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Wohin ist meine Glückseligkeit? Ein Stein lastet mir auf hem Herzen, denn Gesellschaften geben wir doch nur ein- oder zweimal im Jahre und simple Hausmannskost haben wir täglich.

Wie werde ich meinePerfekte" wieder los?.

* E i n e i u t e r e s s a n t e S a m m l u n g v o n l i t au­tsch e n S p r i ch w ö r t e r n, die ein Litauer, Lehrer Rezat, angelegt hat und die in anschaulichen prägnanten Sätzen und schlagenden Vergleichen Erfahrungen des Volkes zu­sammenfassen, wird von Dr. F. Tetzner veröffentlicht. Wir greifen aus der großen Zahl folgende Beispiele heraus: Schulden sind keine Wunden, heilen nicht zu. Je größer Trunkenbold, je größer Glück, je krummer Holz, je besser Mück'. Versprochen, aber dabei bleibts auch. Er­höret läuten, aber er weiß nicht, in welcher Kirche. Ver­schüttete Milch fressen alle Hunde. (Bgl. Was man erspart vom eignen Mund, das fressen Katz' und Hund.) Ein reifer Apfel fällt auch ohne Wind ab, ein grüner muß vom Wind abgeschlagen werden. Für Bosheit wird kein Geld gezahlt. Ein stiller Mund ist Gottes Gabe. Auf den letzten Sperling lauernd, kannst alle verlieren. Es ist nicht Zeit, den Hund zu füttern, wenn der Wolf im Dorfe ist. Der Topf lacht den Kessel aus und beide sind schwarz. Ein ungerechter Groschen verzehrt zehn andere. Langes Kleid, kurze Gedanken. Ein kleiner Erdhügel kippt einen großen Wagen um. Der Spreu fehlt nicht viel, sie schwimmt gleich nach oben. Das Flick muß größer sein als das Loch. Ein Stein, oft gerollt, bemoost nicht.

C.K. Ein blinder Tänzer. Jeden Abend erntet in 'einem Londoner Variete ein Negerpaar mit seinen Tänzen Und Gesängen frenetischen Beifall. Die Frau tritt dann vor und verbeugt sich lächelnd. Die klaren klugen Augen des Mannes blicken suchend und prüfend über die klatschenden Hände und er horcht auf den Lärm, aber er kann nichts Men, denn er ist blind. So prächtig und geschickt die Tänze Walkers und seiner Frau sind, sie werden doch erst bewunde­rungswürdig durch den Umstand, daß der Mann tanzt, wäh­rend tiefe lichtlose Dunkelheit ihn umhüllt. Vou Jugend 'auf lag eine ewige Tanzfreude in den flinken Beinen dieses Negers, der sich bald einen Ruf als geschickter Tänzer und lustiger Sänger erwarb. Da in Australien traf ihn plötzlich jein Schicksalsschlag, der ihm all sein Leben und all feine Freude zu vernichten schien; er wurde blind. Auf einmal wars ihm, als wenn alle Lichter im Theater jählings aus- aedreht wären und er ganz allein in tiefer Nacht auf der Bühne stände und aufhören sollte zu tanzen, was ihm Notwendiger schien als zu leben. Während er so in dem Dunkel feiner Verzweiflung grübelte und rang, so erzählen fenglische Blätter, da kam er auf den Einfall, von seiner plötzlichen Erblindung niemanden etwas zu sagen, denn wer würde noch etwas für einen blinden Mann geben? Er hatte ein Engagement nach London und während der Ueber- fahrt wußte er selbst seiner Frau seine Blindheit zu ver­bergen, so gut wußte er sich in dieser ewigen Nacht seiner Augen zurechtzufinden. Hatten doch seine Augen noch den gleichen Glanz wie früher, spielte doch noch immer das frische Lächeln um seine Lippen. Als er dann in London auftrat, Wußte seine Frau um das Geheimnis und sie half ihm, seine Blindheit bei seinem Auftreten zu verbergen. Wenn sie die Bühne betraten, führte sie ihn und raunte ihm auch Wohl sonst noch zu:Hier ist eine Stufe" oderNicht so weit zurück." Da er genau wußte, wie die Musiker im Orchester saßen, so konnte er aus den Klängen der Instrumente einen Rückschluß auf seine eigene Stellung auf der Bühne machen Und fand sich so zurecht. Schwieg das Orchester, so hielt er sich so unbeweglich wie möglich. Achtzehn Monate tanzte er und sang und lachte er in dem leuchtenden Saal vor der fröhlichen Menge, selbst ewig im Dunkel befangen. Dann erst kam «es heraus, daß er blind war, und es war ihm selbst die größte Ueberraschung, daß ein blinder Tänzer noch mehr Geld wert ist, als ein sehender. Nun bildet der blinde, ehr­würdig aussehende Tänzer die Sensation des Londoner Varistss.

