Mainz:Ich habe dero geehrte Notifikation in Betreff der Feierlichceit, die wegen der hohen Geburt S. M. des Königs von Rom am 9. Juni statthaben soll, mit Vergnügen erhalten, und da es keinen wichtigeren Gegenstand gibt, worauf das krustige G.ück des französischen Volkes beruht, so muß dieser merkwürdige Tag mit aller möglichen Feierlichkeit und Freude begangen werden. Jedem Bürger gehört dabei ein kleiner Trunk und ein Wrck, dann etwas Pulver zum Schießen und Musik, um den Zug in die Kirche zu verschönern. Für öffentliche Feste ist nun in dem Budget für 1811 nichts gebilligt. Der Maire steht daher gehör,amst an, die Summe von 160 Fr. auf die Gemeindekasse anzuweisen." Umgehend wurde von dem Präfekten dieser Kredit bewilligt. Am 7. Juni wurde bei versammelter Gemeinde die Bekanntmachung des Prä­fekten wegen des Festes verlesen, und der Maire befahl, daß ein Zug nach der Kirche statthabe und alle Einwohner, jung und alt, demselben beiwohnen sollten, auch solle ein jeder .Hausbewohner ein jedes Fenster, welches auf die Gasse gehet, wenigstens mit einem Licht beleuchten." In dieser Art sorgte Napoleon für den erforderlichen Patriotismus bei seinen Untertanen. Mit welchen Gefühlen mögen wohl die seit Jahren schwer bedrückten pchlzischen Bauern dieses Fest begangen haben.

* Die Ko st eil des Ruhms. Die Folgen einer großen Berühmtheit sind nicht immer angenehmer Natur, und wer auf seine Bedeutung eitel ist, muß sie sich nicht selten auch etwas kosten lassen. Das hat besonders Victor Hugo oft erfahren, der in der höchsten Glanzperiode seines Schaffens mit Bettelbriefen überhäuft wurde. Daß er mit Liebenswürdigkeit und Humor auf solche Forderungen ein- zugehen verstand, beweist eine hübsche Geschichte, die in Nos Loifirs mit den eigenen Worten des Dichters erzählt ivird:Eines Tages komme ich nach Hause. Auf der Treppe begegne ich einem Kanonier. Er grüßt militärisch.Großer Bürger," so redet er mich au,ich lese den Rappel (das- demokratische Blatt) und mein Oberst ist deshalb schlecht auf mich zu sprechen. Ich habe meine Stallhosen verloren. Staatselgenkum . . . Fünf Jahre in Eisen! Die Hosen sind nur 2 Frank wert, aber um mir die sogleich zu besorgen, brauche ist 15 Frank. Großer Bürger, ich bitte dich darum." Ich glaube sogar, er nannte mich auch nochVater der Demo­kratie," und da habe ich ihm die 15 Frank gegeben. Vier oder fünf Tage darauf speist Spuller bei mir. Ich er­zähle ihm die Geschichte mit dem Kanonier. Und Ivie ich fertig bin, fängt Spuller zu erzählen an:Vor zwei Tagen komme ich nach Hause. Ein Kanonier tritt mir entgegen und sagt:Ehrsamer Bürger, ich lese dieRepüblique Francaise" und mein Oberst kann mich nicht leiden. Stallhosen Staatseigentum 5 Jahr Eisen 15 Frank. Ich habe ihm aber nur 5 Frank gegeben, und er ging entzücct fort,"' so schließt Spuller triumphierend. Ich aber sagte zu ihm: Sie haben ihm nur deshalb 5 Frank gegeben, weil er Sie nicht mitGroßer Bürger" augeredet; wenn er Sie aber gar wie michVater der Demokratie" genannt hätte, so würden Sie auch Ihre 15 Frank losgeworden sein."

* Zwei Mahnrufe an alle, die da schreiben. Ist irgend in dem ganzen Gebiete der Wissenschaften etwas wert, daß Männer sich damit beschäftigen, so ist es die Muttersprache. Sie kann zu allem übrigen sagen: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Ja, sogar all euer gutes oder schlechtes Tun hängt von mir ab. Wer mich verachtet, der wird wieder verachtet von seinem Zeitalter und schnell vergessen von der Nachwelt. Wer schlecht schreibt, und schriebe er auch noch so vortreffliche Sachen, ist ein geschmückter Tänzer mit Klump­füßen, und fehlerhaft schreiben ist so viel, als zerrissene Schuhe tragen, woran die Löcher mit Kartenblättern aus­gelegt sind. Ich könnte einem lieber jede andere gelehrte Sünde verzeihen als eine Sprachsünde. Denn nichts st h d r Ehre unserer Literatur mächtiger entgegen als Schleustschrei- berei, und cs ist schändlich, himmelschreiend und o, was weiß ich alles?, daß unsere größten und besten Gelehrten: so überaus liederlich oft schreiben! Gottfr. Ang. Bürger. Der Kampf gegen die Fremdwörter ist keineswegs bloß eine Spielerei, sondern ein beständiges Hinabsteigen in die Tiefen der Sprachentstehung. Man kann fast alles verdeutschen^ ohne in Narreteien zu verfallen. Insbesondere für die schriftstellerischen Eniwicklungsjahre gibt es gar nich.s Besseres als den selbsterwählten Zwang, kein Fremdwort ohne Nachprüfung durchzulassen. Fr. Naumann.

* Aus denFliegenden". Der Wermutstropfen. Bitte, unsere Ehe ist eine selten glückliche. Nur manchmal fällt ein dicker Wermutstropfeu in den Becher der Freude. (Auf die Schwiegermutter deutend): Dort drüben sitzt er!"

Silbenrätsel.

KM, ar, ar, bi, bor, ea, gli, ha, la, lieg, inen, mer, in er, nal, ne, nie, no, o, o, ritz, se, stro, su, ur.

AuS vorstehenden Silben und Buckistaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt iverbeii, daß die AniangS- und Endbuchstaben von oben nach umen geleien einen deulicven Dichter und eines seiner Werke bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Französisches Seebad.

3. Einen Waffenstapelplatz»

3. Weiblichen Vornamen.

4. Anhänger einer religiösen Sekte.

5; Eine Sunda-Jnsel.

6. Einen Vogel.

7. Operette von Johann Strauß.

8. Oeslerreichischer Dramatiker und Epiker.

Auslösung tu nächster Nummer. \

Auflösung des Anagramms in voriger Nummert Ruhr Uhr.

SiebaUton; E. Anderson. Rotationsdruck unt> Berka« de» Brühl'ichev Uniuctfnato Buch- und Skemdruckerek, R. Lange, Eich««.