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Wirket, so lange es Tag ist. I

Kommt von Maximilian Böttcher.,

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Friedheim schien verblüfft; schweigend zerrte er ein Weilchen an seineni buschigen Schnurrbart. T«ß schon seit Wochen eine Spannung zwischen Heinz und Isabella eingetreten war, hatte er wohl gemerkt, ohne sich doch weitere Sorgen darüber zu machen. Mein Gotz . . . auch die Verliebtesten mußten sich in ein­ander einleben. . . Tas ivar überall so, wie hätte cs hier, unter diesen schwierigen Verhältnissen, anders sein können? . . . Uber daß die Spannung jemals zu so gefährlicher Straffheit gedeihen würde, hätte er denn doch nicht für möglich gehalten. Ja ja, die verteufelte Eifersucht. .... Er hatte Isabella schon längst sagen wollen, daß sie sich den Forstmeister mehr vom Halse halten sollte. Aber wie in tausend anderen Tingen, glich sie auch darin ganz ihrer seligen Mutter. Tie hatte ihn, trotz dller Liebe, die sie für ihn empsundm, ost zur Verzweiflung gebracht durch ihr Flirten und Tändeln mit anderen Männern, das immer harmlos gewesen zu sein schien ein neckisches Spiel ihrer großen Gefallsucht.....

Gern hätte er ein begütigendes Wort zu Heinz gesprochen, denn er hatte ihn lieber gewonnen von Tag zu Tag und fühlte doppeltes Mitleid mit ihm, weil er feine Schmerzen zu würdigen wußte: aber was sollte er ihm sagen, in Werners Gegen­wart noch dazu?

Schließlich streckte er ihm herzlich die Hand hin.

Nun denn, falls wir uns vor meiner Abreise nicht mehr sehen sollten, leben Sie wohl. Aber vielleicht .... ich will die Hoffnung itod) nicht aufgeben .... vielleicht kommen Sie morgen doch noch auf ein Stündchen, nach Beendigung der Abendschule, die sich ja int Notfall auch wohl mal ein wenig abkürzjen läßt."

Am nächsten Morgen erhielt Heinz einen veilchenduftigen Brief von Isabella. Zanga, auf einem Maulesel reitend, brachte ihn.

Heinz! Noch einmal, zum letztenmal, bitte ich dich, komm. Laß nicht ohne Abschied von dir gehen

, Deine Isa."

Dennoch, ob sein Herz auch noch so stürmisch drängte, hätte et der Verlockung schwerlich Folge geleistet, wäre nicht Werner noch in die Abendschule gekommen, ihn um seine Heimbegleitung zu bitten, wie er nur zu bitten verstand: halb mit altklug- humoristischer Weltweisheit, halb mit einer so aus dem Innersten strömenden Zärtlichkeit, daß ein Widerstreben unmöglich war.

Als der Wagen, der die beiden ttach Fichtenwalde brachte, auf die Rampe rollte, stand Isabella, die Hand aufs Herz gepreßt, im Vestibül.Würde er kommen?" .... Tie angstvolle Span- nung nahm ihr saft den Atem, trieb ihr Trünentropfen aus den glühenden Augen.

Tank, tausend Dank," flüsterte sie dem Eintretenden zu und umklammerte seine Hand.

Nicht dort hinein," stieß sie hervor, als Heinz, nachdem er

Hilt und Mantel abgelegt, die Tür zu deit Gesellfchastsväumen öffnen wollte:Bannemann ist da. Ter Mensch ist von einer, Aufdringlichkeit wie eilt Geschäftsreisender. Er geht einfach nicht, bleibt auf seinem Platz, so daß mau ihn wohl oder übel zunt Abendessen bitten muß. Mag Papa sich noch ein Weilchen weitet mit ihm langweilen. Ich muß dich allein sprechen: und wert weiß, ob sich nachher noch Gelegenheit daizu findet." Und sie nötigte ihn in Werners Zim-mer.

Bist du mir böse?" fragte sie Heigz.

Weil ich dich so gequält habe in all der letzten Zeit . v s durch Gleichgültigkeit, häßliches Betragen und" ihre Stimme senkte sichdurch mein albernes Spiel ntil Bannemann."

Ich bin dir nicht böse", antwortete er;du bist nun eins mal, wie du bist. Rur fremd bist du mir geworden."

Isabella stieß einen Wehlaut aus; dann warf sie sich ihnt mit der heftigen Leidenschaftlichkeit, die ihm itichts Neues war, an seine Brust. Halb mit Lachen, halb mit Weinen stammelte sie, ihre weichen Hände fest um seinen Nacken schlingend:

Ach ... das ist ja nicht ivahr . . . das ist ja nicht wahr!"

Doch!" entgegnete et und versuchte vergeblich, sich auK ihrer Umarmung zu befreien.

Heinz!" rief sie, drohend und flehend,Heinz, sei gut zu mir. Heinz, mein Liebster, habe Mitleid mit mir. Ich ertrag das« Leben nicht, so nicht. Ich vergehe... ich fomme um meinen Verstand. Ich muß ein Recht an dich haben."

Tas Recht kannst du nur in dir tragen alles Aenßerliche ist Sdjein", gab er zurück.

Voll Hohnes lachte sie auf.

Tann ist das Licht der Sonne auch Schein und der Früh­ling und die Wärme, nach der wir uns sehnen. Tenn du du bist meine Sonne, mein Frühling, mein Licht", stammelte, sie, wieder in den Ton heißer Leidenschaftlichkeit verfallend, Ich komme mir vor tote eine Gefangene, die man mit ge­bundenen Händen eingekerkert hat. . . . Ich iv i l l so nicht wei­terleben . . . vor aller Augen will ich mich an deinen ArM hängen, dich ,bu und ,Liebfter' nennen vor aller Ohren. Ich will deine Braut sein. . . endlich. Tu sollst Vertrauen zst mir haben. Ich will nicht mehr um deine Küsse bettelst müssen. Ich tvill Anspruch haben ans deine Zärtlichkeit, die du mir immer versagst. Ich vergehe in Sehnsucht nach Liebe. Oft denke ich, ich möchte mich mit meinem Mund an deinen Mund hängen, dich küssen, bis kein Leben mehr in dir ist. Dich küssen, bis du tot bist. . . dir das Blut aus ben Adern, die Seele aus der Brust, trinken mit meinen Küssen. Sprich ein Wort, bitte mich, und ich reise morgen nicht. Laß mich nicht reisen, tticht mit Bannemann reifen. Er stellt mit nach, umgarnt mich, jagt mich unaufhörlich, läßt mir keine Ruhe. Und mein Herz, von Sehnsucht nach Liebe gequält, ist wie ein müde gehetzter Vogel, der nicht mehr weit fliegen kann, der Frieden finden muß, fo oder so. Schütze mich doch, Heinz, vor Banuemamt, vor mir selber."

Tränen starrte» ihr aus den Augen; sie gab Heinz frei,