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einem ekelhaften Getränk zu überiviudcU, daß er, ohne zu zucken, in den Zellenwagen gestiegen war bei diesem allem war nichts geradezu außerordentliches, wenn ein Mann im Spiel war, der mit starkem Willen begabt war, und dessen Energie die drohende Gefahr und die Hoffnung auf Rettung verzehnfachen mußte. Mer würde er dieselbe Selbstbeherrschung bewahren gegenüber den er­niedrigenden Formalitäten bei der Einlieferung ins Untersuchungs­gefängnis, Formalitäten, die in gewissen Fallen zu den em­pörendsten Verletzungen des Schamgefühls Iverden können, ja müssen? Nein, Lecoq konnte dies nicht annehnren.

Nach langer Fahrt passierte endlich der schwere Wagen den Torbogen der Polizeipräfektur und hielt mitten in einem engen und finsteren Hof. Schon war Lceoq abgesprungen. Er öffnete die Tür der Zelle, worin der Mörder eingeschlosfen Ivar, indem er zu ihm sagte:

Wir sind da. Steigen Sie aus!

Es war keine Gefahr vorhanden, daß der Mörder entflöhe. Ein Gitter war hinter dem Margen wieder geschlossen worden, außer­dem waren mindestens ein Dutzend Gefängniswärter und Polizisten neugierig herangetreten, um zu sehen, was für Gesindel in der Nacht eingebracht wäre.

Sowie die Zelle aufgeschlossen war, kletterte der Mörder leichtfiißig heraus. Sein Gesichtsausdruck war abermals ein an­derer geworden. Es lag darin nur noch die vollständige Gleich­gültigkeit eines Menschen, der schon ganz andere Prüfungen durch­gemacht hat. Ms sein Fuß das grünschwarze Pflaster des Hofes betrat, schien der Mann ein gewisses Wohlbehagen zu empfinden. Er sog mit vollen Lungen die Luft ein, daun schüttelte er sich kräftig, um die in der engen Zelle desSakatkorbes" steisgewor- denen Glieder Wiede« elastisch zu machen.

Tann sah er sich um, und ein kaum wahrnehmbares Lächeln stieg auf seine Lippen. Man hätte darauf schwören mögen, der Ort loüfe ihm nicht fremd, er hätte diese roten geschwärzten Hausermauern, diese vergitterten Fenster, die dicken Türen, die Riegel, kurz den ganzen trübseligen Gefäugnisäpparat schon ge­kannt.

Mein Gott! dachte Lecoq aufgeregt. Sollte er hier bekannt sein?

Seine Unruhe verdoppelte sich, als er sah, wie der Mann, ohne ein Wort, ein Zeichen abzuwarten, auf eine der fünf oder sechs Türen zuschritt, die nach dem Hofe führten. Er ging ge­raden Wegs auf diejenige los, durch die er in der Tat eintreten mußte. War das ein Zufall?

Es kam über immer merkivürdiger: nachdem der Mörder einen ziemlich dunkeln Korridor durchschritten hatte, wandte er sich gerade aus, bog dann nach links um die Ecke, ging durch das Wärterzimmer und trat in das Protokollzimmcr ein alles ohne tzu zögern, wie ein alte« Gewohnheitsverbrecher, einRetour­pferd", wie man in der! Rue de Jerusalem' sagt.

Lecoq fühlte, wie ein kalter Schweiß ihn: übe« den Rücken rieselte.

Der Mann, dachte er bei sich, ist schon hier gewesen; er weiß hier Bescheid.

Tas Protokollzimmer war ein ziemlich großer Saal, von zu Reinen Fenstern mit verstaubten Scheiben schlecht erleuchtet, Bei: einem eisernen Ofen übermäßig erwärmt.

Der Sekretär saß an seinem Pult und las in einer über das Wnlieferungsregister gebreiteten Zeitung. Drei oder vier Wärter saßen halbliegend auf Holzbänken. Diese Bänke, zwei Tische, ein paar schlechte Stühle bildeten die ganze Einrichtung.

Als der Mörder und Lecoq cintraten, sah der Sekretär auf und sagte: i

Aha! der Wagen ist angekomMei,

Ja, antwortete der junge Polizist, und einen der von Herrn d'Escorval unterzeichneten Befehle hinreichend, setzte er hinzu: Da find die Papiere des' Burschen hier.

Der Sekretär nahen das Papier, las cs und zitterte.

Oh! rief er dann. Ein dreifacher Mord! Oh! Oh!

Der Angeschuldigte stieg augenscheinlich in seiner Achtung. Tas war kein gewöhnlicher Gefangener, kein gemeiner Vagabund oder schäbiger Spitzbube.

Der Untersuchungsrichter befiehlt, den Mann in eine Einzel­zelle zu setzen, fuhr der Sekretär fort; auch müfsen ihm Neider gegeben Iverden, da die seinigen als Beweisstücke dienen sollen. Es soll schnell jemand dein Herrn Direktor Bescheid sagen; die andern Leute, die der Wagen gebracht hat, mögen warten. Ich werde inzwischen den Burschen nach allen Regeln ins Protokoll ein- Iragen.