* Staatlich pensionierte Räu b e r. Aus Kon­stantinopel wird uns berichtet: Die Briganten haben m der Türkei jetzt ihre guten Tage. So lange sie jung sind und kräftig, gehen sie ihrem lohnenden Beruf nach, terrorisieren die Gegend und erringen durch Fleiß und Umsicht eineu berühmten Namen. Das Volk leistet ihnen teils aus Be­wunderung, teils aus Furcht, Beistand und Unterschlupf, die Polizei hütet sich, mit den verwegenen Gesellen in allzu nahe Berührung zu kommen, sie beschränkt sich lieber auf eine nur theoretische Verfolgung und so können die Briganten im allgemeinen nicht übtzr schlechte Zeiten klagen: Mer schließlich kommt man in die Jahre, man wird alt und! gebrechlich, das Wanderleben und das Hernmklettern in den Bergen beschwerlich und die Sehnsucht erwacht nach einem geruhsamen Lebensabend. Nach einigem Hin- und« Herhandeln einigt sich der Brigant dann mit den Behör­den, er unterwirft sich, wird getreulich begnadigt, erhält die Erlaubnis, sich anzusiedeln und die Regierung zahlt ihm eine monatliche Pension aus, um den greisen Räuber vor Not zu schützen. Einer dieser Fälle hat sich jetzt wieder in Smyrna ereignet, wo der berüchtigte Wegelagerer Toa- itt Smyrna ereignet, wo der berüchtigte Wegelagerer Tcatiry sich angesiedelt hat und seine ordnungsgemäße Pension vom Staat bezieht. Allein Tcatiry ist eigentlich noch nichtpensionsberechtigt", er ist durchaus kein alter Mann, sondern noch arbeitsfähig, und! da er gleich mit einer Anzahl Genossen in Smyrna erschien, haben die Mächte bei der Pforte Vorstellungen erhoben, Tcatiry soll ein anderer Wohnsitz angewiesen werden, wo es ihm nicht so leicht wird, seinen Beruf wieder anf- zunehmen. Wenig bekannt ist der Fall Mahmud Pehliwan> der nicht allzuweit zurückliegt. Mahmud Pehliwan nahm es mit seinem Beruf sehr ernst und verübte in der nächsten Umgebung von Konstantinopel eine lange Reihe von Raub­anfällen, Erpressungen und Morden. Aber eines Tages tötete er unvorsichtigerweise einen Polizeibeamteu und da­mit war es mit der Eintracht mit den Behörden endgültig vorbei. Es gab eine heiße Jagd und Mahmud Pehliwan wurde schließlich erwischt. Man schleppte ihn nach Kon- stantinopel und stellte ihn vor Gericht, aber nach einer Sitz­ung des Kriminalgerichts, als man ihn im Gefangenen­wagen zum Kerker zurückbringen wollte, sprang er plötzlich auf den Bock, schlug den Kutscher nieder und jagte im Ga­lopp davon. In einer abgelegenen Gasse überließ er Pferd und Wagen ihrem Schicksal und entfloh. Er nahm seinen alten Beruf wieder auf, aber schließlich ward auch er des Handwerks müde und er reichte ein Gnadengesuch ein. Prompt wurde es ihm gewährt und er erhielt eine Stelle im Palast, die er wahrscheinlich noch heute versieht.

Goldene Worte.

Frei will ich sei» im Denken und Dichten, Handeln schränkt die Welt genug uns ein.

AusTasso".

Pfleg' ja den Körper mit der Seele, Daß er den Geist dir nicht bestehle.

Voin ersten Eindruck oit wird unser Sinn betört, Das Treffliche gefällt, tvemt man's auch zehnmal hört.

Wer einmal lügt, muß ost zu lügen sich bequeme», Denn sieben Lüge» brauchts, Ut» eine z» beschöne».

Silbenrätsel.

a, bin, bmg, cag, chi. den, die, e, gen, gen», hall, ham, in, ca, lo, mas, mow, na, ni, ni. ni no pol, rach, re, renz, rous, ssau, so, ster, tar, ti,, u.

1. Ein Komponist. 2. Eine Stadt. 8. Eine Stadt. 4. Eine r «ndt.

5. Ein General. 6. Ein Slädtche». 7. Ein Vorname. 8. Eine Stadt. 9. Ein Komponist. 10. Ein Nagetier. 11. Ei» Schloß.

12. Ei» Philosoph.

Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die End­buchstaben von unten nach oben gelesen ergebe» je emen berühmten Alan».

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Meer, Messer.

Redaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.