Zamttag dm 6-
1908 — M. 88
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Pfingstgrutz!
Nun laßt der Sorgen letzten Rest Hinaus in alle Winde fliegen: Das lieblichste, das froh'ste Fest Kommt lächelnd heut' heraufgestiegen! Wie Mägdelein in lichtem Kleid ilnd grünem Kranz, steh'n doll Verlangen An allen Pforten, weit und breit, Die Maien schon, es zu empfangen! . . .
Der Teppich, den die Sonne wob. Lockt farbig leuchtend uns zur Halde. . . Die Lerche jauchzt des Schöpfers Lob! . . . Von Lenzfanfaren schallt's im Walde! Des Vvlkleins letzter, der Pirol Selbst kam nun heim vom fernen Borde And schmettert mifs Geratemohl Sein Schelmenlied in die Akkorde! ...
Wie Märchenflüstern raunt und rauscht Es durch die Wipfel, stolz und edel, . . . Das Reh am klaren Waldbach lauscht, In Träumen stehn die Farnenwedel. . . Und sehnsuchtssüßer' Lenzeshauch Weckt immer neue Lebensfülle: Da sprengt zuletzt die Rose auch Boll Lust des Kelches strenge Hülle!
Symbol der Liebe, sei gegrüßt, Du bist das rechte Himmelszeichen! Wo bii in keuscher Glut erglühst, Muß Groll und Hader bald entweichen! Du kündest stumm und doch beredt Der Liebe hehre Tröstersendung, Und wenn dein Duft die Welt durchweht, Ahnt sie die Tage der Vollendung!
Die Tage, da der alte Zwist Nicht jäh mehr sträubt die Löwenmähne, Nicht mehr der Pharisäer List Ausstreut des Hasses Drachenzähne! . . . Und ob noch fern ihr goldner Schein, Noch ivird des Kampfes Wogen schäumen: Laßt Pfingsten uns der Hoffnung weih'n Und von der Zukunft Rosen träumen! . . .
| Drei Pfingsten.
Von Hermann S e y f f e r t.
(Nachdruck verboten.)
„Ani heil'aen PfingstfesUnorgen, Bei Festesglockenklang, Bei Sonnenschein und Blumen, Bei lust'ger Vöglein Sang — Da schwang mit Himmelszauber Die Lieb es fee den Stab Und schwor aus sel'gen Welten Das Glück auf uns herab. .
. Der heilige Abend des Sommerfestes senkte sich mit ' feine» lichtdurchtränkteu Dämmerschatten ans die lustfrohe, jubilierende Welt. Die Sonne mit ihrer lebenweckende,r Strahlenglut hatte nun auch das letzte Blatt und Blüten- knospchen erschlossen, das grüne und buntglitzernde Feier-- kleid der Natur war fertig, und nun durfte die göttliche ; ^Nersterln zur Ruhe gehen, langsam, fast unmerklich schei- dend, mit goldigem Gruß die Erde überlächelnd.'
l „Morgen in aller Frühe bin ich wieder da, mit leuchten- • dem Prangen und herrlicher Freude, dann ist Pfingsten, i U)r Menschenkinder, das liebliche, wunderselige Fest der ■ -Ausgießung des heiligen Geistes in eure Herzen,, das : Lwiumphfest der geschmückten Natur. -Und ihr alle werdet ' Aminen zu Paaren und in Scharen, geschmückt mit Rosen unb Maien, und tanzen, jauchzen und frohlocken: O schöne
. Psingstenzeit!"
„Und die Felder und Wälder verstanden diesen Sonnen- - uß, daß sie blühen sollten zum Fest so schön sie nur immer unten, und )o berauschend duften, wie die Milliarden ckutenbuschel es nur vermochten; und auch die lustigen rillen und die gefiederten Sänger wußten schon, daß
,ur morgen und auch für den nächsten Tag noch galt, -n- den feinen Flüglein und den süßen Kehlen eine Fest- ; nuijik zu machen.
Und als nun die Dämmerung immer goldiger ward :d der saphirblaue Himmel allmählich ermattete mit seiner ollen Farbe, als die zwitschernden Schwalben in ellip- sichen Bogen ihren Flug erhoben, die Häuser umkreisten und so scyalkhaft pfeilschnell an den geöffneten Fenstern rorbeischwirrten. . . als die Stimmung des Pfingstfeier. oends herniederflutete aus überirdischen Auen/ ungesehen, oer empfunden von jeglichem Geschöpf... als dann die -locken anfingen zu läuten, so großartig in ihrer metallenen marmorne, so seltsam friedenweich tönend und hallend . . . a standen fie Beide hinter der weißen Mnllgardine, welche . bciS, Erkerfensterchen da im Eckhaus am Markt so lauschig i verhüllt... eng umschlungen, Brust an Brust und Mund ; auf Mund.
i Sie hatten den ersten langen Liebeskuß getauscht, und als nun von allen Türmen gleiehsain auch ihnen zur Weihe des jungen, überselig geschlossenen Herzensbnndes