Der Direktor war ganz in der Nähe und trat bald ins Zimmer. Der Sekretär hatte ein Register zur Eintragung fertig» gemacht und fragte den Ingefchuldigten:

Ihr Name?

Mai.

Ihre Vornamen?

Ich habe keine.

Was? Sie habet: keine Vornamen?

Der Mörder schien zu überlegen; dann sagte er mürrisch:

Es ist besser, ich sage Ihnen gleich, daß Sie sich mit Fragen keine Mühe geben; ich werde nur dem Richter antworten. Sie möchten mir eine FaRe legen, nicht wahr? Sehr freundlich! Mer ich kenne das! <

Bedenken Sie, warf der Direktor ein, daß Sic Ihre Lage verschlimmern!

Ganz und gar nicht! ... Ich bin unschuldig; Sic wollen; mich überrumpeln, ich verteidige mich. Ziehen Sie inir meinet­wegen jetzt die Worte aus dem Bauch, wenn Äe können! Mer Sie täten besser, mir mein Geld wiederzugeben, das man mir auf der Wache aügcnomMen hat. 136 Franken und acht Sous! Ich werde sie brauchen, wenn ich hier loskonnne. Ich verlange, daß man sie ins Protokoll einträgt. Wo sind sie?

Das Geld war nebst den anderen Sachen, die dem Ge­fangenen abgenommen waren, von dem Wachtmeister an Lecoq abgeliefert Wochen. Er legte alles miteinander auf einen Tisch und sagte: Hier sind Ihre 136 Franken acht Sous, außerdem Ihr Messer, Ihr Taschentuch und vier Zigarren.

Tie lebhafteste Befriedigung spiegelte sich auf den Zügen des Mörders.

Wollen Sie jetzt antworten? begann de« Sekretär von neuem. Mer der Direktor hatte begriffen, daß es nutzlos sei, in den Mann zu dringen; er winkte dem Sekretär zu, er solle stille sein und befahl dem Angeschuldigten:

Ziehen Sie Ihre Stiefel aus.

Wozu? fragte dieser.

Für die Messung, antwortete der Sekretär, ich muß Ihre Körpergröße eintragen.

Der Minder antwortete nicht, sondern setzte sich und zog seine plumpen Lederstiefel aus. Er ging barfuß in denselben.

Sie ziehen sich also nur Sonntags Ihre Schuhe an? fragte Lecoq ihn.

Woran sehen Sie das?

Na, an den: Schurutz, woinit Ihre Füße bis zum Knöchel bedeckt find.

Und wenn schon! sagte der Mann im frechsten Ton. Ist cs denn ein Verbrechen, wenn man keine Füße hat, wie eine Marquise?

Dieses Verbrechen könnte man Jhi:en jedenfalls nicht vor­werfen, sagte der junge Polizist langsam. Denken Sie denn, ich sehe nicht trotz den: Schmutz, wie weiß und fein Ihre Füße find? Die Nägel sind gut gepflegt und mit der Feile geglättet.

(Fortsetzung folgt.!

Zcheffel als Maler.

Anknüpfend an die beiden Aeußerungen Scheffels an Ignaz Huber, bald nach dem Erscheinen des Ekkehard:Nach, Raturanlage und Neigung hätte ich Maler werden sollen", und an seinen Vetter, den Komponisten Heim, 1878:Ms Gegengruß schicke ich zwei Zeichnungen von 1852. Hütte ich damals nicht aus Italien zurück müssen, so wäre ich jetzt ein tüchtiger Landschaftsmaler", spricht Ernst Boerschel int Daheim" über Scheffel als Maler.

Mau muß Scheffels Wesen kennen, das Rückschauende, Vergleichende in ihm, um diesen Stimmnngstoi: recht zu begreifen. Er hat oftmals in seiner grünen Mansarden­stube in der Stephanienstraße zu Karlsruhe gesessen und den Erfolg seines Lebens nach allen Richtungen hin ab-, geschätzt,ähnlich einem Handelsmann, der seine Rechnungs­bücher abschließt". Wenn er dann immer wieder an die glückliche Zeit in Italien dachte, da er mit dem Malkasten und in unbesorgter Laune durch die Campagna schritt, wenn er ferner die Wanderungen überschaute, die ihn fast über jeden Steg seines schönen badischen Heimatlandes geführt hatten, so gehörte bei seiner fröhlichen Aufnahmefähigkeit für die Natur der Malertrieb wie von selbst zu ihm. Wir kennen die wundervollen, den Scheffelschen Stil merklich beflügelnden .Naturschilderungen imEkkehard", wir fühlen uns ergriffen von den Elegien derFrau Aventiure", in denen er uns Naturstimmungen von keuschestem Reize malt: wir verstehen es, daß auch der Zeichenstist der Feder Nach­eilen will. Das Gejühl kam ganz von innen heraus und!